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NOTE
Podcast: Raumzeit
Episode: RZ114 CERN: CMS
Publishing Date: 2023-08-16T11:00:00+02:00
Podcast URL: https://raumzeit-podcast.de
Episode URL: https://raumzeit-podcast.de/2023/08/16/rz114-cern-cms/

00:00:34.996 --> 00:00:39.309
<v Tim Pritlove>Hallo und herzlich Willkommen zu Raumzeit, dem Podcast über Raumfahrt und andere.

00:00:39.309 --> 00:00:39.909
<v Tim Pritlove>Kosmische Angelegenheiten.

00:00:41.281 --> 00:00:45.143
<v Tim Pritlove>Mein Name ist Tim Frithloff und ich begrüße alle hier zu Nummer 114 von Raumzeit.

00:00:47.245 --> 00:00:52.208
<v Tim Pritlove>Und ja, wie ihr schon gemerkt haben dürftet, gibt es ja hier eine ganze Serie

00:00:52.208 --> 00:00:57.832
<v Tim Pritlove>von Podcasts hier am CERN in Genf, wo wir mal aufschlüsseln wollen,

00:00:57.832 --> 00:01:01.494
<v Tim Pritlove>was denn hier eigentlich alles so installiert ist, warum und wie es funktioniert.

00:01:02.215 --> 00:01:06.878
<v Tim Pritlove>Und nachdem wir jetzt schon ein wenig über die Geschichte des CERNs gelernt

00:01:06.878 --> 00:01:10.701
<v Tim Pritlove>haben und auch so die Grundlagen der ganzen Physik,

00:01:10.701 --> 00:01:13.743
<v Tim Pritlove>die hier erforscht wird,

00:01:13.743 --> 00:01:18.626
<v Tim Pritlove>angerissen haben, uns auch schon den ersten Detektor angeschaut haben mit ALICE,

00:01:18.626 --> 00:01:23.479
<v Tim Pritlove>wollen wir heute mal so ein bisschen auf den Kern der Kernforschung hier kommen

00:01:23.479 --> 00:01:31.554
<v Tim Pritlove>und uns in einer Reihe von zwei Sendungen die Hauptdetektoren des LHC,

00:01:31.554 --> 00:01:38.078
<v Tim Pritlove>des Large Hadron Collider, anschauen, mit denen so der Großteil der Experimente durchgeführt wird.

00:01:38.839 --> 00:01:47.523
<v Tim Pritlove>Und fangen wir an mit dem CMS-Detektor, dem Compact Muon Solenoid, Toller Name, Detektor.

00:01:49.585 --> 00:01:54.107
<v Tim Pritlove>Ja und um darüber Auskunft zu erhalten, begrüße ich meinen Gesprächspartner,

00:01:54.107 --> 00:01:55.668
<v Tim Pritlove>nämlich Wolfgang Adam. Hallo Wolfgang.

00:01:55.668 --> 00:01:56.188
<v Wolfgang Adam>Hallo.

00:01:56.769 --> 00:02:03.873
<v Tim Pritlove>Herzlich willkommen bei Raumzeit. Du bist Senior Research Associate für CMS

00:02:03.873 --> 00:02:08.135
<v Tim Pritlove>Analyse und CMS Tracking und stellvertretender Sprecher.

00:02:08.416 --> 00:02:13.142
<v Wolfgang Adam>Genau, ich arbeite für das Institut für Hochenergiephysik der Österreichischen

00:02:13.142 --> 00:02:18.589
<v Wolfgang Adam>Akademie der Wissenschaften in Wien und habe eben gleichzeitig auch Funktionen

00:02:18.589 --> 00:02:22.154
<v Wolfgang Adam>in der Kollaboration, die das CMS-Experiment betreibt.

00:02:22.719 --> 00:02:26.862
<v Tim Pritlove>Ja und wie bist du dazu gekommen mit der ganzen Wissenschaft?

00:02:27.102 --> 00:02:28.823
<v Tim Pritlove>War das irgendwie schon ein Kindheitstraum?

00:02:29.864 --> 00:02:33.762
<v Wolfgang Adam>Naja ich hatte mich früher für Mathematik,

00:02:33.762 --> 00:02:39.330
<v Wolfgang Adam>Technik, Physik interessiert und habe dann ein Studium der Physik an der Technischen

00:02:39.330 --> 00:02:43.853
<v Wolfgang Adam>Universität in Wien begonnen und als es Richtung Diplom ging,

00:02:43.853 --> 00:02:46.955
<v Wolfgang Adam>hatten wir einen Professor für Theoretische Physik,

00:02:46.955 --> 00:02:51.939
<v Wolfgang Adam>der gleichzeitig zu dieser Zeit Präsident des CERN Councils war,

00:02:51.939 --> 00:02:57.833
<v Wolfgang Adam>das heißt der Vertretung an der CERN-Mitgliedsstaaten, die die strategische

00:02:57.833 --> 00:03:00.025
<v Wolfgang Adam>Ausrichtung des CERN sozusagen definieren.

00:03:02.427 --> 00:03:07.851
<v Wolfgang Adam>Und er hat uns eben diese Art von Physik näher gebracht und von den Herausforderungen

00:03:07.851 --> 00:03:09.792
<v Wolfgang Adam>gesprochen, die es hier gibt.

00:03:10.253 --> 00:03:15.637
<v Wolfgang Adam>Und das hat mich natürlich interessiert habe mich dann für meine Diplomarbeit

00:03:15.637 --> 00:03:18.609
<v Wolfgang Adam>beworben beim Institut für Hochenergiephysik,

00:03:18.609 --> 00:03:24.102
<v Wolfgang Adam>das eben das Institut in Wien ist, das sich mit dieser experimentellen Hochenergiephysik

00:03:24.102 --> 00:03:29.905
<v Wolfgang Adam>beschäftigt und bin dort eingestiegen in die Vorbereitung des Delphi-Experiments.

00:03:32.687 --> 00:03:37.170
<v Wolfgang Adam>Das war der Beschleuniger, der hier im Tunnel vor dem LHC gelaufen ist,

00:03:37.170 --> 00:03:43.073
<v Wolfgang Adam>LEP, Large Electron Positive Collider, und wir haben da eine Detektor-Komponente

00:03:43.073 --> 00:03:47.276
<v Wolfgang Adam>in Wien gebaut und ich habe mich dann angefangen damit zu beschäftigen und bin

00:03:47.276 --> 00:03:54.360
<v Wolfgang Adam>dann zum CERN gekommen um die Installation und den Betrieb und die Auslese dieses

00:03:54.360 --> 00:03:57.082
<v Wolfgang Adam>Detektors zu übernehmen.

00:03:57.923 --> 00:04:00.324
<v Wolfgang Adam>Das war ab dem Ende der 80er Jahre,

00:04:00.324 --> 00:04:04.186
<v Wolfgang Adam>also LEP ist während der 90er Jahre gelaufen, Also die beginnen 1989.

00:04:06.769 --> 00:04:10.451
<v Tim Pritlove>Das heißt du bist jetzt hier seit 30 Jahren oder länger noch?

00:04:10.451 --> 00:04:11.252
<v Wolfgang Adam>Ja. Ja.

00:04:11.252 --> 00:04:13.634
<v Tim Pritlove>Okay.

00:04:13.634 --> 00:04:20.138
<v Wolfgang Adam>Und ich habe dann am CERN ein Fellowship gemacht, im selben Experiment,

00:04:20.138 --> 00:04:23.840
<v Wolfgang Adam>aber in einem anderen Detektor, dem Cherenkov Detektor.

00:04:24.441 --> 00:04:27.343
<v Wolfgang Adam>Das ist etwas, was wir hier CMS nicht finden,

00:04:27.343 --> 00:04:30.986
<v Wolfgang Adam>aber das ist ein Detektor, mit dem man Geschwindigkeit geladener Teilchen

00:04:30.986 --> 00:04:36.811
<v Wolfgang Adam>messen kann und sie damit identifizieren kann und habe

00:04:36.811 --> 00:04:41.694
<v Wolfgang Adam>dann verschiedene Physikgruppen in Delphi übernommen und dann gegen Ende der

00:04:41.694 --> 00:04:48.534
<v Wolfgang Adam>Lablaufzeit auch eine gemeinsame Arbeitsgruppe der vier Lab-Experimente für

00:04:48.534 --> 00:04:54.368
<v Wolfgang Adam>Suchen nach unter Anführungszeichen exotischer Physik, also neuen Teilchen.

