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NOTE
Podcast: Raumzeit
Episode: RZ038 Alpha-Magnet-Spektrometer
Publishing Date: 2012-06-01T15:18:03+02:00
Podcast URL: https://raumzeit-podcast.de
Episode URL: https://raumzeit-podcast.de/2012/06/01/rz038-alpha-magnet-spektrometer/

00:00:42.111 --> 00:00:46.111
<v Tim Pritlove>Herzlich Willkommen zu Raumzeit, dem Podcast von ESA und DLR.

00:00:46.271 --> 00:00:49.951
<v Tim Pritlove>Mein Name ist Tim Prittlaff und ich begrüße alle zur 38.

00:00:50.511 --> 00:00:52.191
<v Tim Pritlove>Ausgabe unserer Gesprächsserie.

00:00:52.811 --> 00:01:01.591
<v Tim Pritlove>Heute hat mich der Weg nach Aachen geführt und ganz anders als das hier in allen anderen,

00:01:01.891 --> 00:01:04.291
<v Tim Pritlove>oder zumindest in den meisten anderen Sendungen der Fall ist,

00:01:04.331 --> 00:01:09.291
<v Tim Pritlove>befinde ich mich diesmal weder an einem Standort der ESA noch des DLR,

00:01:09.291 --> 00:01:12.971
<v Tim Pritlove>sondern der Weg hat mich geführt zum RWTH,

00:01:13.211 --> 00:01:20.131
<v Tim Pritlove>der Universität in Aachen und dort ganz konkret zum Lehrstuhl der Physik.

00:01:20.211 --> 00:01:22.831
<v Tim Pritlove>War das die richtige Bezeichnung? Ich werde es gleich erfahren,

00:01:23.091 --> 00:01:24.251
<v Tim Pritlove>denn mein Gesprächspartner ist Dr.

00:01:24.411 --> 00:01:28.031
<v Tim Pritlove>Stefan Scheel. Schönen guten Tag, hallo, willkommen zu Raumzeit.

00:01:28.331 --> 00:01:28.651
<v Stefan Schael>Hallo.

00:01:29.831 --> 00:01:33.391
<v Tim Pritlove>Wie ist denn die korrekte Bezeichnung? Ich habe ganz vergessen nachzuschlagen.

00:01:33.391 --> 00:01:39.431
<v Stefan Schael>Also korrekte Bezeichnung ist, Sie sind im ersten physikalischen Institut der RWTH Aachen gelandet.

00:01:39.851 --> 00:01:41.151
<v Tim Pritlove>Wie gibt es denn noch?

00:01:41.551 --> 00:01:47.791
<v Stefan Schael>Lehrstuhl für Experimentalphysik. Es gibt drei Institute für Experimentalphysik an der RWTH Aachen.

00:01:47.911 --> 00:01:52.511
<v Stefan Schael>Es ist einer der größten Standorte in Deutschland, an der Physikforschung gemacht

00:01:52.511 --> 00:01:54.811
<v Stefan Schael>wird und natürlich auch Ausbildung.

00:01:55.071 --> 00:02:00.771
<v Stefan Schael>Wir haben etwa 1000 Physikstudenten an der RWTH Aachen, die wir ausbilden.

00:02:00.771 --> 00:02:05.171
<v Stefan Schael>Und neben den experimentellen Instituten gibt es natürlich auch noch Lehrstühle

00:02:05.171 --> 00:02:07.611
<v Stefan Schael>für Theoretische Physik.

00:02:08.071 --> 00:02:11.691
<v Stefan Schael>Und dann rüber hinaus haben wir noch eine enge Zusammenarbeit in der Physik

00:02:11.691 --> 00:02:12.931
<v Stefan Schael>mit dem Forschungszentrum Jülich.

00:02:13.111 --> 00:02:17.751
<v Stefan Schael>Also es gibt vielfältige Möglichkeiten hier in der Physik zu studieren und zu forschen.

00:02:17.991 --> 00:02:21.551
<v Tim Pritlove>Das heißt Physik hat auch generell für die Universität eine große Bedeutung.

00:02:21.951 --> 00:02:25.991
<v Stefan Schael>Das hat die Physik sicherlich. Zum einen ist es natürlich so,

00:02:26.031 --> 00:02:32.071
<v Stefan Schael>dass wir in Aachen insbesondere in den Ingenieurwissenschaften eine der führenden

00:02:32.071 --> 00:02:34.231
<v Stefan Schael>Universitäten in Europa sind und weltweit.

00:02:34.511 --> 00:02:38.891
<v Stefan Schael>Und die Physikausbildung ist natürlich ein zentraler Punkt in der Ingenieurausbildung.

00:02:39.949 --> 00:02:43.969
<v Stefan Schael>Darüber hinaus hat sich die RWTH Aachen im Rahmen der Exzellenzinitiative der

00:02:43.969 --> 00:02:48.729
<v Stefan Schael>Bundesregierung vorgenommen, insbesondere auf dem Gebiet der Naturwissenschaften

00:02:48.729 --> 00:02:50.809
<v Stefan Schael>an die führenden Universitäten Anschluss zu finden.

00:02:50.889 --> 00:02:55.029
<v Stefan Schael>Denn wir haben gesehen, dass wenn man also Universitäten wie ETH Zürich oder

00:02:55.029 --> 00:02:59.589
<v Stefan Schael>MIT mit Aachen vergleicht, dass dann im Wesentlichen der Unterschied ist,

00:02:59.669 --> 00:03:02.509
<v Stefan Schael>dass wir in den Naturwissenschaften nicht konkurrenzfähig sind.

00:03:02.609 --> 00:03:05.309
<v Stefan Schael>Und zwar nicht, weil wir nicht gut genug sind, sondern weil wir nicht groß genug sind.

00:03:06.029 --> 00:03:08.929
<v Stefan Schael>Das heißt, es ist eine Frage, wie man Ressourcen verteilt und wir haben die

00:03:08.929 --> 00:03:12.469
<v Stefan Schael>Mittel aus der Exzellenzinitiative massiv genutzt, um die Naturwissenschaften

00:03:12.469 --> 00:03:17.169
<v Stefan Schael>auszubauen und haben das auch für die nächste Runde der Exzellenzinitiative so vorgeschlagen.

00:03:17.329 --> 00:03:20.709
<v Stefan Schael>Das ist allerdings noch nicht entschieden. Die Entscheidung fällt am 15. Juni.

00:03:21.289 --> 00:03:26.629
<v Stefan Schael>Dann werden wir sehen, ob RWTH Aachen weiter zu den neuen exzellenten Universitäten

00:03:26.629 --> 00:03:28.329
<v Stefan Schael>in Deutschland gehört, wie bisher auch.

00:03:29.529 --> 00:03:32.949
<v Tim Pritlove>Ja, jetzt ist gerade der Mai 2012.

00:03:33.129 --> 00:03:36.669
<v Tim Pritlove>Vielleicht auch mal ganz wertvoll hier zu sagen, wann wir die Aufnahme denn

00:03:36.669 --> 00:03:39.789
<v Tim Pritlove>machen. Auf der Webseite vermerken wir es ohnehin immer wieder.

00:03:40.389 --> 00:03:44.609
<v Tim Pritlove>Ja, warum bin ich jetzt hierher gekommen? Letzten Endes dreht es sich ja bei

00:03:44.609 --> 00:03:48.109
<v Tim Pritlove>Raumzeit vor allem um ein Format, was sich der Raumfahrt widmet.

00:03:48.109 --> 00:03:56.689
<v Tim Pritlove>Hier an diesem Institut wurde ein ganz konkretes Experiment entwickelt und was

00:03:56.689 --> 00:04:01.869
<v Tim Pritlove>jetzt bereits im Einsatz ist und zum Einsatz gekommen ist auf der ISS,

00:04:02.249 --> 00:04:04.149
<v Tim Pritlove>allerdings ist die Geschichte ja auch noch ein bisschen länger.

00:04:04.149 --> 00:04:09.089
<v Tim Pritlove>Konkret möchten wir hier reden über das Alpha-Magnet-Spektrometer und die damit

00:04:09.089 --> 00:04:12.629
<v Tim Pritlove>verbundene wissenschaftlichen Fragestellungen.

00:04:13.709 --> 00:04:17.629
<v Tim Pritlove>Was sind denn diese wissenschaftlichen Fragestellungen, die einen in diesen

00:04:17.629 --> 00:04:19.289
<v Tim Pritlove>Bereich hineintreiben?

00:04:20.529 --> 00:04:25.389
<v Stefan Schael>Also die Physik gegenwärtig, wenn man sich das nicht jetzt von der Anwendungsseite

00:04:25.389 --> 00:04:27.549
<v Stefan Schael>anguckt, sondern von der Grundlagenforschung anguckt,

00:04:28.647 --> 00:04:32.547
<v Stefan Schael>Hat einige Schwierigkeiten, was vielleicht viele zu überraschen wird,

00:04:32.687 --> 00:04:35.287
<v Stefan Schael>denn wir benutzen die Physik ja auch im Alltag.

00:04:36.107 --> 00:04:41.127
<v Stefan Schael>Aber von der Grundlagenforschung her haben wir eigentlich seit etwa 100 Jahren

00:04:41.127 --> 00:04:44.147
<v Stefan Schael>das Dilemma, dass die Überlegungen, die Heisenberg,

00:04:44.287 --> 00:04:54.147
<v Stefan Schael>Dirac, Pauli angestellt haben zur Quantenmechanik, sich nicht vertragen mit den Überlegungen,

00:04:54.187 --> 00:04:58.987
<v Stefan Schael>die Albert Einstein zur allgemeinen Relativitätstheorie, zur Wechselwirkung

00:04:58.987 --> 00:05:00.567
<v Stefan Schael>der Gravitation angestellt haben.

00:05:00.847 --> 00:05:04.447
<v Stefan Schael>Das heißt konkret, es gibt Bereiche im Universum, wo unsere Physik nicht funktioniert.

00:05:04.887 --> 00:05:09.487
<v Tim Pritlove>Also wo unser bisheriges Modell von wie alles zusammenhängt nicht funktioniert.

00:05:09.527 --> 00:05:12.827
<v Stefan Schael>Richtig, also wir müssen ja unterscheiden zwischen Realität und dem,

00:05:12.847 --> 00:05:14.067
<v Stefan Schael>was wir im Modell beschreiben.

00:05:14.247 --> 00:05:17.567
<v Stefan Schael>Also die Physik erhebt nicht den Anspruch, dass sie die Realität beschreibt,

00:05:17.567 --> 00:05:22.687
<v Stefan Schael>sondern nur, dass wir ein Modell liefern, was es uns erlaubt in vielen Fällen Vorhersagen zu machen.

00:05:22.807 --> 00:05:25.567
<v Stefan Schael>Denn das ist ja eigentlich die Aufgabe der Physik. Sie wollen Physik benutzen,

00:05:25.567 --> 00:05:29.227
<v Stefan Schael>um bestimmte Prozesse zu verstehen und dann Vorhersagen zu können.

00:05:29.367 --> 00:05:32.947
<v Stefan Schael>Also bei einem Verbrennungsmotor, ich muss den Brennraum so und so auslegen,

00:05:33.067 --> 00:05:36.907
<v Stefan Schael>weil die thermodynamischen Prozesse, die da ablaufen, auf der und der Basis

00:05:36.907 --> 00:05:38.407
<v Stefan Schael>funktionieren, um ein Beispiel zu sagen.

00:05:40.207 --> 00:05:43.827
<v Stefan Schael>Und die Physik hat eigentlich den Anspruch, dass sie sämtliche Phänomene in

00:05:43.827 --> 00:05:44.767
<v Stefan Schael>der Natur beschreiben kann.

00:05:46.224 --> 00:05:51.304
<v Stefan Schael>Und wir haben wiederholt gemerkt, dass wir dazu nicht in der Lage sind.

00:05:51.924 --> 00:05:56.284
<v Stefan Schael>Jetzt werden viele sagen, wenn das in einigen Situationen nicht funktioniert,

00:05:56.384 --> 00:05:57.444
<v Stefan Schael>warum beunruhigt euch das so?

00:05:57.924 --> 00:06:01.844
<v Stefan Schael>Und das kann man am besten verstehen, wenn man sich da eine Analogie anguckt.

00:06:02.924 --> 00:06:07.924
<v Stefan Schael>Vor etwas mehr als 100 Jahren hat Max Planck sich gefragt, ob er Physik studieren soll.

00:06:08.704 --> 00:06:11.784
<v Stefan Schael>Und ist an die Uni gegangen, hat mit einem Physikprofessor geredet.

00:06:11.784 --> 00:06:14.024
<v Stefan Schael>Und der Physikprofessor hat gesagt, das lohnt sich eigentlich nicht.

00:06:14.084 --> 00:06:17.284
<v Stefan Schael>Die Physik ist abgeschlossen. Es gibt noch ein paar kleine Bereiche,

00:06:17.304 --> 00:06:21.164
<v Stefan Schael>wo wir das nicht verstehen, aber die sind so peripher, das lohnt sich eigentlich nicht.

00:06:21.824 --> 00:06:22.724
<v Tim Pritlove>Vor 100 Jahren.

00:06:22.944 --> 00:06:24.284
<v Stefan Schael>Vor etwas über 100 Jahren.

00:06:24.424 --> 00:06:24.684
<v Tim Pritlove>Ja.

00:06:26.344 --> 00:06:29.204
<v Stefan Schael>Max Planck hat dann natürlich doch Physik studiert, wie wir heute wissen.

00:06:30.204 --> 00:06:32.464
<v Stefan Schael>Und er hat sich mit einem Bereich in der Physik beschäftigt,

00:06:32.464 --> 00:06:36.884
<v Stefan Schael>der völlig an der Peripherie liegt und wo überhaupt nicht klar ist,

00:06:36.984 --> 00:06:40.184
<v Stefan Schael>dass die Beschäftigung damit wirklich den Durchbruch in der Physik bringt.

00:06:40.304 --> 00:06:43.064
<v Stefan Schael>Er hat sich mit der Wärmestrahlung eines schwarzen Körpers beschäftigt.

00:06:43.644 --> 00:06:47.304
<v Stefan Schael>Und die Modelle, die man damals hatte, haben das nicht vernünftig beschreiben können.

00:06:48.044 --> 00:06:51.084
<v Stefan Schael>Und Planck hat erkannt, dass die einzige Möglichkeit, das zu beschreiben,

00:06:51.124 --> 00:06:54.764
<v Stefan Schael>ist, dass er also das, was wir heute Planck'sches Wirkungsquantum einführen,

00:06:55.244 --> 00:07:00.844
<v Stefan Schael>dass er also die Energie quantisiert, wie wir sagen, und damit die Grundlagen

00:07:00.844 --> 00:07:02.284
<v Stefan Schael>für die Quantenmechanik gelegt hat.

00:07:02.864 --> 00:07:07.424
<v Stefan Schael>Und wenn Sie sich heute unsere Welt angucken, also auf dieser Erkenntnis beruht

00:07:07.424 --> 00:07:12.024
<v Stefan Schael>unser Verständnis, wie Solarzellen funktionieren, wie ein Transistor funktioniert,

00:07:12.024 --> 00:07:13.204
<v Stefan Schael>Wie ein Computer funktioniert.

00:07:13.924 --> 00:07:19.944
<v Stefan Schael>Das heißt, wenn Sie sich angucken, was sind heute die börsennotierten Unternehmen mit dem höchsten Wert?

00:07:20.584 --> 00:07:23.504
<v Stefan Schael>Apple, Google, Facebook, Amazon.

00:07:23.624 --> 00:07:25.184
<v Tim Pritlove>Ebay.

00:07:26.104 --> 00:07:30.964
<v Stefan Schael>Das heißt, 100 Jahre später, unser gesamter Wohlstand beruht auf diesen Arbeiten

00:07:30.964 --> 00:07:32.204
<v Stefan Schael>in der Grundlagenforschung.

00:07:33.384 --> 00:07:37.484
<v Stefan Schael>Und das heißt, für die Physik war es und ist es ein erfolgreiches Modell,

00:07:37.484 --> 00:07:41.644
<v Stefan Schael>versuchen zu verstehen, Beispiele zu finden, wo die physikalischen Theorien,

00:07:41.704 --> 00:07:44.024
<v Stefan Schael>die wir heute haben, nicht funktionieren.

00:07:44.384 --> 00:07:49.084
<v Stefan Schael>Also Popper hat uns gelehrt, wir können nie eine physikalische Theorie beweisen,

00:07:49.204 --> 00:07:51.304
<v Stefan Schael>wir können sie immer nur widerlegen.

00:07:51.444 --> 00:07:54.704
<v Stefan Schael>Das heißt also, um das einfach zu sagen, die Beobachtung von noch so vielen

00:07:54.704 --> 00:07:58.824
<v Stefan Schael>weißen Schwänen berechtigt nicht zu der Aussage, dass alle Schwäne weiß sind.

00:08:00.204 --> 00:08:05.684
<v Stefan Schael>Die Physik versucht unendlich viele Phänomene zu beschreiben Also wir sagen

00:08:05.684 --> 00:08:09.264
<v Stefan Schael>nicht, das gilt nur für die fünf Atome die wir uns angucken,

00:08:09.384 --> 00:08:11.864
<v Stefan Schael>sondern wir sagen, das gilt für alle Atome im Universum Das heißt,

00:08:11.864 --> 00:08:13.564
<v Stefan Schael>wir können nie beweisen, dass das richtig ist,

00:08:14.404 --> 00:08:17.884
<v Stefan Schael>Aber wenn wir ein einziges Atom finden, für das das nicht funktioniert wie wir

00:08:17.884 --> 00:08:21.184
<v Stefan Schael>das vorhersagen, dann wissen wir, dass unsere Theorie nicht in Ordnung ist und

00:08:21.184 --> 00:08:25.444
<v Stefan Schael>dann ist das normalerweise ein Hinweis darauf dass es einen Themenkomplex gibt,

00:08:25.664 --> 00:08:30.004
<v Stefan Schael>mit dem wir uns besser auseinandersetzen wenn wir Fortschritt haben wollen.

00:08:30.104 --> 00:08:33.124
<v Tim Pritlove>Ist das nicht hochgradig frustrierend, wenn man weiß, dass man eigentlich nie

00:08:33.124 --> 00:08:34.224
<v Tim Pritlove>irgendwas beweisen kann?

00:08:35.384 --> 00:08:39.164
<v Stefan Schael>Das ist immer die Frage, welchen Anspruch man hat. Also ich bin sehr damit zufrieden,

00:08:39.184 --> 00:08:43.624
<v Stefan Schael>dass wir Modelle entwickeln, die, es ist schwierig zu sagen,

00:08:43.684 --> 00:08:47.324
<v Stefan Schael>welchen Bruchteil des Universums, aber wenn Sie sich unsere Zivilisation angucken,

00:08:47.404 --> 00:08:49.484
<v Stefan Schael>unseren Wohlstand angucken, dann stellen Sie fest,

00:08:49.644 --> 00:08:53.484
<v Stefan Schael>dass wir das recht erfolgreich machen seit einigen hundert Jahren.

00:08:53.624 --> 00:08:57.544
<v Stefan Schael>Also seitdem wir ernsthaft seit Galileo Newton angefangen haben,

00:08:57.544 --> 00:08:59.704
<v Stefan Schael>Wissenschaft zu machen, dass wir das recht erfolgreich machen.

00:08:59.904 --> 00:09:07.424
<v Stefan Schael>Also die ganzen Sachen, an die sie heute gewöhnt sind, ob das Laser oder Navigationssystem

00:09:07.424 --> 00:09:09.324
<v Stefan Schael>ist, können nehmen, was sie wollen.

00:09:10.264 --> 00:09:13.264
<v Stefan Schael>Können sie ohne die moderne Physik, haben sie keine Chance.

00:09:14.064 --> 00:09:19.384
<v Stefan Schael>Und wenn wir uns heute angucken, was sind die globalen Herausforderungen,

00:09:19.404 --> 00:09:27.164
<v Stefan Schael>mit denen wir zu tun haben, also ob das Erderwärmung ist, alternde Gesellschaft, was auch immer. Also.

00:09:28.644 --> 00:09:30.804
<v Stefan Schael>Ist eigentlich die Erkenntnis, wir werden das wahrscheinlich,

00:09:30.904 --> 00:09:35.344
<v Stefan Schael>diese Probleme nicht dadurch lösen, dass wir das bestehende Know-how,

00:09:35.344 --> 00:09:39.844
<v Stefan Schael>ich sage jetzt mal ein bisschen despektierlich, aber einfach nur ingenieren.

00:09:40.044 --> 00:09:44.784
<v Stefan Schael>Also um wieder ein Beispiel zu sagen, Sie können sich noch so lange damit auseinandersetzen,

00:09:44.824 --> 00:09:46.124
<v Stefan Schael>wie Sie eine Kerze optimieren.

00:09:46.264 --> 00:09:49.604
<v Stefan Schael>Sobald ein Physiker kommt und Ihnen erklärt, wie eine Glühbirne funktioniert,

00:09:49.944 --> 00:09:50.944
<v Stefan Schael>haben Sie keine Chance mehr.

00:09:50.944 --> 00:09:55.164
<v Stefan Schael>Und sie können noch so lange versuchen als Ingenieur die Glühbirne zu optimieren,

00:09:55.204 --> 00:09:59.344
<v Stefan Schael>sobald ein Physiker kommt und ihnen sagt, was eine LED ist, also wie sie Licht

00:09:59.344 --> 00:10:02.044
<v Stefan Schael>erzeugen können ohne Wärme über quantenmechanische Prozesse,

00:10:02.044 --> 00:10:03.924
<v Stefan Schael>haben sie mit ihrer Glühbirne keine Chance mehr.

00:10:04.784 --> 00:10:10.084
<v Stefan Schael>Und man sieht an diesen Sprüngen in der Qualität, dass das was ganz anderes

00:10:10.084 --> 00:10:15.624
<v Stefan Schael>ist, als wenn ich also einen bestehenden Prozess nehme und den Prozess immer weiter optimiere.

00:10:16.744 --> 00:10:20.444
<v Stefan Schael>Irgendwann in diesem Prozess hoffentlich kommt die Physik wieder.

00:10:20.604 --> 00:10:23.484
<v Stefan Schael>Das ist natürlich ein bisschen, also warum mache ich Physik?

00:10:23.484 --> 00:10:26.884
<v Stefan Schael>Ja, weil mich diese Themen interessieren, kommt die Physik wieder mit einer

00:10:26.884 --> 00:10:31.124
<v Stefan Schael>grundlegenden neuen Idee und das revolutioniert das gesamte Gebiet.

00:10:31.444 --> 00:10:34.784
<v Stefan Schael>Das ist mein Verständnis von Grundlagenforschung und warum man Grundlagenforschung machen muss.

00:10:35.284 --> 00:10:38.084
<v Stefan Schael>Wir werden die Probleme, die wir heute haben, nicht dadurch lösen,

00:10:38.104 --> 00:10:40.764
<v Stefan Schael>dass wir also Engineering machen von den bekannten Lösungen,

00:10:40.804 --> 00:10:43.044
<v Stefan Schael>sondern wir brauchen grundsätzlich neue Ansätze.

00:10:43.324 --> 00:10:45.124
<v Stefan Schael>Und dann ist die Frage, wo bekomme ich die her?

00:10:46.582 --> 00:10:50.062
<v Stefan Schael>Im Nachhinein ist das einfach zu sagen, Planck mit seinem Wirkungsquantum,

00:10:50.062 --> 00:10:50.962
<v Stefan Schael>das war ja die richtige Idee.

00:10:51.462 --> 00:10:54.742
<v Stefan Schael>Die ganzen anderen tausend Physiker, die zu der Zeit an verschiedenen Fragen

00:10:54.742 --> 00:10:56.882
<v Stefan Schael>gearbeitet haben, über die reden wir heute nicht mehr.

00:10:57.622 --> 00:11:01.262
<v Stefan Schael>Und genau so ist das heute. Wir arbeiten an Grundlagenforschung,

00:11:01.282 --> 00:11:05.102
<v Stefan Schael>wir versuchen Themenkomplexe zu verstehen, die uns aufzeigen,

00:11:05.142 --> 00:11:06.842
<v Stefan Schael>dass unsere Physik unvollständig ist.

00:11:07.682 --> 00:11:11.302
<v Stefan Schael>Welche von diesen Ansätzen am Ende zum Erfolg führen und zu dem Durchbruch führen,

00:11:11.522 --> 00:11:13.722
<v Stefan Schael>das werden wir in 100 Jahren diskutieren.

00:11:13.862 --> 00:11:17.502
<v Stefan Schael>Also wir nicht, also unsere Nachfolger werden dann bei solch einem Interview

00:11:17.502 --> 00:11:22.622
<v Stefan Schael>sitzen und dann werden sie sagen, ja, damals AMS, das war das Schlüsselexperiment, vielleicht.

00:11:22.622 --> 00:11:27.382
<v Stefan Schael>Wie wir heute sagen, Michelson-Morley, Messung der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit

00:11:27.382 --> 00:11:35.622
<v Stefan Schael>vor 100 Jahren, das war das entscheidende Experiment, um die Relativitätstheorie zu begründen.

00:11:35.782 --> 00:11:38.842
<v Stefan Schael>Oder die Messung der Wärmestrahlung eines schwarzen Körpers,

00:11:38.982 --> 00:11:41.662
<v Stefan Schael>das war das entscheidende Experiment, um die Quantenmechanik zu begründen.

00:11:41.842 --> 00:11:46.662
<v Tim Pritlove>Was für sich genommen erstmal total banal und gegebenenfalls vollständig unwichtig klingt.

00:11:46.662 --> 00:11:54.202
<v Stefan Schael>Was für den, selbst für den Experten auf dem Gebiet schwer einzuschätzen ist,

00:11:54.262 --> 00:11:56.282
<v Stefan Schael>was die Bedeutung solch einer Messung ist.

00:11:56.902 --> 00:12:01.962
<v Stefan Schael>Weil es dann noch zusätzlich halt solcher Köpfe wie Heisenberg oder Einstein

00:12:01.962 --> 00:12:07.442
<v Stefan Schael>bedarf, um aus diesen Messungen, diesen Erkenntnissen dann die passende Theorie zu machen.

00:12:08.302 --> 00:12:13.222
<v Stefan Schael>Wobei man auch sagen muss, die experimentellen Ergebnisse, die haben sich eigentlich nie geändert.

00:12:13.422 --> 00:12:17.442
<v Stefan Schael>Also die werden präziser, die decken andere Bereiche ab. Das,

00:12:17.542 --> 00:12:19.042
<v Stefan Schael>was sich ändert, sind unsere Theorien.

00:12:19.142 --> 00:12:22.542
<v Stefan Schael>Das heißt, dass unsere Modelle, wie wir diese experimentellen Daten zusammennehmen

00:12:22.542 --> 00:12:25.622
<v Stefan Schael>und damit Vorhersagen machen, die sind variabel.

00:12:26.162 --> 00:12:29.142
<v Stefan Schael>Und vielleicht versteht man dann, warum ich also sage, dass Experimentalphysik

00:12:29.142 --> 00:12:32.882
<v Stefan Schael>das Spannende ist, weil wir liefern die Grundlagen dafür, die sozusagen,

00:12:33.042 --> 00:12:36.242
<v Stefan Schael>wenn wir es richtig gemacht haben, in Stein gemeißelt sind und die Theoretiker

00:12:36.242 --> 00:12:40.442
<v Stefan Schael>dazu zwingen, ihre Modelle so anzupassen, dass sie diese Daten beschreiben können.

00:12:40.542 --> 00:12:44.202
<v Stefan Schael>Und dann mit diesen Modellen Vorhersagen zu machen in Bereichen,

00:12:44.242 --> 00:12:49.122
<v Stefan Schael>in denen wir nicht gemessen haben, die dann für die Anwendung relevant sind oder sein können.

00:12:50.963 --> 00:12:53.983
<v Tim Pritlove>Da stellt sich natürlich jetzt vor allem die Frage, was sind denn jetzt die

00:12:53.983 --> 00:13:00.563
<v Tim Pritlove>paar Experimente und paar Betrachtungsorte, die noch Fragen aufwerfen,

00:13:00.563 --> 00:13:03.543
<v Tim Pritlove>beziehungsweise die vielleicht auch noch gar nicht durchgeführt worden sind.

00:13:03.603 --> 00:13:07.203
<v Tim Pritlove>Wenn man sich heute den Stand der Physik anschaut und wie auch eigentlich wie

00:13:07.203 --> 00:13:11.623
<v Tim Pritlove>vor 100 Jahren das Gefühl hat, naja, vielleicht sollte ich doch was anderes

00:13:11.623 --> 00:13:14.943
<v Tim Pritlove>studieren, ist ja eigentlich nichts mehr zu erfinden.

00:13:16.563 --> 00:13:19.723
<v Tim Pritlove>Was antwortet denn da der Mensch mit Einblick?

00:13:19.783 --> 00:13:23.663
<v Tim Pritlove>Was sind denn so gerade die großen Fragestellungen, die Lücken,

00:13:23.723 --> 00:13:25.083
<v Tim Pritlove>die gefüllt werden müssen?

00:13:25.543 --> 00:13:28.803
<v Stefan Schael>Heute würde die Antwort wahrscheinlich anders aussehen. Also zum einen mit der

00:13:28.803 --> 00:13:32.223
<v Stefan Schael>Erfahrung aus der Vergangenheit, aber man muss auch sehen, dass sich in den

00:13:32.223 --> 00:13:36.063
<v Stefan Schael>letzten zehn Jahren eigentlich eine Revolution weitgehend unbemerkt von der

00:13:36.063 --> 00:13:37.763
<v Stefan Schael>Öffentlichkeit in der Physik abgespielt hat.

00:13:38.623 --> 00:13:41.563
<v Stefan Schael>Unser Verständnis dessen, wie unser Universum entstanden ist,

00:13:41.583 --> 00:13:43.683
<v Stefan Schael>hat sich grundlegend geändert in den letzten zehn Jahren.

00:13:43.843 --> 00:13:46.983
<v Stefan Schael>Und zwar im Wesentlichen durch Messungen von Satellitenexperimenten,

00:13:46.983 --> 00:13:51.443
<v Stefan Schael>also Weltraum-Experimenten, nicht durch Beobachtungen hier auf der Erde.

00:13:51.503 --> 00:13:56.483
<v Stefan Schael>Die Messungen der kosmischen Hintergrundstrahlung durch das COBE-Experiment,

00:13:56.783 --> 00:14:01.103
<v Stefan Schael>durch das WMAP-Experiment und jetzt durch das Planck-Experiment,

00:14:01.743 --> 00:14:08.103
<v Stefan Schael>das Hubble Space Telescope, die entdeckt haben, dass also nicht nur das Universum

00:14:08.103 --> 00:14:12.663
<v Stefan Schael>nicht schrumpft, wie man das eigentlich auf der Basis der Urknalltheorie erwarten

00:14:12.663 --> 00:14:15.303
<v Stefan Schael>würde, sondern dass es anfängt, sich beschleunigt, wieder auszudehnen.

00:14:17.383 --> 00:14:22.923
<v Stefan Schael>Die Erkenntnis, dass ein wesentlicher Teil des Universums aus einer Energieform

00:14:22.923 --> 00:14:27.003
<v Stefan Schael>besteht, die wir nicht beschreiben können, mit der gegenwärtigen Physik,

00:14:27.043 --> 00:14:28.963
<v Stefan Schael>was also die dunkle Energie ist.

00:14:28.963 --> 00:14:34.503
<v Stefan Schael>Die Erkenntnis, dass der größte Teil der Materie im Universum dunkle Materie

00:14:34.503 --> 00:14:36.683
<v Stefan Schael>ist, die wir mit der heutigen Physik nicht beschreiben können,

00:14:36.763 --> 00:14:38.123
<v Stefan Schael>von der wir nicht wissen, was es ist.

00:14:38.923 --> 00:14:43.523
<v Stefan Schael>Eigentlich ist die ernüchternde Erkenntnis der letzten zehn Jahre von vier Prozent

00:14:43.523 --> 00:14:47.043
<v Stefan Schael>dessen, was das Universum ist, wissen wir halbwegs, wie es funktioniert.

00:14:47.303 --> 00:14:50.343
<v Stefan Schael>Und das ist die normale Materie, aus der wir aufgebaut sind.

00:14:50.403 --> 00:14:51.963
<v Stefan Schael>Das ist das, was die Physik heute kann.

00:14:52.703 --> 00:14:57.043
<v Stefan Schael>96 Prozent verstehen wir nicht. Und wir sind eigentlich jetzt in der Lage oder

00:14:57.043 --> 00:15:00.063
<v Stefan Schael>haben das Gefühl, in der Lage zu sein, die richtigen Fragen zu stellen.

00:15:00.143 --> 00:15:03.843
<v Stefan Schael>Wir haben nicht die Antworten, aber wir sind in der Lage, die richtigen Fragen zu stellen.