00:04:56.096 --> 00:04:59.879
<v Tim Pritlove>Exotische Physik. Tcherenkov-Strahlung war ja auch schon mal ein Thema,

00:04:59.879 --> 00:05:03.802
<v Tim Pritlove>Raumzeit 104, da war ich auf La Palma

00:05:03.802 --> 00:05:07.805
<v Tim Pritlove>und wir haben dort die Pläne für das Tcherenkov-Teleskop-Array angeschaut.

00:05:10.288 --> 00:05:14.331
<v Tim Pritlove>Das ist ja related, sagen wir mal, da kosmische Strahlung und so weiter.

00:05:14.691 --> 00:05:17.913
<v Wolfgang Adam>Genau, nur entsteht dort die Tcherenkov-Strahlung in der Atmosphäre.

00:05:18.304 --> 00:05:22.677
<v Wolfgang Adam>Da muss man nicht beschleunigen. Genau, während hier in den Hochenergiephysik-Experimenten

00:05:22.677 --> 00:05:24.438
<v Wolfgang Adam>das innerhalb eines Detektors passiert.

00:05:24.438 --> 00:05:27.340
<v Tim Pritlove>Genau, aber das ist ja immer wieder auch schön zu sehen, so diese Analogie.

00:05:28.000 --> 00:05:32.243
<v Tim Pritlove>Auf der einen Seite gibt es halt die Installationen, die einfach versuchen die

00:05:32.243 --> 00:05:35.725
<v Tim Pritlove>kosmische Strahlung, die ohnehin schon beschleunigt durchs All schießt,

00:05:35.725 --> 00:05:36.865
<v Tim Pritlove>in irgendeiner Form auszuwerten.

00:05:38.306 --> 00:05:41.828
<v Tim Pritlove>Da wäre ja nebenbei auch noch das Alpha Magnetspektrometer zu erwähnen.

00:05:44.130 --> 00:05:48.493
<v Tim Pritlove>Hatte ich ja auch schon bei Raumzeit 38 schon vor 10 Jahren tatsächlich das

00:05:48.493 --> 00:05:53.576
<v Tim Pritlove>Thema schon mal, dessen Kontrollzentrum ja tatsächlich hier auch auf dem Zerngelände ist.

00:05:53.796 --> 00:05:56.818
<v Tim Pritlove>Genau, aber wie wir ja auch schon in den letzten drei Sendungen ausgeführt haben,

00:05:56.818 --> 00:06:01.441
<v Tim Pritlove>hier wird halt viel beschleunigt und durch diese Kaskade von Ringen kriegt man

00:06:01.441 --> 00:06:06.284
<v Tim Pritlove>dann halt einfach die Teilchen mit einer sehr sehr hohen Energie zu den Detektoren

00:06:06.284 --> 00:06:11.748
<v Tim Pritlove>und das ist dann eben sozusagen der Ort, wo es dann unter anderem mit dem CMS weitergeht.

00:06:13.209 --> 00:06:18.552
<v Wolfgang Adam>Genau, und das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Auslegung der Experimente,

00:06:18.552 --> 00:06:23.566
<v Wolfgang Adam>weil wir eben hier nicht natürlich vorkommende Phänomene betrachten,

00:06:23.566 --> 00:06:29.841
<v Wolfgang Adam>die über Zeit konstant beobachtet werden können, sondern wir generieren hier

00:06:29.841 --> 00:06:33.104
<v Wolfgang Adam>die Kollisionen, die wir beobachten wollen, direkt.

00:06:33.905 --> 00:06:39.790
<v Wolfgang Adam>Und das hat natürlich Auswirkungen auf, wie wir die Detektoren auslegen, betreiben.

00:06:41.291 --> 00:06:44.293
<v Tim Pritlove>Jetzt wollen wir nochmal sagen, also ich hab's ja schon angedeutet,

00:06:44.293 --> 00:06:50.078
<v Tim Pritlove>also CMS und Atlas, was, Spoiler Alert, das Thema in der nächsten Sendung sein

00:06:50.078 --> 00:06:51.679
<v Tim Pritlove>wird, das sind ja im Prinzip so...

00:06:55.844 --> 00:06:59.165
<v Tim Pritlove>Geschwister, Nachbarn, die kümmern sich im Wesentlichen um freundliche Konkurrenten.

00:07:00.926 --> 00:07:06.389
<v Tim Pritlove>Also zwei Detektoren mit unterschiedlicher Technik, die mehr oder weniger denselben Auftrag haben.

00:07:06.389 --> 00:07:12.012
<v Tim Pritlove>Im Prinzip in all dieser ganzen Beschleunigungen die selbe Art von Phänomenen

00:07:12.012 --> 00:07:15.774
<v Tim Pritlove>versuchen zu beobachten, aber eben mit unterschiedlicher Technik.

00:07:15.774 --> 00:07:18.416
<v Tim Pritlove>Und das finde ich einen ganz interessanten Ansatz, weil man ja dadurch sozusagen

00:07:18.416 --> 00:07:25.500
<v Tim Pritlove>von vornherein feststellt, okay, wir haben kein Bias in unserer Technologie bei dem, was wir sehen.

00:07:26.280 --> 00:07:29.382
<v Tim Pritlove>Oder zumindest nicht so weniger, weniger Bias.

00:07:30.083 --> 00:07:33.305
<v Wolfgang Adam>Es gibt verschiedene Gründe natürlich, das so zu machen.

00:07:34.206 --> 00:07:37.708
<v Wolfgang Adam>Warum wir überhaupt zwei Experimente haben, das hat mit dem zu tun,

00:07:37.708 --> 00:07:41.370
<v Wolfgang Adam>was ich vorhin erwähnt habe, dass wir hier eben die Kollisionen selbst erzeugen.

00:07:44.053 --> 00:07:48.035
<v Wolfgang Adam>Ein Grundsatz der Wissenschaft ist natürlich, dass Messungen immer kontrolliert,

00:07:48.035 --> 00:07:50.757
<v Wolfgang Adam>unabhängig kontrolliert werden können von unabhängigen Wissenschaftlern.

00:07:53.839 --> 00:07:57.121
<v Wolfgang Adam>Bei vielen Experimenten kann das hintereinander geschehen.

00:07:58.883 --> 00:08:03.767
<v Wolfgang Adam>Also es wird ein Experiment durchgeführt, man findet etwas, danach kommt ein

00:08:03.767 --> 00:08:06.689
<v Wolfgang Adam>anderes Experiment, das das überprüfen wird und verbessern wird.

00:08:07.189 --> 00:08:10.011
<v Wolfgang Adam>Aber nachdem wir hier natürlich den Beschleuniger betreiben müssen,

00:08:10.011 --> 00:08:18.037
<v Wolfgang Adam>ist es nicht optimal, wenn man die Messzeiten, die ja ohnehin Jahre und Jahrzehnte

00:08:18.037 --> 00:08:20.099
<v Wolfgang Adam>dauern, wenn man die verdoppeln würde.

00:08:21.320 --> 00:08:26.263
<v Wolfgang Adam>Und daher ist es viel ökonomischer, die zwei Experimente gleichzeitig zu betreiben.

00:08:28.605 --> 00:08:33.168
<v Wolfgang Adam>Und für die unterschiedliche Auslegung gibt es verschiedene Gründe,

00:08:33.168 --> 00:08:37.250
<v Wolfgang Adam>technologische Gründe, aber es gibt Es gibt vor allem unsere,

00:08:37.250 --> 00:08:42.213
<v Wolfgang Adam>wenn wir Messungen durchführen, sind die Werte, die wir messen,

00:08:42.213 --> 00:08:44.275
<v Wolfgang Adam>natürlich mit Fehlern behaftet.

00:08:44.615 --> 00:08:48.818
<v Wolfgang Adam>Das heißt, es gibt da Unsicherheiten auf die Messwerte. Das ist vollkommen normal.

00:08:48.818 --> 00:08:50.439
<v Wolfgang Adam>Das geschieht in allen Messungen.

00:08:52.781 --> 00:08:55.322
<v Wolfgang Adam>Und diese Unsicherheiten können verschiedenen Ursprung haben.

00:08:55.722 --> 00:08:58.724
<v Wolfgang Adam>Es gibt einen ganz einfachen statistischen Ursprung.

00:08:58.724 --> 00:09:05.129
<v Wolfgang Adam>Das heißt, wir beobachten eine endliche Zahl von Ereignissen,

00:09:05.129 --> 00:09:09.772
<v Wolfgang Adam>wenn wir einen bestimmten Prozess messen und dadurch können Fluktuationen auftreten.

00:09:11.474 --> 00:09:17.459
<v Wolfgang Adam>Wenn man einen Würfel zehnmal würfelt, dann werden die Eins bis Sechs nicht

00:09:17.459 --> 00:09:19.680
<v Wolfgang Adam>genau mit der gleichen Wahrscheinlichkeit auftreten.