00:15:04.543 --> 00:15:09.343
<v Stefan Schael>Und die Aufgabe für die nächsten 10 Jahre, 15 Jahre wird es sein,

00:15:09.803 --> 00:15:12.403
<v Stefan Schael>zu versuchen, auf diese Fragen eine Antwort zu finden.

00:15:12.603 --> 00:15:17.163
<v Stefan Schael>Und diese Fragen sind sehr komplex, sehr schwierig, haben wenig mit unserer

00:15:17.163 --> 00:15:18.503
<v Stefan Schael>Alltagsanschauung zu tun.

00:15:18.603 --> 00:15:23.743
<v Stefan Schael>Es ist mehr und mehr so, dass die Grundlagenforschung in der Physik sich von den...

00:15:24.964 --> 00:15:28.404
<v Stefan Schael>Ja, von den Alltagserfahrungen mehr und mehr löst. Also wenn wir in den ganz

00:15:28.404 --> 00:15:32.664
<v Stefan Schael>kleinen Längenskalen gehen zur Quantenmechanik oder zu ganz großen Längenskalen

00:15:32.664 --> 00:15:35.324
<v Stefan Schael>zur Astrophysik und Kosmologie,

00:15:35.484 --> 00:15:39.264
<v Stefan Schael>dass das nichts mit dem zu tun hat, was wir über die Evolution eigentlich gelernt

00:15:39.264 --> 00:15:40.644
<v Stefan Schael>haben, um überleben zu können.

00:15:40.644 --> 00:15:46.244
<v Stefan Schael>Und das macht das sehr schwierig für uns Menschen mit unserem begrenzten Verstand,

00:15:46.924 --> 00:15:49.404
<v Stefan Schael>diese Phänomene überhaupt zu durchdringen.

00:15:49.724 --> 00:15:54.164
<v Stefan Schael>Und ich gehe davon aus, dass wir dafür, genauso wie Einstein eine neue Mathematik

00:15:54.164 --> 00:15:59.944
<v Stefan Schael>brauchte, um seine Relativitätstheorie aufzustellen, dass wir auch neue mathematische

00:15:59.944 --> 00:16:03.244
<v Stefan Schael>Verfahren brauchen werden, um diese Probleme zu lösen.

00:16:03.564 --> 00:16:05.644
<v Tim Pritlove>Das heißt, es lohnt sich sogar noch, Mathematik zu studieren,

00:16:05.704 --> 00:16:07.644
<v Tim Pritlove>weil sogar da wäre noch was zu holen.

00:16:07.644 --> 00:16:11.284
<v Stefan Schael>Genauso wie Riemann zum Glück Mathematik studiert hat und damit die Grundlagen

00:16:11.284 --> 00:16:14.024
<v Stefan Schael>für Einsteins Relativitätstheorie mathematisch gelegt haben,

00:16:14.164 --> 00:16:19.184
<v Stefan Schael>bin ich der Meinung, dass, also ja, selbstverständlich, Mathematik sollte man

00:16:19.184 --> 00:16:21.144
<v Stefan Schael>studieren, Physik sollte man studieren.

00:16:21.244 --> 00:16:25.444
<v Stefan Schael>In der Physik ist es so, dass es eigentlich extrem spannend ist zurzeit und

00:16:25.444 --> 00:16:29.084
<v Stefan Schael>für die nächsten Jahre sein wird, auf diese Fragestellungen eine Antwort zu kriegen.

00:16:29.084 --> 00:16:31.924
<v Stefan Schael>Und wenn ich mir mal überlege, ich weiß nur von 4% des Universums,

00:16:31.924 --> 00:16:35.924
<v Stefan Schael>was es ist, von 96% habe ich keine Idee, dann habe ich nicht das Problem,

00:16:36.084 --> 00:16:38.644
<v Stefan Schael>dass ich mich mit kleinen Problemen beschäftige.

00:16:39.424 --> 00:16:43.324
<v Stefan Schael>Das hört sich nach einem großen Problem an. Und wenn wir das verstanden haben,

00:16:43.464 --> 00:16:46.544
<v Stefan Schael>ist dann die Frage, mit den Hilfsmitteln, die wir entwickeln müssen,

00:16:46.624 --> 00:16:49.884
<v Stefan Schael>um das zu verstehen und mit den Erkenntnissen, die wir gewinnen,

00:16:49.924 --> 00:16:53.864
<v Stefan Schael>wenn wir das verstanden haben, welche Auswirkungen wird das in anderen Bereichen haben?

00:16:54.464 --> 00:16:57.804
<v Tim Pritlove>Ich würde da ganz gerne mal konkret drauf eingehen, weil ich denke,

00:16:57.844 --> 00:17:00.364
<v Tim Pritlove>dass es auch nicht unbedingt so vielen Leuten so klar geworden ist,

00:17:00.504 --> 00:17:05.564
<v Tim Pritlove>wie grundlegend die Veränderungen der letzten zehn Jahre waren.

00:17:07.324 --> 00:17:10.364
<v Tim Pritlove>Es sind ja schon ein paar Experimente genannt worden,

00:17:10.524 --> 00:17:14.544
<v Tim Pritlove>also vor allem natürlich die Weltraumteleskope, die Systeme,

00:17:14.544 --> 00:17:18.064
<v Tim Pritlove>die halt weit ins All und damit auch in die Zeit hineinschauen,

00:17:18.104 --> 00:17:22.484
<v Tim Pritlove>haben viele Ergebnisse geliefert, die überrascht haben.

00:17:22.484 --> 00:17:26.124
<v Tim Pritlove>Ich meine, die Entdeckung der Hintergrundstrahlung ist ja schon ein bisschen

00:17:26.124 --> 00:17:31.144
<v Tim Pritlove>länger her, aber gerade dieses Experiment,

00:17:31.544 --> 00:17:34.524
<v Tim Pritlove>ich weiß jetzt nicht ganz genau von wem das war, der festgestellt hat,

00:17:34.564 --> 00:17:40.504
<v Tim Pritlove>dass das Weltall sich weiter ausdehnt und die Geschwindigkeit noch weiter zunimmt.

00:17:44.484 --> 00:17:47.364
<v Tim Pritlove>Was fühlt man denn da so als Physiker, wenn man dann morgens aufwacht,

00:17:47.384 --> 00:17:51.144
<v Tim Pritlove>Zeitung aufschlägt und man sagt, liest die Nachricht, alles ist anders?

00:17:53.544 --> 00:17:55.604
<v Stefan Schael>Also erstmal ist es so, dass wir…,

00:17:59.980 --> 00:18:02.160
<v Stefan Schael>immer wieder Beobachtungsdaten haben, die wir nicht verstehen.

00:18:02.480 --> 00:18:06.260
<v Stefan Schael>Also eine der Erkenntnisse zum Beispiel, dass es so etwas wie dunkle Materie geben muss,

00:18:06.780 --> 00:18:09.860
<v Stefan Schael>wenn man die Ergebnisse nur richtig interpretiert hätte, hätte man da schon

00:18:09.860 --> 00:18:16.700
<v Stefan Schael>in den 1930er Jahren drauf kommen können, als Zwicky sich die Bewegung von größeren

00:18:16.700 --> 00:18:19.760
<v Stefan Schael>Strukturen im Kosmos angeguckt hat und festgestellt hat,

00:18:20.500 --> 00:18:24.160
<v Stefan Schael>dass man das aufgrund des Gravitationsgesetzes nur verstehen kann,

00:18:24.280 --> 00:18:26.080
<v Stefan Schael>wenn es eine zusätzliche Materieform gibt.

00:18:26.080 --> 00:18:29.940
<v Stefan Schael>Wenn Sie solche Beobachtungen isoliert haben, dann ist immer die Frage,

00:18:30.020 --> 00:18:33.080
<v Stefan Schael>es stimmt was mit der Beobachtung nicht, stimmt was mit dem Modell nicht.

00:18:34.360 --> 00:18:38.480
<v Stefan Schael>Die Frage ist, wie gut ist unser Verständnis der Gravitationswechselwirkung

00:18:38.480 --> 00:18:42.140
<v Stefan Schael>bei den Skalen, auf denen wir arbeiten, denn wir testen das ja immer nur auf der Erde.

00:18:42.320 --> 00:18:45.020
<v Stefan Schael>Dann können wir das im Sonnensystem testen mit einiger Präzision.

00:18:45.740 --> 00:18:49.780
<v Stefan Schael>Jetzt gehen sie damit hin und beschreiben Galaxienhaufen oder Rotationskurven von Galaxien.

00:18:49.860 --> 00:18:54.300
<v Stefan Schael>Das heißt, wie schnell dreht sich ein Stern um das Zentrum dieser Galaxie,

00:18:54.320 --> 00:18:58.480
<v Stefan Schael>verstehe ich, dass der nicht aus der Galaxie rausfliegt, aufgrund der Materieverteilung.

00:19:00.380 --> 00:19:04.500
<v Stefan Schael>Und dann stellt sich halt bei einigen dieser Beobachtungen raus,

00:19:04.620 --> 00:19:07.680
<v Stefan Schael>das sind keine Beobachtungsfehler oder Fehler in der Theorie,

00:19:07.780 --> 00:19:10.000
<v Stefan Schael>sondern da steckt wirklich was hinter.

00:19:11.020 --> 00:19:19.180
<v Stefan Schael>Und wir haben durch die Beobachtung der kosmischen Hintergrundstrahlung,

00:19:19.240 --> 00:19:23.720
<v Stefan Schael>was wir uns eigentlich angeguckt haben, ist, hat das Universum die gleiche Temperatur,

00:19:23.720 --> 00:19:24.900
<v Stefan Schael>egal in welche Richtung ich gucke?

00:19:25.500 --> 00:19:28.900
<v Stefan Schael>Was ja eigentlich eine interessante Frage ist. Also wenn das Universum ohne

00:19:28.900 --> 00:19:32.640
<v Stefan Schael>Vorzugsrichtung erzeugt worden ist, würde man ja sagen, ja, das müsste eigentlich

00:19:32.640 --> 00:19:34.200
<v Stefan Schael>überall ungefähr gleich aussehen.

00:19:35.080 --> 00:19:39.240
<v Stefan Schael>Dann stellt sich natürlich die spannende Frage, wenn das gleich aussieht,

00:19:39.240 --> 00:19:42.280
<v Stefan Schael>wie können Bereiche, die also keinen kausalen Zusammenhang haben,

00:19:42.380 --> 00:19:46.380
<v Stefan Schael>das heißt, die so weit voneinander entfernt sind, dass sie über Lichtgeschwindigkeit

00:19:46.380 --> 00:19:49.680
<v Stefan Schael>keine Informationen austauschen können, wie können die eine gleiche Temperatur haben?

00:19:51.472 --> 00:19:54.872
<v Stefan Schael>Und das ist normalerweise eine Frage, da finden Sie keine Antwort drauf.

00:19:54.972 --> 00:19:58.932
<v Stefan Schael>Die Idee, die dann vor 20 Jahren aufkam, 30 Jahren aufkam, war,

00:19:59.052 --> 00:20:01.652
<v Stefan Schael>dass es also eine Inflationsphase am Anfang gab.

00:20:01.772 --> 00:20:04.832
<v Stefan Schael>Das heißt, das Universum hat sich also exponentiell ausgedehnt aus einem sehr

00:20:04.832 --> 00:20:07.632
<v Stefan Schael>kleinen Raumzeitgebiet. In

00:20:07.632 --> 00:20:10.412
<v Stefan Schael>dem kleinen Raumzeitgebiet können Sie dann homogene Bedingungen schaffen.

00:20:10.592 --> 00:20:13.572
<v Stefan Schael>Das ist klein genug, dass Sie über Lichtgeschwindigkeit Informationen austauschen

00:20:13.572 --> 00:20:17.312
<v Stefan Schael>können. Dann blähen Sie das exponentiell auf. Wir verstehen heute nicht, warum.

00:20:18.492 --> 00:20:22.972
<v Stefan Schael>Das nimmt eine bestimmte Größe an. Dieser exponentielle Wachstum hört auf.

00:20:23.472 --> 00:20:28.732
<v Stefan Schael>Auch da wissen wir nicht, warum es aufhört. Dann dehnt es sich langsam weiter

00:20:28.732 --> 00:20:31.872
<v Stefan Schael>aus, beziehungsweise Gravitationskraft gewinnt die Überhand und dann sollte

00:20:31.872 --> 00:20:34.952
<v Stefan Schael>es sich wieder zusammenziehen, je nachdem, wie viel Materie in dem Universum

00:20:34.952 --> 00:20:37.352
<v Stefan Schael>ist. Die Anfangsbedingungen kennen wir ja nicht genau.

00:20:38.252 --> 00:20:43.572
<v Stefan Schael>Und dieses Modell, was wir heute haben, das sieht recht plausibel aus.

00:20:44.212 --> 00:20:47.772
<v Stefan Schael>Und wenn Sie das in der Relativitätstheorie angucken, dann hat Einstein eigentlich

00:20:47.772 --> 00:20:49.212
<v Stefan Schael>alle Zutaten schon geliefert.

00:20:49.212 --> 00:20:54.612
<v Stefan Schael>Er hat das kosmologische Konstante genannt, also diese Vakuumenergie,

00:20:54.692 --> 00:21:00.632
<v Stefan Schael>die notwendig ist, um solche Expansionen vorher zu verursachen.

00:21:01.872 --> 00:21:05.712
<v Stefan Schael>Und Einstein hat damals gesagt, diese Einführung dieser kosmologischen Konstante

00:21:05.712 --> 00:21:08.852
<v Stefan Schael>in meine Relativitätstheorie, das war der größte Unfug, den ich gemacht habe,

00:21:08.952 --> 00:21:13.332
<v Stefan Schael>als Hubble entdeckt hat, dass das Universum sich tatsächlich ausdehnt,

00:21:13.332 --> 00:21:15.892
<v Stefan Schael>also dass unsere Nachbargalaxien von uns wegfliegen.

00:21:17.288 --> 00:21:20.928
<v Stefan Schael>Und Einstein hat dann gedacht, naja, das ist also ein mathematisches Kuriosum,

00:21:20.928 --> 00:21:22.888
<v Stefan Schael>dass ich da eine Konstante habe, die hat keine Bedeutung.

00:21:23.728 --> 00:21:32.068
<v Stefan Schael>Und dann kam die Messung von dem Hubble-Weltraumteleskop, das also festgestellt

00:21:32.068 --> 00:21:34.928
<v Stefan Schael>hat, dass das Universum sich beschleunigt, ausdehnt.

00:21:34.948 --> 00:21:38.348
<v Stefan Schael>Dann kam die Messung der kosmischen Hintergrundstrahlung, was auch festgestellt

00:21:38.348 --> 00:21:41.268
<v Stefan Schael>hat, dass wir die Messergebnisse nur verstehen können, wenn wir annehmen,

00:21:41.308 --> 00:21:43.148
<v Stefan Schael>dass das Universum sich beschleunigt, ausdehnt.

00:21:43.848 --> 00:21:46.568
<v Stefan Schael>Und wenn man das dann zusammennimmt, dann hat man das Gefühl,

00:21:46.708 --> 00:21:47.988
<v Stefan Schael>das Bild wird wieder konsistent.

00:21:48.208 --> 00:21:51.868
<v Stefan Schael>Also die Ergebnisse passen zusammen. Wir haben eigentlich die Bausteine schon in der Theorie.

00:21:52.868 --> 00:21:55.688
<v Stefan Schael>Unser Problem ist mehr, dass wir nicht verstehen, wo die herkommen.

00:21:55.888 --> 00:21:58.788
<v Stefan Schael>Also diese kosmologische Konstante, die Einstein eingeführt hat,

00:21:58.868 --> 00:22:01.568
<v Stefan Schael>das ist zunächst einmal eine dimensionslose Zahl. Warum ist die da?

00:22:03.328 --> 00:22:06.148
<v Stefan Schael>Warum hat die den Wert? Warum ist die nicht null?

00:22:08.508 --> 00:22:13.768
<v Stefan Schael>Und dann versuchen sie zu verstehen, wie kann ich sowas auf mikroskopischer

00:22:13.768 --> 00:22:17.168
<v Stefan Schael>Skala erzeugen und das ist Quantenfeldtheorie, das ist Heisenberg,

00:22:17.868 --> 00:22:21.608
<v Stefan Schael>und dann stellen sie fest, das passt alles nicht zusammen und dann haben sie

00:22:21.608 --> 00:22:25.168
<v Stefan Schael>eigentlich ein Bild, was sich entwickelt in eine Richtung, dass sie das Gefühl

00:22:25.168 --> 00:22:26.508
<v Stefan Schael>haben, das wird alles konsistent,

00:22:27.128 --> 00:22:30.568
<v Stefan Schael>wenn ich gewisse Annahmen mache, aber die Grundlagen für die Annahmen fehlen mir.

00:22:31.328 --> 00:22:35.288
<v Stefan Schael>Also müssen wir verstehen, welche Grundlagen brauchen wir, um diese Annahmen zu rechtfertigen.

00:22:36.228 --> 00:22:38.948
<v Stefan Schael>Denn man sollte ja auch wieder, wenn man in der Geschichte zurückgeht,

00:22:39.048 --> 00:22:42.708
<v Stefan Schael>als Michelson und Morley die Konstante der Lichtgeschwindigkeit gemessen hatten,

00:22:42.848 --> 00:22:48.168
<v Stefan Schael>da haben die das gemessen, weil wir davon ausgingen, dass das Licht,

00:22:48.388 --> 00:22:52.308
<v Stefan Schael>also elektromagnetische Wellen, ein Medium brauchen, um sich auszudehnen.

00:22:52.428 --> 00:22:53.528
<v Stefan Schael>Und das haben wir Äther genannt.

00:22:55.268 --> 00:22:59.288
<v Stefan Schael>Und wenn es diesen Äther tatsächlich geben würde und die Lichtwellen sich in

00:22:59.288 --> 00:23:01.848
<v Stefan Schael>diesem Äther ausbreiten, dann müsste es einen Unterschied machen,

00:23:02.008 --> 00:23:05.408
<v Stefan Schael>ob ich das Licht also in Richtung der Flugbahn der Erde um die Sonne aussende

00:23:05.408 --> 00:23:06.528
<v Stefan Schael>oder entgegengesetzt dazu.

00:23:06.968 --> 00:23:10.888
<v Stefan Schael>Und Michelson und Morley haben gezeigt, das macht keinen Unterschied, den Äther gibt es nicht.

00:23:12.698 --> 00:23:15.938
<v Stefan Schael>Das heißt, wenn wir jetzt ein Modell des Universums machen und sagen,

00:23:16.058 --> 00:23:24.218
<v Stefan Schael>dafür brauchen wir aber Inflation, Vakuumenergie, also dunkle Energie, dunkle Materie,

00:23:25.398 --> 00:23:28.858
<v Stefan Schael>dann ist ja die Frage, sind das Hilfskonstrukte, die wir einführen,

00:23:28.938 --> 00:23:30.898
<v Stefan Schael>weil wir nicht verstanden haben, wie es wirklich funktioniert?

00:23:31.678 --> 00:23:35.778
<v Stefan Schael>Oder gibt es diese Sachen wirklich? Also ist die Aufgabe der Experimentalphysik,

00:23:35.818 --> 00:23:39.518
<v Stefan Schael>das kann ja sonst keiner machen, also Experimentalphysiker müssen versuchen

00:23:39.518 --> 00:23:40.718
<v Stefan Schael>zu verstehen, was ist das?

00:23:41.298 --> 00:23:44.098
<v Stefan Schael>Was sind das neue Elementarteilchen bei der dunklen Materie?

00:23:45.058 --> 00:23:46.658
<v Stefan Schael>Was ist das? Sind das schwarze Löcher?

00:23:47.838 --> 00:23:54.478
<v Stefan Schael>Sind das braune Zwerge? Also sowas wie der Jupiter, also was massiv genug ist,

00:23:54.558 --> 00:23:58.938
<v Stefan Schael>um Masse zu haben, also viel Masse zu haben, aber nicht massiv genug, um zu leuchten.

00:23:59.698 --> 00:24:04.818
<v Stefan Schael>Sind das weiße Zwerge, also Überbleibsel von, nicht von Supernova-Explosionen,

00:24:04.818 --> 00:24:07.578
<v Stefan Schael>aber von Nova-Explosionen, Endstadium von Sternenentwicklung,

00:24:07.698 --> 00:24:11.098
<v Stefan Schael>die wir nicht sehen, weil die halt nicht leuchten.

00:24:11.998 --> 00:24:14.878
<v Stefan Schael>Ist es interstellares Medium, was wir nicht richtig verstehen.

00:24:15.098 --> 00:24:19.278
<v Stefan Schael>Das heißt, sie gehen dann durch die Physikprozesse durch, versuchen das zu verstehen

00:24:19.278 --> 00:24:21.778
<v Stefan Schael>und dann kommen wir zu dem Ergebnis, nichts von dem, was wir können,

00:24:21.918 --> 00:24:23.178
<v Stefan Schael>ist in der Lage, das zu beschreiben.

00:24:23.818 --> 00:24:26.838
<v Stefan Schael>Also die Neutrinos als Elementarteilchen sind nicht in der Lage,

00:24:26.878 --> 00:24:28.518
<v Stefan Schael>dunkle Materie vernünftig zu beschreiben.

00:24:28.938 --> 00:24:34.638
<v Stefan Schael>Wir können ausschließen, dass weiße Zwerge, braune Zwerge, schwarze Löcher die dunkle Materie sind.

00:24:34.838 --> 00:24:37.178
<v Tim Pritlove>Weil die nicht genug Materie darstellen könnten?

00:24:37.478 --> 00:24:42.438
<v Stefan Schael>Nein, weil wir verstehen, dass die bekannten Materieformen, also ich nenne da,

00:24:42.458 --> 00:24:45.338
<v Stefan Schael>also der Fachbegriff ist baryonische Materie. Was ist das?

00:24:45.418 --> 00:24:50.338
<v Stefan Schael>Das sind also, das ist Materie, die aus Atomkernen aufgebaut sind.

00:24:50.358 --> 00:24:52.718
<v Stefan Schael>Also wir bestehen alle aus Atomen.

00:24:52.798 --> 00:24:55.858
<v Stefan Schael>Das Atom besteht aus Atomkernen und Elektronen, was da drum herum fliegt.

00:24:55.958 --> 00:24:58.618
<v Stefan Schael>Oder Elektronen, je nach Ladung des Kerns.

00:24:58.938 --> 00:25:03.178
<v Stefan Schael>Der Kern selber besteht aus Protonen und Neutronen. So einen Protonen und Neutronen

00:25:03.178 --> 00:25:06.258
<v Stefan Schael>bezeichnen wir als Baryonen. Alle chemischen Elemente sind aus Baryonen.

00:25:07.153 --> 00:25:08.333
<v Stefan Schael>Protonen und Neutronen.

00:25:08.413 --> 00:25:11.513
<v Tim Pritlove>Und bis vor kurzer Zeit war das eigentlich so die Sicht auf die Welt,

00:25:11.613 --> 00:25:13.013
<v Tim Pritlove>dass alles daraus besteht?

00:25:13.713 --> 00:25:17.093
<v Stefan Schael>Die Sicht auf die Welt ist immer noch, dass alle Materie daraus besteht.

00:25:17.773 --> 00:25:21.633
<v Stefan Schael>Wir können aufgrund der Häufigkeit der chemischen Elemente im Universum heute

00:25:21.633 --> 00:25:26.673
<v Stefan Schael>ausrechnen, dass nicht mehr baryonische Materie produziert worden ist am Anfang.

00:25:27.053 --> 00:25:31.193
<v Stefan Schael>Das heißt, selbst wenn die dann in braunen Zwergen, weißen Zwergen oder schwarzen

00:25:31.193 --> 00:25:34.653
<v Stefan Schael>Löcher als Endstadium von Sternen jetzt drin ist, dann reicht das nicht aus,

00:25:35.233 --> 00:25:39.113
<v Stefan Schael>dass wir damit die dunkle Materie hinkriegen. Das heißt, wir brauchen neue Elementarteilchen.

00:25:39.253 --> 00:25:42.493
<v Tim Pritlove>Und von der dunklen Materie weiß man eigentlich nur deshalb oder meint zu wissen,

00:25:42.673 --> 00:25:47.673
<v Tim Pritlove>weil sonst die ganzen Zusammenhänge mit Gravitation etc. keinen Sinn mehr ergeben.

00:25:47.773 --> 00:25:51.613
<v Stefan Schael>Genau, wir haben das Gravitationsgesetz getestet. Also wir sind in der Lage

00:25:51.613 --> 00:25:54.113
<v Stefan Schael>zu beschreiben, wie die Erde um die Sonne kreist, wie Jupiter,

00:25:54.433 --> 00:25:59.953
<v Stefan Schael>Saturn, Venus, Merkur, selbst Merkur im Detail, der durch ein sehr starkes Gravitationsfeld

00:25:59.953 --> 00:26:03.893
<v Stefan Schael>durch muss und deshalb einige Eigenheiten hat, die wir beobachten können.

00:26:04.933 --> 00:26:09.893
<v Stefan Schael>Es hat einen Nobelpreis gegeben für die Beobachtung von einem Pulsar,

00:26:09.973 --> 00:26:14.313
<v Stefan Schael>bei dem man also beobachtet hat, wie die Periode, die Rotationsperiode von diesem

00:26:14.313 --> 00:26:15.613
<v Stefan Schael>Neutronenstern sich verändert.

00:26:16.033 --> 00:26:19.013
<v Stefan Schael>Das passt hervorragend zur Relativitätstheorie. Das heißt also,

00:26:19.073 --> 00:26:22.653
<v Stefan Schael>in den letzten 50 Jahren haben wir die einsteinische Gravitationstheorie im

00:26:22.653 --> 00:26:25.153
<v Stefan Schael>Detail mit immer größerer Präzision getestet.

00:26:26.053 --> 00:26:29.613
<v Stefan Schael>Ihr Navigationssystem, was ich am Anfang gesandt habe, wäre jedes Mal um 20

00:26:29.613 --> 00:26:32.753
<v Stefan Schael>Kilometer falsch, ohne Einsteins allgemeine Relativitätstheorie.

00:26:32.753 --> 00:26:35.533
<v Stefan Schael>Auch Einstein hätte Ihnen das nicht vorhersagen können, dass Sie mal mit seiner

00:26:35.533 --> 00:26:37.273
<v Stefan Schael>Theorie ein Navigationssystem machen.

00:26:37.553 --> 00:26:42.213
<v Stefan Schael>Aber für uns ist das heute Alltag. Wir benutzen das und wir sehen,

00:26:42.213 --> 00:26:43.753
<v Stefan Schael>dass das mit guter Präzision funktioniert.

00:26:44.653 --> 00:26:48.813
<v Stefan Schael>Und dann ist die Annahme in den Naturwissenschaften immer, die einfachste Theorie ist die beste.

00:26:49.693 --> 00:26:52.673
<v Stefan Schael>Und das heißt, wir haben eine Theorie der Gravitation, die funktioniert.

00:26:53.033 --> 00:26:54.973
<v Stefan Schael>Wir haben aber Phänomene, die wir nicht beschreiben können.

00:26:55.453 --> 00:26:58.653
<v Stefan Schael>Also muss es eine Erweiterung dieser Theorie geben. Wie sieht die aus?

00:26:59.931 --> 00:27:02.471
<v Stefan Schael>Auf diese Fragen versuchen wir Antworten zu finden und wir wissen,

00:27:02.591 --> 00:27:06.351
<v Stefan Schael>dass wir also nicht in der Lage sind, den Anfangszustand des Universums zu beschreiben.

00:27:06.411 --> 00:27:09.611
<v Stefan Schael>Also Urknall kriegen wir nicht hin, schwarze Löcher kriegen wir nicht hin,

00:27:09.711 --> 00:27:14.371
<v Stefan Schael>weil in diesen Fällen dieses Modell von Einstein einfach zusammenbricht.

00:27:14.611 --> 00:27:17.691
<v Stefan Schael>Die Gleichungen sind divergent, also wie die Mathematiker sagen,

00:27:17.871 --> 00:27:20.011
<v Stefan Schael>das heißt, da kommt unendlich raus und damit kann ich nichts anfangen.

00:27:20.771 --> 00:27:23.811
<v Stefan Schael>Habt keine Vorhersagekraft mehr. Also da passiert was, was wir nicht verstehen.

00:27:24.491 --> 00:27:28.291
<v Stefan Schael>Und das ist im Moment der Schlüssel, wie wir versuchen, da weiterzukommen.

00:27:28.371 --> 00:27:34.351
<v Stefan Schael>Das heißt, die Frage jetzt für uns ist, welche Experimente können wir machen,

00:27:35.011 --> 00:27:37.991
<v Stefan Schael>um zu verstehen, was dunkle Materie und dunkle Energie sind.

00:27:38.451 --> 00:27:42.951
<v Stefan Schael>Und das ist der Grund, warum wir also gesagt haben, wir brauchen ein Experiment auf der Raumstation.

00:27:43.171 --> 00:27:46.571
<v Stefan Schael>Wir können das also nicht mit terrestrischen Experimenten machen,

00:27:46.691 --> 00:27:50.511
<v Stefan Schael>weil wir uns Phänomene angucken wollen, Wollen die also was mit den Grundlagen

00:27:50.511 --> 00:27:54.191
<v Stefan Schael>dessen zu tun haben, wie dieses Universum aufgebaut ist, entstanden ist und

00:27:54.191 --> 00:27:57.351
<v Stefan Schael>wie die physikalischen Zusammenhänge bei der Entwicklung sind?

00:27:57.951 --> 00:28:02.791
<v Tim Pritlove>Jetzt sind wir schon wieder bei dem Uns, was die RWTH in diesem Lehrstuhl beschreibt.

00:28:02.851 --> 00:28:07.911
<v Tim Pritlove>Zwischendurch gab es viel Uns, was so eigentlich die gesamte Welt der Physik betrifft.

00:28:07.931 --> 00:28:11.531
<v Tim Pritlove>Und es ist ja auch nicht so, dass nur hier jetzt an diesem Problem gearbeitet werden würde.

00:28:11.531 --> 00:28:17.431
<v Tim Pritlove>Etwas, was viel Wind gemacht hat in letzter Zeit und auch immer noch viel abstrahlt,

00:28:17.451 --> 00:28:22.371
<v Tim Pritlove>ist das LHC-Experiment im CERN, dieser riesige Beschleunigungsring,

00:28:22.511 --> 00:28:26.251
<v Tim Pritlove>bei dem ja im Prinzip eigentlich auch dieselbe Fragestellung dahinter steht, oder?

00:28:27.783 --> 00:28:32.303
<v Stefan Schael>Ja, also es gibt, erstmal es gibt sehr viele Wissenschaftler,

00:28:32.323 --> 00:28:36.363
<v Stefan Schael>was gut ist, die an diesen Fragestellungen arbeiten.

00:28:36.883 --> 00:28:40.503
<v Stefan Schael>Also um das nochmal so ein bisschen einzuordnen, also das AMS-Experiment ist

00:28:40.503 --> 00:28:44.123
<v Stefan Schael>von 60 Forschungsinstituten entwickelt worden.

00:28:44.263 --> 00:28:48.563
<v Stefan Schael>Die RWTH Aachen war eins davon. Da sind 600 Wissenschaftler dann beteiligt,

00:28:48.583 --> 00:28:53.123
<v Stefan Schael>nicht 20 in Aachen, die sowas machen können. Also das ist die richtige Skala dann.

00:28:53.363 --> 00:28:58.963
<v Stefan Schael>Also uns ist, manchmal ist das der RWTH-Physiker, uns seine Gruppe,

00:28:59.203 --> 00:29:04.863
<v Stefan Schael>manchmal sind das alle Physiker, manchmal ist das die ganze Menschheit, je nachdem.

00:29:05.223 --> 00:29:08.403
<v Stefan Schael>Ich fühle mich zu allen zugehörig. Ja, natürlich.

00:29:09.963 --> 00:29:16.643
<v Stefan Schael>Jetzt, wenn wir das versuchen einzuordnen, wie ist so der Zusammenhang mit den

00:29:16.643 --> 00:29:19.743
<v Stefan Schael>anderen grundlegenden Experimenten in der Physik, die zurzeit laufen?

00:29:21.063 --> 00:29:27.223
<v Stefan Schael>Dann ist der Versuch am CERN, an dem LHC-Beschleuniger, an dessen Forschungsprogramm

00:29:27.223 --> 00:29:31.623
<v Stefan Schael>wir hier auch beteiligt sind, also wir ist jetzt RWTH Aachen, ich insbesondere.