00:09:21.682 --> 00:09:24.603
<v Wolfgang Adam>Also man wird nicht die gleiche Zahl beobachten.

00:09:26.584 --> 00:09:30.026
<v Wolfgang Adam>Ähnlich ist es hier, wenn wir nur eine bestimmte Zahl von gewissen Ereignissen

00:09:30.026 --> 00:09:34.808
<v Wolfgang Adam>beobachten, dann kann diese Zahl einfach ganz natürlich rauf und runter fluktuieren.

00:09:35.528 --> 00:09:41.241
<v Wolfgang Adam>Aber es gibt dann eine zweite Komponente, die wir hier typischerweise systematische

00:09:41.241 --> 00:09:43.011
<v Wolfgang Adam>Fehler nennen. Das ist...

00:09:45.273 --> 00:09:49.155
<v Wolfgang Adam>Mögliche Verzerrungen des Messwerts durch Effekte, die zum Beispiel aus dem

00:09:49.155 --> 00:09:53.639
<v Wolfgang Adam>Detektor kommen können oder aus der theoretischen Modellierung dieser Prozesse.

00:09:55.881 --> 00:09:58.963
<v Wolfgang Adam>Und um diese Fehler möglichst auszuschließen, ist es günstig,

00:09:58.963 --> 00:10:03.186
<v Wolfgang Adam>wenn man zwei Experimente mit unterschiedlichem Aufbau hat, weil Detektorfehler

00:10:03.186 --> 00:10:07.729
<v Wolfgang Adam>dann im anderen Experiment nicht in derselben Form auftreten würden und man

00:10:07.729 --> 00:10:09.351
<v Wolfgang Adam>sich dadurch gegenseitig kontrollieren kann.

00:10:11.753 --> 00:10:14.975
<v Tim Pritlove>Ja, das ist sozusagen jetzt erstmal die Prämisse gewesen.

00:10:14.975 --> 00:10:19.718
<v Tim Pritlove>Das heißt die beiden Detektoren sind quasi mit unterschiedlichen Philosophien,

00:10:19.718 --> 00:10:25.222
<v Tim Pritlove>mit unterschiedlichen technischen Philosophien, aber eben mit dem selben Ziel entwickelt worden.

00:10:25.222 --> 00:10:30.426
<v Tim Pritlove>Was ich schon mal ganz bemerkenswert finde, weil das sind ja alles sehr komplexe

00:10:30.426 --> 00:10:34.609
<v Tim Pritlove>Maschinen. Also jede Maschine für sich ist ja schon sehr sehr sehr kompliziert

00:10:34.609 --> 00:10:36.650
<v Tim Pritlove>und auch so nie dagewesen.

00:10:37.011 --> 00:10:45.717
<v Tim Pritlove>Also so ein bisschen wie auch in der Raumfahrt, es ist eine permanente Prototypenentwicklung

00:10:45.717 --> 00:10:49.160
<v Tim Pritlove>und man baut ja nicht was, was man schon mal hatte, weil das kennt man ja schon,

00:10:49.160 --> 00:10:50.040
<v Tim Pritlove>ist ja auch langweilig so.

00:10:50.661 --> 00:10:54.884
<v Tim Pritlove>Und das verstehe ich auch sehr gut, das ist einer der Reize,

00:10:54.884 --> 00:10:58.006
<v Tim Pritlove>der hier sozusagen immer wieder ist. Man hat es halt einfach immer mit Bleeding

00:10:58.006 --> 00:11:04.010
<v Tim Pritlove>Edge Technology zu tun, mit anderen Worten, man muss aber diesen Aufwand dann

00:11:04.010 --> 00:11:04.970
<v Tim Pritlove>gleich zweimal treiben.

00:11:05.491 --> 00:11:11.218
<v Tim Pritlove>Und ist natürlich dann vielleicht auch versucht, in gewisser Hinsicht, Oh mein Gott.

00:11:12.310 --> 00:11:16.693
<v Tim Pritlove>Also dann steht man ja immer so in diesem Spannungsfeld, machen wir es jetzt

00:11:16.693 --> 00:11:24.838
<v Tim Pritlove>überall komplett anders aus Prinzip oder tendieren wir dann dazu zu wenig auf

00:11:24.838 --> 00:11:26.999
<v Tim Pritlove>abgehangener Technologie zu basieren,

00:11:26.999 --> 00:11:31.282
<v Tim Pritlove>die dann auch so viel Risiko mit in das Ding reinbringt, dass es eben vielleicht

00:11:31.282 --> 00:11:32.382
<v Tim Pritlove>am Ende nicht funktioniert?

00:11:34.004 --> 00:11:37.866
<v Wolfgang Adam>Die Auslegung dieser Experimente ist immer eine Balance zwischen einem Kompromiss

00:11:37.866 --> 00:11:42.068
<v Wolfgang Adam>zwischen wirklich die neueste und beste Technologie zu verwenden und gleichzeitig

00:11:42.068 --> 00:11:44.189
<v Wolfgang Adam>das Risiko klein zu halten.

00:11:45.611 --> 00:11:49.493
<v Wolfgang Adam>Das Kleinhalten des Risikos, ein Teil davon ist natürlich wiederum,

00:11:49.493 --> 00:11:52.215
<v Wolfgang Adam>dass wir zwei Experimente mit unterschiedlichen Technologien haben.

00:11:53.817 --> 00:11:57.459
<v Wolfgang Adam>Und es gibt natürlich noch eine endliche Zahl von Detektor-Technologien,

00:11:57.459 --> 00:12:03.023
<v Wolfgang Adam>aber das heißt gewisse Elemente werden ähnlich sein,

00:12:03.023 --> 00:12:09.048
<v Wolfgang Adam>aber in den Details unterscheiden sie sich dann und vor allem in der Gesamtkonzeption

00:12:09.048 --> 00:12:10.729
<v Wolfgang Adam>unterscheiden sich die zwei Experimente.

00:12:13.171 --> 00:12:17.353
<v Tim Pritlove>Gut, dann schauen wir doch mal darauf, was jetzt im Falle von CMS tatsächlich gebaut wurde.

00:12:20.296 --> 00:12:22.397
<v Tim Pritlove>Wie ist sozusagen das Design des Detektors?

00:12:25.159 --> 00:12:28.902
<v Tim Pritlove>Im Namen steckt ja schon so einiges drin. Also im Prinzip das Bauprinzip,

00:12:28.902 --> 00:12:33.185
<v Tim Pritlove>wenn ich das richtig sehe, ist hier unter anderem mit enkodiert.

00:12:35.487 --> 00:12:39.369
<v Tim Pritlove>Und wie muss man sich das vorstellen? Wie groß ist das Ding? Erzähl doch mal.

00:12:39.470 --> 00:12:44.153
<v Wolfgang Adam>Also wie gesagt, wir haben ein Kompakt im Namen. Das könnte vielleicht etwas

00:12:44.153 --> 00:12:46.595
<v Wolfgang Adam>täuschen, weil der Detektor wiegt über 10.000,

00:12:48.537 --> 00:12:52.059
<v Wolfgang Adam>Tonnen, ist über 20 Meter lang und circa 15 Meter Durchmesser,

00:12:52.059 --> 00:12:54.481
<v Wolfgang Adam>also ungefähr die Größe eines Hauses.

00:12:55.021 --> 00:13:00.085
<v Wolfgang Adam>Und dieses Volumen ist zum großen Teil mit Präzisionstechnologie gefüllt.

00:13:03.010 --> 00:13:05.771
<v Wolfgang Adam>Das Grundprinzip, das gilt auch für Atlas, ist,

00:13:05.771 --> 00:13:08.999
<v Wolfgang Adam>dass wir idealerweise, wir haben diese Kollisionen,

00:13:08.999 --> 00:13:12.936
<v Wolfgang Adam>die im Beschleuniger stattfinden, daraus entstehen Sekundärteilchen,

00:13:12.936 --> 00:13:19.140
<v Wolfgang Adam>sehr viele, hunderte, tausende, und idealerweise wollen wir alle diese Teilchen

00:13:19.140 --> 00:13:23.163
<v Wolfgang Adam>messen und ein Maximum der Eigenschaften jedes dieses Teilchens messen.

00:13:26.926 --> 00:13:32.689
<v Wolfgang Adam>Leider gibt es kein Detektor-Konzept, das alle Eigenschaften gleichzeitig messen kann.

00:13:34.211 --> 00:13:38.834
<v Wolfgang Adam>Mit Eigenschaften meine ich da zum Beispiel den Ursprungspunkt,

00:13:38.834 --> 00:13:42.416
<v Wolfgang Adam>weil es gibt natürlich Teilchen, die direkt aus dem Punkt kommen,

00:13:42.416 --> 00:13:45.859
<v Wolfgang Adam>an dem Protonen oder Atomkerne kollidiert sind.