00:29:31.623 --> 00:29:34.603
<v Stefan Schael>Dann ist der

00:29:34.603 --> 00:29:37.963
<v Stefan Schael>ansatz am zern eigentlich dass wir versuchen die

00:29:37.963 --> 00:29:41.843
<v Stefan Schael>neuen elementarteilchen die wir suchen zu erzeugen

00:29:41.843 --> 00:29:47.403
<v Stefan Schael>im labor das heißt wir machen kollisionen von von hoch energetischen protonen

00:29:47.403 --> 00:29:53.303
<v Stefan Schael>und schauen uns die zerfallsprodukte an die dabei erzeugt werden und versuchen

00:29:53.303 --> 00:29:57.323
<v Stefan Schael>zu verstehen wie die wechselwirkung am anfang aussah also bei diesen kollisionen

00:29:57.323 --> 00:30:00.303
<v Stefan Schael>man könnte sagen wir Wir versuchen, so einen kleinen Urknall im Labor zu machen.

00:30:00.423 --> 00:30:03.663
<v Stefan Schael>Wir sind natürlich um größten Ordnungen von den Energien weg,

00:30:03.723 --> 00:30:06.003
<v Stefan Schael>die am Urknall wirklich geherrscht haben.

00:30:06.783 --> 00:30:10.843
<v Stefan Schael>Aber wir versuchen, uns dem anzunähern und zu verstehen, welche physikalischen

00:30:10.843 --> 00:30:12.903
<v Stefan Schael>Prozesse sind notwendig, um das zu beschreiben.

00:30:12.983 --> 00:30:17.503
<v Stefan Schael>Und treten dabei neue Phänomene auf, insbesondere neue Elementarteilchen,

00:30:17.583 --> 00:30:20.823
<v Stefan Schael>die in Frage kommen, um zum Beispiel dunkle Materie zu beschreiben.

00:30:21.643 --> 00:30:24.043
<v Stefan Schael>Unser Problem bei diesen Experimenten ist,

00:30:25.399 --> 00:30:28.159
<v Stefan Schael>Wenn wir da ein neues Elementarteilchen finden, dann steht da nicht dran,

00:30:28.319 --> 00:30:31.459
<v Stefan Schael>ich bin dunkle Materie, sondern steht da im besten Fall dran,

00:30:31.559 --> 00:30:33.839
<v Stefan Schael>ich bin ein neues Elementarteilchen, verstehe mich.

00:30:35.619 --> 00:30:39.799
<v Stefan Schael>Und verstehe mich heißt dann, in dem Labor können wir die Bedingungen während

00:30:39.799 --> 00:30:42.639
<v Stefan Schael>der Kollision kontrollieren, das heißt wir können die Energie verändern,

00:30:42.839 --> 00:30:47.379
<v Stefan Schael>wir können bestimmte Eigenschaften der Teilchen versuchen zu verändern und versuchen

00:30:47.379 --> 00:30:48.979
<v Stefan Schael>zu verstehen, was das ist.

00:30:48.979 --> 00:30:50.419
<v Stefan Schael>Und das war in den letzten 50

00:30:50.419 --> 00:30:53.279
<v Stefan Schael>Jahren, seitdem wir also an Beschleunigern arbeiten, extrem erfolgreich.

00:30:54.139 --> 00:30:58.599
<v Stefan Schael>Wir haben viel über die Wechselwirkung und die Kräfte in der Natur dabei gelernt, das so zu tun.

00:30:59.399 --> 00:31:02.479
<v Stefan Schael>Wenn wir jetzt aber ein neues Teilchen finden, und das soll dunkle Materie sein

00:31:02.479 --> 00:31:07.199
<v Stefan Schael>im Universum, dann brauche ich ein anderes Experiment, was auch in der Lage

00:31:07.199 --> 00:31:11.419
<v Stefan Schael>ist, die Eigenschaften dieser Teilchen zu messen, was aber im Weltraum ist.

00:31:12.299 --> 00:31:15.959
<v Stefan Schael>Und sagt, ich schaffe die Verbindung.

00:31:16.179 --> 00:31:22.399
<v Stefan Schael>Um im Bild zu sein, ich messe sowas wie einen Fingerabdruck von diesem Teilchen an dem Beschleuniger.

00:31:22.599 --> 00:31:24.599
<v Stefan Schael>Das heißt, ich messe seine Eigenschaften.

00:31:25.939 --> 00:31:30.359
<v Stefan Schael>Und ich messe die gleichen Eigenschaften im Weltraum. Und wenn die Eigenschaften

00:31:30.359 --> 00:31:33.579
<v Stefan Schael>zusammenpassen, dann habe ich verstanden, was ich da habe.

00:31:33.759 --> 00:31:36.479
<v Stefan Schael>Und das ist die Verbindung zwischen der Physik, die wir auf der Raumstation

00:31:36.479 --> 00:31:38.959
<v Stefan Schael>machen, und der Physik, die wir an Beschleunigerexperimenten machen.

00:31:40.344 --> 00:31:44.684
<v Tim Pritlove>Womit wir so ein bisschen beim eigentlichen Thema angekommen sind,

00:31:44.804 --> 00:31:51.564
<v Tim Pritlove>das Alpha-Magnet-Spektrometer oder kurz AMS gab es bisher in zwei Varianten.

00:31:51.564 --> 00:32:00.764
<v Tim Pritlove>Ein AMS-01, was eher so der Testballon war und jetzt noch in Betrieb seit 2011,

00:32:01.024 --> 00:32:03.504
<v Tim Pritlove>das AMS-02 auf der Raumstation.

00:32:03.504 --> 00:32:12.784
<v Tim Pritlove>Wann ist denn die Idee für dieses Projekt geboren worden und was soll das jetzt konkret tun?

00:32:12.904 --> 00:32:18.324
<v Tim Pritlove>Also wie soll diese eigentliche Aufgabe, man muss das auch im Weltraum mal messen

00:32:18.324 --> 00:32:22.984
<v Tim Pritlove>können, wie ist man da rangegangen und wo hat sich diese Idee überhaupt herausgebildet?

00:32:22.984 --> 00:32:26.244
<v Stefan Schael>Ja, das ist also eine recht komplexe Frage.

00:32:27.544 --> 00:32:30.144
<v Stefan Schael>Ich fange mal mit dem ersten Teil an. Wie hat sich das entwickelt?

00:32:31.204 --> 00:32:32.524
<v Stefan Schael>Wer ist auf die Idee gekommen?

00:32:32.524 --> 00:32:40.184
<v Stefan Schael>Vom 1995 hatten wir also die Situation, dass wir Beschleunigerexperimente am

00:32:40.184 --> 00:32:45.544
<v Stefan Schael>CERN in Genf gemacht haben, an einem sehr ähnlichen Beschleuniger.

00:32:45.664 --> 00:32:48.884
<v Stefan Schael>Der war in dem gleichen Tunnel eingebaut, hat aber Elektronen und Positronen

00:32:48.884 --> 00:32:49.644
<v Stefan Schael>zur Kollision gebracht.

00:32:51.384 --> 00:32:54.644
<v Stefan Schael>Und wir waren in der Situation, dass wir uns gefragt haben, was machen wir danach?

00:32:55.544 --> 00:32:58.224
<v Stefan Schael>Und dann gab es also eine Richtung der Teilchenphysik, die haben gesagt,

00:32:58.384 --> 00:33:01.964
<v Stefan Schael>wir ersetzen die Elektronen und Positronen in Beschleuniger durch Protonen.

00:33:02.724 --> 00:33:07.164
<v Stefan Schael>Dann können wir höhere Energien erreichen, Schwerpunktsenergien und damit neue

00:33:07.164 --> 00:33:10.564
<v Stefan Schael>Teilchen produzieren und neue Phänomene verstehen.

00:33:10.784 --> 00:33:15.124
<v Stefan Schael>Und eine andere Gruppe hat gesagt, eigentlich die höchsten energetischen Beschleuniger

00:33:15.124 --> 00:33:19.124
<v Stefan Schael>im Universum, das sind Supernova-Explosionen.

00:33:19.664 --> 00:33:23.304
<v Stefan Schael>Also das kann ich auf der Erde nicht nachbauen. Also so viel Energie,

00:33:23.444 --> 00:33:26.384
<v Stefan Schael>wie frei wird, wenn ein Stern explodiert, das kann ich auf der Erde nicht nachbauen.

00:33:26.504 --> 00:33:29.904
<v Stefan Schael>Und es gibt noch hochenergetischer, das nennen wir aktive galaktische Kerne,

00:33:29.924 --> 00:33:32.804
<v Stefan Schael>wo Teilchen auf noch höhere Energien beschleunigt werden können.

00:33:33.384 --> 00:33:36.164
<v Stefan Schael>Und wenn Sie sich die Entwicklung in der modernen Physik angucken,

00:33:36.244 --> 00:33:40.124
<v Stefan Schael>dann sind viele Erkenntnisse, die wir haben, aus der Beobachtung der kosmischen

00:33:40.124 --> 00:33:41.044
<v Stefan Schael>Höhenstrahlung entstanden.

00:33:41.744 --> 00:33:45.384
<v Stefan Schael>Die ersten Elementarteilchen sind da gefunden worden. Also das Antiteilchen

00:33:45.384 --> 00:33:48.004
<v Stefan Schael>zum Elektron, das Positron ist da gefunden worden.

00:33:48.644 --> 00:33:51.144
<v Stefan Schael>Myonen sind in der kosmischen Strahlung gefunden worden. Pionen.

00:33:51.964 --> 00:33:54.604
<v Stefan Schael>Am Anfang hat es dafür noch Nobelpreise gegeben, weil man dachte,

00:33:54.704 --> 00:33:59.324
<v Stefan Schael>das ist es jetzt. Es gibt vielleicht zwei, drei. Dann hat sich herausgestellt, das ist ein ganzer Zoo.

00:34:00.104 --> 00:34:02.684
<v Stefan Schael>Und dann hat man in den 50er Jahren gesagt, also wisst ihr was,

00:34:02.804 --> 00:34:06.044
<v Stefan Schael>die Rate in der kosmischen Strahlung ist zu klein. Wir bauen Beschleuniger.

00:34:06.244 --> 00:34:07.404
<v Stefan Schael>Und dann studieren wir das.

00:34:07.544 --> 00:34:10.564
<v Tim Pritlove>Was heißt denn, man hat das in der kosmischen Höhenstrahlung gefunden?

00:34:10.744 --> 00:34:12.044
<v Tim Pritlove>Wo musste man sich denn befinden?

00:34:12.144 --> 00:34:15.724
<v Stefan Schael>Ja, das ist also wirklich teilweise abenteuerlich.

00:34:15.724 --> 00:34:22.744
<v Stefan Schael>Also die Leute haben Fotoemulsionen genommen und die Flugbahnen von den Teilchen

00:34:22.744 --> 00:34:27.644
<v Stefan Schael>in diesen Fotoemulsionen gesehen und damit die Eigenschaften verstanden.

00:34:27.744 --> 00:34:31.524
<v Stefan Schael>Das ging so weit, dass die, also die moderne Elektronik gab es ja nicht,

00:34:31.604 --> 00:34:35.064
<v Stefan Schael>also Sintillationszähler, das ist also ein Plastikmaterial, da geht ein Teilchen

00:34:35.064 --> 00:34:36.064
<v Stefan Schael>durch und erzeugt Licht.

00:34:37.426 --> 00:34:40.986
<v Stefan Schael>Und wir lesen das heute mit elektronischen Geräten aus und zählen die Lichtblitze

00:34:40.986 --> 00:34:42.146
<v Stefan Schael>und verstehen, was da passiert.

00:34:42.306 --> 00:34:45.406
<v Stefan Schael>Aber die haben sich dann Kisten gebaut, die Sintillationszähler da reingetan

00:34:45.406 --> 00:34:47.826
<v Stefan Schael>und haben sich in die Kisten gesetzt. Und die war absolut dunkel.

00:34:47.846 --> 00:34:49.106
<v Stefan Schael>Und dann haben sie lang genug gewartet.

00:34:49.606 --> 00:34:53.026
<v Stefan Schael>Nach mehreren Stunden ist das Auge so empfindlich, dass sie also diese Lichtblitze

00:34:53.026 --> 00:34:54.686
<v Stefan Schael>dann auch so sehen können und zählen können.

00:34:54.906 --> 00:34:57.846
<v Stefan Schael>Also Physik ist manchmal mühsam.

00:34:58.626 --> 00:35:03.006
<v Stefan Schael>Und das Ergebnis war, es gibt also einen ganzen Zoo von Elementarteilchen.

00:35:03.046 --> 00:35:07.406
<v Stefan Schael>Wie kriege ich den jetzt irgendwie sortiert? und das haben dann die Beschleunigerexperimente gemacht.

00:35:07.666 --> 00:35:12.986
<v Tim Pritlove>Und nochmal zu Verständnis, diese kosmische Strahlung prasselt ohnehin die ganze Zeit auf uns ein.

00:35:13.106 --> 00:35:16.086
<v Tim Pritlove>Also dazu muss man sich jetzt gar nicht auf Mount Everest begeben,

00:35:16.746 --> 00:35:20.226
<v Tim Pritlove>sondern es reicht auch in der Straße stehen zu bleiben und sozusagen nur im

00:35:20.226 --> 00:35:21.286
<v Tim Pritlove>richtigen Moment hinzugucken.

00:35:21.426 --> 00:35:24.066
<v Stefan Schael>Die ist auch nicht so ganz unwesentlich dafür, dass es uns überhaupt gibt.

00:35:25.806 --> 00:35:29.446
<v Stefan Schael>Also entdeckt worden ist sie von Victor Hess, auch wieder vor 100 Jahren,

00:35:29.446 --> 00:35:31.146
<v Stefan Schael>Also in diesem Jahr vor 100 Jahren,

00:35:31.286 --> 00:35:35.366
<v Stefan Schael>also genau vor 100 Jahren mit einem Ballonflug in der Nähe von Wien.

00:35:35.826 --> 00:35:39.706
<v Stefan Schael>Der ist mit dem Ballon aufgestiegen und hat gemessen, wie viele elektrische

00:35:39.706 --> 00:35:43.206
<v Stefan Schael>Teilchen er sieht, also geladene Teilchen er sieht und sich gewundert, dass das mehr werden.

00:35:43.606 --> 00:35:45.546
<v Stefan Schael>Also eigentlich war er der Meinung, die kommen von der Erde.

00:35:46.246 --> 00:35:48.786
<v Stefan Schael>Ja, und dann ist er aufgestiegen und hat gemerkt, das werden immer mehr.

00:35:48.866 --> 00:35:50.366
<v Stefan Schael>Und dann war klar, die kommen eigentlich von oben.

00:35:51.066 --> 00:35:51.786
<v Tim Pritlove>Keine Erdstrahlen.

00:35:51.786 --> 00:35:54.526
<v Stefan Schael>Keine Erdstrahlen. Dann ist die Frage, was ist das?

00:35:54.846 --> 00:36:02.026
<v Stefan Schael>Das sind Teilchen, die in kosmischen Beschleunigern wie einer Supernova-Explosion

00:36:02.026 --> 00:36:05.486
<v Stefan Schael>auf hohe Energien beschleunigt werden und auf die Erdatmosphäre treffen.

00:36:05.706 --> 00:36:10.526
<v Stefan Schael>Und die Erdatmosphäre schützt uns vor denen. Also wenn Sie Raumfahrt machen

00:36:10.526 --> 00:36:13.766
<v Stefan Schael>und Sie nehmen also einen Astronauten und schicken den zum Mars,

00:36:13.886 --> 00:36:16.846
<v Stefan Schael>dann wird er das wahrscheinlich nicht überleben. Er wird an Krebs sterben.

00:36:17.406 --> 00:36:21.046
<v Stefan Schael>Entweder schon während des Fluges oder kurz nachdem er hier auf der Erde gelandet

00:36:21.046 --> 00:36:25.406
<v Stefan Schael>ist, weil die Strahlung einfach viel zu hoch ist. Die Erde ist ein sehr geschütztes Reservoir.

00:36:25.426 --> 00:36:30.246
<v Stefan Schael>Wir haben ein Erdmagnetfeld und eine Erdatmosphäre, die uns vor dieser kosmischen Strahlung schützt.

00:36:30.906 --> 00:36:34.306
<v Stefan Schael>Auf der Raumstation sind wir immer noch im Erdmagnetfeld und wir werden zur

00:36:34.306 --> 00:36:36.166
<v Stefan Schael>Hälfte durch den Erdschatten abgedeckt.

00:36:36.266 --> 00:36:40.246
<v Stefan Schael>Wenn Sie aber ein freifliegendes Raumschiff haben, dann ist die Strahlung das

00:36:40.246 --> 00:36:42.686
<v Stefan Schael>größte Problem. Also Leben, Leute dahin zu bringen.

00:36:44.346 --> 00:36:49.526
<v Tim Pritlove>Wie viel Prozent schirmt die Erde ab? Wie viel kommt trotzdem noch durch?

00:36:49.526 --> 00:36:54.306
<v Stefan Schael>Also es kommt so wenig durch, dass Sie zwar interessante Sachen darin finden

00:36:54.306 --> 00:36:57.086
<v Stefan Schael>können, aber wenn Sie verstehen wollen, was kommt also primär,

00:36:58.226 --> 00:37:00.946
<v Stefan Schael>dann müssen Sie bei den niedrigen Energien in den Weltraum gehen.

00:37:01.766 --> 00:37:05.106
<v Stefan Schael>Dann werden zwar die Teilchen durch das Erdmagnetfeld abgelenkt, aber nicht verändert.

00:37:07.366 --> 00:37:11.526
<v Stefan Schael>Bei sehr hohen Energien gibt es also Experimente, die benutzen die Erdatmosphäre,

00:37:11.526 --> 00:37:15.666
<v Stefan Schael>damit die Teilchen also einen sogenannten Teilchenschauer in der Erdatmosphäre

00:37:15.666 --> 00:37:18.846
<v Stefan Schael>erzeugen, wie das Pierre Auger Observatorium in Argentinien.

00:37:19.806 --> 00:37:23.986
<v Stefan Schael>Und gucken sich diese Schauer, also die Sekundärteilchen an,

00:37:24.026 --> 00:37:27.326
<v Stefan Schael>die da angekommen sind, um Informationen über das Primärteilchen zu erlangen.

00:37:28.600 --> 00:37:32.120
<v Stefan Schael>Bei AMS ist der Ansatz ein anderer. Wir verlassen die Erdatmosphäre,

00:37:32.160 --> 00:37:36.720
<v Stefan Schael>weil wir uns angucken wollen, was also sozusagen ungestört von der Erdatmosphäre hier ankommt.

00:37:36.720 --> 00:37:41.840
<v Stefan Schael>Aber um den Gedanken noch eben zu Ende zu bringen, wenn wir keine kosmische

00:37:41.840 --> 00:37:46.600
<v Stefan Schael>Strahlung hätten, dann hätten wir wahrscheinlich keine vernünftige Evolution hingekriegt.

00:37:47.020 --> 00:37:50.620
<v Stefan Schael>Denn diese kosmische Strahlung verursacht natürlich in einigen Fällen,

00:37:50.620 --> 00:37:56.280
<v Stefan Schael>wenigen Fällen zum Glück, aber genügend Fällen Schäden in dem Erbgut,

00:37:56.340 --> 00:37:59.840
<v Stefan Schael>die eine Evolution in Gang setzen können. Also wenn sie das Erbgut immer nur

00:37:59.840 --> 00:38:01.960
<v Stefan Schael>perfekt kopieren, kriegen sie keine Evolution hin.

00:38:02.660 --> 00:38:06.220
<v Stefan Schael>Wenn sie zu viel kosmische Strahlung haben, dann ist die Schädigung zu groß

00:38:06.220 --> 00:38:08.520
<v Stefan Schael>und sie können auch nicht überleben. Sie sterben an Krebs.

00:38:08.760 --> 00:38:11.420
<v Stefan Schael>Ja, es ist ein sehr fein tariertes Gleichgewicht.

00:38:12.620 --> 00:38:13.620
<v Tim Pritlove>Fortschritt durch Mutation.

00:38:14.120 --> 00:38:17.240
<v Stefan Schael>Fortschritt durch Mutation, ja. Ohne Mutation gibt es keinen Fortschritt.

00:38:17.300 --> 00:38:20.060
<v Stefan Schael>Also das ist nicht angenehm, aber so ist es.

00:38:20.720 --> 00:38:24.840
<v Stefan Schael>Und die Idee von AMS ist, wir schauen uns das im Weltraum an,

00:38:24.920 --> 00:38:29.740
<v Stefan Schael>wir gehen zurück zu den Anfängen der Teilchenphysik, wir machen Experimente

00:38:29.740 --> 00:38:34.460
<v Stefan Schael>mit den höchsten energetischen Teilchen, die es gibt und wir machen das in einem

00:38:34.460 --> 00:38:37.080
<v Stefan Schael>Bereich, wo wir die Anfangsbedingungen nicht kontrollieren können.

00:38:37.080 --> 00:38:39.560
<v Stefan Schael>Also bei dem Beschleuniger kontrollieren Sie ja die Anfangsbedingungen.

00:38:39.620 --> 00:38:43.280
<v Stefan Schael>Das heißt, Sie können die Wechselwirkungsrate einstellen, die Energie einstellen.

00:38:43.760 --> 00:38:45.700
<v Stefan Schael>Da oben sehen wir alles, was es gibt.

00:38:46.820 --> 00:38:49.820
<v Stefan Schael>Was nicht heißt, dass wir merken, was es ist und dass wir das alles verstehen

00:38:49.820 --> 00:38:53.480
<v Stefan Schael>können. Aber wir haben keine Einschränkungen an den Anfangszustand.

00:38:54.600 --> 00:39:00.960
<v Stefan Schael>Und das ist die spannende Idee bei AMS. Und dann haben sich die Gründungsväter

00:39:00.960 --> 00:39:06.760
<v Stefan Schael>von AMS, zu denen ich nicht gehöre, weil 1995 war ich also gerade mit meiner Promotion fertig.

00:39:07.560 --> 00:39:11.740
<v Stefan Schael>Da war ich noch nicht in der Position, um also solche Experimente vorzuschlagen.

00:39:11.740 --> 00:39:16.000
<v Stefan Schael>Das ist vorgeschlagen worden von Herrn Professor Ting.

00:39:16.560 --> 00:39:22.180
<v Stefan Schael>Der ist Professor am MIT in den USA, hat den Nobelpreis für Physik in den 70er

00:39:22.180 --> 00:39:24.840
<v Stefan Schael>Jahren bekommen für die Entdeckung eines neuen Elementarteilchens.

00:39:26.080 --> 00:39:28.040
<v Tim Pritlove>Als es noch Nobelpreise dafür gab?

00:39:28.040 --> 00:39:31.780
<v Stefan Schael>Dafür noch Nobelpreise gab. Das war der letzte Nobelpreis, den es für die Entdeckung

00:39:31.780 --> 00:39:34.060
<v Stefan Schael>eines Quarks gegeben hat, das Charmquark.

00:39:35.480 --> 00:39:39.380
<v Stefan Schael>Der hat das vorgeschlagen, sich eine Gruppe von Mitstreitern gesucht.

00:39:39.480 --> 00:39:43.600
<v Stefan Schael>Dazu gehörte mein Vorgänger hier in Aachen, Herr Professor Lübbelsmeier,

00:39:43.780 --> 00:39:49.920
<v Stefan Schael>der dieses Experiment auf den Weg gebracht hat. und die Idee war eigentlich ganz einfach.

00:39:49.980 --> 00:39:56.180
<v Stefan Schael>Wir gehen also aus der Erstatmosphäre raus und wir sind damit in der Lage,

00:39:56.180 --> 00:39:58.680
<v Stefan Schael>uns Teilchen anzugucken, die sich bisher keiner angucken konnte.

00:39:59.040 --> 00:40:01.020
<v Tim Pritlove>Aber das Magnetfeld greift ja immer noch.

00:40:01.280 --> 00:40:04.300
<v Stefan Schael>Das Magnetfeld greift immer noch und das greift auch vorher schon.

00:40:04.380 --> 00:40:06.020
<v Stefan Schael>Das heißt, wir verlieren die Richtungsinformation.

00:40:07.420 --> 00:40:11.560
<v Stefan Schael>Wenn Sie sich angucken, was wissen wir vom Universum, dann wissen wir das im

00:40:11.560 --> 00:40:14.080
<v Stefan Schael>Wesentlichen aus der Beobachtung der neutralen Teilchen.

00:40:15.454 --> 00:40:21.414
<v Stefan Schael>Das heißt also der Photon und der Neutrinos heute. Bei den Teilchen behalten

00:40:21.414 --> 00:40:22.654
<v Stefan Schael>Sie die Richtungsinformationen.

00:40:22.674 --> 00:40:24.314
<v Stefan Schael>Das heißt, Sie können die Quelle identifizieren.

00:40:24.514 --> 00:40:25.154
<v Tim Pritlove>Also Licht.

00:40:26.854 --> 00:40:31.674
<v Stefan Schael>Licht, das sind die Photonen. Neutrinos in jüngerer Zeit mit Detektoren.

00:40:32.754 --> 00:40:37.534
<v Stefan Schael>Bei den geladenen Teilchen, die werden schon von den galaktischen Magnetfeldern abgelenkt.

00:40:37.554 --> 00:40:40.774
<v Stefan Schael>Die werden durch Turbulenzen abgelenkt in dem interstellaren Medium.

00:40:41.694 --> 00:40:44.034
<v Stefan Schael>Das heißt, die Richtungsinformationen haben wir nicht mehr.

00:40:45.454 --> 00:40:49.034
<v Stefan Schael>Aber um mal ein Beispiel zu sagen, wenn wir uns angucken, wie das Universum

00:40:49.034 --> 00:40:52.834
<v Stefan Schael>entstanden ist, dann gehen wir davon aus, dass es vor dem Universum eigentlich nichts gab.

00:40:54.654 --> 00:40:59.134
<v Stefan Schael>Also, sonst wäre es ja nicht der Anfang. Ja. Wenn es nichts gab,

00:40:59.294 --> 00:41:02.774
<v Stefan Schael>dann kommt man zu der Idee, dass nichts müsste eigentlich elektrisch neutral sein.

00:41:02.894 --> 00:41:05.414
<v Stefan Schael>Sonst ist es ja nicht nichts. Also wenn es eine elektrische Ladung hat,

00:41:05.474 --> 00:41:07.854
<v Stefan Schael>dann ist es ja schon was. Also es hat keine elektrische Ladung.

00:41:09.254 --> 00:41:13.174
<v Stefan Schael>Alle Versuche, die wir machen heute, zeigen uns, dass genauso viele positive

00:41:13.174 --> 00:41:17.074
<v Stefan Schael>wie negative Teilchen dann produziert werden. Genauso viel Materie wie Antimaterie.

00:41:19.154 --> 00:41:22.614
<v Stefan Schael>Heute verstehen wir nicht, wie es dazu kommt, dass diese vier Prozent,

00:41:22.674 --> 00:41:26.474
<v Stefan Schael>die wir beobachten an Materie im Universum, dass das nur Materie ist.

00:41:26.554 --> 00:41:27.674
<v Stefan Schael>Was ist mit der Antimaterie passiert?

00:41:29.314 --> 00:41:31.874
<v Stefan Schael>Es könnte durchaus sein, dass es Bereiche gibt im Universum,

00:41:31.874 --> 00:41:34.294
<v Stefan Schael>die aus Antimaterie bestehen. Vielleicht ist das Ganze symmetrisch.

00:41:34.374 --> 00:41:36.214
<v Stefan Schael>Es gibt Antimaterie-Galaxien.

00:41:36.374 --> 00:41:37.994
<v Tim Pritlove>Was ist Antimaterie nochmal?

00:41:38.414 --> 00:41:43.054
<v Stefan Schael>Was ist Antimaterie? Also ich hatte versucht zu erklären, wie so ein Atom aufgebaut ist.

00:41:43.174 --> 00:41:48.654
<v Stefan Schael>Das hat ein einfaches Atom, Wasserstoffatom, Atomkern, ist ein Proton und ein Elektronkreis darum.

00:41:49.674 --> 00:41:52.694
<v Stefan Schael>Die Physik sagt aber, das muss völlig symmetrisch sein.

00:41:52.794 --> 00:41:57.754
<v Stefan Schael>Es muss also ein Anti-Wasserstoffatom geben, was aus einem Antiproton,

00:41:57.774 --> 00:42:03.454
<v Stefan Schael>dem Antiteilchen zum Proton, und einem Positron besteht, dem Antiteilchen zum Elektron.

00:42:04.394 --> 00:42:08.674
<v Stefan Schael>So, das hat Dirac postuliert, aufgrund von theoretischen Überlegungen.

00:42:10.014 --> 00:42:13.474
<v Stefan Schael>Und in der kosmischen Höhenstrahlung ist dann das Positron gefunden worden,

00:42:13.554 --> 00:42:14.874
<v Stefan Schael>das Antiteilchen zum Elektron.

00:42:15.014 --> 00:42:18.054
<v Stefan Schael>Das heißt, das hat dieselben Eigenschaften wie das Elektron,

00:42:18.154 --> 00:42:20.994
<v Stefan Schael>nur die entgegengesetzte elektrische Ladung.

00:42:21.834 --> 00:42:25.434
<v Stefan Schael>So, und wenn dieses Universum am Anfang genauso viel Materie wie Antimaterie

00:42:25.434 --> 00:42:26.574
<v Stefan Schael>hatte, dann ist die Frage,

00:42:26.714 --> 00:42:30.694
<v Stefan Schael>wo ist die Antimaterie geblieben, gibt es Bereiche aus Antimaterie und wenn

00:42:30.694 --> 00:42:38.754
<v Stefan Schael>wir jetzt mit dem AMS-Experiment einen einzigen Antikohlenstoffkern sehen, dann wissen wir,

00:42:39.354 --> 00:42:44.914
<v Stefan Schael>es gibt Sterne aus Antimaterie, denn Kohlenstoff kann nur in Sternen entstehen,

00:42:44.934 --> 00:42:48.854
<v Stefan Schael>also es gibt Sterne aus Antimaterie im Universum und wir können dann nicht sagen, wo der ist.

00:42:50.356 --> 00:42:53.796
<v Stefan Schael>Weil wir die Richtungsinformation nicht haben. Aber die Erkenntnis an sich,

00:42:54.316 --> 00:42:59.236
<v Stefan Schael>dass es Bereiche im Universum aus Antimaterie gibt, würde also die Physik komplett revolutionieren.

00:43:00.236 --> 00:43:04.536
<v Stefan Schael>Und das ist nur eine der Facetten, die sich AMS anguckt.

00:43:04.876 --> 00:43:07.916
<v Stefan Schael>Und mit diesen Überlegungen, es ist also, selbst wenn wir die Richtungsinformation

00:43:07.916 --> 00:43:11.936
<v Stefan Schael>nicht bekommen können, das liegt ja nicht daran, dass wir das Experiment irgendwie

00:43:11.936 --> 00:43:14.276
<v Stefan Schael>schlecht machen, sondern dass die Natur dafür gesorgt hat,

00:43:15.016 --> 00:43:18.776
<v Stefan Schael>dass diese Richtungsinformation nicht mehr vorhanden ist, gibt es genug physikalische

00:43:18.776 --> 00:43:21.916
<v Stefan Schael>Fragen, die interessant genug sind, dass wir uns das mit solch einem Experiment

00:43:21.916 --> 00:43:24.696
<v Stefan Schael>angucken können. Und das war die Geburtsstunde von AMS.

00:43:25.176 --> 00:43:29.156
<v Stefan Schael>Das ist also eine Veröffentlichung, wo in Größenordnung 50 Personen draufstehen,

00:43:29.776 --> 00:43:33.576
<v Stefan Schael>von Aachen, Herr Lübbelsmeier als Institutsleiter damals.

00:43:34.376 --> 00:43:38.936
<v Stefan Schael>Und dann haben die Raumfahrtagenturen gesagt, also ihr seid Teilchenphysiker.

00:43:39.496 --> 00:43:42.116
<v Stefan Schael>Wir glauben euch, dass ihr Experimente am CERN bauen könnt.

00:43:43.096 --> 00:43:46.236
<v Stefan Schael>Aber so ein Experiment in den Weltraum zu bringen, ist schon noch ein bisschen was anderes.

00:43:47.936 --> 00:43:52.636
<v Stefan Schael>Anderes. Und ihr müsst uns erstmal zeigen, dass sowas funktioniert.

00:43:52.976 --> 00:43:58.216
<v Stefan Schael>Und das war die Idee von AMS1. Die Idee von AMS1 war, einen Prototypen zu bauen,

00:43:58.336 --> 00:44:01.256
<v Stefan Schael>mit dem man zeigen kann, sowas kann man überhaupt machen.

00:44:01.576 --> 00:44:04.556
<v Stefan Schael>Also Teilchendetektoren sind ja sehr empfindliche Messinstrumente.

00:44:06.236 --> 00:44:09.736
<v Stefan Schael>Größenordnung zu geben, wir messen also die Flugbahnen von Teilchen durch solch

00:44:09.736 --> 00:44:13.796
<v Stefan Schael>ein Instrument mit einer Genauigkeit von tausendstel Millimeter.