00:13:46.400 --> 00:13:50.282
<v Wolfgang Adam>Aber es gibt dann auch Zwischenstufen. Es gibt kurzlebige Teilchen,

00:13:50.282 --> 00:13:55.126
<v Wolfgang Adam>die dort erzeugt werden, ein Stück weit fliegen, dann in weitere Teilchen zerfallen.

00:13:55.486 --> 00:13:59.949
<v Wolfgang Adam>Das heißt, wir wollen wissen, ob Teilchen vom ursprünglichen Kollisionspunkt

00:13:59.949 --> 00:14:03.952
<v Wolfgang Adam>kommen oder aus dem Zerfall eines kurzlebigen Teilchens kommen.

00:14:03.952 --> 00:14:05.713
<v Wolfgang Adam>Wir wollen die Richtung wissen.

00:14:06.114 --> 00:14:12.228
<v Wolfgang Adam>Wir wollen idealerweise die Art des Teilchens wissen, seine Masse und natürlich seine Energie.

00:14:14.300 --> 00:14:20.904
<v Wolfgang Adam>Und um das für alle wichtigen Teilchenarten zu erzielen, gibt es nur die Möglichkeit,

00:14:20.904 --> 00:14:25.587
<v Wolfgang Adam>dass man mehrere Detektorsysteme kombiniert, weil eben ein einzelnes System

00:14:25.587 --> 00:14:27.268
<v Wolfgang Adam>nicht alle diese Eigenschaften messen kann.

00:14:29.230 --> 00:14:39.416
<v Wolfgang Adam>Das heißt, ganz grob gesagt, teilt sich der Detektor in drei Zonen, je nach Teilchentyp.

00:14:39.877 --> 00:14:46.961
<v Wolfgang Adam>Im innersten Teil des Detektors versuchen wir die Flugbahn von geladenen Teilchen festzustellen.

00:14:49.304 --> 00:14:52.469
<v Wolfgang Adam>Also damit kann man eben auch den Produktionsort feststellen,

00:14:52.469 --> 00:14:56.948
<v Wolfgang Adam>die Richtung und wir können auch den Impuls feststellen.

00:14:58.310 --> 00:15:03.353
<v Wolfgang Adam>Das heißt im klassischen Fall ist Impuls einfach das Produkt aus Masse und Geschwindigkeit.

00:15:04.934 --> 00:15:10.398
<v Wolfgang Adam>Im relativistischen Fall, unsere Teilchen, die dort erzeugt werden,

00:15:10.398 --> 00:15:13.040
<v Wolfgang Adam>sind alle normalerweise relativ nah an der Lichtgeschwindigkeit.

00:15:13.580 --> 00:15:16.822
<v Wolfgang Adam>Es ist etwas komplizierter, aber es gibt jedenfalls einen Zusammenhang zwischen

00:15:16.822 --> 00:15:19.945
<v Wolfgang Adam>Energie, diesem Impuls und der Masse eines Teilchens.

00:15:20.745 --> 00:15:26.609
<v Wolfgang Adam>Und das erzielen wir dadurch, dass wir eben ein starkes Magnetfeld im Großteil des Detektors haben.

00:15:27.330 --> 00:15:32.013
<v Wolfgang Adam>Und dieses Magnetfeld wird die geladene Teilchen auf Helixbahnen zwingen.

00:15:35.036 --> 00:15:38.559
<v Wolfgang Adam>Und aus der Krümmung dieser Helixbahnen kann man dann den Impuls berechnen.

00:15:39.520 --> 00:15:44.644
<v Wolfgang Adam>Die Idee ist, dass man in diesem Volumen die Teilchen möglichst wenig und unter

00:15:44.644 --> 00:15:45.825
<v Wolfgang Adam>Anführungszeichen stört.

00:15:46.226 --> 00:15:49.648
<v Wolfgang Adam>Das heißt, wir wollen diesen Teil des Detektors möglichst leicht bauen,

00:15:49.648 --> 00:15:57.214
<v Wolfgang Adam>damit die Teiche nicht mit Material kollidieren und sich in andere Teiche umwandeln.

00:15:58.090 --> 00:16:04.475
<v Wolfgang Adam>Und das ist sozusagen die erste Zone. Die zweite Zone wird verwendet,

00:16:04.475 --> 00:16:08.898
<v Wolfgang Adam>um die Energie der meisten Teilchen zu messen, indem man sie de facto absorbiert.

00:16:09.979 --> 00:16:12.941
<v Wolfgang Adam>Das heißt, dort kehrt man das Prinzip sozusagen um.

00:16:14.022 --> 00:16:16.363
<v Wolfgang Adam>Man hat eine Zone mit sehr dichtendem Material.

00:16:19.226 --> 00:16:24.490
<v Wolfgang Adam>Und in dem dichten Material werden die einlaufenden Teilchen eine Wechselwirkung

00:16:24.490 --> 00:16:26.831
<v Wolfgang Adam>mit Atomkernen oder Elektronen machen.

00:16:27.352 --> 00:16:33.556
<v Wolfgang Adam>Das wird neue Teichen erzeugen und diese neuen Teichen können wiederum kollidieren

00:16:33.556 --> 00:16:36.678
<v Wolfgang Adam>und wiederum neue Teichen erzeugen. Das heißt, das ist ein Lawineneffekt.

00:16:37.279 --> 00:16:41.622
<v Wolfgang Adam>Das heißt, man hat eine Multiplikation der Teilchen, die dort in diesem Schauer

00:16:41.622 --> 00:16:45.525
<v Wolfgang Adam>entstehen und das geht so lange, bis die Energie der Teilchen,

00:16:45.525 --> 00:16:48.567
<v Wolfgang Adam>die durchschnittliche Energie der Teilchen so weit gesunken ist,

00:16:48.567 --> 00:16:51.750
<v Wolfgang Adam>dass sie keine neuen Teilchen mehr erzeugen können.

00:16:52.390 --> 00:16:58.475
<v Wolfgang Adam>Weil das ganze geschieht natürlich über die übliche Äquivalenz zwischen Energie und Masse.

00:16:58.915 --> 00:17:02.438
<v Wolfgang Adam>Das heißt, solange die einlaufenden Teilchen Energien haben,

00:17:02.438 --> 00:17:06.441
<v Wolfgang Adam>die über der Masse anderer Teilchen liegen, können sie neue Teilchen überzeugen.

00:17:06.762 --> 00:17:10.184
<v Wolfgang Adam>Und das heißt, irgendwann einmal fällt die Energie und der Schauer wird beendet.

00:17:10.585 --> 00:17:13.967
<v Wolfgang Adam>Und aus der Größe des Schauers, aus der Zahl der Teilchen mit dem Schauer,

00:17:13.967 --> 00:17:16.489
<v Wolfgang Adam>können wir die Energie des einlaufenden Teilchens rückrechnen.

00:17:17.590 --> 00:17:20.882
<v Tim Pritlove>Habe ich das gerade richtig verstanden? Also die eigentliche Kollision,

00:17:20.882 --> 00:17:24.455
<v Tim Pritlove>klar die löst du jetzt erstmal aus, dann gibt es halt nachfolgende Prozesse,

00:17:24.455 --> 00:17:28.878
<v Tim Pritlove>wo dann eben weitere Zerfallsprodukte entstehen, weil das einfach die Eigenschaft

00:17:28.878 --> 00:17:31.420
<v Tim Pritlove>dieser Teilchen ist, dass sie nicht langlebig sind.

00:17:31.921 --> 00:17:36.264
<v Tim Pritlove>Aber das System ist schon so aufgebaut, dass man dann ab einem bestimmten Zeitpunkt

00:17:36.264 --> 00:17:40.847
<v Tim Pritlove>auch schon bewusst anderes Material bereit hält, einfach um dann noch weitere

00:17:40.847 --> 00:17:44.050
<v Tim Pritlove>sekundäre Kollisionen geschehen zu lassen.

00:17:46.713 --> 00:17:50.196
<v Wolfgang Adam>Die sekundären Kollisionen in dieser zweiten Zone werden sozusagen absichtlich

00:17:50.196 --> 00:17:55.562
<v Wolfgang Adam>herbeigeführt, eben um die Energie dieses einlaufenden Teilchens messen zu können.

00:17:56.403 --> 00:17:59.686
<v Wolfgang Adam>Und diesen Bereich werden die allermeisten Teilchen nicht verlassen.

00:17:59.686 --> 00:18:03.270
<v Wolfgang Adam>Also vielleicht sollte man dann hier sprechen, ein bisschen über die Teilchenarten,

00:18:03.270 --> 00:18:07.014
<v Wolfgang Adam>die wir da messen können. Also wir haben im Wesentlichen...