00:44:14.776 --> 00:44:18.296
<v Stefan Schael>Tausendstel Millimeter. Jetzt überlegen Sie sich mal, wie Sie was bauen müssen,

00:44:18.436 --> 00:44:19.956
<v Stefan Schael>dass Sie das vom Tisch schmeißen können.

00:44:20.096 --> 00:44:22.736
<v Stefan Schael>Und das kann danach immer noch tausendstel Millimeter messen.

00:44:22.756 --> 00:44:25.296
<v Stefan Schael>Und das vom Tisch schmeißen ist der Start mit dem Space Shuttle.

00:44:25.436 --> 00:44:28.396
<v Stefan Schael>Das ist der vorsichtigste Start, den Sie überhaupt haben können in der Raumfahrt.

00:44:29.436 --> 00:44:33.756
<v Stefan Schael>Das sind extreme Anforderungen von der Technologie. Das zweite Problem,

00:44:33.916 --> 00:44:38.116
<v Stefan Schael>was es zu lösen galt, war, die Erde hat ja zum Glück ein Magnetfeld.

00:44:38.116 --> 00:44:43.036
<v Stefan Schael>Wenn Sie jetzt geladene Teilchen messen wollen, brauchen Sie selber einen Magneten.

00:44:43.096 --> 00:44:46.716
<v Stefan Schael>Weil nur mit einem Magneten können Sie die geladenen Teilchen ablenken und aus

00:44:46.716 --> 00:44:50.076
<v Stefan Schael>der Ablenkung den Impuls und die elektrische Ladung messen.

00:44:51.336 --> 00:44:54.636
<v Stefan Schael>Wenn Sie diesen Magneten aber nicht sehr sorgfältig auslegen,

00:44:54.796 --> 00:44:58.536
<v Stefan Schael>dann starten Sie das Space Shuttle und danach haben Sie sämtliche Lagekontrolle verloren.

00:44:58.536 --> 00:45:02.876
<v Stefan Schael>Weil dieser Magnetwechsel wirkt mit dem Erdmagnetfeld und genau wie eine Kompassnadel

00:45:02.876 --> 00:45:06.476
<v Stefan Schael>dreht sich dann das Shuttle bei seinen 90 Minuten um die Erde die ganze Zeit

00:45:06.476 --> 00:45:09.076
<v Stefan Schael>in dem Erdmagnetfeld und sie können gar nichts mehr tun.

00:45:10.902 --> 00:45:15.582
<v Stefan Schael>Und da gab es in den 80er Jahren eine Entwicklung, dass also Physiker,

00:45:15.682 --> 00:45:19.322
<v Stefan Schael>Festkörperphysiker sich aus ganz anderen Gründen mit Magnetfeldern auseinandergesetzt

00:45:19.322 --> 00:45:22.842
<v Stefan Schael>haben und ein Konzept vorgeschlagen haben, wie man solch einen Magneten bauen kann.

00:45:24.122 --> 00:45:28.922
<v Stefan Schael>Und dieses Konzept hat AMS umgesetzt mit einem sogenannten Permanentmagneten.

00:45:28.942 --> 00:45:31.142
<v Stefan Schael>Er ist also aus seltenen Erden aufgebaut.

00:45:31.302 --> 00:45:35.122
<v Stefan Schael>Ist auch an sich schon ein faszinierendes Projekt. Also die seltenen Erden kamen

00:45:35.122 --> 00:45:38.202
<v Stefan Schael>aus China nach Deutschland gegangen zur Vakuumschmelze.

00:45:39.382 --> 00:45:41.342
<v Stefan Schael>Vakuumschmelze hat daraus kleine Würfelchen gemacht.

00:45:41.642 --> 00:45:43.962
<v Tim Pritlove>Also die seltenen Erden sind eigentlich Metalle.

00:45:44.842 --> 00:45:45.322
<v Stefan Schael>Ja.

00:45:46.522 --> 00:45:48.962
<v Tim Pritlove>Man sagt es halt so, was selten ist.

00:45:49.882 --> 00:45:53.182
<v Stefan Schael>Ja, aber es sind halt Metalle mit bestimmten Eigenschaften.

00:45:54.922 --> 00:45:58.442
<v Stefan Schael>Vakuumschmelze hat also die magnetisiert und kleine Würfelchen draus gemacht,

00:45:58.582 --> 00:46:00.542
<v Stefan Schael>muss man sich vorstellen, so Kubikzentimeter groß.

00:46:02.182 --> 00:46:05.382
<v Stefan Schael>Und die haben dann eine bevorzugte Magnetisierungsrichtung schon und daraus

00:46:05.382 --> 00:46:07.822
<v Stefan Schael>wollen sie also einen zylindrischen Magneten zusammenbauen.

00:46:07.882 --> 00:46:10.662
<v Stefan Schael>Aus Würfeln kann ich keinen Zylinder bauen. Da gibt es immer Lücken.

00:46:11.702 --> 00:46:15.802
<v Stefan Schael>Also sind diese Würfelchen in Deutschland produziert, wieder nach China gegangen

00:46:15.802 --> 00:46:21.202
<v Stefan Schael>und jeder einzelne Würfel ist in Form geschnitten worden, dass ich daraus also

00:46:21.202 --> 00:46:25.342
<v Stefan Schael>passgenau einen Zylinder bauen kann. Dafür brauchen sie sehr viel Personal.

00:46:25.562 --> 00:46:28.482
<v Stefan Schael>Deshalb macht man das lieber in China. Das können sie nicht mit Maschinen machen, vernünftig.

00:46:29.022 --> 00:46:32.562
<v Stefan Schael>Diese seltenen Erden, wenn die gepresst sind, sind also extrem brüchig.

00:46:33.142 --> 00:46:35.822
<v Stefan Schael>Versuchen sie mal ein Keramikmesser zu schleifen. Also besser versuchen sie

00:46:35.822 --> 00:46:37.622
<v Stefan Schael>es nicht. Das bricht in der Regel ab.

00:46:39.082 --> 00:46:42.462
<v Stefan Schael>Das war also extrem arbeitsintensiv, aber ist in China dann gemacht worden.

00:46:42.582 --> 00:46:46.002
<v Stefan Schael>Und die NASA war die Raumfahrtagentur, die das begleitet hat.

00:46:46.082 --> 00:46:49.702
<v Stefan Schael>Und die hat ihre Ingenieure nach China geschickt, um den Prozess zu überwachen

00:46:49.702 --> 00:46:54.142
<v Stefan Schael>und hat dann gesagt, so und jetzt wollen wir auskriegen, hält dieser Magnet

00:46:54.142 --> 00:46:55.722
<v Stefan Schael>auch einen Start mit einem Space Shuttle aus.

00:46:56.462 --> 00:46:59.362
<v Stefan Schael>Und das Einzige, was sie dann machen können, ist, um sich wirklich davon zu

00:46:59.362 --> 00:47:03.362
<v Stefan Schael>überzeugen, dass sie zwei Baugleiche machen und den einen versuchen kaputt zu machen.

00:47:03.822 --> 00:47:07.682
<v Stefan Schael>Also einen Distractive Test Test, wie das so schön heißt, also einen Test bis

00:47:07.682 --> 00:47:11.502
<v Stefan Schael>zur Zerstörung, um wirklich rauszukriegen, wo sind die Grenzen in der Festigkeit.

00:47:12.282 --> 00:47:14.962
<v Stefan Schael>Und der Prüfbericht von dem NASA-Ingenieur, der das gemacht hatte,

00:47:14.982 --> 00:47:17.882
<v Stefan Schael>ist sehr instruktiv, der sagt nämlich, wir geben auf.

00:47:18.362 --> 00:47:21.982
<v Stefan Schael>Also wir haben alles Equipment, was uns eingefallen ist, versucht zu verwenden

00:47:21.982 --> 00:47:24.282
<v Stefan Schael>und wir können diesen Ring nicht kaputt kriegen, diesen Zylinder.

00:47:26.442 --> 00:47:28.402
<v Tim Pritlove>Obwohl das eigentlich so ein brüchiges Material ist.

00:47:28.402 --> 00:47:32.262
<v Stefan Schael>Ja, aber wenn das also in solch einer Metallmatrix verklebt ist,

00:47:32.382 --> 00:47:37.542
<v Stefan Schael>dann ist das ein extrem robustes Objekt und diese Metallmatrix müssen sie sehr

00:47:37.542 --> 00:47:42.862
<v Stefan Schael>robust auslegen, denn die magnetischen Kräfte, die da wirken,

00:47:42.862 --> 00:47:46.242
<v Stefan Schael>sind viel größer als die mechanischen Kräfte bei dem Start von dem Space Shuttle.

00:47:47.143 --> 00:47:50.423
<v Tim Pritlove>Das Ding hält sich sozusagen selbst zusammen.

00:47:50.443 --> 00:47:54.383
<v Stefan Schael>Ja, das ist so ähnlich wie ein Gewölbe, was Sie bauen, wenn Sie den Stein in

00:47:54.383 --> 00:47:57.403
<v Stefan Schael>die richtige Form geben und das zusammensetzen oder eine Brücke,

00:47:57.563 --> 00:48:00.683
<v Stefan Schael>können Sie da drüber gehen und das fällt nicht ein zusammen.

00:48:00.683 --> 00:48:06.663
<v Stefan Schael>So, und das heißt, damit ist es gelungen, dann solch einen Magneten zu bauen,

00:48:06.803 --> 00:48:11.783
<v Stefan Schael>das Magnetfeld so auszulegen, dass es also in der Fachsprache heißt,

00:48:11.843 --> 00:48:13.363
<v Stefan Schael>kein externes Dipolmoment hat.

00:48:13.643 --> 00:48:17.683
<v Stefan Schael>Das geht physikalisch nicht, aber ein so kleines, dass dieses externe Dipolmoment

00:48:17.683 --> 00:48:20.103
<v Stefan Schael>nicht mit dem Erdmagnetfeld wechselwirkt.

00:48:21.103 --> 00:48:25.603
<v Stefan Schael>Und dann ist 1998 mit dem Space Shuttle Discovery dieser Prototyp geflogen.

00:48:26.443 --> 00:48:29.483
<v Stefan Schael>Schaut man sich mal die Zeitskala an, das ist drei Jahre nach dem Vorschlag.

00:48:30.343 --> 00:48:33.063
<v Stefan Schael>Also wenn wir heute Raumfahrtprojekte machen, dann können wir nur davon träumen,

00:48:33.103 --> 00:48:35.763
<v Stefan Schael>dass also von der Idee bis zur Ausführung drei Jahre vergehen.

00:48:36.783 --> 00:48:40.643
<v Stefan Schael>Das war sehr erfolgreich, sind viele wissenschaftliche Veröffentlichungen rausgekommen

00:48:41.083 --> 00:48:44.063
<v Stefan Schael>und dann haben die Raumfahrtagenturen gesagt, so und jetzt habt ihr gezeigt,

00:48:44.163 --> 00:48:47.523
<v Stefan Schael>das funktioniert, jetzt baut was für die Raumstation.

00:48:48.683 --> 00:48:53.443
<v Tim Pritlove>Drei Jahre. Das ist wirklich erstaunlich schnell. Was hat dazu geführt.

00:48:53.523 --> 00:48:55.663
<v Stefan Schael>Dass das möglich war?

00:49:00.223 --> 00:49:05.503
<v Stefan Schael>Also erstmal muss man sehen, dass das vor den Abstürzen der Space Shuttle war.

00:49:05.703 --> 00:49:09.703
<v Stefan Schael>Das heißt, die Sicherheitsanforderungen waren noch andere. Die Leute waren nicht

00:49:09.703 --> 00:49:12.543
<v Stefan Schael>so sensibilisiert für Sicherheitsfragen.

00:49:13.063 --> 00:49:15.943
<v Stefan Schael>Heute können sie das alleine schon deshalb nicht schaffen, selbst wenn sie alles

00:49:15.943 --> 00:49:19.263
<v Stefan Schael>richtig machen, sie können nicht nachweisen, dass alles richtig ist.

00:49:19.303 --> 00:49:23.863
<v Stefan Schael>Also der Aufwand an Dokumentation und an Testverfahren ist so groß geworden

00:49:23.863 --> 00:49:26.143
<v Stefan Schael>jetzt, dass sie das in der Zeit einfach gar nicht schaffen können.

00:49:26.383 --> 00:49:31.883
<v Stefan Schael>Das ist der eine Grund. Und der zweite Grund, die Teilchenphysiker arbeiten

00:49:31.883 --> 00:49:36.323
<v Stefan Schael>anders als die Raumfahrtindustrie und als die, wie soll man das sagen,

00:49:36.443 --> 00:49:37.703
<v Stefan Schael>auch die Raumfahrtagenturen.

00:49:37.843 --> 00:49:42.483
<v Stefan Schael>Also die, Goldin war zu der Zeit der Chef von der NASA und der hat gesagt,

00:49:42.623 --> 00:49:46.683
<v Stefan Schael>also wenn ich das intern hinkriegen würde, sowas, das wäre unglaublich.

00:49:46.683 --> 00:49:51.803
<v Stefan Schael>Ja, die Teilchenphysiker, die waren gewohnt, Experimente zu bauen,

00:49:51.883 --> 00:49:54.923
<v Stefan Schael>das heißt, wir haben diese Infrastruktur an den Universitäten,

00:49:55.003 --> 00:49:58.903
<v Stefan Schael>das heißt also, so ein physikalisches Institut in Aachen hat eine große Werkstatt,

00:49:58.923 --> 00:50:01.823
<v Stefan Schael>Mechanik, Elektronik inklusive Entwicklung.

00:50:03.327 --> 00:50:08.247
<v Stefan Schael>Ähm, das heißt, es war relativ leicht möglich, ein großes Team von Wissenschaftlern,

00:50:08.267 --> 00:50:11.487
<v Stefan Schael>Technikern sozusagen aus dem Stand zur Verfügung zu haben mit dem richtigen

00:50:11.487 --> 00:50:13.627
<v Stefan Schael>Know-how, um das zu machen.

00:50:13.747 --> 00:50:18.187
<v Stefan Schael>Und das Zweite war, die Raumfahrtagenturen selber haben das sehr geschickt gemanagt.

00:50:18.187 --> 00:50:22.207
<v Stefan Schael>Die haben nämlich gesagt, also die können Instrumente bauen. Das glauben wir denen.

00:50:22.667 --> 00:50:26.247
<v Stefan Schael>Raumfahrt kennen sie nicht. Also wir setzen ein Ingenieurbüro ein an der Schnittstelle,

00:50:26.267 --> 00:50:31.287
<v Stefan Schael>was diesen Prozess überwacht, an deren Treffen teilnimmt, an deren Arbeitsbesprechungen

00:50:31.287 --> 00:50:34.527
<v Stefan Schael>teilnimmt und denen unmittelbar eine Rückmeldung gibt, ob das,

00:50:34.607 --> 00:50:36.947
<v Stefan Schael>was die sich überlegen, Sinn macht oder keinen Sinn macht.

00:50:36.947 --> 00:50:41.567
<v Stefan Schael>Und zwar nicht, wie das so schön neudeutsch heißt, vor dem Hintergrund Mission

00:50:41.567 --> 00:50:44.407
<v Stefan Schael>Success, sondern nur Mission Safety.

00:50:45.007 --> 00:50:47.667
<v Stefan Schael>Also der Erfolg der Mission ist Aufgabe der Wissenschaftler.

00:50:47.987 --> 00:50:51.567
<v Stefan Schael>Aber die Sicherheit der Mission ist unsere Aufgabe und darauf konzentrieren wir uns.

00:50:51.747 --> 00:50:54.887
<v Stefan Schael>Und alles, was damit nichts zu tun hat, das lassen wir die Wissenschaftler machen,

00:50:54.967 --> 00:50:57.667
<v Stefan Schael>das machen die vor Ort, das machen die schnell und das funktioniert.

00:50:58.247 --> 00:51:03.067
<v Stefan Schael>So, und dann hat sich also die ETH Zürich bereit erklärt, sozusagen die gesamte

00:51:03.067 --> 00:51:06.927
<v Stefan Schael>Integration, dass die in Zürich passiert. Also ein Instrument ist recht komplex.

00:51:07.427 --> 00:51:11.747
<v Stefan Schael>Das ist da gemacht worden und dann ist das von Zürich mit einer 747 zum Kennedy

00:51:11.747 --> 00:51:14.807
<v Stefan Schael>Space Center geflogen worden und mit dem Space Shuttle Discovery geflogen worden.

00:51:15.947 --> 00:51:23.727
<v Stefan Schael>Und das war ein Erfolg, was für ein so dreijähriges Projekt also schon ein gutes Aushängeschild ist.

00:51:23.727 --> 00:51:26.927
<v Tim Pritlove>Wer hat denn das finanziert?

00:51:54.741 --> 00:51:59.021
<v Stefan Schael>Und was wir damals im Wesentlichen gemacht haben, sind Tragestrukturen,

00:51:59.081 --> 00:52:02.361
<v Stefan Schael>Kohlefasertragestrukturen zu bauen, zu entwickeln.

00:52:02.561 --> 00:52:07.081
<v Stefan Schael>Und etwas, was sich Laser Alignment System nennt, das ist also ein optisches

00:52:07.081 --> 00:52:10.441
<v Stefan Schael>System, was die mechanische Stabilität dieses Instruments überwacht hat.

00:52:12.581 --> 00:52:18.561
<v Stefan Schael>Das war also von deutscher Seite recht bescheiden. Im Wesentlichen finanziert

00:52:18.561 --> 00:52:21.921
<v Stefan Schael>worden ist das von Schweizer Seite, ETH Zürich.

00:52:23.361 --> 00:52:28.481
<v Stefan Schael>Die Schweizer Gruppen haben viel finanziert und das MIT über Herrn Ting,

00:52:28.661 --> 00:52:32.441
<v Stefan Schael>Italien, das waren die wesentlichen Geldgeber. Mhm.

00:52:32.941 --> 00:52:39.201
<v Tim Pritlove>Das war jetzt aber auch noch, sagen wir mal, ein vergleichsweise kleineres Experiment-Setup

00:52:39.201 --> 00:52:41.181
<v Tim Pritlove>im Vergleich zu dem, was dann später kam.

00:52:41.441 --> 00:52:43.661
<v Tim Pritlove>Wie groß muss man sich das Ding vorstellen?

00:52:44.121 --> 00:52:46.061
<v Stefan Schael>AMS 1 oder AMS 2?

00:52:46.321 --> 00:52:46.761
<v Tim Pritlove>Nee, die erste.

00:52:46.881 --> 00:52:51.961
<v Stefan Schael>AMS 1 würde ich sagen, ein bisschen mehr als ein Kubikmeter instrumentiertes Volumen.

00:52:53.341 --> 00:52:57.701
<v Stefan Schael>So was wie zweieinhalb bis drei Tonnen Gewicht.

00:52:57.801 --> 00:52:59.721
<v Tim Pritlove>Also schon eine signifikante Last.

00:53:00.381 --> 00:53:03.921
<v Stefan Schael>Also für Raumfahrt, wenn man sich anguckt, was der Aufwand ist,

00:53:03.941 --> 00:53:07.721
<v Stefan Schael>um ein Kilogramm Material auf die Raumstation zu bringen, das ist schon ein

00:53:07.721 --> 00:53:11.061
<v Stefan Schael>signifikanter Teil des Materials und das war in dem Flug auch die wesentliche

00:53:11.061 --> 00:53:13.081
<v Stefan Schael>Nutzlast von dem Space Shuttle.

00:53:13.181 --> 00:53:18.421
<v Stefan Schael>Das hatte als sonstige Aufgabe zum ersten Mal an die Mira anzudocken und hat

00:53:18.421 --> 00:53:19.841
<v Stefan Schael>dieses Experiment halt mitgeflogen.

00:53:20.621 --> 00:53:24.041
<v Stefan Schael>Also bei AMS 2 sind die Dimensionen jetzt ein bisschen anders.

00:53:24.101 --> 00:53:29.241
<v Stefan Schael>Da haben wir so 60 Kubikmeter instrumentiertes Volumen.

00:53:29.881 --> 00:53:35.761
<v Stefan Schael>Also 5 mal 4 mal 3 Meter ist das Ganze groß, wiegt knapp 8 Tonnen,

00:53:35.761 --> 00:53:40.521
<v Stefan Schael>braucht zweieinhalb Kilowatt Strom.

00:53:41.901 --> 00:53:48.301
<v Stefan Schael>Das ist also schon eine Nummer größer, eine Nummer aufwendiger.

00:53:48.321 --> 00:53:51.221
<v Stefan Schael>Aber mit den Erfahrungen von AMS1 war das auch vertretbar.

00:53:51.601 --> 00:53:55.041
<v Stefan Schael>In der wissenschaftlichen Entwicklung, Sie können normalerweise eine Größenordnung

00:53:55.041 --> 00:53:57.681
<v Stefan Schael>extrapolieren, das funktioniert, also ein Faktor 10.

00:53:59.315 --> 00:54:02.495
<v Stefan Schael>Faktor 100 ist schwierig, also da tauchen normalerweise ganz andere Probleme auf.

00:54:02.795 --> 00:54:08.195
<v Stefan Schael>Und der Vergleich zwischen AMS 1 und AMS 2 ist so grob, also groben Faktor 10.

00:54:08.915 --> 00:54:11.735
<v Stefan Schael>Ja, an einigen Stellen ist es mehr, an anderen Stellen ist es weniger,

00:54:11.815 --> 00:54:16.655
<v Stefan Schael>aber grob ist es also eine Größenordnung schwieriger als AMS 1 zu machen.

00:54:17.115 --> 00:54:21.235
<v Tim Pritlove>Bleiben wir nochmal kurz bei AMS 1. Also was konnte da jetzt konkret getan werden

00:54:21.235 --> 00:54:23.175
<v Tim Pritlove>und was konnte bewiesen werden?

00:54:25.395 --> 00:54:28.675
<v Stefan Schael>Also, zunächst einmal war die Hauptaufgabe zu zeigen, dass man so ein Instrument

00:54:28.675 --> 00:54:30.595
<v Stefan Schael>in den Weltraum bringen kann. Also eine technische Frage.

00:54:31.555 --> 00:54:34.535
<v Stefan Schael>Das heißt, die Hauptfrage war, seid ihr in der Lage, das zu bauen?

00:54:34.835 --> 00:54:38.035
<v Stefan Schael>Wir fliegen das und dann kommt das wieder runter und das funktioniert immer noch.

00:54:38.815 --> 00:54:43.175
<v Stefan Schael>Und hat sich nicht so verändert, dass dadurch eure Messergebnisse beeinflusst werden.

00:54:43.915 --> 00:54:46.535
<v Stefan Schael>Das mussten wir also nachweisen. Das heißt, nach dem Flug ist das Instrument

00:54:46.535 --> 00:54:50.975
<v Stefan Schael>in einen sogenannten Teststrahl gegangen, wieder am CERN und an der GSI in Darmstadt.

00:54:51.455 --> 00:54:54.355
<v Stefan Schael>Und wir haben uns mit bekannten Teilchen angeguckt, dass das immer noch genauso

00:54:54.355 --> 00:54:55.675
<v Stefan Schael>funktioniert wie vor dem Start.

00:54:56.115 --> 00:55:00.055
<v Tim Pritlove>Das heißt, die Ergebnisse ließen sich auch erst nach Rückkehr der Mission überhaupt auslesen?

00:55:00.055 --> 00:55:04.235
<v Stefan Schael>Die Ergebnisse kommen immer erst nach Rückkehr. Also die Daten werden da aufgezeichnet.

00:55:04.275 --> 00:55:09.375
<v Stefan Schael>Wir haben 100 Millionen Teilchen aus der kosmischen Höhenstrahlung aufgezeichnet.

00:55:09.375 --> 00:55:14.055
<v Stefan Schael>Das war damals also so die größte Datenmenge, die man hatte, primär gemessen.

00:55:14.055 --> 00:55:14.575
<v Tim Pritlove>In zehn Tagen.

00:55:14.695 --> 00:55:15.495
<v Stefan Schael>In zehn Tagen Flug.

00:55:17.735 --> 00:55:22.655
<v Stefan Schael>Wir haben dabei, also ich will zwei wissenschaftliche Ergebnisse sagen.

00:55:22.775 --> 00:55:26.535
<v Stefan Schael>Also wir haben zum einen natürlich nach Antimaterien der kosmischen Strahlung gesucht.

00:55:27.475 --> 00:55:30.615
<v Stefan Schael>Wir haben keine gefunden. Jetzt kann man sagen, das ist schlecht.

00:55:31.915 --> 00:55:33.955
<v Stefan Schael>Eigentlich ist das doch nur ein Erfolg, wenn ihr was findet.

00:55:34.035 --> 00:55:38.015
<v Stefan Schael>Aber jetzt gehe ich wieder zurück zu dem Experiment von Michelson und Morley.

00:55:38.015 --> 00:55:40.415
<v Stefan Schael>Die haben nicht gefunden, dass die Lichtgeschwindigkeit sich ändert.

00:55:40.415 --> 00:55:42.795
<v Stefan Schael>Die haben gefunden, dass die Lichtgeschwindigkeit sich nicht ändert.

00:55:43.275 --> 00:55:46.735
<v Stefan Schael>Das war die Erkenntnis. Wir haben keine Antimaterie gefunden.

00:55:46.915 --> 00:55:50.015
<v Stefan Schael>Wir haben damit die Erkenntnis darüber, wie viel Antimaterie es im Universum

00:55:50.015 --> 00:55:51.695
<v Stefan Schael>geben kann, deutlich verbessert.

00:55:52.355 --> 00:55:56.475
<v Stefan Schael>Was auf der anderen Seite heißt, wenn es keine Bereiche aus Antimaterie im Universum

00:55:56.475 --> 00:55:58.335
<v Stefan Schael>gibt, dann müsste es eigentlich...

00:56:00.374 --> 00:56:04.134
<v Stefan Schael>Neue physikalische Wechselwirkungen geben, die diese Asymmetrie erklären zwischen

00:56:04.134 --> 00:56:07.274
<v Stefan Schael>Materie und Antimaterie und heißt, dass wir also an einer anderen Stelle suchen

00:56:07.274 --> 00:56:09.214
<v Stefan Schael>müssen. Wir können diesen Bereich also abschließen.

00:56:09.474 --> 00:56:13.694
<v Tim Pritlove>Aber wie findet man denn bitte etwas, was man noch nie gesehen hat?

00:56:13.854 --> 00:56:14.034
<v Stefan Schael>Genau.

00:56:14.214 --> 00:56:18.814
<v Tim Pritlove>Wie baut man ein Instrument für etwas? Also nach welchem Plan kann man,

00:56:18.974 --> 00:56:20.254
<v Tim Pritlove>also wenn da jetzt so dieses,

00:56:21.294 --> 00:56:24.994
<v Tim Pritlove>Antimaterie-Kohlenstoff-Atom daherkommt, so nach langer Reise,

00:56:25.014 --> 00:56:29.374
<v Tim Pritlove>ein paar hundert Millionen Jahre unterwegs, trifft dann rein zufällig auf dieses

00:56:29.374 --> 00:56:34.794
<v Tim Pritlove>ams auf was also woran kann man denn erkennen dass es sich dabei auch um das handelt.

00:56:34.794 --> 00:56:39.534
<v Stefan Schael>Ja jetzt kommt wieder unser magnet ins spiel wir messen

00:56:39.534 --> 00:56:43.714
<v Stefan Schael>die elektrische ladung der teilchen indem wir diese teilchen durch unser magnetfeld

00:56:43.714 --> 00:56:47.934
<v Stefan Schael>durchfliegen lassen jetzt der magnet alleine tut es nicht sondern dieses magnet

00:56:47.934 --> 00:56:52.394
<v Stefan Schael>volumen wird instrumentiert das heißt wir brauchen spur detektoren die wir da

00:56:52.394 --> 00:56:56.954
<v Stefan Schael>einbauen diese spur detektoren erlauben uns die flugbahn dieser dieser Teilchen zu messen.

00:56:57.034 --> 00:57:01.194
<v Stefan Schael>Und zwar mit einer Genauigkeit, dass wir also sowas wie sechs bis zehn Punkte

00:57:01.194 --> 00:57:04.554
<v Stefan Schael>mit einer Genauigkeit von einem tausendstel Millimeter pro Punkt bekommen.

00:57:05.174 --> 00:57:09.134
<v Stefan Schael>Und damit können wir feststellen, ob die Spur rechtsrum gekrümmt ist oder linksrum

00:57:09.134 --> 00:57:12.214
<v Stefan Schael>gekrümmt ist. Einmal ist es Materie, einmal ist es Antimaterie.

00:57:12.474 --> 00:57:18.054
<v Stefan Schael>Und jetzt sehen wir Heliumatome, das zweithäufigste Element,

00:57:18.334 --> 00:57:22.694
<v Stefan Schael>Atomkerne in der kosmischen Strahlung, messen die und sehen,

00:57:22.734 --> 00:57:24.054
<v Stefan Schael>die sehen aus, wie wir das erwarten.

00:57:24.974 --> 00:57:28.154
<v Stefan Schael>Und dann Dann fragen wir von diesen Teilchen, die wir gut messen können,

00:57:28.334 --> 00:57:30.594
<v Stefan Schael>mit denen wir sozusagen unser Instrument kalibrieren können,

00:57:30.914 --> 00:57:33.674
<v Stefan Schael>wie viele von denen gibt es mit der entgegengesetzten elektrischen Ladung?

00:57:34.494 --> 00:57:36.014
<v Stefan Schael>Und dann finden wir kein einziges.

00:57:36.914 --> 00:57:40.234
<v Stefan Schael>Und dann heißt das, in der kosmischen Strahlung kommt kein Antihelium vor.

00:57:41.814 --> 00:57:45.594
<v Stefan Schael>Kohlenstoff konnte AMS 1 nicht. Kohlenstoff kann erst AMS 2.

00:57:46.534 --> 00:57:50.854
<v Stefan Schael>Helium konnte AMS 1 schon und hat festgestellt, es gibt kein Antihelium.

00:57:51.454 --> 00:57:54.054
<v Stefan Schael>So, und die spannende Frage ist immer, wie bauen Sie ein Instrument,

00:57:54.054 --> 00:57:55.574
<v Stefan Schael>mit dem sie nach was Neuem suchen wollen.

00:57:55.954 --> 00:57:58.354
<v Tim Pritlove>Also es gibt keins oder es kam keins vorbei?

00:57:59.834 --> 00:58:03.234
<v Stefan Schael>Die Antwort können wir nicht unterscheiden. Wir können nur sagen,

00:58:03.854 --> 00:58:06.394
<v Stefan Schael>in der Beobachtungsdauer, die wir hatten, kam keins vorbei.

00:58:07.214 --> 00:58:10.074
<v Stefan Schael>Könnte durchaus sein, dass es welche gibt, aber die sind so selten,

00:58:10.114 --> 00:58:10.754
<v Stefan Schael>dass wir sie nicht sehen.

00:58:10.934 --> 00:58:18.394
<v Tim Pritlove>Aber wenn 96% des Universums aus Antimaterie bestehen und man interagiert üblicherweise

00:58:18.394 --> 00:58:20.594
<v Tim Pritlove>mit 4%, dann müsste ja eigentlich...

00:58:20.594 --> 00:58:23.074
<v Stefan Schael>Moment, jetzt kommt wieder wieder das, was häufiger passiert.

00:58:23.334 --> 00:58:27.894
<v Stefan Schael>Dunkle Materie, dunkle Energie, Antimaterie, das sind völlig verschiedene Sachen. Also,

00:58:30.954 --> 00:58:34.514
<v Stefan Schael>diese 4% Materie, die wir im Universum haben,

00:58:37.866 --> 00:58:44.026
<v Stefan Schael>Das sind Teilchen, die aus Baryonen im Wesentlichen aufgebaut sind,

00:58:45.026 --> 00:58:46.066
<v Stefan Schael>die wir beobachten können.

00:58:46.386 --> 00:58:53.166
<v Stefan Schael>Diese 96 Prozent dunkle Materie und dunkle Energie, da können wir ausschließen,

00:58:53.266 --> 00:58:54.326
<v Stefan Schael>dass das Antimaterie ist.

00:58:54.946 --> 00:58:56.086
<v Tim Pritlove>Ah, noch mal was anderes.

00:58:56.086 --> 00:58:59.486
<v Stefan Schael>Das hat also damit gar nichts zu tun, sondern es ist eigentlich die Frage,

00:58:59.506 --> 00:59:02.766
<v Stefan Schael>wenn ich Elementarteilchen miteinander kollidieren lasse, also nach Einsteins

00:59:02.766 --> 00:59:08.266
<v Stefan Schael>Formel E gleich mc² Energie in Masse umwandle, Dann habe ich ja am Anfang,

00:59:08.326 --> 00:59:10.366
<v Stefan Schael>wenn ich das mache, Energie.

00:59:10.466 --> 00:59:12.386
<v Stefan Schael>Energie hat keine elektrische Ladung.