00:18:08.060 --> 00:18:14.944
<v Wolfgang Adam>Das Standardmodell mit eigentlich vier Wechselwirkungen, aber die Gravitation,

00:18:14.944 --> 00:18:18.225
<v Wolfgang Adam>die Schwerkraft spielt hier bei den Experimenten de facto keine Rolle.

00:18:19.026 --> 00:18:22.710
<v Wolfgang Adam>Das heißt wir haben die elektromagnetische Wechselwirkung, schwache Wechselwirkung,

00:18:22.710 --> 00:18:29.211
<v Wolfgang Adam>starke Wechselwirkung und wie sich Teilchen innerhalb eines Detektors verhalten,

00:18:29.211 --> 00:18:32.052
<v Wolfgang Adam>hängt davon ab, welchen dieser Wechselwirkungen sie unterliegen.

00:18:32.362 --> 00:18:36.935
<v Tim Pritlove>Um es gleich nochmal klar zu machen für alle, die nicht ganz so in der Materie

00:18:36.935 --> 00:18:46.480
<v Tim Pritlove>drinstecken, mit Wechselwirkung meinen wir jetzt im Prinzip die fundamentalen Kräfte der Natur.

00:18:47.121 --> 00:18:50.402
<v Tim Pritlove>Schwerkraft kennen wir alle, leiden wir täglich drüber, aber wir würden es noch

00:18:50.402 --> 00:18:51.883
<v Tim Pritlove>dürrer finden, wenn sie nicht da wäre.

00:18:54.785 --> 00:18:58.868
<v Tim Pritlove>Also die starke Kernkraft und man sagt halt hier eher Wechselwirkung,

00:18:58.868 --> 00:19:03.351
<v Tim Pritlove>weil das ist sozusagen das, was man in diesem Teilchensystem sieht oder was dort,

00:19:03.351 --> 00:19:08.434
<v Tim Pritlove>was wir meinen oder glauben, wissen, was dort stattfindet, eine Interaktion

00:19:08.434 --> 00:19:12.617
<v Tim Pritlove>zwischen diesen Teilchen und manche Teilchen sind halt mehr so dieses Ist und

00:19:12.617 --> 00:19:15.869
<v Tim Pritlove>manche sind mehr so das Wird und diese Wirtsteilchen, das ist sozusagen diese

00:19:15.869 --> 00:19:17.100
<v Tim Pritlove>Kräfte, von denen wir sprechen.

00:19:17.801 --> 00:19:22.524
<v Tim Pritlove>Starke Kernkraft ist halt das, was im Kern, im wahrsten Sinne des Wortes,

00:19:22.524 --> 00:19:27.227
<v Tim Pritlove>die Kerne auch zusammenhält, also dafür sorgt, dass nicht alles auseinander fliegt.

00:19:27.227 --> 00:19:31.090
<v Tim Pritlove>Die schwache Kernkraft kennt man halt so ein bisschen auch unter dem Aspekt

00:19:31.090 --> 00:19:34.313
<v Tim Pritlove>der Radioaktivität, dass man sozusagen auch in der Lage ist,

00:19:34.313 --> 00:19:39.417
<v Tim Pritlove>Obwohl schwach in irgendeiner Form das Ganze auch immer mal wieder sich auflösen

00:19:39.417 --> 00:19:41.838
<v Tim Pritlove>zu lassen. Finde ich auch einen schönen Regulationsmechanismus.

00:19:43.240 --> 00:19:46.673
<v Tim Pritlove>Es bleibt halt nicht alles so wie es ist, sondern mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit

00:19:46.673 --> 00:19:50.967
<v Tim Pritlove>fliegt der ganze Kram dann einfach so aus sich heraus, mehr oder weniger, auseinander.

00:19:52.750 --> 00:20:00.175
<v Tim Pritlove>Und dann halt noch der gesamte Elektromagnetismus, den wir alle toll finden,

00:20:00.175 --> 00:20:01.817
<v Tim Pritlove>jeder hat schon mal in die Steckdose gefasst.

00:20:04.559 --> 00:20:07.881
<v Tim Pritlove>Und das hält ja auch irgendwie alles zusammen, das heißt gerade die schwache

00:20:07.881 --> 00:20:09.822
<v Tim Pritlove>und die starke Kernkraft,

00:20:09.822 --> 00:20:12.965
<v Tim Pritlove>würde ich sagen, das ist hier so der Hauptfokus, während die elektromagnetische

00:20:12.965 --> 00:20:16.227
<v Tim Pritlove>Kraft eigentlich eher so ein bisschen der nützliche Idiot ist,

00:20:16.227 --> 00:20:19.870
<v Tim Pritlove>um das genauer anzuschauen oder gibt's Tatsachen?

00:20:21.011 --> 00:20:27.515
<v Wolfgang Adam>Nicht ganz, weil de facto war ja etwas, was man in den 80er Jahren eigentlich

00:20:27.515 --> 00:20:32.959
<v Wolfgang Adam>bewiesen hat, ist, dass die elektromagnetische Kraft und die schwache Kraft

00:20:32.959 --> 00:20:35.501
<v Wolfgang Adam>eigentlich nur zwei Seiten derselben Metalle sind.

00:20:36.042 --> 00:20:41.766
<v Wolfgang Adam>Und dass wir sie nur so unterschiedlich sehen, weil wir hier normalerweise bei

00:20:41.766 --> 00:20:47.030
<v Wolfgang Adam>sehr niedrigen Energien arbeiten, Aber wenn man sich Kollisionen bei sehr hoher Energie ansieht,

00:20:47.430 --> 00:20:53.234
<v Wolfgang Adam>dann sieht man, dass das eigentlich dasselbe Phänomen ist, nur in zwei Arten.

00:20:55.276 --> 00:20:59.458
<v Wolfgang Adam>Ja, und um auf den Detektor zurückzukommen. Es gibt eben Detektorteile,

00:20:59.458 --> 00:21:05.082
<v Wolfgang Adam>die sind spezialisiert auf Teilchen, die hauptsächlich elektromagnetisch wechselwirken,

00:21:05.082 --> 00:21:12.291
<v Wolfgang Adam>also geladene Teilchen oder Photonen, Lichtteilchen, die de facto diese elektromagnetische

00:21:12.291 --> 00:21:16.529
<v Wolfgang Adam>Wechselwirkung vermitteln, diese elektromagnetischen Kräfte vermitteln.

00:21:17.350 --> 00:21:22.914
<v Wolfgang Adam>Und dann gibt es Hadronen, das heißt Teilchen, die auch der starken Wechselwirkung unterliegen.

00:21:25.377 --> 00:21:30.660
<v Wolfgang Adam>Und die manifestieren sich eben anders und die zum Beispiel im Detektor erzeugen,

00:21:30.660 --> 00:21:35.964
<v Wolfgang Adam>diese Schauer werden länger sein und das heißt man hat einen speziellen Teil

00:21:35.964 --> 00:21:37.765
<v Wolfgang Adam>des Detektors für diese Art Teilchen.

00:21:38.826 --> 00:21:41.948
<v Tim Pritlove>Hadronen muss man nochmal dazu sagen, das ist das, was den Atomkern im Wesentlichen

00:21:41.948 --> 00:21:43.970
<v Tim Pritlove>ausmacht, also was Protonen und Neutronen formt.

00:21:45.832 --> 00:21:49.794
<v Wolfgang Adam>Protonen und Neutronen sind Hadronen, aber es gibt einen ganzen Zuf von Teilchen.

00:21:50.395 --> 00:21:54.648
<v Tim Pritlove>Nur so zur Einordnung. Hadronen ist der allgemeine Begriff für das,

00:21:54.648 --> 00:21:56.939
<v Tim Pritlove>was unter anderem Protonen und Neutronen formt.

00:21:57.820 --> 00:22:02.504
<v Wolfgang Adam>Genau. Und dann nach dieser zweiten Zone bleibt eigentlich nicht mehr sehr viel übrig.

00:22:03.505 --> 00:22:07.908
<v Wolfgang Adam>Dort sind eben die meisten Teilchen sozusagen stecken geblieben und es bleiben

00:22:07.908 --> 00:22:08.929
<v Wolfgang Adam>eigentlich nur mehr Teilchen über,

00:22:08.929 --> 00:22:16.875
<v Wolfgang Adam>die eben in der Lage sind, sehr große Dichten von Stärken von Material zu durchdringen

00:22:16.875 --> 00:22:20.317
<v Wolfgang Adam>und das sind einerseits die Myonen.