00:59:13.186 --> 00:59:16.586
<v Stefan Schael>Und am Ende, habe ich dann eine elektrische Ladung oder nicht?

00:59:16.946 --> 00:59:20.026
<v Stefan Schael>Wenn ich unterschiedlich viel Materie und Antimaterie produziere,

00:59:20.106 --> 00:59:21.386
<v Stefan Schael>habe ich eine elektrische Ladung.

00:59:21.466 --> 00:59:24.066
<v Stefan Schael>Also wenn ich unterschiedlich viel Elektronen und Positronen mache,

00:59:24.266 --> 00:59:26.926
<v Stefan Schael>ist die Nettoladung nachher von null verschieden.

00:59:27.306 --> 00:59:30.506
<v Stefan Schael>Nur wenn ich genauso viele Elektronen wie Positronen mache, ist das,

00:59:30.546 --> 00:59:31.846
<v Stefan Schael>was rauskommt, elektrisch neutral.

00:59:33.026 --> 00:59:37.166
<v Stefan Schael>Alle Experimente auf der Erde zeigen uns, dass diese Symmetrie zwischen Materie

00:59:37.166 --> 00:59:40.566
<v Stefan Schael>und Antimaterie weitgehend erfüllt ist.

00:59:41.106 --> 00:59:44.626
<v Stefan Schael>Die kleinen Abweichungen, die wir gefunden haben, reichen bei Weitem nicht aus,

00:59:44.686 --> 00:59:46.466
<v Stefan Schael>um die Asymmetrie im Universum zu erklären.

00:59:48.086 --> 00:59:53.006
<v Stefan Schael>Jetzt suchen wir mit AMS nach Antimaterie. Das heißt, es könnte sein,

00:59:53.106 --> 00:59:58.206
<v Stefan Schael>dass diese 4%, die die Materie ausmacht, im Universum, dass es also einen Teil

00:59:58.206 --> 01:00:01.166
<v Stefan Schael>davon in Form von Antimaterie in anderen Galaxien gibt.

01:00:02.786 --> 01:00:08.246
<v Stefan Schael>Und das ist die Aufgabe, was AMS versucht, diese Frage versucht AMS zu beantworten.

01:00:08.246 --> 01:00:09.166
<v Stefan Schael>Und wir haben keine gefunden.

01:00:09.806 --> 01:00:12.946
<v Stefan Schael>Das heißt nicht, dass es keine gibt, aber das heißt, mit der Sensitivität,

01:00:12.946 --> 01:00:14.866
<v Stefan Schael>die wir hatten, konnten wir nichts sehen.

01:00:16.721 --> 01:00:19.641
<v Stefan Schael>Ich versuche es wieder mal an einem Beispiel. Stellen Sie sich einen Wassertropfen

01:00:19.641 --> 01:00:23.481
<v Stefan Schael>vor. Sie haben also eine Pfütze, einen Tümpel, nehmen einen Wassertropfen raus und gucken sich den an.

01:00:24.301 --> 01:00:26.881
<v Stefan Schael>Und gucken und gucken und sehen nichts da drin. Und sagen, naja,

01:00:26.921 --> 01:00:28.241
<v Stefan Schael>es ist Wasser, es ist halt nichts drin.

01:00:29.281 --> 01:00:31.581
<v Stefan Schael>Dann kommt einer auf die Idee und sagt, ich baue ein Mikroskop.

01:00:32.721 --> 01:00:35.601
<v Stefan Schael>Und guckt in den Wassertropfen. Und sieht ein ganz neues Universum.

01:00:35.621 --> 01:00:38.481
<v Stefan Schael>Der sieht die Einzeller da drin, die da rumschwimmen und sie verstehen plötzlich,

01:00:38.621 --> 01:00:40.301
<v Stefan Schael>wie Zellen funktionieren. Und, und, und.

01:00:42.921 --> 01:00:48.381
<v Stefan Schael>Durch das Hingucken mit dem Auge haben sie nur gelernt, dass das ein Wassertropfen ist.

01:00:48.541 --> 01:00:53.001
<v Stefan Schael>Durch das Hingucken mit dem Instrument, nämlich Mikroskop, was eine tausendmal

01:00:53.001 --> 01:00:55.841
<v Stefan Schael>höhere Sensitivität als das Auge hat, lernen sie dann plötzlich,

01:00:55.961 --> 01:00:57.401
<v Stefan Schael>was in dem Wassertropfen drin ist.

01:00:58.721 --> 01:01:02.881
<v Stefan Schael>AMS 2, was wir auf die Raumstation gebracht haben, ist tausendmal empfindlicher

01:01:02.881 --> 01:01:05.101
<v Stefan Schael>als alle Experimente, die wir vorher gemacht haben.

01:01:06.141 --> 01:01:06.621
<v Tim Pritlove>Tausendmal.

01:01:06.861 --> 01:01:10.001
<v Stefan Schael>Tausendmal. Mindestens tausendmal, in einigen Bereichen auch mehr.

01:01:10.701 --> 01:01:14.341
<v Stefan Schael>Was wir dabei finden, das ist die spannende Frage.

01:01:15.281 --> 01:01:18.261
<v Stefan Schael>Also wenn Sie das Mikroskop gebaut haben, dann haben Sie das auch nicht darauf

01:01:18.261 --> 01:01:22.041
<v Stefan Schael>ausgelegt, den Einzeller in den Wassertropfen zu finden, sondern Sie haben das

01:01:22.041 --> 01:01:25.121
<v Stefan Schael>gebaut, um Strukturen aufzulösen. Das war die Anforderung.

01:01:25.621 --> 01:01:29.561
<v Stefan Schael>Wir haben AMS gebaut, dass wir Elementarteilchen sehen können.

01:01:30.741 --> 01:01:33.601
<v Stefan Schael>Welche wir dabei finden, das wissen wir nicht. Wir hoffen natürlich,

01:01:33.721 --> 01:01:37.141
<v Stefan Schael>dass wir welche finden, die wir bisher nicht kennen und aus denen wir was Neues lernen.

01:01:39.141 --> 01:01:44.041
<v Tim Pritlove>So, nachdem also AMS01 so erfolgreich war, insofern als dass man bewiesen hat,

01:01:44.101 --> 01:01:47.901
<v Tim Pritlove>man kann es bauen, man kann es hochschieben, es geht aber nicht kaputt und es

01:01:47.901 --> 01:01:51.581
<v Tim Pritlove>detektiert auch tatsächlich, auch wenn nicht gerade das vorbeikam,

01:01:51.621 --> 01:01:53.401
<v Tim Pritlove>was man gerne gesehen hätte,

01:01:53.721 --> 01:01:59.041
<v Tim Pritlove>war dann die Entscheidung für ein Nachfolgeprojekt dann relativ leicht durchzusetzen?

01:02:00.441 --> 01:02:05.861
<v Stefan Schael>Die Entscheidung für das Nachfolgeprojekt fiel auch noch, bevor ich an die RWTH Aachen kam.

01:02:06.481 --> 01:02:11.521
<v Stefan Schael>Mein Vorgänger hat mir gesagt, es war schwierig, als ich also 2000 hier anfing.

01:02:12.861 --> 01:02:18.761
<v Stefan Schael>Das war also im April 2000 und im Februar glaube ich, kam der Bescheid vom DLR,

01:02:19.681 --> 01:02:20.521
<v Stefan Schael>dass wir das machen können.

01:02:21.081 --> 01:02:24.541
<v Stefan Schael>Also eine Universität in Deutschland, wenigstens mit den Ressourcen,

01:02:24.561 --> 01:02:26.461
<v Stefan Schael>die wir haben, kann sowas nie alleine machen.

01:02:26.581 --> 01:02:29.381
<v Stefan Schael>Das muss also immer so sein. meiner meinung nach

01:02:29.381 --> 01:02:32.141
<v Stefan Schael>auch zu recht dass also diese vorschläge in

01:02:32.141 --> 01:02:36.321
<v Stefan Schael>einem wettbewerbsverfahren von einer wissenschaftsagentur sei das dfg sei das

01:02:36.321 --> 01:02:41.681
<v Stefan Schael>dlr ausgesucht werden und dann wird gesagt also das ist das projekt was wir

01:02:41.681 --> 01:02:48.121
<v Stefan Schael>verfolgen wollen das war ein riesenschritt

01:02:48.121 --> 01:02:51.281
<v Stefan Schael>im vergleich zu der beteiligung über bei ms1 hatten das war so,

01:02:52.461 --> 01:02:55.761
<v Stefan Schael>großenordnung also faktor zehn mehr was wir da gemacht haben.

01:02:57.459 --> 01:03:00.379
<v Stefan Schael>Ich möchte, bevor ich darauf eingehe, noch einen Punkt anführen.

01:03:00.479 --> 01:03:05.359
<v Stefan Schael>Also wir haben, als wir diese AMS-1-Messungen gemacht haben,

01:03:05.459 --> 01:03:09.499
<v Stefan Schael>natürlich viele Teilchenflüsse gemessen in der kosmischen Strahlung und einige

01:03:09.499 --> 01:03:11.839
<v Stefan Schael>Effekte gefunden, von denen man vorher gar nichts wusste.

01:03:12.599 --> 01:03:16.219
<v Stefan Schael>Also zum Beispiel, wie Elementarteilchen in dem Magnetfeld der Erde gespeichert werden.

01:03:16.979 --> 01:03:20.219
<v Stefan Schael>Dass die für bestimmte Sorten von Teilchen anders gespeichert werden,

01:03:20.339 --> 01:03:21.519
<v Stefan Schael>als man das erwartet hat.

01:03:22.139 --> 01:03:28.279
<v Stefan Schael>Also es kamen in Größenordnung zehn Publikationen raus, die sehr häufig zitiert worden sind.

01:03:29.419 --> 01:03:32.499
<v Stefan Schael>Eine haben wir hier in Aachen auch komplett alleine gemacht,

01:03:32.659 --> 01:03:35.939
<v Stefan Schael>relativ spät, 2003 bis 2007.

01:03:36.199 --> 01:03:39.319
<v Stefan Schael>Also man sieht an der Zeitskala, wie schwierig das teilweise ist.

01:03:39.319 --> 01:03:44.299
<v Stefan Schael>Die ist heute die am häufigsten zitierte Publikation von AMS überhaupt.

01:03:44.699 --> 01:03:50.119
<v Stefan Schael>Und die hat Erkenntnisse über Eigenschaften von dunkler Materie geliefert.

01:03:50.219 --> 01:03:53.479
<v Stefan Schael>Also nicht in dem Sinne, dass wir es gefunden haben, sondern gesagt haben,

01:03:53.579 --> 01:03:57.959
<v Stefan Schael>wir messen bekannte Elementarteilchen und aus den Messungen sehen wir Hinweise

01:03:57.959 --> 01:04:01.579
<v Stefan Schael>darauf, die man eventuell als Hinweise auf dunkle Materie interpretieren kann.

01:04:01.739 --> 01:04:06.299
<v Stefan Schael>Also das ist ein recht komplexes Gebiet, aber es zeigt, dass die wissenschaftliche

01:04:06.299 --> 01:04:10.759
<v Stefan Schael>Ausbeute von AMS 1 schon ziemlich positiv war. Also für solch einen Ingenieurflug,

01:04:10.779 --> 01:04:12.319
<v Stefan Schael>eigentlich gedachten Ingenieurflug.

01:04:12.859 --> 01:04:16.819
<v Stefan Schael>Dann haben wir AMS 2 genehmigt bekommen. Das war ziemlich zeitgleich mit meinem

01:04:16.819 --> 01:04:18.959
<v Stefan Schael>Dienstbeginn hier an der RWTH Aachen.

01:04:19.699 --> 01:04:25.779
<v Stefan Schael>Und dann hatten wir eine ganz andere Aufgabe. Wir mussten nämlich einen substanziellen

01:04:25.779 --> 01:04:30.279
<v Stefan Schael>Anteil von AMS 2 hier in Aachen komplett selber entwickeln und bauen.

01:04:31.359 --> 01:04:36.079
<v Stefan Schael>Und das haben wir dann in den nächsten Größenordnung fünf Jahren gemacht.

01:04:36.499 --> 01:04:40.459
<v Stefan Schael>Das heißt, AMS 2 ist nicht ein einzelnes Instrument, sondern es setzt sich aus

01:04:40.459 --> 01:04:45.019
<v Stefan Schael>sechs bis sieben, je nachdem wie genau man guckt, einzelnen Messinstrumenten

01:04:45.019 --> 01:04:47.699
<v Stefan Schael>zusammen, die natürlich alle miteinander sprechen müssen,

01:04:47.859 --> 01:04:51.139
<v Stefan Schael>Daten untereinander austauschen müssen und nachher heißt die Aufgabe,

01:04:51.239 --> 01:04:55.499
<v Stefan Schael>setzt diese Einzelinformationen zusammen, man könnte sagen zu einem Gesamtbild.

01:04:56.039 --> 01:04:59.559
<v Stefan Schael>Das heißt, was wir eigentlich machen, sind Fotografien von der kosmischen Strahlung.

01:05:00.219 --> 01:05:03.919
<v Stefan Schael>Man kann das vielleicht mit einem Fotoapparat vergleichen, der also mit seinem

01:05:03.919 --> 01:05:05.939
<v Stefan Schael>Sensor bei verschiedenen Farben misst.

01:05:06.239 --> 01:05:08.999
<v Stefan Schael>Und erst wenn ich die ganz verschiedenen Farben zusammengesetzt habe,

01:05:09.059 --> 01:05:10.819
<v Stefan Schael>dann weiß ich wirklich, was ich auf dem Bild habe.

01:05:11.259 --> 01:05:16.759
<v Stefan Schael>Und das ist auch die Funktionsweise von AMS. Und wir haben halt den Teil von

01:05:16.759 --> 01:05:21.539
<v Stefan Schael>AMS gebaut, der also sozusagen von den Teilchen als erstes durchflogen wird,

01:05:21.659 --> 01:05:23.759
<v Stefan Schael>einen sogenannten Übergangsstrahlungsdetektor.

01:05:25.155 --> 01:05:29.175
<v Stefan Schael>Das ist ein gasgefülltes Messinstrument, was also seine eigenen technischen

01:05:29.175 --> 01:05:31.795
<v Stefan Schael>Schwierigkeiten dadurch hat, dass sie es einfach im Weltraum betreiben wollen

01:05:31.795 --> 01:05:32.895
<v Stefan Schael>und Weltraum hat Vakuum.

01:05:33.615 --> 01:05:36.315
<v Stefan Schael>Wenn Sie einen gasgefüllten Detektor haben, dann müssen Sie sich mal fragen,

01:05:36.355 --> 01:05:37.395
<v Stefan Schael>wie dicht kann ich den bauen?

01:05:38.595 --> 01:05:42.935
<v Stefan Schael>Jeder, der mal versucht hat, also nehmen Sie mal eine Wasserflasche,

01:05:42.955 --> 01:05:46.515
<v Stefan Schael>die also nicht für kohlensäurehaltige Getränke ausgelegt ist,

01:05:46.555 --> 01:05:50.635
<v Stefan Schael>eine Plastikflasche und füllen Sie da mal Sprudel rein und lassen das mal einen Tag stehen.

01:05:50.715 --> 01:05:52.795
<v Stefan Schael>Dann werden Sie sich wundern, wie viel Kohlensäure da noch drin ist,

01:05:52.915 --> 01:05:54.295
<v Stefan Schael>nämlich so gut wie gar nichts.

01:05:55.155 --> 01:05:57.615
<v Stefan Schael>Und das machen sie bei einem Außendruck von einer Atmosphäre.

01:05:57.615 --> 01:05:59.855
<v Stefan Schael>Jetzt machen sie das mal im Vakuum, dann geht das noch viel schneller.

01:06:00.015 --> 01:06:05.875
<v Stefan Schael>Und unsere Aufgabe war, so etwas Flüchtiges wie CO2, also mit einem Strohhalm

01:06:05.875 --> 01:06:09.155
<v Stefan Schael>festzuhalten, der also eine Wandstärke von weniger als einer Haardicke hat.

01:06:10.875 --> 01:06:16.215
<v Stefan Schael>Gasgefüllte Röhrchen, gasgefüllte Strohhalme zu bauen und davon 5248 Stück,

01:06:16.415 --> 01:06:20.915
<v Stefan Schael>sodass die dicht sind, weitgehend dicht sind, also weit das überhaupt geht.

01:06:21.655 --> 01:06:26.815
<v Stefan Schael>Und die so zu bauen dass das ganze also leicht wird trotzdem groß also zwei

01:06:26.815 --> 01:06:31.895
<v Stefan Schael>meter durchmesser hat dieses messinstrument 60 zentimeter höhe die fahrer.

01:06:31.895 --> 01:06:34.795
<v Tim Pritlove>Material muss man den das gas dann einschließen damit.

01:06:34.795 --> 01:06:39.875
<v Stefan Schael>Nicht entweicht ja also dass was wir genommen haben ist also im wesentlichen

01:06:39.875 --> 01:06:46.215
<v Stefan Schael>eine kapton folie da sind ganz dünne zwei mikrometer dünne aluminiumschichten zwischen,

01:06:47.635 --> 01:06:50.935
<v Stefan Schael>Und daraus haben wir aus dieser Folie, haben wir also bei einer Firma in England

01:06:50.935 --> 01:06:52.175
<v Stefan Schael>Strohhalme wickeln lassen.

01:06:52.635 --> 01:06:56.215
<v Stefan Schael>Die Folie ist ein Zentimeter breit, wenn man die also bekommt.

01:06:57.675 --> 01:07:00.675
<v Stefan Schael>Und dann hat eine Firma in England daraus Strohhalme gewickelt und dann haben

01:07:00.675 --> 01:07:05.475
<v Stefan Schael>wir Größenordnung 10.000 Strohhalme, jeder Strohhalm 2,50 Meter lang,

01:07:05.595 --> 01:07:10.835
<v Stefan Schael>einzeln hier getestet auf seine Gasdichtigkeit und dann 5.000 Gute ausgesucht

01:07:10.835 --> 01:07:12.475
<v Stefan Schael>und damit dieses Messinstrument gebaut.

01:07:12.475 --> 01:07:16.875
<v Stefan Schael>Gebaut mit der Industrie hier in dem lokalen Bereich zusammen.

01:07:18.984 --> 01:07:22.504
<v Stefan Schael>Dann diese Messinstrumente, also diese einzelnen Module, die dann aus diesen

01:07:22.504 --> 01:07:26.684
<v Stefan Schael>Strohhalmen bestanden, getestet, qualifiziert für die Raumfahrt,

01:07:26.704 --> 01:07:29.104
<v Stefan Schael>also Schütteltests gemacht, Thermovakuumtests gemacht.

01:07:30.304 --> 01:07:35.404
<v Stefan Schael>Wir haben auch hier das Klinikum, also Luisen Hospital in Aachen eingespannt,

01:07:35.424 --> 01:07:38.724
<v Stefan Schael>weil die zu der Zeit also den modernsten CT-Scanner in der Region hatten.

01:07:38.724 --> 01:07:43.064
<v Stefan Schael>Und wir konnten also da die Mediziner, die wir vorher hier ausgebildet haben

01:07:43.064 --> 01:07:47.044
<v Stefan Schael>in der Physik, überreden, dass sie uns also nachts an ihrem Messinstrument,

01:07:47.044 --> 01:07:49.004
<v Stefan Schael>also an ihren CT-Scanner herangelassen haben,

01:07:49.084 --> 01:07:54.044
<v Stefan Schael>damit wir also die Geometrie aus den Röntgenbildern rekonstruieren konnten von

01:07:54.044 --> 01:07:55.224
<v Stefan Schael>den Kammern, die wir gebaut haben.

01:07:55.224 --> 01:08:00.184
<v Stefan Schael>Denn es ist ja nicht trivial, aus etwas, was eine Wandstärke von weniger als

01:08:00.184 --> 01:08:03.184
<v Stefan Schael>einem Haardurchmesser hat, etwas zwei Meter langes zu bauen,

01:08:03.264 --> 01:08:06.184
<v Stefan Schael>was also auf einen Haardurchmesser gerade ist.

01:08:06.984 --> 01:08:11.564
<v Stefan Schael>Um dieses Verfahren zu entwickeln und das zu testen, haben wir also diesen CT-Scanner

01:08:11.564 --> 01:08:13.744
<v Stefan Schael>am Levisen-Hospital benutzt.

01:08:13.744 --> 01:08:15.804
<v Tim Pritlove>Diese Gasmengen sind sehr überschaubar.

01:08:15.944 --> 01:08:23.584
<v Stefan Schael>Also die Wandstärke ist nur 0,07 Millimeter.

01:08:23.984 --> 01:08:28.224
<v Stefan Schael>Aber das Volumen, das ist also ein 6 Millimeter durchmessendes Röhrchen,

01:08:28.364 --> 01:08:30.804
<v Stefan Schael>was zwei Meter lang ist und davon haben wir 5000.

01:08:31.404 --> 01:08:36.944
<v Stefan Schael>Das gibt etwas über 200 Liter Gasvolumen, die wir da oben betreiben müssen.

01:08:37.564 --> 01:08:41.484
<v Stefan Schael>Dafür gibt es ein Gasversorgungssystem, das ist am MIT in den USA entwickelt

01:08:41.484 --> 01:08:46.004
<v Stefan Schael>worden. Das heißt also, wir haben einen Vorratsbehälter mitgenommen und da haben

01:08:46.004 --> 01:08:49.744
<v Stefan Schael>wir also Xenon-Gas drin und CO2-Gas.

01:08:50.064 --> 01:08:54.004
<v Stefan Schael>Und das wird also auf der Raumstation gemischt und damit füllen wir also die

01:08:54.004 --> 01:08:59.804
<v Stefan Schael>Verluste, die wir durch die Diffusion durch diese 70 Mikrometer dicken Röhrchen

01:08:59.804 --> 01:09:02.824
<v Stefan Schael>haben, die man nicht vermeiden kann.

01:09:02.824 --> 01:09:07.084
<v Stefan Schael>Dann, ihre Sprudelflasche ist ja nicht undicht, wenn die Kohlensäure rausgeht.

01:09:07.764 --> 01:09:13.104
<v Stefan Schael>Das diffundiert durch die Wände. Das tut es da oben natürlich auch, etwas schneller noch.

01:09:13.284 --> 01:09:17.064
<v Stefan Schael>Und das heißt, wir müssen so einmal im Monat Gas nachfüllen,

01:09:17.184 --> 01:09:21.704
<v Stefan Schael>damit das also stabile Bedingungen gibt für die Messungen, die wir machen wollen.

01:09:23.304 --> 01:09:28.264
<v Tim Pritlove>Was ist denn jetzt, ist das jetzt schon die Basis des Funktionsprinzips?

01:09:28.264 --> 01:09:33.384
<v Tim Pritlove>Also, das ist die erste Schicht, auf die die Teilchen auftreffen,

01:09:33.384 --> 01:09:38.184
<v Tim Pritlove>sind diese Röhrchen mit diesem Xenon-Gasgemisch.

01:09:39.927 --> 01:09:41.167
<v Tim Pritlove>Warum? Also warum?

01:09:42.007 --> 01:09:42.907
<v Stefan Schael>Warum machen wir das?

01:09:42.967 --> 01:09:43.727
<v Tim Pritlove>Warum ist das?

01:09:44.227 --> 01:09:48.507
<v Stefan Schael>Ich hatte versucht zu erklären, dass also der Magnet und der Spurdetektor ausreichen,

01:09:48.507 --> 01:09:50.187
<v Stefan Schael>um den Impuls und die Ladung zu messen.

01:09:50.507 --> 01:09:54.187
<v Stefan Schael>Genau, weil man die Richtung nachweisen kann. Genau, weil man die Flugbahn rekonstruiert

01:09:54.187 --> 01:09:57.867
<v Stefan Schael>und dann weiß man aus der Krümmung, also rechts rum gekrümmt oder links rum

01:09:57.867 --> 01:09:58.787
<v Stefan Schael>die elektrische Ladung.

01:10:00.007 --> 01:10:03.707
<v Stefan Schael>Und je hochenergetischer das Teilchen ist, desto schneller fliegt es durch das

01:10:03.707 --> 01:10:06.607
<v Stefan Schael>Magnetfeld durch und desto weniger kann es sich also krümmen.

01:10:06.607 --> 01:10:10.607
<v Stefan Schael>Ja, also das heißt, die Stärke der Krümmung ist ein Maß für die Energie der Teilchen.

01:10:11.287 --> 01:10:13.607
<v Tim Pritlove>So funktioniert das ja auch beim LHC letztlich.

01:10:13.827 --> 01:10:18.567
<v Stefan Schael>So funktioniert das beim LHC, so funktioniert das bei allen Teilchenphysikexperimenten

01:10:18.567 --> 01:10:19.987
<v Stefan Schael>und so hat auch früher ihr Fernseher funktioniert.

01:10:20.267 --> 01:10:24.367
<v Stefan Schael>Also ihr Röhrenfernseher, da war eine Elektronenkanone drin und ein Magnet und

01:10:24.367 --> 01:10:28.087
<v Stefan Schael>die Elektronen wurden abgelenkt und damit wurde zeilenweise ihr Bild aufgebaut.

01:10:28.707 --> 01:10:32.187
<v Stefan Schael>So, jetzt drehen wir das nur um. Also wir erzeugen die Elektronen nicht selber,

01:10:32.347 --> 01:10:33.867
<v Stefan Schael>sondern die kommen von außen.

01:10:33.947 --> 01:10:37.087
<v Stefan Schael>Wir lassen das Magnetfeld konstant und gucken uns an, wo fliegen die lang.

01:10:37.647 --> 01:10:40.887
<v Stefan Schael>Und dann wissen wir, welche Energie die haben und welche elektrische Ladung,

01:10:40.947 --> 01:10:42.107
<v Stefan Schael>also positiv oder negativ.

01:10:42.267 --> 01:10:44.547
<v Tim Pritlove>Aber da muss man ja auch schon eine gewisse Erwartungshaltung haben,

01:10:44.667 --> 01:10:47.867
<v Tim Pritlove>was für eine maximale Energie überhaupt auf einen einschlägt.

01:10:47.967 --> 01:10:51.047
<v Tim Pritlove>Ich meine, bei dieser Dimensionierung des Magneten muss man ja dann auch schon

01:10:51.047 --> 01:10:53.827
<v Tim Pritlove>so eine gewisse Erwartung haben, nicht, dass die dann alle so schnell kommen,

01:10:53.987 --> 01:10:55.807
<v Tim Pritlove>dass man nur noch gerade Linien sieht. Richtig.

01:10:56.027 --> 01:10:58.627
<v Stefan Schael>Das heißt also, solch ein Messinstrument hat eine gewisse Auflösung.

01:10:58.827 --> 01:11:02.267
<v Stefan Schael>Genauso wie unser Mikroskop. Je besser die Linse, desto besser ist die Auflösung.

01:11:03.687 --> 01:11:07.127
<v Stefan Schael>Bei AMS wird das limitiert durch die Genauigkeit, mit der ich die einzelnen

01:11:07.127 --> 01:11:08.087
<v Stefan Schael>Spurpunkte messen kann.

01:11:08.367 --> 01:11:12.487
<v Stefan Schael>Das geht halt auf Mikrometer genau und nicht auf Nanometer. Also das limitiert

01:11:12.487 --> 01:11:15.827
<v Stefan Schael>die Genauigkeit, mit der ich die Flugbahn kenne. Und dann kann man den Magneten

01:11:15.827 --> 01:11:16.827
<v Stefan Schael>nicht beliebig stark bauen.

01:11:17.307 --> 01:11:19.987
<v Stefan Schael>Also je stärker der Magnet, desto stärker werden die Teilchen abgelenkt.

01:11:20.047 --> 01:11:24.607
<v Stefan Schael>Aber die Technologie hat da natürliche Begrenzungen. Das heißt,

01:11:26.426 --> 01:11:29.786
<v Stefan Schael>Wir können bis zu Energien, und jetzt ist die Frage, wie versteht man das,

01:11:29.886 --> 01:11:37.946
<v Stefan Schael>bis zu 2 TeV, können wir Informationen aus dieser Krümmung und aus dieser Flugbahn

01:11:37.946 --> 01:11:40.626
<v Stefan Schael>extrahieren, was das für Teilchen waren, welche Energie die hatten.

01:11:40.626 --> 01:11:41.906
<v Tim Pritlove>Was heißt Teraelektronenvolt?

01:11:41.906 --> 01:11:45.606
<v Stefan Schael>TEV sind Teraelektronenvolt. Was ist ein Elektronenvolt?

01:11:45.666 --> 01:11:50.186
<v Stefan Schael>Das ist die kinetische Energie, die ein Teilchen gewinnt, wenn es ein elektrisches

01:11:50.186 --> 01:11:51.926
<v Stefan Schael>Potenzial von einem Volt durchläuft.

01:11:52.066 --> 01:11:55.546
<v Stefan Schael>Sie machen einen Plattenkondensator, eine Spannung von einem Volt dazwischen.

01:11:55.546 --> 01:11:57.806
<v Stefan Schael>Welche Energie gewinnt das Teilchen, wenn es da durchläuft?

01:11:58.346 --> 01:12:06.646
<v Stefan Schael>Das gewinnt eine Energie von einem Elektronenvolt. Und wir können bis 2 TEV

01:12:06.646 --> 01:12:10.726
<v Stefan Schael>Elektronenvolt Aussagen treffen, was das für Teilchen waren.

01:12:10.726 --> 01:12:12.746
<v Tim Pritlove>Das klingt aber schon ganz schön energetisch.

01:12:12.826 --> 01:12:16.726
<v Stefan Schael>Das ist schon ganz schön energetisch. Da gibt es auch nur noch wenig Teilchen,

01:12:16.786 --> 01:12:20.206
<v Stefan Schael>die mit so hohen Energien kommen. Aber es gibt Teilchen mit viel höheren Energien.

01:12:20.806 --> 01:12:21.306
<v Tim Pritlove>Die kommen.

01:12:21.926 --> 01:12:25.646
<v Stefan Schael>Das heißt, und es könnte durchaus sein, dass die Interessanten die sind,

01:12:25.686 --> 01:12:28.586
<v Stefan Schael>die noch viel höher energetischer sind und wir können das nicht rauskriegen.

01:12:30.026 --> 01:12:31.306
<v Stefan Schael>Da haben wir aber keine Wahl.

01:12:32.246 --> 01:12:33.346
<v Tim Pritlove>Irgendwas muss man ja machen.

01:12:34.166 --> 01:12:37.246
<v Stefan Schael>Wie wenn Sie das Mikroskop bauen. Sie können die Linsen nur nehmen,

01:12:37.286 --> 01:12:39.746
<v Stefan Schael>die Sie haben. Vom Elektronenmikroskop wissen Sie noch nichts.

01:12:40.726 --> 01:12:43.986
<v Tim Pritlove>Also mehr wäre jetzt auch technisch gar nicht möglich gewesen oder man hat sich

01:12:43.986 --> 01:12:46.746
<v Tim Pritlove>einfach nur entschlossen, diesen Bereich zu nehmen in der Erwartung,

01:12:46.786 --> 01:12:48.606
<v Tim Pritlove>dass man da schon genug Erkenntnisse sammeln kann?

01:12:48.606 --> 01:12:52.546
<v Stefan Schael>Also wir sind mit den Technologien über das hinausgegangen, was man konnte,

01:12:52.566 --> 01:12:53.826
<v Stefan Schael>als das vorgeschlagen worden ist.

01:12:54.406 --> 01:12:59.186
<v Stefan Schael>Wir haben in vielen Fällen Neuland da betreten und man kann immer sagen,

01:12:59.346 --> 01:13:00.966
<v Stefan Schael>ich hätte gerne noch eine bessere Auflösung.

01:13:01.906 --> 01:13:04.906
<v Stefan Schael>Aber da muss man Gründe für haben und man muss das auch technisch können.

01:13:08.046 --> 01:13:11.786
<v Stefan Schael>Wissenschaftlich, als das Experiment geplant war, sind wir davon ausgegangen,

01:13:11.826 --> 01:13:14.806
<v Stefan Schael>dass in dem Energiebereich, den wir abdenken können, interessante Sachen passieren.

01:13:16.526 --> 01:13:20.626
<v Stefan Schael>Ob das wirklich so ist, da halte ich mich gerne mit Ihnen.

01:13:22.886 --> 01:13:26.286
<v Stefan Schael>Was wir machen können als Wissenschaftler, ist ein Instrument bauen,

01:13:26.546 --> 01:13:31.346
<v Stefan Schael>was eine tolle Auflösung hat und toll funktioniert. Das können wir beeinflussen.

01:13:31.906 --> 01:13:34.426
<v Stefan Schael>Was wir nicht beeinflussen können, ist, was die Natur macht.

01:13:34.706 --> 01:13:39.946
<v Stefan Schael>Also irgendjemand hat mal festgelegt, wie dieses Universum aussieht, wie das funktioniert.

01:13:41.720 --> 01:13:46.020
<v Stefan Schael>Auf diese Entscheidungen haben wir keinen Einfluss. Wir kennen sie auch nicht.

01:13:46.180 --> 01:13:49.820
<v Stefan Schael>Also wir können nur aus unseren Beobachtungen darauf schließen, was da passiert ist.

01:13:50.680 --> 01:13:55.300
<v Stefan Schael>Und wenn sie sich den Wassertropfen, also wenn sie destilliertes Wasser genommen

01:13:55.300 --> 01:13:58.760
<v Stefan Schael>hätten unter ihrem Mikroskop, hätten sie nichts gesehen und gesagt, Wasser ist langweilig.

01:13:58.760 --> 01:14:04.500
<v Tim Pritlove>Ja gut, aber ich schätze mal bei AMS01 hat man ja, hat man da auch schon die

01:14:04.500 --> 01:14:06.880
<v Tim Pritlove>Energie selbst messen können?

01:14:06.880 --> 01:14:09.920
<v Stefan Schael>AMS hat genauso funktioniert, allerdings hat das eine Auflösung,

01:14:10.000 --> 01:14:14.160
<v Stefan Schael>die war um einen Faktor 40 schlechter.

01:14:14.380 --> 01:14:23.520
<v Stefan Schael>Das heißt, wir konnten nicht bis 2 TeV das Ganze messen, sondern die Energieverteilung,

01:14:23.580 --> 01:14:27.800
<v Stefan Schael>die wir aufgezeichnet haben, hören so bei 50 GeV etwa auf.

01:14:28.840 --> 01:14:32.600
<v Stefan Schael>Ja, und es gab viele Komponenten, also abgesehen von der Energie und der Ladung

01:14:32.600 --> 01:14:34.460
<v Stefan Schael>des Teilchens wollen sie ja noch was mehr wissen.

01:14:34.580 --> 01:14:38.820
<v Stefan Schael>Also der eigentliche Angriffspunkt war ja, warum macht ihr diese Röhrchen da oben drauf?

01:14:40.540 --> 01:14:45.340
<v Stefan Schael>Ein Teilchen hat zusätzlich noch eine Masse. Und das heißt, was wir wissen wollen,

01:14:45.420 --> 01:14:47.660
<v Stefan Schael>ist die elektrische Ladung, die Energie und die Masse.

01:14:47.660 --> 01:14:51.280
<v Stefan Schael>Dann wissen wir alles über das Teilchen, was uns interessiert im Moment.

01:14:51.280 --> 01:14:56.520
<v Stefan Schael>Und die Masse messen ist sehr schwierig, denn was wir eigentlich bei dieser

01:14:56.520 --> 01:15:01.720
<v Stefan Schael>Ablenkung in dem Magnetfeld messen, ist der Impuls und der Impuls ist Masse mal Geschwindigkeit.

01:15:02.240 --> 01:15:06.580
<v Stefan Schael>Das heißt, wenn ich jetzt an die Masse will, muss ich irgendwie die Geschwindigkeit messen.

01:15:07.640 --> 01:15:11.740
<v Stefan Schael>Der Nachteil von diesen hochenergetischen Teilchen, also bei 100,

01:15:11.900 --> 01:15:17.480
<v Stefan Schael>also bei GEV-Energien, also 10 hoch 12 Elektronenvolt-Energien,

01:15:18.060 --> 01:15:20.500
<v Stefan Schael>die sind alle so schnell, die bewegen sich mit Lichtgeschwindigkeit.

01:15:21.765 --> 01:15:24.605
<v Stefan Schael>Es gibt eine Höchstgeschwindigkeit und das ist die Lichtgeschwindigkeit.

01:15:24.745 --> 01:15:28.305
<v Stefan Schael>Und das heißt, diese Abweichung von der Lichtgeschwindigkeit ist so klein,

01:15:28.425 --> 01:15:29.485
<v Stefan Schael>dass Sie das nicht messen können.

01:15:29.825 --> 01:15:31.805
<v Stefan Schael>Sie sind praktisch mit konstanter Geschwindigkeit.

01:15:32.425 --> 01:15:35.385
<v Stefan Schael>Also müssen Sie sich andere Effekte überlegen, wie Sie Geschwindigkeit kriegen.

01:15:35.385 --> 01:15:39.325
<v Stefan Schael>Und dieser Übergangsstrahlungsdetektor, der aus diesen Röhrchen besteht und

01:15:39.325 --> 01:15:43.525
<v Stefan Schael>oben auf AMS drauf sitzt, dessen Aufgabe ist es, die Masse von Teilchen zu messen

01:15:43.525 --> 01:15:44.965
<v Stefan Schael>über einen quantenmechanischen Effekt.

01:15:45.365 --> 01:15:49.105
<v Stefan Schael>Und dieser Effekt nennt sich Übergangsstrahlung, das ist auch nicht weiter schwierig zu verstehen.

01:15:49.105 --> 01:15:54.105
<v Stefan Schael>Wenn Sie also ein Teilchen haben, was also Übergänge passiert,

01:15:54.545 --> 01:16:00.805
<v Stefan Schael>das können zum Beispiel dünne Folien sein, die Sie hintereinander stapeln,

01:16:00.905 --> 01:16:04.985
<v Stefan Schael>dann muss dieses Teilchen an jedem dieser Übergänge ein Photon abstrahlen.

01:16:05.725 --> 01:16:11.125
<v Stefan Schael>Damit die, also physikalisch gesprochen, damit die Wellenfunktion stetig und

01:16:11.125 --> 01:16:13.965
<v Stefan Schael>differenzierbar einen Übergang hat bei dem Durchgang durch die verschiedenen

01:16:13.965 --> 01:16:16.565
<v Stefan Schael>Medien mit einer verschiedenen Dielektrizitätskonstante.

01:16:16.685 --> 01:16:20.925
<v Stefan Schael>Also einfach damit die elektromagnetische Welle funktioniert, die dazu gehört.

01:16:21.185 --> 01:16:25.025
<v Stefan Schael>Und diese Übergangsstrahlung messen wir zusätzlich. Und damit können wir unterscheiden

01:16:25.025 --> 01:16:26.985
<v Stefan Schael>zwischen leichten Teilchen und schweren Teilchen.

01:16:27.005 --> 01:16:34.625
<v Stefan Schael>Denn die Energie dieser Übergangsstrahlung hängt davon ab, ab welches Verhältnis

01:16:34.625 --> 01:16:36.905
<v Stefan Schael>zwischen Energie und Masse dieses Teilchens besteht.

01:16:37.185 --> 01:16:41.005
<v Stefan Schael>Und diesen Effekt benutzen wir, um zwischen leichten Teilchen und schweren Teilchen zu unterscheiden.

01:16:41.405 --> 01:16:45.725
<v Stefan Schael>Und das passiert am Eingang von AMS. Und dann gibt es im unteren Teil noch andere

01:16:45.725 --> 01:16:51.085
<v Stefan Schael>Komponenten, die also auch versuchen, teilweise direkt die Geschwindigkeit zu messen.

01:16:52.424 --> 01:16:55.524
<v Stefan Schael>Das funktioniert bei kleinen Energien und dann gibt es unten noch ein sogenanntes

01:16:55.524 --> 01:16:59.044
<v Stefan Schael>Kalorimeter und das absorbiert Teilchen zum ersten Mal.

01:16:59.204 --> 01:17:03.044
<v Stefan Schael>Also bis dahin versuchen wir nicht destruktiv zu messen, um die Teilchen nicht

01:17:03.044 --> 01:17:07.024
<v Stefan Schael>zu beeinflussen. Aber ganz unten absorbieren wir die Elementarteilchen und messen ihre Energie.

01:17:07.804 --> 01:17:10.764
<v Stefan Schael>Und dann wissen wir eigentlich ziemlich viel über dieses Teilchen.

01:17:12.324 --> 01:17:17.884
<v Tim Pritlove>Wie absorbiert man die denn, wenn die da mit so Tera-Elektronen-Volt-Power da ankommen?

01:17:17.884 --> 01:17:22.264
<v Stefan Schael>Also viele Teilchen können wir nicht absorbieren, also die Protonen zum Beispiel,

01:17:22.364 --> 01:17:25.564
<v Stefan Schael>der Wasserstoffkern am häufigsten im Universum, den können wir nicht absorbieren.

01:17:26.404 --> 01:17:29.624
<v Stefan Schael>Aber das ist auch schon eine Messung. Also wenn Sie da nur einen kleinen Energieeintrag

01:17:29.624 --> 01:17:32.464
<v Stefan Schael>messen, dann wissen Sie, das war ein Proton, das ist nämlich durchgeflogen.

01:17:32.824 --> 01:17:36.704
<v Stefan Schael>Ich sehe in allen Lagen von diesem Instrument gleich viel Energie deponiert.

01:17:37.384 --> 01:17:42.244
<v Stefan Schael>Wenn da allerdings ein Elektron oder ein Positron ankommt oder ein Photon ankommt,

01:17:42.304 --> 01:17:46.684
<v Stefan Schael>dann fängt das einen anderen physikalischen Prozess an und deponiert in den

01:17:46.684 --> 01:17:47.884
<v Stefan Schael>Bleilagen seine Energie.

01:17:48.364 --> 01:17:50.504
<v Stefan Schael>Zum Glück für uns.

01:17:50.844 --> 01:17:52.544
<v Tim Pritlove>Das ist einfach nur Blei im Wesentlichen?

01:17:52.544 --> 01:17:56.584
<v Stefan Schael>Ja, also Blei alleine wird es ja wieder nicht tun, weil wenn Sie da nur einen

01:17:56.584 --> 01:17:58.604
<v Stefan Schael>Absorber hinstellen, dann wissen Sie nicht, was passiert.

01:17:58.844 --> 01:18:01.384
<v Stefan Schael>Also Sie müssen diesen Absorber instrumentieren. Also das heißt,

01:18:01.444 --> 01:18:03.784
<v Stefan Schael>Sie müssen wieder Messinstrumente einbauen, die Ihnen sagen,

01:18:03.984 --> 01:18:08.644
<v Stefan Schael>wie viel Energie ist denn da deponiert worden. Und das messen wir.

01:18:09.304 --> 01:18:15.284
<v Stefan Schael>Und die Elektronen und Positronen und Photonen deponieren ihre Energie in dem

01:18:15.284 --> 01:18:16.864
<v Stefan Schael>Kalorimeter und die Protonen nicht.

01:18:17.604 --> 01:18:23.584
<v Stefan Schael>Und damit können wir für diese Elementarteilchen die Energie messen und auch

01:18:23.584 --> 01:18:25.564
<v Stefan Schael>identifizieren, dass es dieses Teilchen war.

01:18:25.704 --> 01:18:30.744
<v Stefan Schael>Das heißt, wir wissen dann, was die Masse ist, weil nur die das tun. tun.

01:18:31.504 --> 01:18:36.584
<v Stefan Schael>Es ist wie so ein Puzzle. Da fliegt ein Teilchen durch und das macht in dem

01:18:36.584 --> 01:18:39.544
<v Stefan Schael>einen Detektor das, in dem nächsten Detektor das, in dem nächsten Detektor das.

01:18:40.004 --> 01:18:44.684
<v Stefan Schael>Und dann schauen wir uns das Muster an und sagen, mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit

01:18:44.684 --> 01:18:47.344
<v Stefan Schael>in dem ersten Detektor ist das das, in dem zweiten Detektor ist das,

01:18:47.504 --> 01:18:48.704
<v Stefan Schael>in dem dritten Detektor ist das.

01:18:49.324 --> 01:18:52.464
<v Stefan Schael>Und dann suchen wir die Hypothese, die die Wahrscheinlichkeiten maximiert und

01:18:52.464 --> 01:18:54.484
<v Stefan Schael>sagen, höchstwahrscheinlich war das das und,

01:18:55.760 --> 01:18:58.880
<v Stefan Schael>Und die Kunst ist, das so zu machen, dass sie in möglichst vielen Fällen eine

01:18:58.880 --> 01:19:00.200
<v Stefan Schael>eindeutige Aussage treffen können.

01:19:01.240 --> 01:19:04.300
<v Stefan Schael>Und so haben wir dieses Instrument entwickelt und dann haben wir das natürlich

01:19:04.300 --> 01:19:07.980
<v Stefan Schael>nicht nur gebaut, sondern wir haben das in einem Teststrahl am CERN mit bekannten

01:19:07.980 --> 01:19:12.920
<v Stefan Schael>Teilchen kalibriert, um zu sehen, dass das genau so funktioniert, wie wir das erwarten.

01:19:13.400 --> 01:19:17.120
<v Stefan Schael>Und die Eigenschaften also überprüft, bevor wir das auf die Raumstation gebracht haben.

01:19:19.260 --> 01:19:22.920
<v Tim Pritlove>Sammelt, also überträgt den AMS diese ganzen Messdaten in Echtzeit,

01:19:23.040 --> 01:19:25.420
<v Tim Pritlove>also empfängt man jetzt bereits den Datenstrom?

01:19:25.740 --> 01:19:29.280
<v Stefan Schael>Ja, also das ist so, das ist einer der Gründe warum wir auf der Raumstation

01:19:29.280 --> 01:19:32.600
<v Stefan Schael>sind also wir brauchen sehr viel Strom,

01:19:33.900 --> 01:19:38.740
<v Stefan Schael>die Raumstation hat sehr viel Strom, also über die großen Solarpaneele und der

01:19:38.740 --> 01:19:42.500
<v Stefan Schael>zweite Grund ist, wir brauchen sehr viel Bandbreite um diese Daten auf die Erde zu übertragen,

01:19:43.520 --> 01:19:46.380
<v Stefan Schael>und die werden in Echtzeit übertragen, das

01:19:46.380 --> 01:19:49.680
<v Stefan Schael>ist nicht trivial wir haben also in am

01:19:49.680 --> 01:19:53.580
<v Stefan Schael>es selber so was wie 650 computer eingebaut

01:19:53.580 --> 01:19:56.780
<v Stefan Schael>die in echtzeit diese daten komprimieren

01:19:56.780 --> 01:20:01.780
<v Stefan Schael>wenn wir das alles richtig gemacht haben so komprimieren dass wir dabei keine

01:20:01.780 --> 01:20:05.720
<v Stefan Schael>physikalischen informationen die für uns wichtig sind verliert und das was übrig

01:20:05.720 --> 01:20:10.060
<v Stefan Schael>bleibt wird also übertragen über eine funk strecke über satelliten in die usa

01:20:10.060 --> 01:20:14.980
<v Stefan Schael>und Und von da aus an das CERN-Forschungszentrum in Genf.

01:20:15.100 --> 01:20:19.360
<v Stefan Schael>Und da sitzt unser Payload Operation und Control Center.

01:20:19.940 --> 01:20:24.280
<v Stefan Schael>Und von da aus betreiben wir das Experiment. Und da ist auch das Science Operation

01:20:24.280 --> 01:20:26.860
<v Stefan Schael>Center. Und da werden die Daten also analysiert.

01:20:27.340 --> 01:20:30.560
<v Stefan Schael>Und dann werden sie an alle Forschungsinstitute, die dann beteiligt sind, verteilt.

01:20:30.700 --> 01:20:35.000
<v Tim Pritlove>Werden die Rohdaten auch gespeichert? Ja. Also wenn das dann mal zurückkommt,

01:20:35.020 --> 01:20:35.980
<v Tim Pritlove>dann hat man das auch noch.

01:20:36.180 --> 01:20:40.900
<v Stefan Schael>Ah, Moment. Also die sozusagen unprozessierten Unkompromisse.

01:20:40.900 --> 01:20:43.940
<v Stefan Schael>Das ist immer die spannende Frage, wie seid ihr sicher, dass ihr also nichts verliert.

01:20:45.380 --> 01:20:49.160
<v Stefan Schael>Es gibt verschiedene Ebenen, auf denen diese Kompressionsalgorithmen passieren.

01:20:52.420 --> 01:21:00.420
<v Stefan Schael>Und wir übertragen auf die Erde sowohl unkomprimierte als auch komprimierte Daten.

01:21:00.580 --> 01:21:03.620
<v Stefan Schael>Von den unkomprimierten Daten aber nur einen ganz kleinen Bruchteil,

01:21:03.820 --> 01:21:07.580
<v Stefan Schael>um das Datenvolumen klein zu halten. Und wir sind damit in der Lage,

01:21:07.620 --> 01:21:13.220
<v Stefan Schael>die Kompressionsalgorithmen, die wir benutzen, zu optimieren und zu überprüfen.

01:21:13.240 --> 01:21:15.560
<v Stefan Schael>Also ob wir damit physikalische Informationen verlieren.

01:21:15.600 --> 01:21:20.120
<v Stefan Schael>Aber für die meisten Ereignisse werden die unkomprimierten Daten weggeschmissen.

01:21:20.300 --> 01:21:23.540
<v Stefan Schael>Aber für einen Bruchteil, für einen kleinen Bruchteil gucken wir uns die an,

01:21:23.660 --> 01:21:25.740
<v Stefan Schael>um sicher zu sein, dass wir nichts übersehen.

01:21:27.020 --> 01:21:32.860
<v Tim Pritlove>Das heißt quasi so ein Verifikationskanal nochmal zusätzlich, um sicher zu sein und,

01:21:35.440 --> 01:21:42.940
<v Tim Pritlove>das Ganze ist ja jetzt Mai 2011 gestartet, womit ist es gestartet?

01:21:43.200 --> 01:21:51.380
<v Stefan Schael>War der letzte Flug von der Endeavour vom Kennedy Space Center gestartet das war also,

01:21:54.331 --> 01:21:58.211
<v Stefan Schael>Ja, also eine etwas schwierige Operation, weil das Space Shuttle dann an der

01:21:58.211 --> 01:22:01.911
<v Stefan Schael>Raumstation angedockt ist, dann muss das mit dem Roboterarm aus der Endeavor,

01:22:02.091 --> 01:22:04.911
<v Stefan Schael>also die Endeavor selber hat einen eigenen Roboterarm, rausgenommen werden,

01:22:05.031 --> 01:22:08.111
<v Stefan Schael>dann an den kanadischen Roboterarm an der Raumstation übergeben werden,

01:22:08.251 --> 01:22:13.431
<v Stefan Schael>dann an die richtige Stelle bewegt werden und da muss man sich vorstellen,

01:22:13.591 --> 01:22:17.031
<v Stefan Schael>da ist eine Klammer, die schnappt dann ein und dann gibt es also ein elektrisches

01:22:17.031 --> 01:22:20.971
<v Stefan Schael>Kabel, was also den Power zur Verfügung stellt und ein optisches Kabel,

01:22:20.991 --> 01:22:24.551
<v Stefan Schael>was die Daten da rausholt. Und das ist es.

01:22:24.571 --> 01:22:27.511
<v Stefan Schael>Und die sind eingerastet und wir haben dann also….

01:22:27.511 --> 01:22:31.371
<v Tim Pritlove>Also die ganze Installation wurde komplett robotisch gemacht, ohne Außeneinsatz der….

01:22:31.371 --> 01:22:35.551
<v Stefan Schael>Ohne Außeneinsatz der Astronauten. Die standen also an den Joysticks und haben

01:22:35.551 --> 01:22:37.671
<v Stefan Schael>also die Roboterarme bedient.

01:22:37.731 --> 01:22:41.811
<v Stefan Schael>Und vier Stunden nach der Installation haben wir also mit der Datennahme angefangen.

01:22:42.171 --> 01:22:48.271
<v Stefan Schael>Die läuft seitdem durch. Wir haben inzwischen sowas wie 16 Milliarden Teilchen

01:22:48.271 --> 01:22:52.011
<v Stefan Schael>in der kosmischen Strahlung aufgezeichnet. aufgezeichnet, auf die Erde gefunkt.

01:22:52.091 --> 01:22:54.351
<v Stefan Schael>Also das Instrument ist rund um die Uhr in Betrieb.

01:22:55.451 --> 01:23:02.331
<v Stefan Schael>Wir sehen solche Sachen wie zum Beispiel Flares auf der Sonne.

01:23:02.331 --> 01:23:07.991
<v Stefan Schael>Jetzt im Januar war also extrem hochenergetisch eine Eruption auf der Sonne.

01:23:07.991 --> 01:23:10.871
<v Stefan Schael>Und wir sehen das in den Elementarteilchenflüssen hier, die wir beobachten.

01:23:10.891 --> 01:23:14.011
<v Stefan Schael>Das ist eine der interessanten Beobachtungen für die Raumfahrtagenturen.

01:23:15.071 --> 01:23:20.771
<v Stefan Schael>Ziel von AMS ist solch einen kompletten Sonnenzyklus. Also die Aktivität der

01:23:20.771 --> 01:23:22.091
<v Stefan Schael>Sonne variiert über elf Jahre.

01:23:22.911 --> 01:23:26.131
<v Stefan Schael>Wenn Sie einen Astronauten zum Mars bringen wollen, dann müssen Sie über einen

01:23:26.131 --> 01:23:27.831
<v Stefan Schael>solchen Elfjahreszyklus verstehen,

01:23:28.231 --> 01:23:34.951
<v Stefan Schael>welche geladenen Teilchen kommen von der Sonne, welche Wirkungen haben die auf

01:23:34.951 --> 01:23:38.471
<v Stefan Schael>das Erbgut, also müssen Sie wissen, welche Energie die haben und welche Teilchen das sind.

01:23:38.471 --> 01:23:44.111
<v Stefan Schael>Und eine der Aufgaben von AMS, also sozusagen die Brot- und Butterphysik, ist,

01:23:44.251 --> 01:23:47.911
<v Stefan Schael>diese Teilchenflüsse zu messen und damit ein Modell zu liefern,

01:23:47.931 --> 01:23:49.691
<v Stefan Schael>um eine Abschirmung überhaupt auslegen

01:23:49.691 --> 01:23:53.611
<v Stefan Schael>zu können, mit der man also einen Astronaut zum Mars bringen kann.

01:23:53.631 --> 01:23:56.351
<v Tim Pritlove>Erst mal wissen, was da drin ist im Regen.

01:23:56.351 --> 01:23:59.591
<v Stefan Schael>Im Moment weiß man sehr wenig davon. Also wenn Sie das heute auslegen würden,

01:23:59.751 --> 01:24:06.591
<v Stefan Schael>dann kommen Sie so auf Massenabschätzungen in der Größenordnung von 1000 Tonnen

01:24:06.591 --> 01:24:10.791
<v Stefan Schael>für die Abschirmung, was nichts ist, was Sie also irgendwie zum Mars bringen könnten.

01:24:10.931 --> 01:24:14.871
<v Stefan Schael>Allerdings, was Sie noch mehr beunruhigen muss, ist, dass die Abschirmung einen

01:24:14.871 --> 01:24:16.491
<v Stefan Schael>Unsicherheitsfaktor von 5 hat.

01:24:16.631 --> 01:24:20.631
<v Stefan Schael>Das heißt, wenn Sie auf die sichere Seite gehen wollten, müssten Sie 5000 Tonnen Abschirmung bauen.

01:24:21.011 --> 01:24:25.271
<v Stefan Schael>Das will keiner zum Mars fliegen. Also die Aufgabe ist, diesen Faktor 5 klein zu kriegen.

01:24:26.548 --> 01:24:30.868
<v Stefan Schael>Und dann gibt es auch Ideen dazu, wie man von diesen 1000 Tonnen auf 20 Tonnen

01:24:30.868 --> 01:24:34.168
<v Stefan Schael>runterkommt, indem man diese Abschirmung nicht passiv macht,

01:24:34.328 --> 01:24:39.568
<v Stefan Schael>also aus Aluminium, sondern indem man das mit Magnetfeldern macht,

01:24:39.688 --> 01:24:42.648
<v Stefan Schael>wie die Erde das auch macht und damit dann Leute zum Mars bringen kann.

01:24:42.648 --> 01:24:46.928
<v Tim Pritlove>Aber das ist ja schon ein interessanter Dual Use an der Stelle,

01:24:47.028 --> 01:24:51.608
<v Tim Pritlove>dass man ja hier eigentlich das Experiment aufgebaut hat, um Grundlagenforschung,

01:24:51.648 --> 01:24:54.048
<v Tim Pritlove>also vor allem Grundlagenforschung zu machen,

01:24:54.168 --> 01:24:58.748
<v Tim Pritlove>dass man aber im Prinzip jetzt auch schon konkrete Informationen gewinnt,

01:24:58.748 --> 01:25:01.848
<v Tim Pritlove>die jetzt auch für zukünftige Missionen einen Wert haben.

01:25:01.848 --> 01:25:06.828
<v Stefan Schael>Ja, also es gibt bei solchen komplexen Forschungsprojekten immer ganz verschiedene Aspekte.

01:25:07.788 --> 01:25:13.688
<v Stefan Schael>Das eine ist, die Raumfahrtagenturen, um es vorsichtig zu sagen,

01:25:13.788 --> 01:25:18.008
<v Stefan Schael>also wie das Universum zustande gekommen ist, ist nicht ihr primäres Forschungsinteresse.

01:25:18.828 --> 01:25:18.868
<v Tim Pritlove>Ja.

01:25:18.868 --> 01:25:23.628
<v Stefan Schael>Aber bemannte Raumfahrt im Sonnensystem zu ermöglichen, gehört zu ihren primären Aufgaben.

01:25:24.748 --> 01:25:27.648
<v Stefan Schael>Wenn man das hinkriegen will, muss man das alles verstanden haben.

01:25:29.808 --> 01:25:34.128
<v Stefan Schael>Und AMS bietet sozusagen die Möglichkeit, zum ersten Mal über längere Zeit,

01:25:34.248 --> 01:25:37.648
<v Stefan Schael>weil es auf der Raumstation ist und nicht an einem Ballon hängt in den oberen

01:25:37.648 --> 01:25:40.208
<v Stefan Schael>Schichten der Erdatmosphäre oder ein kurz fliegender Satellit ist,

01:25:40.288 --> 01:25:43.328
<v Stefan Schael>sondern Messdauern von 20 Jahren erreichen soll,

01:25:43.548 --> 01:25:46.468
<v Stefan Schael>das systematisch zu untersuchen.

01:25:48.208 --> 01:25:53.948
<v Stefan Schael>Dieser Dual Use Aspect, bei dem ersten Vorschlag von AMS 2 war der noch mehr

01:25:53.948 --> 01:25:56.788
<v Stefan Schael>dabei, da war nämlich ein supraleitender Magnet vorgeschlagen worden,

01:25:56.928 --> 01:26:01.188
<v Stefan Schael>also statt dem Permanentmagneten bei AMS 1 ein supraleitender Magnet.

01:26:01.248 --> 01:26:03.228
<v Tim Pritlove>Der also gekühlt werden müsste dann?

01:26:03.228 --> 01:26:08.788
<v Stefan Schael>Der müsste mit suprafluidem Helium auf unter zwei Kelvin gekühlt werden,

01:26:08.868 --> 01:26:09.908
<v Stefan Schael>damit er da oben funktioniert.

01:26:11.168 --> 01:26:15.108
<v Stefan Schael>Solch ein Magnet wäre in der Lage, eine magnetische Abschirmung für ein Raumfahrzeug

01:26:15.108 --> 01:26:19.188
<v Stefan Schael>zu machen und damit würde er nur 20 Tonnen wiegen und damit könnten sie das

01:26:19.188 --> 01:26:23.628
<v Stefan Schael>tatsächlich zum Mars fliegen, ohne dass sie sich über Strahlenschäden Gedanken machen müssen.

01:26:23.808 --> 01:26:27.228
<v Tim Pritlove>Das war, dass man sozusagen gar nicht da so eine dicke Bleiwand drauf macht,

01:26:27.328 --> 01:26:29.728
<v Tim Pritlove>sondern einfach so ein fettes Magnetfeld erzeugt quasi.

01:26:29.728 --> 01:26:34.408
<v Stefan Schael>Zehn Tesla, Magnetfeld mit einem supraleitenden Magneten hätte ausgereicht.

01:26:34.408 --> 01:26:37.388
<v Stefan Schael>Dafür müssten sie aber, bevor sie sich sowas trauen, nachweisen,

01:26:37.548 --> 01:26:41.328
<v Stefan Schael>dass man einen supraleitenden Magneten im Weltraum betreiben kann.

01:26:41.488 --> 01:26:44.568
<v Stefan Schael>Das hat noch keiner geschafft. Das will man schon lange.

01:26:45.768 --> 01:26:50.348
<v Stefan Schael>Und am Ende muss man sagen, AMS hat es auch nicht geschafft oder nicht gemacht

01:26:50.348 --> 01:26:55.328
<v Stefan Schael>am Ende, weil wir kurz vor dem Flug entschieden haben, dass wir also auf den

01:26:55.328 --> 01:26:56.808
<v Stefan Schael>Permanentmagneten zurückgehen.

01:26:58.168 --> 01:27:00.228
<v Stefan Schael>Das Problem mit diesen Magneten ist,

01:27:02.369 --> 01:27:06.049
<v Stefan Schael>Super fluides Helium ist also im Weltraum technisch extrem schwierig,

01:27:06.269 --> 01:27:08.589
<v Stefan Schael>weil das keine Oberflächenspannung mehr hat.

01:27:09.089 --> 01:27:11.569
<v Stefan Schael>Das heißt, Sie können das nicht pumpen. Sie wissen nicht, wo das ist.

01:27:11.629 --> 01:27:14.589
<v Stefan Schael>Das ist einfach verteilt an den Oberflächen, sitzt das irgendwo.

01:27:15.469 --> 01:27:18.469
<v Stefan Schael>Und wenn Sie eine Pumpe da hinsetzen, dann pumpt das alles Mögliche,

01:27:18.469 --> 01:27:21.789
<v Stefan Schael>aber im Wesentlichen kein Helium, weil das Helium irgendwo anders ist.

01:27:21.849 --> 01:27:24.109
<v Stefan Schael>Also Sie fangen mit einem vollen Tank an, da ist natürlich Helium drin,

01:27:24.209 --> 01:27:25.289
<v Stefan Schael>da können Sie pumpen, wo Sie wollen.

01:27:25.669 --> 01:27:28.649
<v Stefan Schael>Aber wenn Sie ein bisschen was davon raus haben, dann sitzt das Helium irgendwo,

01:27:28.849 --> 01:27:29.989
<v Stefan Schael>aber nicht da, wo Ihre Pumpe.

01:27:30.069 --> 01:27:31.789
<v Tim Pritlove>Und man nuckelt die ganze Zeit am Nichts.

01:27:31.789 --> 01:27:36.389
<v Stefan Schael>Man nuckelt am Nix. Also man muss sich dazu einige technische Lösungen einfallen lassen.

01:27:37.229 --> 01:27:41.329
<v Stefan Schael>Dieses superfluide Helium ist also physikalisch extrem interessant.

01:27:42.669 --> 01:27:47.269
<v Stefan Schael>Man kann das über Temperaturunterschiede von einem Ort in den anderen bewegen,

01:27:47.329 --> 01:27:49.949
<v Stefan Schael>aber diese Temperaturunterschiede, die sie brauchen, sind tausendstel Grad.

01:27:49.949 --> 01:27:53.889
<v Tim Pritlove>Und so rauspumpen, also nicht raussaugen, sondern so rausdrücken?

01:27:54.229 --> 01:28:01.429
<v Stefan Schael>Ja, also mit so einem Kolben oder sowas. Dieses Helium geht durch jeden Spalt.

01:28:01.549 --> 01:28:06.849
<v Stefan Schael>Also Sie können nichts da irgendwie, das interessiert das gar nicht.

01:28:06.849 --> 01:28:07.989
<v Tim Pritlove>Das fließt da einfach dran vorbei.

01:28:08.429 --> 01:28:11.349
<v Stefan Schael>Egal wie gut Sie das machen, das können Sie völlig vergessen.

01:28:13.069 --> 01:28:18.129
<v Stefan Schael>Das Problem war mit diesem supraleitenden Magneten, dass wir den also fertig gebaut hatten 2010.

01:28:21.329 --> 01:28:24.329
<v Tim Pritlove>Und Der ist schon gebaut worden.

01:28:24.609 --> 01:28:28.069
<v Stefan Schael>Der war komplett fertig. Und da muss man jetzt wieder verstehen,

01:28:28.229 --> 01:28:30.249
<v Stefan Schael>wie ist AMS eigentlich genehmigt worden?

01:28:30.429 --> 01:28:33.809
<v Stefan Schael>AMS ist genehmigt worden für einen Flug auf der Raumstation von drei Jahren.

01:28:34.669 --> 01:28:38.329
<v Stefan Schael>Nach drei Jahren sollte es mit dem Space Shuttle wieder nach unten gebracht werden, auf die Erde.

01:28:39.609 --> 01:28:43.609
<v Stefan Schael>Und wie wir alle wissen, durch die Abstürze der Space Shuttle hat sich also

01:28:43.609 --> 01:28:45.329
<v Stefan Schael>das Raumfahrtprogramm signifikant verändert.