00:22:21.338 --> 00:22:26.322
<v Wolfgang Adam>Also die Myonen, das ist ein Schwester oder Bruder des Elektrons.

00:22:27.223 --> 00:22:30.425
<v Wolfgang Adam>Das heißt im Wesentlichen haben sie alle Eigenschaften,

00:22:30.425 --> 00:22:33.367
<v Wolfgang Adam>die auch Elektron hat, das sehr bekannte Elektron hat,

00:22:33.367 --> 00:22:38.773
<v Wolfgang Adam>aber sie sind wesentlich schwerer und das führt dazu, dass sie eben wesentlich

00:22:38.773 --> 00:22:44.945
<v Wolfgang Adam>leichter durch Material durchdringen können und der beste Beweis dafür Dafür

00:22:44.945 --> 00:22:45.626
<v Wolfgang Adam>ist die Höhenstrahlung.

00:22:47.458 --> 00:22:54.043
<v Wolfgang Adam>Das sind also Myonen, die bei Kollisionen, so wie diese Lawinenartigen Schauer,

00:22:54.043 --> 00:22:56.985
<v Wolfgang Adam>die ich beschrieben habe, die entstehen natürlich nicht nur im Detektor,

00:22:56.985 --> 00:23:00.828
<v Wolfgang Adam>sondern können auch in der Atmosphäre entstehen, wenn hochenergetische Teilchen

00:23:00.828 --> 00:23:02.249
<v Wolfgang Adam>aus dem Weltraum eindringen.

00:23:02.929 --> 00:23:07.533
<v Wolfgang Adam>Und die Myonen, die dabei entstehen, können bis zur Erdoberfläche laufen und

00:23:07.533 --> 00:23:11.355
<v Wolfgang Adam>de facto sogar unter die Erdoberfläche, weil unsere Detektoren hier am LHC,

00:23:11.355 --> 00:23:16.799
<v Wolfgang Adam>die so etwa 100 Meter unter der Erde liegen, sehen noch immer Myonen aus der Höhenstrahlung.

00:23:19.322 --> 00:23:24.245
<v Wolfgang Adam>Und diese Myonen können eben die meisten Detektorschichten durchlaufen und die

00:23:24.245 --> 00:23:29.188
<v Wolfgang Adam>werden dann in der letzten Zone, im äußersten Teil des Detektors gesehen.

00:23:31.030 --> 00:23:35.753
<v Wolfgang Adam>Das ist sehr praktisch, weil dadurch können wir sie sehr leicht identifizieren.

00:23:36.934 --> 00:23:42.178
<v Wolfgang Adam>Wie gesagt, wir würden auch gerne wissen, um welches Teilchen es sich in jedem Fall handelt.

00:23:42.678 --> 00:23:48.022
<v Wolfgang Adam>Und die Teilchen, die wir in dieser äußersten Zone sehen, sind praktisch ausschließlich Myonen.

00:23:49.463 --> 00:23:51.124
<v Tim Pritlove>Und da steckt ja auch ein Name mit drin.

00:23:51.124 --> 00:23:57.528
<v Wolfgang Adam>Genau. Die Myonen, die erlauben, wir können Myonen sehr präzise messen.

00:23:58.379 --> 00:24:02.332
<v Wolfgang Adam>Sie sind also ein sehr wichtiges Instrument, um zu verstehen,

00:24:02.332 --> 00:24:03.873
<v Wolfgang Adam>was in einer Kollision passiert.

00:24:06.655 --> 00:24:10.378
<v Wolfgang Adam>Und gleichzeitig werden wir die Kollisionen, die hier im Beschleuniger entstehen,

00:24:10.378 --> 00:24:12.619
<v Wolfgang Adam>laufen hauptsächlich über die starke Wechselwirkung.

00:24:14.841 --> 00:24:19.684
<v Wolfgang Adam>Was in der Kollision passiert, ist im Wesentlichen eine Auswirkung der starken Wechselwirkung.

00:24:21.586 --> 00:24:25.748
<v Wolfgang Adam>Und dabei werden sehr wenige Elektronen, Myonen oder ähnliche Teilchen erzeugt.

00:24:26.249 --> 00:24:30.592
<v Wolfgang Adam>Das heißt, es ist auch einfach, diese Myonen zu detektieren,

00:24:30.592 --> 00:24:34.735
<v Wolfgang Adam>weil neben den hunderten Teilchen, die da entstehen können bei jeder Kollision,

00:24:34.735 --> 00:24:38.898
<v Wolfgang Adam>gibt es jeweils nur höchstens einige wenige Myonen geben.

00:24:39.078 --> 00:24:43.261
<v Wolfgang Adam>Und deswegen ist die Detektion einfacher und deswegen ist das Experiment auch

00:24:43.261 --> 00:24:47.063
<v Wolfgang Adam>sehr stark darauf ausgelegt worden, dass man Myonen messen kann,

00:24:47.063 --> 00:24:52.267
<v Wolfgang Adam>die zum Beispiel auch wichtig sind, um das berühmte X-Person zu messen und zu finden.

00:24:53.268 --> 00:24:58.421
<v Tim Pritlove>Vielleicht mal so als Nebeneinschub, wenn man das jetzt mal mit so der Kernspaltung

00:24:58.421 --> 00:25:02.494
<v Tim Pritlove>im Atomkraftwerk vergleicht, wenn man jetzt hier Atomkerne aufeinander ballert

00:25:02.494 --> 00:25:06.397
<v Tim Pritlove>und die in ihre tausend Teilchen zerschießen, dann ist das ja im Prinzip auch eine Kernspaltung.

00:25:09.120 --> 00:25:12.845
<v Wolfgang Adam>Nicht ganz. Also was man wirklich verstehen sollte ist, dass bei den Energien

00:25:12.845 --> 00:25:17.811
<v Wolfgang Adam>mit denen wir hier arbeiten, diese Energien liegen viele Größenordnungen über

00:25:17.811 --> 00:25:21.216
<v Wolfgang Adam>den Energien, die typischerweise in einem Atomkern auftreten.

00:25:22.684 --> 00:25:29.440
<v Wolfgang Adam>Und bei diesen Energien, wenn zum Beispiel zwei Protonen aufeinandertreffen,

00:25:29.440 --> 00:25:35.935
<v Wolfgang Adam>findet die Kollision nicht zwischen den Protonen als Protonobjekt 1 und Protonobjekt

00:25:35.935 --> 00:25:40.278
<v Wolfgang Adam>2 statt, sondern die Kollision findet statt zwischen Bestandteilen der Protonen.

00:25:41.359 --> 00:25:47.024
<v Wolfgang Adam>Also in den Protonen und Neutronen haben wir Quarks, was wir Up- und Down-Quarks nennen.

00:25:47.584 --> 00:25:54.489
<v Wolfgang Adam>Das sind also etwas seltsame Teilchen, weil sie nicht frei in der Natur vorkommen.

00:25:57.231 --> 00:26:00.173
<v Wolfgang Adam>Diese Bestandteile sind immer eingeschlossen in die berühmten Hadronen.

00:26:00.493 --> 00:26:04.435
<v Tim Pritlove>Also Hadronen enthalten immer… Also sie kommen in der Natur vor, aber nicht einzeln.

00:26:05.817 --> 00:26:08.038
<v Wolfgang Adam>Genau, sie kommen nicht frei in der Natur vor.

00:26:10.520 --> 00:26:15.483
<v Wolfgang Adam>Und die Hypothese dieser Quarks hat erlaubt eben eine Ordnung in diesem Zoo

00:26:15.483 --> 00:26:22.528
<v Wolfgang Adam>zu bringen, man dadurch die Teilchen klassifizieren konnte, je nachdem welche Quarks sie enthalten.

00:26:22.969 --> 00:26:27.211
<v Wolfgang Adam>Und de facto, wenn zwei Protonen hier im LHC zusammenstoßen,

00:26:27.211 --> 00:26:30.634
<v Wolfgang Adam>ist die Kollision, die uns interessiert,

00:26:30.634 --> 00:26:35.077
<v Wolfgang Adam>ist die Kollision entweder zwischen einem Quark aus dem einen Proton und einem

00:26:35.077 --> 00:26:37.879
<v Wolfgang Adam>Quark aus dem anderen Proton oder aber,

00:26:37.879 --> 00:26:44.163
<v Wolfgang Adam>was hier sehr oft passiert, das Proton ist ein komplexes Objekt.

00:26:44.163 --> 00:26:46.164
<v Wolfgang Adam>Also im Prinzip, man lernt in der Schule.

00:26:47.466 --> 00:26:53.769
<v Wolfgang Adam>Das Proton besteht aus drei Quarks, aber in Wirklichkeit ist mehr Leben in diesem Proton.