01:28:46.149 --> 01:28:47.789
<v Stefan Schael>AMS ist lange verzögert worden.

01:28:48.849 --> 01:28:54.369
<v Stefan Schael>Und als wir soweit waren, dass wir diesen supraleitenden Magneten also in bei

01:28:54.369 --> 01:28:57.869
<v Stefan Schael>der S-TEC in Nordwijk getestet haben in einer Thermowakuumkammer,

01:28:57.869 --> 01:28:59.449
<v Stefan Schael>das war das erste Mal, dass wir ihn testen konnten.

01:28:59.589 --> 01:29:03.049
<v Stefan Schael>Also wir brauchen eine sehr große Testeinrichtung, um überhaupt zu verstehen,

01:29:03.109 --> 01:29:04.409
<v Stefan Schael>wie das funktioniert im Vakuum.

01:29:06.249 --> 01:29:10.429
<v Stefan Schael>Da kam dabei raus, der sollte also eine Lebensdauer von 36 Monate haben,

01:29:10.549 --> 01:29:11.769
<v Stefan Schael>er hatte aber nur eine von 30.

01:29:12.929 --> 01:29:17.949
<v Stefan Schael>Also es war nicht so, dass der nicht funktionierte und diese Unsicherheit auf

01:29:17.949 --> 01:29:20.009
<v Stefan Schael>unsere Messungen war Größenordnung vier Monate.

01:29:21.789 --> 01:29:25.509
<v Stefan Schael>Er war nicht weit von der Spezifikation weg. Eigentlich war er sehr nah dran

01:29:25.509 --> 01:29:28.929
<v Stefan Schael>und mit ein bisschen Optimismus hätten wir auch gesagt, also das versuchen wir.

01:29:30.229 --> 01:29:34.989
<v Stefan Schael>Aber genau zu dem Zeitpunkt, als wir diese Messungen gemacht haben bei der S-TEC

01:29:34.989 --> 01:29:40.049
<v Stefan Schael>in Nordwijk, gab es eine Tagung der Raumfahrtagenturen in Tokio und da haben

01:29:40.049 --> 01:29:44.589
<v Stefan Schael>sich die Chefs der Raumfahrtagenturen darauf geeinigt, die Lebensdauer der ISS zu verlängern.

01:29:46.722 --> 01:29:49.362
<v Stefan Schael>Und Shuttle-Flüge, um AMS wieder runterzubringen, gab es auch nicht mehr.

01:29:50.522 --> 01:29:55.082
<v Stefan Schael>Und das heißt, die Frage war, wollen wir AMS da hochbringen und nach 30 Monaten

01:29:55.082 --> 01:29:56.422
<v Stefan Schael>eventuell ist Feierabend?

01:29:57.082 --> 01:30:02.302
<v Stefan Schael>Oder bauen wir AMS um auf einen Permanentmagneten und können damit dann 20 Jahre lang messen?

01:30:03.642 --> 01:30:06.242
<v Stefan Schael>Und dann haben wir gesagt, wir bauen um auf den Permanentmagneten.

01:30:06.322 --> 01:30:11.622
<v Stefan Schael>Das ist sicherer, das erlaubt uns 20 Jahre Messzeit, wir können viel tollere Physik machen.

01:30:12.522 --> 01:30:18.002
<v Stefan Schael>Haben AMS, also von der S-TEC wieder zurück zum CERN gebracht und haben hier

01:30:18.002 --> 01:30:23.202
<v Stefan Schael>in Aachen an der RWTH den Permanentmagneten von AMS 1 so umgebaut,

01:30:23.362 --> 01:30:25.062
<v Stefan Schael>dass er in AMS 2 reinpasst.

01:30:25.242 --> 01:30:27.062
<v Tim Pritlove>Also es ist tatsächlich derselbe Magnet?

01:30:27.282 --> 01:30:30.762
<v Stefan Schael>Es ist derselbe, nicht der gleiche, sondern es ist wirklich derselbe Magnet

01:30:30.762 --> 01:30:33.022
<v Stefan Schael>wie in dem ersten Space Shuttle Discovery geflogen.

01:30:34.402 --> 01:30:38.182
<v Stefan Schael>Und wir haben hier innerhalb von drei Monaten es hingekriegt,

01:30:38.182 --> 01:30:44.002
<v Stefan Schael>den so umzubauen, dass er er von außen genauso aussieht wie der supraleitende Magnet.

01:30:44.022 --> 01:30:48.022
<v Stefan Schael>Und zwar nicht, damit er von außen so aussieht, sondern wenn Sie ein fertiges

01:30:48.022 --> 01:30:51.742
<v Stefan Schael>komplexes Instrument haben, dann können Sie nicht das Herzstück davon rausnehmen

01:30:51.742 --> 01:30:55.802
<v Stefan Schael>und durch was anderes ersetzen, was anders aussieht, wenn Sie innerhalb von

01:30:55.802 --> 01:30:57.482
<v Stefan Schael>sechs Monaten den Flug hinkriegen wollen.

01:30:57.722 --> 01:31:01.182
<v Stefan Schael>Und sowohl NASA als auch DLR haben diese Entscheidung unterstützt.

01:31:02.422 --> 01:31:04.222
<v Stefan Schael>Das ist schon echt hardcore.

01:31:04.402 --> 01:31:09.602
<v Tim Pritlove>Also so ein halbes Jahr bevor das Ding startet, Operation am Herzen sozusagen.

01:31:09.602 --> 01:31:14.862
<v Stefan Schael>Ja, am offenen Herzen und wir waren aber im August dann soweit,

01:31:14.862 --> 01:31:18.762
<v Stefan Schael>dass wir das fertige Instrument am CERN testen konnten und waren im September

01:31:18.762 --> 01:31:22.382
<v Stefan Schael>am Kennedy Space Center. Der Start sollte im Oktober stattfinden.

01:31:22.962 --> 01:31:26.242
<v Stefan Schael>Wie immer bei Raumfahrtprogrammen, der hat sich dann verzögert,

01:31:26.242 --> 01:31:28.742
<v Stefan Schael>weil die Discovery vorher nicht vom Boden wegkam.

01:31:28.822 --> 01:31:32.462
<v Stefan Schael>Die hatte also Probleme mit dem Wasserstofftank. Deshalb ist unser Start erst

01:31:32.462 --> 01:31:36.402
<v Stefan Schael>im Mai dann passiert, aber die Vorgabe von der NASA war, entweder ihr seid im

01:31:36.402 --> 01:31:39.662
<v Stefan Schael>September da oder ihr könnt es vergessen. Ja.

01:31:39.662 --> 01:31:41.382
<v Tim Pritlove>Hat geklappt.

01:32:08.022 --> 01:32:12.722
<v Stefan Schael>Heißt keine Consumables mehr, also kein Verbrauchsmaterial, was unsere Lebensdauer beschränkt.

01:32:12.782 --> 01:32:16.242
<v Stefan Schael>Das heißt, wir sehen ganz entspannt den Entscheidungen entgegen,

01:32:16.242 --> 01:32:17.342
<v Stefan Schael>wie lange es die ISS gibt.

01:32:18.942 --> 01:32:21.642
<v Stefan Schael>Es wird auf jeden Fall noch für die nächsten zwei Jahre sein.

01:32:21.722 --> 01:32:22.622
<v Stefan Schael>Also ich habe nichts davon gehört.

01:32:22.882 --> 01:32:24.182
<v Tim Pritlove>Dass die ISS zugemacht wird.

01:32:25.022 --> 01:32:29.962
<v Stefan Schael>Und alles, was länger ist, ist ein Plus für uns. Und wir können tolle Sachen da beobachten.

01:32:30.722 --> 01:32:33.622
<v Stefan Schael>Denn bei den Sachen, die wir beobachten, ist ja nicht klar,

01:32:36.135 --> 01:32:41.255
<v Stefan Schael>dass nicht ein seltenes Ereignis wie zum Beispiel eine Supernova-Explosion in

01:32:41.255 --> 01:32:44.775
<v Stefan Schael>unserer Galaxie uns tolle physikalische Ergebnisse liefert, die wir eigentlich

01:32:44.775 --> 01:32:48.415
<v Stefan Schael>nicht vorhersagen können, weil nur eine Supernova in unserer Galaxie alle 30 Jahre passiert.

01:32:49.295 --> 01:32:51.935
<v Stefan Schael>Wenn wir aber 20 Jahre da oben sind, dann haben wir eine ziemlich gute Chance,

01:32:52.055 --> 01:32:55.455
<v Stefan Schael>dass wir bei einer, die in der Nachbarschaft ist, messen können.

01:32:55.675 --> 01:32:59.015
<v Tim Pritlove>Und es müsste aber eine sehr nahe sein.

01:32:59.455 --> 01:33:04.735
<v Stefan Schael>Also wenn ich die Messergebnisse kennen würde, dann würde ich Ihnen sagen, wie nah die sein muss.

01:33:05.455 --> 01:33:07.655
<v Stefan Schael>Ja, aber umso näher.

01:33:07.655 --> 01:33:08.215
<v Tim Pritlove>Umso besser.

01:33:08.295 --> 01:33:12.895
<v Stefan Schael>Das dient als Beispiel dafür, dass, wenn Sie an dem Beschleuniger sind,

01:33:13.015 --> 01:33:15.175
<v Stefan Schael>dann machen Sie immer die gleichen Kollisionen. Ja.

01:33:15.275 --> 01:33:18.035
<v Stefan Schael>Und dann geht es nur darum, möglichst viele davon aufzuzeichnen.

01:33:18.575 --> 01:33:23.075
<v Stefan Schael>Wenn Sie da im Weltraum sind, dann gibt es Ereignisse, singuläre Ereignisse,

01:33:23.115 --> 01:33:27.195
<v Stefan Schael>die dazu führen können, dass Sie Sachen sehen, die Sie ein Jahr vorher nicht

01:33:27.195 --> 01:33:29.175
<v Stefan Schael>sehen können und ein Jahr später auch nicht sehen können.

01:33:29.315 --> 01:33:32.135
<v Stefan Schael>Das heißt, es ist nicht so einfach zu beantworten, wie lange will man denn da

01:33:32.135 --> 01:33:32.955
<v Stefan Schael>oben eigentlich messen.

01:33:33.035 --> 01:33:35.195
<v Tim Pritlove>Ja, es ist Regen in der Wüste. ist.

01:33:35.875 --> 01:33:39.155
<v Stefan Schael>Wegen in der Wüste, ich finde ein anderes Beispiel schöner.

01:33:39.215 --> 01:33:44.935
<v Stefan Schael>Es gab dieses Super-Kamiokande-Experiment in Japan, dessen eigentliche Aufgabe

01:33:44.935 --> 01:33:47.355
<v Stefan Schael>war, die Lebensdauer von den Protonen zu messen.

01:33:48.755 --> 01:33:53.535
<v Stefan Schael>Und was die gefunden haben zwischendurch, sind Neutrinos von einer Supernova-Explosion,

01:33:53.755 --> 01:33:57.735
<v Stefan Schael>weil halt 1987 gerade eine Supernova in unserer Galaxie explodiert ist.

01:33:58.095 --> 01:34:02.015
<v Stefan Schael>Und die haben die Ankunftszeiten von den Neutrinos gemessen und damit rausgekriegt,

01:34:02.035 --> 01:34:03.915
<v Stefan Schael>dass die also sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegen.

01:34:04.075 --> 01:34:07.135
<v Stefan Schael>Das war Das war das tollste Resultat von denen. Das können sie nicht vorhersagen,

01:34:07.155 --> 01:34:08.095
<v Stefan Schael>das können sie nicht planen.

01:34:08.175 --> 01:34:11.375
<v Stefan Schael>Sie können nur in ihrem Proposal schreiben, wenn sowas passiert,

01:34:11.515 --> 01:34:12.295
<v Stefan Schael>dann können wir das auch.

01:34:13.955 --> 01:34:17.615
<v Stefan Schael>Was ich eigentlich sagen will, das Spannendste an AMS ist ja nicht das,

01:34:17.715 --> 01:34:19.535
<v Stefan Schael>was wir auf unserer Liste stehen haben.

01:34:19.675 --> 01:34:23.975
<v Stefan Schael>Wir haben eine lange Liste von Forschungsthemen. Von Strahlungsmessungen für

01:34:23.975 --> 01:34:30.095
<v Stefan Schael>die bemannte Raumfahrt über dunkle Materie, über neue Materieformen,

01:34:30.095 --> 01:34:32.435
<v Stefan Schael>die wir in Neutronensternen erwarten,

01:34:32.555 --> 01:34:38.135
<v Stefan Schael>bis zur Propagation von geladenen Teilchen im galaktischen Magnetfeld,

01:34:38.235 --> 01:34:39.295
<v Stefan Schael>was wir alles untersuchen wollen.

01:34:39.755 --> 01:34:44.755
<v Stefan Schael>Darauf haben wir das Instrument optimiert. Aber wenn wir das alles finden,

01:34:45.075 --> 01:34:49.675
<v Stefan Schael>da haben wir ein tolles wissenschaftliches Programm, aber der Durchbruch,

01:34:49.695 --> 01:34:52.335
<v Stefan Schael>die Neuheit, das, was die Welt verändert, war nicht dabei.

01:34:53.255 --> 01:34:56.455
<v Stefan Schael>Nur wenn wir was finden, was wir nicht auf unserer Liste haben,

01:34:56.615 --> 01:35:01.315
<v Stefan Schael>was wir nicht erwartet haben, dann schaffen wir ja wirklich neues Wissen.

01:35:05.258 --> 01:35:08.978
<v Stefan Schael>Das ist ein Glücksspiel. Also ich bin, wenn Sie mich jetzt fragen,

01:35:09.058 --> 01:35:11.298
<v Stefan Schael>ja und was ist das? Und werdet ihr das finden?

01:35:11.818 --> 01:35:14.018
<v Tim Pritlove>Naja, das ist mir schon klar. Das ist ein Mysterium.

01:35:14.038 --> 01:35:18.198
<v Stefan Schael>Das ist das Spannende an Wissenschaft. Wir machen ein Experiment,

01:35:18.498 --> 01:35:21.898
<v Stefan Schael>wo noch nie einer ein Experiment gemacht hat mit dieser Genauigkeit.

01:35:21.958 --> 01:35:26.238
<v Tim Pritlove>Aber was konnte denn schon abgehakt werden? Also seit einem Jahr werden Daten geliefert.

01:35:26.418 --> 01:35:29.738
<v Tim Pritlove>Man sieht wahrscheinlich den Daten dann relativ schnell schon mal so einen gewissen

01:35:29.738 --> 01:35:34.398
<v Tim Pritlove>Grundwert an. Aber natürlich ist eine wissenschaftliche Auswertung auch dessen ein Trägerprozess.

01:35:34.658 --> 01:35:39.298
<v Tim Pritlove>Gibt es denn schon irgendetwas, was schon hat abgehakt werden können?

01:35:39.518 --> 01:35:43.718
<v Tim Pritlove>Zeichnet sich ab, dass für einen bestimmten Bereich das sehr gut oder vielleicht

01:35:43.718 --> 01:35:44.698
<v Tim Pritlove>auch gar nicht funktioniert?

01:35:45.638 --> 01:35:54.958
<v Stefan Schael>Ja, also jetzt muss man sich das, es hört sich ein bisschen überheblich an,

01:35:55.018 --> 01:35:56.878
<v Stefan Schael>aber es ist ein bisschen schwieriger als Fernseher einschalten.

01:35:57.098 --> 01:36:03.138
<v Stefan Schael>Also ich versuche das mal wieder mit einer Analogie zu machen.

01:36:03.138 --> 01:36:08.698
<v Stefan Schael>Stellen Sie sich vor, Sie sind vor 20 Jahren und Sie haben einen Fernseher mit

01:36:08.698 --> 01:36:11.798
<v Stefan Schael>einer Zimmerantenne in Ihrem Wohnwagen und Sie wollen ein gutes Bild kriegen.

01:36:12.238 --> 01:36:14.918
<v Stefan Schael>Dann richten Sie die Zimmerantenne aus, dann haben Sie ein gutes Bild.

01:36:15.578 --> 01:36:18.278
<v Stefan Schael>Jetzt machen wir es ein bisschen schwieriger, ich lasse Ihren Wohnwagen fahren.

01:36:18.998 --> 01:36:21.538
<v Stefan Schael>Dann sind Sie die ganze Zeit da dran und drehen an Ihrer Antenne,

01:36:21.538 --> 01:36:22.598
<v Stefan Schael>um das Bild stabil zu halten.

01:36:24.049 --> 01:36:27.409
<v Stefan Schael>Wir haben nicht einen Fernseher, wir haben 300.000. Und wir versuchen,

01:36:27.649 --> 01:36:32.349
<v Stefan Schael>um in dem Bild zu bleiben, 300.000 Antennen auszurichten, aber unser Wohnwagen

01:36:32.349 --> 01:36:33.449
<v Stefan Schael>ist ein bisschen schneller als ihrer.

01:36:33.769 --> 01:36:36.329
<v Stefan Schael>Wir fliegen nämlich in 90 Minuten einmal um die Erde rum.

01:36:37.989 --> 01:36:41.029
<v Stefan Schael>Das heißt, unsere Randbedingungen, alles, was drumherum ist,

01:36:41.089 --> 01:36:42.169
<v Stefan Schael>ändert sich kontinuierlich.

01:36:43.729 --> 01:36:46.749
<v Stefan Schael>Die Sonneneinstrahlung ändert sich, damit ändern sich die Temperaturen.

01:36:47.349 --> 01:36:51.449
<v Stefan Schael>Die Raumstation ist nicht primär dafür da, als Plattform für AMS zu dienen,

01:36:51.449 --> 01:36:54.689
<v Stefan Schael>Sondern die ist für ein eigenes wissenschaftliches Programm zuständig.

01:36:54.769 --> 01:36:58.389
<v Stefan Schael>Das heißt, da kommen Sojus-Kapseln an, da kommen Space Shuttle an,

01:36:58.489 --> 01:37:02.849
<v Stefan Schael>die Raumstation wird gedreht, Solarpaneele sind in unserer Akzeptanz.

01:37:02.869 --> 01:37:04.709
<v Stefan Schael>Mal haben wir Schatten, mal haben wir Sonne.

01:37:06.749 --> 01:37:10.949
<v Stefan Schael>Die NASA unterstützt uns nach allen Möglichkeiten Also um Beispiel zu sagen,

01:37:11.029 --> 01:37:14.269
<v Stefan Schael>es gibt da Radiatoren, um die Wärme der Raumstation abzustrahlen,

01:37:14.909 --> 01:37:18.769
<v Stefan Schael>Wenn es uns zu kalt wird, dann dreht die NASA diese Radiatoren so,

01:37:18.869 --> 01:37:22.109
<v Stefan Schael>dass die uns heizen Und zwar gezielt, also punktuell heizen,

01:37:22.209 --> 01:37:23.729
<v Stefan Schael>wenn es an einigen Punkten zu kalt wird,

01:37:24.589 --> 01:37:29.249
<v Stefan Schael>Dieser Betrieb von AMS auf der Raumstation selber ist eine Herausforderung an

01:37:29.249 --> 01:37:35.229
<v Stefan Schael>sich Wir haben also in der Größenordnung zwölf Leute, 24 Stunden,

01:37:35.569 --> 01:37:39.409
<v Stefan Schael>sieben Tage die Woche, auf Schicht, die dieses Instrument überwachen.

01:37:39.769 --> 01:37:43.229
<v Stefan Schael>Und zwar nur überwachen, dass das funktioniert, also sich noch überhaupt nicht

01:37:43.229 --> 01:37:44.029
<v Stefan Schael>die Daten angeguckt haben.

01:37:44.029 --> 01:37:44.109
<v Tim Pritlove>Ja.

01:37:44.929 --> 01:37:48.689
<v Stefan Schael>Wir haben dann ein wesentlich größeres Team, was also die Daten,

01:37:48.689 --> 01:37:53.449
<v Stefan Schael>die da runterkommen, analysiert und versucht zu verstehen, ob diese ganzen Effekte,

01:37:53.449 --> 01:37:56.509
<v Stefan Schael>die also zu Veränderungen führen können, ob wir die korrigieren können.

01:37:56.649 --> 01:37:58.709
<v Stefan Schael>Das nennt man Kalibration in der Physik.

01:37:59.009 --> 01:38:01.689
<v Stefan Schael>Das heißt, wir wollen sicherstellen, dass wenn wir was Neues finden,

01:38:01.869 --> 01:38:05.529
<v Stefan Schael>das nichts damit zu tun hat, dass vielleicht ein Solarpanel irgendwie komisch

01:38:05.529 --> 01:38:07.509
<v Stefan Schael>stand und wir da Sekundärteilchen herbekommen.

01:38:07.709 --> 01:38:07.869
<v Tim Pritlove>Ja.

01:38:10.469 --> 01:38:15.189
<v Stefan Schael>Und das, was für uns, Was ist Ihre Bilanz nach einem Jahr?

01:38:17.129 --> 01:38:22.489
<v Stefan Schael>Ich war bei diesem Start am Kennedy Space Center.

01:38:23.009 --> 01:38:29.709
<v Stefan Schael>Von diesen über sieben Tonnen, fast die Hälfte davon war von Strukturen gehalten,

01:38:29.789 --> 01:38:35.289
<v Stefan Schael>die ich zu verantworten habe, also die an der RWTH gebaut oder in Auftrag gegeben worden waren.

01:38:35.289 --> 01:38:40.509
<v Stefan Schael>Da waren sieben Leute, die haben dem ihr Leben anvertraut, dass wir hier keinen Fehler gemacht haben.

01:38:41.049 --> 01:38:45.509
<v Stefan Schael>Als ich das erste Foto gesehen habe aus der Ladebucht, wo dieses Instrument

01:38:45.509 --> 01:38:49.389
<v Stefan Schael>intakt war, keine Metallstreben irgendwie rausstanden, nicht auseinandergefallen.

01:38:49.649 --> 01:38:53.089
<v Stefan Schael>Das war für mich die größte Erleichterung. Das ist eine enorme Verantwortung

01:38:53.089 --> 01:38:55.809
<v Stefan Schael>gewesen für solch ein Uni-Institut.

01:38:57.309 --> 01:39:01.309
<v Stefan Schael>Das nächste, als wir auf der Raumstation ankamen und das angestellt haben,

01:39:02.129 --> 01:39:08.089
<v Stefan Schael>Unsere Röhrchen aus dieser 70 Mikrometer dicken Folie, die sind mittlerweile über 20 Jahre alt.

01:39:09.209 --> 01:39:10.789
<v Stefan Schael>Die sind zusammengeklebt.

01:39:10.889 --> 01:39:12.049
<v Tim Pritlove>20 Jahre alt?

01:39:12.269 --> 01:39:16.989
<v Stefan Schael>Über 20 Jahre. Das Rohmaterial wurde in den 90er Jahren hergestellt.

01:39:20.108 --> 01:39:29.228
<v Stefan Schael>Dass das nach solch einem Shuttle-Start auf der Raumstation im Vakuum alle 5248

01:39:29.228 --> 01:39:31.528
<v Stefan Schael>Kanäle funktionieren. Wir haben nicht einen einzelnen verloren.

01:39:32.228 --> 01:39:37.268
<v Stefan Schael>Da sind 30 Mikrometer dicke vergoldete Wolframdrähte in diesen Röhrchen gespannt,

01:39:37.408 --> 01:39:40.448
<v Stefan Schael>die eigentlich die elektrischen Signale dann rausholen. Die sind zwei Meter lang.

01:39:41.328 --> 01:39:46.088
<v Stefan Schael>Kein einziger von denen ist gerissen. Das funktioniert 100 Prozent.

01:39:46.808 --> 01:39:50.328
<v Stefan Schael>Und diese Geschichte, was ich jetzt an dem Beispiel von diesem Übergangsstrahlungsdetektor

01:39:50.328 --> 01:39:53.708
<v Stefan Schael>erzähle, den wir gebaut haben, und man merkt vielleicht, dass ich ein bisschen

01:39:53.708 --> 01:39:56.428
<v Stefan Schael>zufrieden oder stolz darauf bin, dass das alles funktioniert hat,

01:39:56.648 --> 01:39:58.528
<v Stefan Schael>das gilt für die anderen Gruppen genauso.

01:39:59.068 --> 01:40:03.488
<v Stefan Schael>Wir sehen oder wir sind mittlerweile in der Lage zu sagen, dass dieses Instrument

01:40:03.488 --> 01:40:06.388
<v Stefan Schael>genau so funktioniert, wie wir es konzipiert haben.

01:40:08.568 --> 01:40:13.448
<v Stefan Schael>Und das heißt natürlich auch, der Betrieb ist wesentlich schwieriger,

01:40:13.508 --> 01:40:15.068
<v Stefan Schael>als wenn das nicht so gut funktionieren würde.

01:40:15.648 --> 01:40:18.468
<v Stefan Schael>Also wenn Sie etwas bauen, was unpräzise ist, dann müssen Sie sich nicht viel

01:40:18.468 --> 01:40:20.008
<v Stefan Schael>Mühe geben, um damit was zu machen.

01:40:20.548 --> 01:40:24.028
<v Stefan Schael>Also Sie wollen die Länge eines Tisches messen und Sie haben einen Maßstab,

01:40:24.028 --> 01:40:27.128
<v Stefan Schael>der recht ungenau ist, dann kommt es nicht darauf an, wie gut Sie den anlegen.

01:40:28.268 --> 01:40:31.288
<v Stefan Schael>Aber wenn Sie eine Mikrometerschraube haben, dann müssen Sie sich schon Gedanken

01:40:31.288 --> 01:40:34.868
<v Stefan Schael>darüber machen, bei welcher Temperatur habe ich denn gemessen.

01:40:36.528 --> 01:40:40.528
<v Stefan Schael>Dieses Instrument funktioniert hervorragend. Das ist von allen Daten,

01:40:40.568 --> 01:40:42.448
<v Stefan Schael>die wir sehen. Es funktioniert hervorragend.

01:40:43.208 --> 01:40:46.848
<v Stefan Schael>Aber das heißt, dass wir jede Kleinigkeit verstehen müssen, um sicher zu sein,

01:40:47.468 --> 01:40:50.788
<v Stefan Schael>mit der Genauigkeit, mit der wir nachher gucken, um wieder das Mikroskop zu

01:40:50.788 --> 01:40:53.908
<v Stefan Schael>nehmen, die Linse war nicht krumm, sondern da war wirklich was.

01:40:55.188 --> 01:40:59.228
<v Stefan Schael>Und damit sind wir gegenwärtig beschäftigt. Das machen wir jetzt seit einem

01:40:59.228 --> 01:41:00.588
<v Stefan Schael>Jahr und das wird immer besser.

01:41:00.708 --> 01:41:09.668
<v Stefan Schael>Also wir nähern uns einem Zustand, wo wir die ganzen Computerprogramme,

01:41:09.708 --> 01:41:15.008
<v Stefan Schael>also am Ende passiert das natürlich mit Computerprogrammen, Sie werten 20 Milliarden Ereignisse,

01:41:15.128 --> 01:41:17.208
<v Stefan Schael>die werten sie nicht von Hand aus,

01:41:17.328 --> 01:41:21.748
<v Stefan Schael>sondern sie müssen Computeralgorithmen entwickeln und die müssen alle Eventualitäten kennen,

01:41:21.888 --> 01:41:24.168
<v Stefan Schael>die bis dahin aufgetreten sind, um damit fertig zu werden.

01:41:25.277 --> 01:41:28.237
<v Stefan Schael>Und was wir machen, ist diese Software zu entwickeln, zu testen,

01:41:28.277 --> 01:41:32.957
<v Stefan Schael>ans Laufen zu kriegen, um stabile wissenschaftliche Ergebnisse zu produzieren.

01:41:33.157 --> 01:41:37.797
<v Stefan Schael>Und wir nähern uns einem Zustand, dass wir das können und fangen jetzt an,

01:41:37.857 --> 01:41:42.897
<v Stefan Schael>uns mit den physikalischen Fragestellungen, also unserem eigentlichen Forschungsprogramm,

01:41:42.917 --> 01:41:45.717
<v Stefan Schael>denn Instrumentverstehen ist ja nicht das Forschungsprogramm,

01:41:45.717 --> 01:41:46.797
<v Stefan Schael>das ist Mittel zum Zweck.

01:41:46.797 --> 01:41:50.517
<v Stefan Schael>Wir fangen jetzt an mit unserem eigentlichen Forschungsprogramm uns zu beschäftigen

01:41:50.517 --> 01:41:56.597
<v Stefan Schael>und das Ziel ist, dass wir Ende 2012, Anfang 2013 soweit sind,

01:41:56.637 --> 01:41:59.077
<v Stefan Schael>die ersten wissenschaftlichen Ergebnisse zu publizieren.

01:41:59.217 --> 01:42:01.577
<v Stefan Schael>Also nicht technische Ergebnisse, irgendwas funktioniert so gut,

01:42:01.677 --> 01:42:04.457
<v Stefan Schael>sondern die ersten wissenschaftlichen Ergebnisse zu produzieren.

01:42:04.917 --> 01:42:09.837
<v Stefan Schael>Und wir sehen an Beispielen schon, dass das hervorragend funktioniert.

01:42:10.017 --> 01:42:14.757
<v Stefan Schael>Und ein Beispiel möchte ich nennen, also wir wissen, dass das Antiteilchen zum

01:42:14.757 --> 01:42:16.397
<v Stefan Schael>Elektron dass das das Positron ist.

01:42:17.217 --> 01:42:21.457
<v Stefan Schael>Wir haben in den AMS1-Daten schon gesehen, dass es mehr Positronen in der kosmischen

01:42:21.457 --> 01:42:23.097
<v Stefan Schael>Höhenstrahlung gibt, als wir erwarten.

01:42:24.857 --> 01:42:30.137
<v Stefan Schael>Und wir können jetzt mit AMS2 das zu viel höheren Energien messen,

01:42:30.137 --> 01:42:31.417
<v Stefan Schael>mit viel mehr Statistik.

01:42:32.057 --> 01:42:36.017
<v Stefan Schael>Und die höchstenergetischen Positronen, also Antiteilchen zum Elektronen,

01:42:36.017 --> 01:42:38.677
<v Stefan Schael>die je in der kosmischen Höhenstrahlung nachgewiesen worden sind,

01:42:38.757 --> 01:42:40.957
<v Stefan Schael>die sind mit AMS2 jetzt aufgezeichnet worden.

01:42:41.097 --> 01:42:45.377
<v Stefan Schael>Wir haben schon die ersten Ereignisse. Und man kann das wirklich sich wie ein Foto vorstellen.

01:42:45.617 --> 01:42:49.137
<v Stefan Schael>Man sieht die Flugbahn von dem Teilchen. Wir sehen, was jeder Teilchendetektor dazu sagt.

01:42:49.397 --> 01:42:53.777
<v Stefan Schael>Das sind ganz saubere Ereignisse und das ist bei Energien, die sind also mehr

01:42:53.777 --> 01:42:56.337
<v Stefan Schael>als ein Faktor zwei höher als das, was man vorher konnte.

01:42:57.057 --> 01:43:01.497
<v Stefan Schael>Und diese Positronen sind sehr empfindliche Sonden für die Natur der dunklen

01:43:01.497 --> 01:43:03.597
<v Stefan Schael>Materie und deshalb sind wir daran so interessiert.

01:43:03.997 --> 01:43:10.217
<v Stefan Schael>Das ist ein Beispiel, woran wir sehen, dass die wissenschaftlichen Ergebnisse sehr gut sein werden.

01:43:10.617 --> 01:43:13.997
<v Stefan Schael>Ob sie sensationell sein werden, das liegt nicht in unserer Hand.

01:43:14.837 --> 01:43:18.497
<v Tim Pritlove>Das heißt, es zeichnet sich auch schon ab, dass jetzt so die Entscheidung für

01:43:18.497 --> 01:43:23.697
<v Tim Pritlove>das Maximum bei zwei Teraelektronenvolt jetzt auch nicht die schlechteste Idee war.

01:43:25.308 --> 01:43:28.108
<v Stefan Schael>Ich meine, eigentlich ist es keine Entscheidung. Wenn Sie uns gefragt hätten,

01:43:28.228 --> 01:43:31.448
<v Stefan Schael>was wollt ihr, hätten wir gesagt, 10 Teraelektronenvolt.

01:43:31.608 --> 01:43:32.548
<v Tim Pritlove>Hat aber keiner.

01:43:33.548 --> 01:43:35.188
<v Stefan Schael>Sondern das, was man technisch kann.

01:43:35.488 --> 01:43:38.968
<v Tim Pritlove>Auch mit dieser Limitierung scheint es schon gut zu funktionieren.

01:43:39.388 --> 01:43:43.368
<v Stefan Schael>Es funktioniert hervorragend mit der Limitierung. Ob die spannenden physikalischen

01:43:43.368 --> 01:43:46.028
<v Stefan Schael>Effekte in dem Energiebereich liegen.