00:26:54.350 --> 00:26:56.771
<v Wolfgang Adam>Und vor allem gibt es da Gluronan.

00:26:57.372 --> 00:27:02.288
<v Wolfgang Adam>Das Gluronan ist das Äquivalent des Photons, des Lichtteilchens für die elektromagnetische

00:27:02.288 --> 00:27:05.737
<v Wolfgang Adam>Wechselwirkung, da in diesem Fall für die starke Wechselwirkung.

00:27:05.737 --> 00:27:09.420
<v Wolfgang Adam>Das heißt, das sind die Teilchen, die die starke Wechselwirkung übertragen zwischen

00:27:09.420 --> 00:27:10.661
<v Wolfgang Adam>zwei Quarks zum Beispiel.

00:27:11.001 --> 00:27:16.206
<v Wolfgang Adam>Und das Proton ist de facto voll von diesen Glurnan, die die Quarks de facto

00:27:16.206 --> 00:27:17.048
<v Wolfgang Adam>im Proton zusammenhalten.

00:27:17.510 --> 00:27:20.902
<v Wolfgang Adam>Und das heißt, wir können auch Kollisionen zwischen diesen Q-Unern haben,

00:27:20.902 --> 00:27:22.508
<v Wolfgang Adam>wenn die zwei Protonen sich treffen.

00:27:23.593 --> 00:27:27.476
<v Tim Pritlove>Das heißt der Unterschied ist, weil ich mich gefragt habe,

00:27:27.476 --> 00:27:35.182
<v Tim Pritlove>wenn so viel kollidiert und man das vergleichen kann, so Kernkraftwechsel ist

00:27:35.182 --> 00:27:38.784
<v Tim Pritlove>halt sehr viel Radioaktivität frei, inwiefern ist dann diese Kollision anders?

00:27:40.166 --> 00:27:45.470
<v Tim Pritlove>Geschieht das dort auch oder ist das eben weil die Energie so hoch ist,

00:27:45.470 --> 00:27:48.332
<v Tim Pritlove>dass alles so dermaßen zertrümmert wird, dass sich das komplett anders verhält?

00:27:48.693 --> 00:27:54.607
<v Wolfgang Adam>Ja, wie gesagt, die Energien sind so hoch, dass de facto ein zerfallenes Atomkern,

00:27:54.607 --> 00:27:58.540
<v Wolfgang Adam>ein zerfallenes und komplexes Objekt, das aus vielen Protonen und Neutronen

00:27:58.540 --> 00:28:05.386
<v Wolfgang Adam>besteht, und der wird sich de facto in zwei Teile spalten, weil energetisch

00:28:05.386 --> 00:28:08.168
<v Wolfgang Adam>der Ausgangszustand günstiger ist.

00:28:10.911 --> 00:28:14.874
<v Wolfgang Adam>Aber das spielt sich typischerweise bei Energien. Die Energien,

00:28:14.874 --> 00:28:19.417
<v Wolfgang Adam>die in diese Prozesse involviert sind, sind typischerweise in der Million-Elektron-Volt-Gegend.

00:28:22.079 --> 00:28:29.644
<v Wolfgang Adam>Um das zu vergleichen, ist die circa tausendmal höher als typische Röntgenstrahlung,

00:28:29.644 --> 00:28:32.526
<v Wolfgang Adam>wenn man einen Vergleich haben will.

00:28:32.907 --> 00:28:38.991
<v Wolfgang Adam>Und wir reden hier über Giga-Elektron-Volt, also Milliarde-Elektron-Volt oder

00:28:38.991 --> 00:28:40.853
<v Wolfgang Adam>noch einen Faktor tausend drüber.

00:28:41.153 --> 00:28:44.555
<v Wolfgang Adam>Das heißt, wie gesagt, bei diesen Prozessen, das ist keine Spaltung,

00:28:44.555 --> 00:28:47.397
<v Wolfgang Adam>weil wir hier wirklich mit Elementarteilchen arbeiten.

00:28:47.397 --> 00:28:48.377
<v Tim Pritlove>Das ist eine Zerschmetterung.

00:28:49.759 --> 00:28:54.301
<v Wolfgang Adam>Es ist eine Umwandlung. Es ist eine Umwandlung, weil Zerschmetterung würde voraussetzen,

00:28:54.301 --> 00:28:56.963
<v Wolfgang Adam>dass das Teilchen aus Bestandteilen besteht.

00:28:58.204 --> 00:29:02.266
<v Wolfgang Adam>Während das wir hier mit, was uns interessiert, sind die Elementarteilchen.

00:29:02.987 --> 00:29:06.629
<v Wolfgang Adam>Das heißt Teilchen, von denen wir keine innere Struktur kennen,

00:29:06.629 --> 00:29:10.572
<v Wolfgang Adam>von denen wir glauben, dass sie wirklich elementar sind.

00:29:11.693 --> 00:29:15.775
<v Wolfgang Adam>Die niedrigsten Elemente, Bestandteile der Materie darstellen.

00:29:15.775 --> 00:29:20.919
<v Wolfgang Adam>Das heißt, man kann es zerschmettern, ist das vielleicht ein schlechter Ausdruck,

00:29:20.919 --> 00:29:24.881
<v Wolfgang Adam>weil sie keine Bestandteile haben. Und was passiert, ist eine Umwandlung.

00:29:26.718 --> 00:29:30.751
<v Tim Pritlove>Ja ich meinte nicht die Teilchen werden zerschmettert, da habe ich mich vielleicht falsch ausgerückt,

00:29:30.751 --> 00:29:36.124
<v Tim Pritlove>sondern die Struktur wird zerschmettert, also in dem Moment wo diese Bindung von den Quarks,

00:29:36.124 --> 00:29:42.138
<v Tim Pritlove>Glonen und so weiter alles komplett aufgelöst wird in seine wirklichen elementaren

00:29:42.138 --> 00:29:48.212
<v Tim Pritlove>Teilchen, dann ist sozusagen die komplette Struktur dessen was kollidiert ist

00:29:48.212 --> 00:29:49.553
<v Tim Pritlove>sozusagen vollständig aufgelöst.

00:29:50.093 --> 00:29:53.316
<v Wolfgang Adam>Ja, es stimmt natürlich, das was zerschmettert wird, ist das Proton, d.h.

00:29:53.856 --> 00:29:59.560
<v Wolfgang Adam>Zwei Bestandteile, ein Bestandteil aus jedem Proton kollidiert und macht eine

00:29:59.560 --> 00:30:03.022
<v Wolfgang Adam>Wechselwirkung, erzeugt neue Teilchen, das ist der Prozess, der uns interessiert.

00:30:04.323 --> 00:30:10.007
<v Wolfgang Adam>Aber das Proton, wenn das passiert, wird das Proton de facto zerstört,

00:30:10.007 --> 00:30:13.856
<v Wolfgang Adam>weil das Proton aus drei Quarks besteht und wenn man da Bestandteile herausschlägt,

00:30:13.856 --> 00:30:16.091
<v Wolfgang Adam>gibt es kein Proton mehr, d.h.

00:30:16.512 --> 00:30:20.094
<v Wolfgang Adam>Der Rest des Protons wird sich auch in neue Teilchen umwandeln.

00:30:21.575 --> 00:30:27.318
<v Wolfgang Adam>Das ist aber ein für uns eher ein störender Untergrund als das was uns wirklich interessieren.

00:30:28.383 --> 00:30:31.365
<v Wolfgang Adam>Ja der Rest des Protons wird sich auch in neue Teilchen.

00:30:32.686 --> 00:30:34.847
<v Tim Pritlove>Aber Radioaktivität in dem Sinne wird da nicht frei?

00:30:34.847 --> 00:30:40.270
<v Wolfgang Adam>Nein, Radioaktivität ist ja der spontane Zerfall eines Atomkerns de facto.

00:30:41.031 --> 00:30:46.794
<v Wolfgang Adam>Und während wir hier eine induzierte Kollision zwischen zwei Teilchen,

00:30:46.794 --> 00:30:51.376
<v Wolfgang Adam>die also größtenteils unter der Größe eines Atomkerns liegen.

00:30:51.877 --> 00:30:55.018
<v Tim Pritlove>Ja man muss ja auch über gefühlte Gefahren reden.

00:30:55.799 --> 00:31:00.461
<v Tim Pritlove>Wir hatten ja schon in der Ausgangsdiskussion die Diskussion um schwarze Löcher,

00:31:00.461 --> 00:31:03.483
<v Tim Pritlove>die hier erzeugt werden, da ist ja ein Weltuntergang drohen.

00:31:03.883 --> 00:31:08.767
<v Wolfgang Adam>De facto ist natürlich die Teilchen, die aus der Kollision hinauslaufen,

00:31:08.767 --> 00:31:10.948
<v Wolfgang Adam>sind natürlich Strahlung.