01:43:46.328 --> 01:43:47.088
<v Tim Pritlove>Ist offen.

01:43:48.708 --> 01:43:50.148
<v Stefan Schael>Im Moment müssen wir sagen, dieser

01:43:50.148 --> 01:43:53.468
<v Stefan Schael>Energiebereich ist nicht vernünftig erforscht. Wir werden das machen.

01:43:53.468 --> 01:43:58.188
<v Tim Pritlove>Ja, nochmal eine Frage zu dem Wir-Kontext. Also eben hörte ich so,

01:43:58.228 --> 01:44:00.948
<v Tim Pritlove>dass wir alle beteiligten Wissenschaftler heraus,

01:44:01.248 --> 01:44:06.328
<v Tim Pritlove>nochmal konkret jetzt hier an den, an der Uni beteiligten Menschen,

01:44:06.528 --> 01:44:09.368
<v Tim Pritlove>sind das dann vor allem auch viele Studenten?

01:44:09.368 --> 01:44:14.928
<v Tim Pritlove>Also ist das quasi dann hier auch Teil der, schon mit der Ausbildung wiederum,

01:44:14.928 --> 01:44:19.868
<v Tim Pritlove>sich aktiv an diesem Gerät mit zu engagieren?

01:44:19.868 --> 01:44:28.048
<v Stefan Schael>Ja, also wir haben wissenschaftliches Stammpersonal, was die Universität sozusagen hat.

01:44:28.528 --> 01:44:32.068
<v Stefan Schael>Da haben wir dazu Wissenschaftler, die also vom DLR finanziert werden,

01:44:32.168 --> 01:44:33.488
<v Stefan Schael>die an dem Projekt mitarbeiten.

01:44:33.568 --> 01:44:36.428
<v Stefan Schael>Und dann haben wir natürlich eine große Anzahl von Doktoranden,

01:44:36.528 --> 01:44:40.528
<v Stefan Schael>von Studenten, die ihre Abschlussarbeiten an diesem Projekt machen.

01:44:40.528 --> 01:44:45.248
<v Stefan Schael>Und das heißt, ja, das macht eigentlich die Attraktivität von solch einem Standort aus.

01:44:45.388 --> 01:44:50.128
<v Stefan Schael>Also wie viele Möglichkeiten weltweit haben Sie, an solchen Projekten mitzuarbeiten?

01:44:50.268 --> 01:44:51.448
<v Stefan Schael>Da gibt es relativ wenige.

01:44:52.568 --> 01:44:57.788
<v Stefan Schael>Deutschland ist also als Industrienation führend genug, wohlhabend genug,

01:44:57.988 --> 01:45:01.088
<v Stefan Schael>um sich solche Projekte der Grundlagenforschung zu leisten. Und das heißt,

01:45:01.188 --> 01:45:06.668
<v Stefan Schael>wir können hier an der Grenze dessen, was technisch möglich ist, ausbilden.

01:45:06.788 --> 01:45:08.468
<v Stefan Schael>Und das ist eine ganz wichtige Funktion.

01:45:10.388 --> 01:45:13.648
<v Stefan Schael>Das, was mich so ein bisschen traurig macht in dem Zusammenhang,

01:45:13.668 --> 01:45:18.928
<v Stefan Schael>ist, dass wir so gut ausbilden, dass die Leute teilweise noch in die Industrie

01:45:18.928 --> 01:45:21.008
<v Stefan Schael>gehen, bevor sie ihre Ausbildung abgeschlossen haben.

01:45:21.008 --> 01:45:25.508
<v Stefan Schael>Ja, teilweise sind die, also die gehen im Moment weg wie warme Semmel,

01:45:25.568 --> 01:45:28.448
<v Stefan Schael>ja, die sind weg, bevor sie ihre Abschlussarbeiten fertig haben,

01:45:28.568 --> 01:45:30.808
<v Stefan Schael>weil die Angebote so gut sind.

01:45:30.948 --> 01:45:35.008
<v Stefan Schael>Das ist gut aus Sicht des Abnehmers, weil es zeigt,

01:45:35.148 --> 01:45:38.648
<v Stefan Schael>wir bilden auf dem richtigen Niveau aus, die Leute werden nachgefragt,

01:45:38.728 --> 01:45:44.988
<v Stefan Schael>aber aus Sicht des Forschers wäre es halt teilweise schön, wenn diese Abschlussarbeiten

01:45:44.988 --> 01:45:46.568
<v Stefan Schael>abgeschlossen werden könnten.

01:45:46.568 --> 01:45:52.668
<v Stefan Schael>Ja, das ist ein bisschen schwierig im Moment gegenwärtig. Also dieses Modell

01:45:52.668 --> 01:45:53.588
<v Stefan Schael>funktioniert hervorragend.

01:45:53.648 --> 01:45:57.168
<v Stefan Schael>Das muss auch so funktionieren. Wir können nur für etwa 10 Prozent der Leute

01:45:57.168 --> 01:45:59.668
<v Stefan Schael>eine Karrieremöglichkeit in der Forschung anbieten.

01:46:00.028 --> 01:46:02.248
<v Stefan Schael>90 Prozent gehen in andere Bereiche.

01:46:03.335 --> 01:46:09.355
<v Stefan Schael>Und das heißt, diese Ausbildung ist auch in der Physik so universell.

01:46:09.355 --> 01:46:12.875
<v Stefan Schael>Das eigentliche Ziel ist, ich sage den Studenten immer, euch beizubringen, richtig zu denken.

01:46:12.995 --> 01:46:17.495
<v Stefan Schael>Also gründlich zu denken, komplexe Probleme zu lösen. Das ist das, was Physiker können.

01:46:18.095 --> 01:46:21.555
<v Stefan Schael>Die können nicht so viel auswendig wie die Mediziner. Also wenn ich am OP-Tisch

01:46:21.555 --> 01:46:25.835
<v Stefan Schael>stehe, kann ich mir nicht überlegen, ich muss mal in die Bibliothek gehen und

01:46:25.835 --> 01:46:26.595
<v Stefan Schael>irgendwas nachschlagen.

01:46:26.715 --> 01:46:30.915
<v Stefan Schael>Das kann ich nicht machen. Aber als Physiker, die intellektuelle Herausforderung

01:46:30.915 --> 01:46:35.595
<v Stefan Schael>ist die Komplexität. Bin ich in der Lage, intellektuell das überhaupt zu verstehen?

01:46:36.235 --> 01:46:39.355
<v Stefan Schael>Nicht, kann ich es mir merken. Kann ich es verstehen?

01:46:39.895 --> 01:46:44.915
<v Stefan Schael>Und die Anforderungen auch in der Industrie sind immer komplexere Zusammenhänge,

01:46:44.995 --> 01:46:46.235
<v Stefan Schael>die durchdrungen werden müssen.

01:46:46.355 --> 01:46:52.115
<v Stefan Schael>Und da sind Physiker extrem hilfreich. Also die Arbeitsmöglichkeiten sind breit

01:46:52.115 --> 01:46:54.595
<v Stefan Schael>gestreut und nicht irgendwie auf einen Zweig gestreckt.

01:46:54.695 --> 01:46:58.615
<v Tim Pritlove>Und so ganz verloren für die Grundlagenforschung sind sie dann in der Industrie

01:46:58.615 --> 01:47:00.295
<v Tim Pritlove>aber auch nicht oder wie ist das Verhältnis zu sehen?

01:47:00.295 --> 01:47:05.655
<v Stefan Schael>Häufig sind sie in Forschungsbereichen tätig. Jetzt muss man sich immer wieder

01:47:05.655 --> 01:47:07.635
<v Stefan Schael>fragen, Grundlagenforschung und Grundlagenforschung.

01:47:07.655 --> 01:47:10.875
<v Stefan Schael>Die Industrie versteht unter Grundlagenforschung naturgemäß was anderes als

01:47:10.875 --> 01:47:13.935
<v Stefan Schael>die Universitäten, weil die

01:47:13.935 --> 01:47:16.555
<v Stefan Schael>Grundlagenforschung in der Industrie soll ja immer eine Anwendung haben.

01:47:17.375 --> 01:47:19.895
<v Stefan Schael>Ja, das ist die Grundlage für die nächste Anwendung, also für das nächste Produkt.

01:47:20.055 --> 01:47:22.015
<v Stefan Schael>Die müssen ja Geld verdienen. Ich finde das gar nicht schlecht.

01:47:23.855 --> 01:47:28.415
<v Stefan Schael>Das heißt, es ist eine staatliche Aufgabe, eigentlich die Grundlagen für die

01:47:28.415 --> 01:47:31.235
<v Stefan Schael>nächste Generation von Grundlagenforschung in die Industrie zu legen.

01:47:31.535 --> 01:47:35.915
<v Stefan Schael>Das machen wir an der Universität über solche Sachen wie AMS.

01:47:36.295 --> 01:47:42.355
<v Stefan Schael>Aber das liefert dann das Ausbildungsniveau, dass die mit dem aktuellen Kenntnisstand,

01:47:42.495 --> 01:47:45.595
<v Stefan Schael>also das, was Forschung heute kann, in die Industrie reingehen.

01:47:46.555 --> 01:47:50.915
<v Stefan Schael>Und damit also diesen Wissenstransfer eigentlich leisten von dem,

01:47:50.935 --> 01:47:54.855
<v Stefan Schael>was auf Universitätsniveau vielleicht funktioniert mit staatlicher Unterstützung,

01:47:55.215 --> 01:47:58.075
<v Stefan Schael>zu was, was ich also kommerziell dann einsetzen kann.

01:47:59.106 --> 01:48:04.986
<v Tim Pritlove>Sind denn die Universitäten in Deutschland generell gut genug aufgestellt,

01:48:05.126 --> 01:48:11.426
<v Tim Pritlove>um an diesen Grundlagenforschungen auch teilzunehmen, auch vielleicht jenseits der Physik?

01:48:11.666 --> 01:48:17.306
<v Stefan Schael>Ja. Also wir, wenn man das im internationalen Vergleich sieht,

01:48:18.026 --> 01:48:21.646
<v Stefan Schael>wir können mit allen Universitäten mithalten, wenn wir das wollen.

01:48:23.646 --> 01:48:26.326
<v Stefan Schael>Und für mich ist es mehr eine Frage, wo setzt man Prioritäten,

01:48:26.566 --> 01:48:28.486
<v Stefan Schael>in welchen Bereichen will man das?

01:48:29.106 --> 01:48:33.106
<v Stefan Schael>Aber wenn wir das wollen, also wir müssen uns nicht hinter ETH Zürich oder MIT

01:48:33.106 --> 01:48:34.646
<v Stefan Schael>oder Ähnlichem verstecken.

01:48:34.846 --> 01:48:40.506
<v Stefan Schael>Wenn ich mir angucke, was die anderen Gruppen leisten, was wir leisten können,

01:48:41.346 --> 01:48:43.366
<v Stefan Schael>wir sind wettbewerbsfähig in jeder Beziehung.

01:48:45.626 --> 01:48:51.186
<v Tim Pritlove>Wie ist denn das jetzt, jetzt ist das AMS da und wenn ich das richtig verstehe,

01:48:51.246 --> 01:48:58.886
<v Tim Pritlove>ist diese ganze Astro-Teilchen-Physik eigentlich ein relativ neues Gebiet noch?

01:49:00.266 --> 01:49:06.786
<v Tim Pritlove>Was muss denn jetzt als nächster Schritt kommen? Worüber wird denn jetzt nachgedacht? Was steht an?

01:49:08.146 --> 01:49:11.246
<v Tim Pritlove>Das Ding ist ja jetzt oben und liefert seine Daten, da kann man jetzt nicht

01:49:11.246 --> 01:49:13.766
<v Tim Pritlove>mehr viel dran drehen. Also man kann natürlich noch dran drehen,

01:49:13.806 --> 01:49:15.606
<v Tim Pritlove>man kann an der Software drehen, etc.

01:49:15.866 --> 01:49:19.686
<v Tim Pritlove>Und man muss vielleicht überhaupt erstmal neue wissenschaftliche Modelle auch

01:49:19.686 --> 01:49:22.766
<v Tim Pritlove>aufbringen, um mit dem Datenstrom auch was anfangen zu können.

01:49:24.386 --> 01:49:29.326
<v Stefan Schael>Ja, eigentlich heißt auch in der Physik, Sobald das eine Experiment fertig ist,

01:49:29.706 --> 01:49:32.726
<v Stefan Schael>eigentlich schon vorher, muss man sich darüber Gedanken machen,

01:49:32.826 --> 01:49:33.946
<v Stefan Schael>was macht man als nächstes?

01:49:34.866 --> 01:49:39.386
<v Stefan Schael>Wie geht es weiter? Also Aufgabe der Universitäten ist ja, dieses Forschungsfeld

01:49:39.386 --> 01:49:43.526
<v Stefan Schael>weiterzuentwickeln, also nicht einen gewissen Zustand einzufrieren und dann

01:49:43.526 --> 01:49:47.286
<v Stefan Schael>100 Jahre das Gleiche zu machen. Also wie entwickeln wir solch ein Gebiet weiter?

01:49:47.866 --> 01:49:52.426
<v Stefan Schael>Was ich sehr instruktiv finde, ist sich das Hubble Space Teleskop anzugucken

01:49:52.426 --> 01:49:54.866
<v Stefan Schael>als ein hervorragendes wissenschaftliches Instrument.

01:49:54.926 --> 01:50:01.446
<v Stefan Schael>Das ist 1989, glaube ich, gestartet worden. geworden.

01:50:03.686 --> 01:50:08.906
<v Stefan Schael>Es ist jetzt mehr als 20 Jahre in Betrieb. Wenn Sie sich die ersten Bilder von

01:50:08.906 --> 01:50:14.646
<v Stefan Schael>Hubble angucken und das, was wir heute von Hubble sehen, dann sehen Sie einen

01:50:14.646 --> 01:50:18.586
<v Stefan Schael>enormen Fortschritt, also in der Technologie dieses Instrumentes.

01:50:18.706 --> 01:50:21.786
<v Stefan Schael>Das hat was damit zu tun, dass es am Anfang nicht richtig justiert war, das weiß ich alles.

01:50:22.646 --> 01:50:25.366
<v Stefan Schael>Es musste repariert werden.

01:50:25.526 --> 01:50:29.726
<v Stefan Schael>Es waren in Größenordnung 6 Missionen notwendig, um dieses Instrument über 20

01:50:29.726 --> 01:50:33.886
<v Stefan Schael>Jahre am Leben zu halten und auf dem neuesten technischen Stand zu halten.

01:50:34.526 --> 01:50:41.506
<v Stefan Schael>Das heißt für AMS, wenn wir in der Lage sind, qualitativ ähnlich hochwertige

01:50:41.506 --> 01:50:45.226
<v Stefan Schael>wissenschaftliche Ergebnisse zu produzieren wie Hubble, was wir zeigen müssen erst,

01:50:45.866 --> 01:50:49.186
<v Stefan Schael>dann stellt sich die Frage, ob wir diese 20 Jahre auf der Raumstation einfach

01:50:49.186 --> 01:50:50.126
<v Stefan Schael>sitzen und warten müssen.

01:50:51.206 --> 01:50:58.866
<v Stefan Schael>Oder ob wir um AMS herum, AMS als Kern, weitere Instrumente drumherum bauen,

01:50:58.966 --> 01:51:03.026
<v Stefan Schael>die daraus also ein wesentlich leistungsfähigeres Gesamtinstrument machen.

01:51:03.486 --> 01:51:06.586
<v Stefan Schael>Und das sind Überlegungen, mit denen wir jetzt angefangen haben.

01:51:07.486 --> 01:51:11.146
<v Stefan Schael>Das lohnt sich aber erst, das ernsthaft zu diskutieren, wenn wir also,

01:51:11.206 --> 01:51:16.006
<v Stefan Schael>würde ich jetzt mal sagen, im Laufe von 2013 ernsthafte wissenschaftliche Ergebnisse

01:51:16.006 --> 01:51:19.646
<v Stefan Schael>vorlegen. Und man dann beurteilen kann, inwieweit das sinnvoll ist,

01:51:19.806 --> 01:51:22.406
<v Stefan Schael>AMS weiter auszubauen oder umzubauen.

01:51:22.846 --> 01:51:25.566
<v Stefan Schael>Das wäre also eine Möglichkeit, wie sich das weiterentwickeln kann.

01:51:25.686 --> 01:51:32.326
<v Stefan Schael>Die andere Möglichkeit, die im Raum steht, ist, AMS ist ein ziemliches Universalinstrument

01:51:32.326 --> 01:51:34.866
<v Stefan Schael>mit seinen ganzen Komponenten, die es da drin hat.

01:51:35.446 --> 01:51:40.726
<v Stefan Schael>Wenn wir jetzt bestimmte Effekte sehen, kann man sich sehr gut vorstellen,

01:51:40.946 --> 01:51:45.986
<v Stefan Schael>dass man also für diese Fragestellung optimiert, ein neues Instrument baut,

01:51:46.046 --> 01:51:51.286
<v Stefan Schael>was man dann nicht unbedingt mit einem Satelliten fliegen muss,

01:51:51.406 --> 01:51:54.806
<v Stefan Schael>aber in vielen Fällen kann man das also heute mit Stratosphärenballons machen,

01:51:55.046 --> 01:52:00.946
<v Stefan Schael>die die NASA in der Antarktis starten kann, gegenwärtig als einzige Agentur,

01:52:00.986 --> 01:52:03.306
<v Stefan Schael>Raumfahrtagentur in der Antarktis.

01:52:04.186 --> 01:52:06.346
<v Stefan Schael>Und das hat nichts mit den Ballons zu tun, wie wir sie kennen.

01:52:06.466 --> 01:52:11.146
<v Stefan Schael>Das sind also Ballone mit einem Volumen von einer Million Kubikmeter,

01:52:12.186 --> 01:52:14.366
<v Stefan Schael>über 100 Meter Durchmesser hat die Hülle.

01:52:15.466 --> 01:52:20.526
<v Stefan Schael>Die heben Nutzlasten von drei Tonnen hoch und die erreichen Flugdauern in über

01:52:20.526 --> 01:52:23.386
<v Stefan Schael>30 Kilometer Höhe von mehr als 40 Tagen.

01:52:23.866 --> 01:52:27.646
<v Stefan Schael>Denn es gibt also im antarktischen Sommer zirkumpolare Winde,

01:52:27.666 --> 01:52:31.566
<v Stefan Schael>die das stabil halten. Also einfach gesagt kreist das einfach um den Südpol.

01:52:32.346 --> 01:52:36.826
<v Stefan Schael>Da wohnt auch keiner. Das heißt, man muss sich also nicht so über die Landeplätze Gedanken machen.

01:52:36.906 --> 01:52:41.646
<v Stefan Schael>Dann wird das irgendwann zur Landung gebracht, indem man also das Helium ablässt.

01:52:41.726 --> 01:52:42.126
<v Tim Pritlove>Ja.

01:52:43.686 --> 01:52:47.246
<v Stefan Schael>Und auch damit kann man über 99% der Erdatmosphäre hinter sich lassen.

01:52:48.126 --> 01:52:51.606
<v Stefan Schael>Sodass wir also überlegen müssen, für die nächsten 10, 15 Jahre,

01:52:52.286 --> 01:52:55.406
<v Stefan Schael>wie sieht das Programm aus? Weltweit muss das überlegt werden.

01:52:56.886 --> 01:53:01.026
<v Stefan Schael>Werden das Ballonexperimente sein? Wird das ein Ausbau von Von AMS werden das

01:53:01.026 --> 01:53:02.706
<v Stefan Schael>neue Satellitenexperimente sein.

01:53:03.586 --> 01:53:07.826
<v Stefan Schael>Und das wird damit zusammenhängen, was wir an wissenschaftlichen Ergebnissen von AMS bekommen.

01:53:08.066 --> 01:53:10.506
<v Stefan Schael>Also das wird eine Diskussion in den nächsten drei, vier Jahren sein,

01:53:10.586 --> 01:53:12.926
<v Stefan Schael>dass wir uns also ein entsprechendes Programm überlegen müssen,

01:53:12.986 --> 01:53:19.706
<v Stefan Schael>wie wir das bei vernünftiger Nutzung der vorhandenen Ressourcen realisieren können.

01:53:22.111 --> 01:53:26.431
<v Tim Pritlove>Ja, man kann ja jetzt davon ausgehen, dass es noch ziemlich lange in Betrieb ist.

01:53:26.471 --> 01:53:30.411
<v Tim Pritlove>Das schreit ja jetzt nicht unbedingt sofort nach einem Ersatzgerät,

01:53:30.411 --> 01:53:32.571
<v Tim Pritlove>was auch unabhängig von der ISS fliegt.

01:53:32.631 --> 01:53:36.231
<v Tim Pritlove>Die ISS hat es ja schon gezeigt, ist eigentlich ein ganz guter Gastgeber mit

01:53:36.231 --> 01:53:38.231
<v Tim Pritlove>der ganzen Stromversorgung etc.

01:53:38.891 --> 01:53:48.151
<v Tim Pritlove>Pp. Aber es ist auf jeden Fall ein interessanter Wettkampf im Gange,

01:53:48.151 --> 01:53:53.591
<v Tim Pritlove>um die letzten Mysterien oder zumindest die nächsten anstehenden Mysterien der

01:53:53.591 --> 01:53:58.591
<v Tim Pritlove>Physik da zu entschlüsseln.

01:53:58.591 --> 01:54:05.031
<v Tim Pritlove>Ist denn da, rund um das LHC-Experiment gibt es ja eigentlich so einen generellen

01:54:05.031 --> 01:54:12.871
<v Tim Pritlove>Optimismus, der wahrnehmbar ist, dass man da auch in absehbarer Zeit zu neuen Erkenntnissen kommt,

01:54:13.011 --> 01:54:16.971
<v Tim Pritlove>zumindest durch das Ausscheiden können anderer Varianten.

01:54:17.351 --> 01:54:22.751
<v Tim Pritlove>Wie sehr, was ist Ihre Erwartung, wie sich dieses Feld, was jetzt in den letzten

01:54:22.751 --> 01:54:26.431
<v Tim Pritlove>zehn Jahren schon so durchschüttelt worden ist, durch neue Erkenntnisse in den

01:54:26.431 --> 01:54:27.691
<v Tim Pritlove>nächsten Jahren entwickeln wird?

01:54:28.811 --> 01:54:31.731
<v Tim Pritlove>War es das jetzt erstmal wieder oder geht es jetzt erst richtig los?

01:54:32.791 --> 01:54:37.711
<v Stefan Schael>Ja, Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.

01:54:38.131 --> 01:54:41.051
<v Stefan Schael>Man muss auch immer zwischen Wunsch und Wirklichkeit unterscheiden.

01:54:41.271 --> 01:54:44.031
<v Stefan Schael>Natürlich ist der Wunsch von allen Beteiligten, dass das passiert,

01:54:44.051 --> 01:54:47.311
<v Stefan Schael>bevor sie aus dem aktiven Dienst irgendwie ausscheiden.

01:54:49.451 --> 01:54:57.411
<v Stefan Schael>Es ist wirklich eine eine extrem schwierige frage ich möchte auf zwei aspekte

01:54:57.411 --> 01:55:01.191
<v Stefan Schael>in dem zusammenhang gehen dass die eine frage die mich umtreibt ist,

01:55:03.316 --> 01:55:07.116
<v Stefan Schael>Wenn wir nur AMS haben in dieser Form auf der Raumstation und das findet irgendwas

01:55:07.116 --> 01:55:09.956
<v Stefan Schael>Tolles, wie verifizieren wir das?

01:55:11.696 --> 01:55:16.276
<v Stefan Schael>Ich habe versucht, in dem Gespräch klarzumachen, dass das ein sehr komplexes Instrument ist.

01:55:16.876 --> 01:55:20.736
<v Stefan Schael>Also wie schließen wir aus, dass das, was wir beobachten, ein Artefakt aus der

01:55:20.736 --> 01:55:22.456
<v Stefan Schael>Konstruktion dieses Experiments ist?

01:55:22.796 --> 01:55:25.496
<v Stefan Schael>Was wir in der Vergangenheit deshalb immer gemacht haben, wenn Sie sich die

01:55:25.496 --> 01:55:27.836
<v Stefan Schael>Beschleunigerexperimente angucken, wir haben immer mehrere gemacht.

01:55:28.036 --> 01:55:31.456
<v Stefan Schael>Also an dem LHC gibt es deshalb zwei Instrumente, die das machen,

01:55:31.516 --> 01:55:33.116
<v Stefan Schael>die das völlig unabhängig voneinander machen.

01:55:33.316 --> 01:55:35.896
<v Stefan Schael>Bei AMS versuchen wir das jetzt so ein bisschen, indem wir sagen,

01:55:35.996 --> 01:55:39.636
<v Stefan Schael>wir machen zwei Analysegruppen auf, die völlig unabhängig voneinander arbeiten

01:55:39.636 --> 01:55:41.616
<v Stefan Schael>und am Ende erst ihre Ergebnisse vergleichen.

01:55:43.916 --> 01:55:46.536
<v Tim Pritlove>Unterschiedliche Instrumente oder nur unterschiedliche Auswertungswege?

01:55:46.816 --> 01:55:49.296
<v Stefan Schael>Unterschiedliche Auswertungswege. Unterschiedliche Instrumente können wir nicht.

01:55:49.356 --> 01:55:51.076
<v Stefan Schael>Es gibt nur ein AMS. Ja, okay.

01:55:51.916 --> 01:55:55.696
<v Stefan Schael>Von daher ist es schon eine relevante Frage, bin ich in der Lage mit vielleicht

01:55:55.696 --> 01:56:02.336
<v Stefan Schael>weniger aufwendigen Experimenten, aber verschiedene Details dann nachzumessen,

01:56:02.436 --> 01:56:05.436
<v Stefan Schael>um sicher zu sein, dass das kein Problem von dem Instrument ist.

01:56:05.676 --> 01:56:07.636
<v Stefan Schael>Also mit der Frage werden wir uns beschäftigen müssen.

01:56:08.676 --> 01:56:13.096
<v Stefan Schael>Die zweite Frage ist, was wird in den nächsten zehn Jahren passieren?

01:56:13.636 --> 01:56:18.516
<v Stefan Schael>Wenn man sich die Sensitivität der jetzigen Generationen von Messinstrumenten

01:56:18.516 --> 01:56:21.516
<v Stefan Schael>anguckt, dann müssten wir eigentlich in den nächsten zehn Jahren eine Antwort

01:56:21.516 --> 01:56:24.696
<v Stefan Schael>auf die Natur der dunklen Materie finden oder es gibt sie nicht.

01:56:27.991 --> 01:56:31.011
<v Stefan Schael>Und wenn es sie nicht gibt, dann gibt es irgendwas anderes, was wir nicht verstanden

01:56:31.011 --> 01:56:32.791
<v Stefan Schael>haben. Da ist irgendwas grundlegend faul dann.

01:56:33.871 --> 01:56:36.411
<v Stefan Schael>Jetzt kann man sagen, ihr habt den ganzen Aufwand betrieben und dann habt ihr

01:56:36.411 --> 01:56:39.171
<v Stefan Schael>nur verstanden, dass es nicht das ist, was ihr dachtet, was es ist.

01:56:39.631 --> 01:56:43.471
<v Stefan Schael>Was ist denn der Fortschritt? Der Fortschritt war zu verstehen,

01:56:43.551 --> 01:56:47.271
<v Stefan Schael>dass es keinen Äther gibt und dass sich elektromagnetische Wellen im Vakuum

01:56:47.271 --> 01:56:51.891
<v Stefan Schael>ausbreiten und dass die Lichtgeschwindigkeit konstant ist und das ist die Grundlage

01:56:51.891 --> 01:56:53.411
<v Stefan Schael>für das GPS, was wir heute benutzen,

01:56:54.531 --> 01:56:58.251
<v Stefan Schael>Die Wissenschaft ist nicht immer eine gerade Linie Sie können nicht sagen,

01:56:58.391 --> 01:57:05.211
<v Stefan Schael>wie geht das also über die nächsten 50 Jahre etwa weiter Wir werden garantiert Umwege machen,

01:57:05.451 --> 01:57:09.311
<v Stefan Schael>um zu den Ergebnissen zu kommen Das andere ist immer die Frage,

01:57:09.451 --> 01:57:11.871
<v Stefan Schael>welchen Anspruch kann man haben dass das in nächster Zeit passiert.

01:57:12.371 --> 01:57:15.911
<v Stefan Schael>Wenn Sie sich mal angucken zwischen Newton und Einstein, das waren mehrere hundert Jahre.

01:57:16.711 --> 01:57:19.691
<v Stefan Schael>Und die Leute dazwischen waren auch nicht dumm und haben auch nicht geschlafen.

01:57:19.911 --> 01:57:28.771
<v Stefan Schael>Aber es kann sein, dass es einfach ein kultureller Schritt ist,

01:57:28.991 --> 01:57:32.571
<v Stefan Schael>den Sie erst zurücklegen müssen, bevor Sie in der Lage sind,

01:57:32.611 --> 01:57:33.731
<v Stefan Schael>diese Erkenntnisse zu gewinnen.

01:57:34.431 --> 01:57:38.131
<v Stefan Schael>Also Newton hätte, egal wie genial er ist, ohne die Vorarbeiten,

01:57:38.131 --> 01:57:41.811
<v Stefan Schael>die also zwischen Newton und Einstein passiert sind, Also Newton hätte nicht

01:57:41.811 --> 01:57:43.411
<v Stefan Schael>die Relativitätstheorie finden können.

01:57:43.551 --> 01:57:46.891
<v Stefan Schael>Die Mathematik war überhaupt nicht so weit. Die Menschen waren überhaupt nicht in der Lage dazu.

01:57:48.351 --> 01:57:53.671
<v Stefan Schael>Ob wir heute qualifiziert sind, um den nächsten Schritt auf dieser Erkenntnistreppe

01:57:53.671 --> 01:57:58.871
<v Stefan Schael>zurückzulegen oder nicht, ist schwer zu sagen, bevor wir das nicht gemacht haben.

01:57:59.271 --> 01:58:03.431
<v Stefan Schael>Ja, im Moment versuchen wir es an verschiedenen Stellen und wir finden an verschiedenen

01:58:03.431 --> 01:58:06.011
<v Stefan Schael>Stellen, es geht nicht so schnell weiter, wie wir das gerne hätten.

01:58:07.071 --> 01:58:10.291
<v Stefan Schael>Ja, also beim LAC haben wir auch erwartet, dass wir im ersten halben Jahr endlich

01:58:10.291 --> 01:58:14.331
<v Stefan Schael>die neue Physik sehen und wissen, wie es weitergeht. Es scheint wesentlich schwieriger zu sein.

01:58:16.571 --> 01:58:21.771
<v Stefan Schael>Was nicht heißt, dass man es aufgeben sollte, sondern nur, dass es nicht klar

01:58:21.771 --> 01:58:26.351
<v Stefan Schael>ist, wie wir zu diesen Erkenntnissen kommen, von denen ich fest davon überzeugt

01:58:26.351 --> 01:58:30.331
<v Stefan Schael>bin, dass sie eigentlich da sind, dass sie uns im Moment noch nicht zugänglich sind.

01:58:31.571 --> 01:58:38.851
<v Tim Pritlove>Ja, ich fasse zusammen. Es bleibt spannend in der Astroteilchenphysik für das

01:58:38.851 --> 01:58:43.791
<v Tim Pritlove>AMS-Experiment und vor allem natürlich auch in der Grundlagenforschung der Physik im Allgemeinen.

01:58:43.791 --> 01:58:48.431
<v Tim Pritlove>Ich denke, jetzt können wir das hier an der Stelle auch erst mal vorerst abschließen.

01:58:48.611 --> 01:58:53.391
<v Tim Pritlove>Wir bleiben gespannt, inwiefern sich da hier neue Erkenntnisse bieten.

01:58:54.891 --> 01:58:58.831
<v Tim Pritlove>Und ja, mal gucken. Vielleicht können wir ja hier im Rahmen der Raumzeitserie

01:58:58.831 --> 01:59:00.751
<v Tim Pritlove>dann auch schon noch die nächsten Schritte mitnehmen.

01:59:01.351 --> 01:59:05.071
<v Tim Pritlove>Aber jetzt erst mal vielen Dank, Stefan Scheel, für die Ausführungen hier zum

01:59:05.071 --> 01:59:12.351
<v Tim Pritlove>AMS und Bedeutung auch der Astro-Teilchenphysik und den damit verbundenen Experimenten.

01:59:13.911 --> 01:59:18.671
<v Tim Pritlove>Und auch vielen Dank für das Zuhören hier bei Raumzeit. Das war die 38.

01:59:19.071 --> 01:59:23.731
<v Tim Pritlove>Ausgabe und in zwei Wochen gibt es uns wieder. Ich sage Tschüss und bis bald.