00:31:11.288 --> 00:31:17.783
<v Wolfgang Adam>Das heißt das könnte ionisierende Strahlung und deswegen ist auch die Detektorzone

00:31:17.783 --> 00:31:19.714
<v Wolfgang Adam>während wir operieren abgeschlossen.

00:31:21.515 --> 00:31:27.939
<v Tim Pritlove>Bevor wir vielleicht gleich mal so den eigentlichen Messvorgang selber aus der

00:31:27.939 --> 00:31:33.783
<v Tim Pritlove>Perspektive eines Teilchens dann oder eines Protons erstmal beobachten,

00:31:33.783 --> 00:31:38.406
<v Tim Pritlove>würde ich ganz gerne nochmal von außen nach innen gehen.

00:31:38.867 --> 00:31:41.608
<v Tim Pritlove>Also haben wir ja schon gesagt, es ist ein relativ großes System.

00:31:45.071 --> 00:31:46.332
<v Tim Pritlove>Was war das? 15 Meter ungefähr?

00:31:49.935 --> 00:31:53.287
<v Tim Pritlove>Super schwer, sehr viel Material und vor allem ist es halt ein,

00:31:53.287 --> 00:31:58.117
<v Tim Pritlove>ich meine was der Name ja auch sagt, Solenoid, also sozusagen eine riesige Spule,

00:31:58.117 --> 00:32:03.063
<v Tim Pritlove>eine Magnetspule, wie man das halt so aufgebückt kennt.

00:32:03.524 --> 00:32:08.207
<v Tim Pritlove>Eine ganz kerstliche Spule, ja. Quasi wie so ein riesiges dynamisches Mikrofon.

00:32:12.131 --> 00:32:15.773
<v Tim Pritlove>Und dieser Apparat sitzt wo genau? Wie tief?

00:32:16.374 --> 00:32:20.977
<v Wolfgang Adam>Der Apparat sitzt auf dem Niveau des Beschleunigers natürlicherweise und das

00:32:20.977 --> 00:32:22.698
<v Wolfgang Adam>heißt das ist knappe 100 Meter tief.

00:32:23.679 --> 00:32:28.523
<v Wolfgang Adam>In einer Kaverne in der von beiden Seiten der Beschleuniger Tunnel einmündet.

00:32:28.523 --> 00:32:30.023
<v Tim Pritlove>Ist es da eigentlich warm?

00:32:31.551 --> 00:32:32.652
<v Wolfgang Adam>Normale Temperatur, Umgebungstemperatur.

00:32:35.515 --> 00:32:40.218
<v Tim Pritlove>Wenn man sich so dem Erdkern nähert, wird es ja irgendwann warm.

00:32:40.218 --> 00:32:43.440
<v Tim Pritlove>Bleibt doch etwas Abstand. Also Frost gibt es auf jeden Fall keinen.

00:32:43.440 --> 00:32:45.061
<v Wolfgang Adam>Nein, Frost gibt es keiner.

00:32:47.503 --> 00:32:53.508
<v Wolfgang Adam>Die Größe des Apparats hängt de facto mit der Energie der Kollisionen und daraus

00:32:53.508 --> 00:32:58.071
<v Wolfgang Adam>folgender Energie der Teilchen, die aus der Kollision erzeugt werden, zusammen.

00:32:59.572 --> 00:33:06.117
<v Wolfgang Adam>Ich habe von diesen Schauern gesprochen. Diese Schauer wachsen mit der Energie

00:33:06.117 --> 00:33:08.158
<v Wolfgang Adam>des Teilchens, werden diese Schauer immer größer.

00:33:08.999 --> 00:33:12.661
<v Wolfgang Adam>Und um eine präzise Messung der Energie zu erhalten, möchten wir,

00:33:12.661 --> 00:33:17.324
<v Wolfgang Adam>dass der gesamte Schauer im Detektor enthalten ist und nicht,

00:33:17.324 --> 00:33:21.067
<v Wolfgang Adam>dass gewisse Teilchen sich hinten aus dem Detektor rauslaufen würden.

00:33:21.567 --> 00:33:25.690
<v Wolfgang Adam>Und nachdem eben diese Schauer mit der Energie wachsen und wir die Dichte des

00:33:25.690 --> 00:33:28.191
<v Wolfgang Adam>Materials nicht beliebig erhöhen können,

00:33:28.191 --> 00:33:36.197
<v Wolfgang Adam>weil wir müssen mit Materialien arbeiten, die es gibt, kann man diese Detektoren

00:33:36.197 --> 00:33:39.900
<v Wolfgang Adam>mit höherer Energie einfach nur dicker machen. Das ist der eine Grund.

00:33:41.121 --> 00:33:46.745
<v Wolfgang Adam>Der andere Grund, ich habe von der Impulsmessung und geladenen Teilchen gesprochen.

00:33:46.745 --> 00:33:52.890
<v Wolfgang Adam>Also der Sinn der großen Spule ist, dass geladene Teilchen eben auf eine Helix

00:33:52.890 --> 00:33:57.133
<v Wolfgang Adam>oder in einer Projektion, Kreisbahn abgelenkt werden.

00:33:58.234 --> 00:34:02.617
<v Wolfgang Adam>Dadurch können wir die Ladung messen, weil die positive und negative Teilchen

00:34:02.617 --> 00:34:08.301
<v Wolfgang Adam>werden sich in unterschiedliche Richtungen wegrümmen und aus der Stärke der

00:34:08.301 --> 00:34:10.463
<v Wolfgang Adam>Krümmung können wir eben diesen Impuls abmessen.

00:34:11.464 --> 00:34:16.127
<v Wolfgang Adam>Und bei den Energien, die wir produzieren, ist diese Krümmung aber sehr gering.

00:34:17.849 --> 00:34:22.431
<v Wolfgang Adam>Und das heißt, um diese Krümmung messen zu können, gibt es zwei Möglichkeiten.

00:34:24.033 --> 00:34:29.276
<v Wolfgang Adam>Man erhöht die Präzision des Detektors, weil wir messen eben die Bahn an verschiedenen

00:34:29.276 --> 00:34:33.780
<v Wolfgang Adam>Orten und wenn man dann verschiedene Punkte misst, kann man irgendwann einmal

00:34:33.780 --> 00:34:36.201
<v Wolfgang Adam>sehen, dass diese Punkte nicht auf einer geraden Linie liegen,

00:34:36.201 --> 00:34:38.623
<v Wolfgang Adam>sondern eben eine leichte Probe machen.

00:34:39.064 --> 00:34:42.566
<v Wolfgang Adam>Aber wie gut man das messen kann, hängt natürlich von der Präzision ab,

00:34:42.566 --> 00:34:44.167
<v Wolfgang Adam>mit der man jeden Punkt messen kann.

00:34:44.868 --> 00:34:49.010
<v Wolfgang Adam>Und diese Präzision hat natürlich auch ein Limit, ihre Grenzen.

00:34:49.731 --> 00:34:52.912
<v Wolfgang Adam>Und die zweite Möglichkeit ist, dass man die Krümmung vergrößert bei gleicher

00:34:52.912 --> 00:34:58.214
<v Wolfgang Adam>Energie und das heißt ein größeres Magnetfeld, das heißt eine sehr starke Spule.

00:34:58.935 --> 00:35:02.556
<v Wolfgang Adam>Und in CMS de facto haben wir versucht beides zu machen.

00:35:04.417 --> 00:35:10.719
<v Wolfgang Adam>Ein sehr sehr starkes Magnetfeld, also 3,8 Tesla, das ist größenordnungsmäßig

00:35:10.719 --> 00:35:17.121
<v Wolfgang Adam>100.000 mal das Erdmagnetfeld und gleichzeitig sehr Präzisedetektoren im Innenraum der Spur.

00:35:18.886 --> 00:35:23.288
<v Tim Pritlove>Wenn man da runter geht, dann muss man sich auch all seine metallischen Dinge empfehlen.

00:35:24.229 --> 00:35:31.573
<v Wolfgang Adam>Ja, wenn die Spule eingeschaltet ist. Es ist zwar, was man außen sieht, ist nur ein Rest Feld.

00:35:32.074 --> 00:35:35.256
<v Wolfgang Adam>Wenn man so eine Spule einfach frei in den Raum stellen würde,

00:35:35.256 --> 00:35:40.939
<v Wolfgang Adam>dann würde man ein Magnetfeld im großen Umkreis um den Detektor erzeugen.

00:35:40.939 --> 00:35:43.100
<v Wolfgang Adam>Das möchten wir natürlich nicht.

00:35:44.661 --> 00:35:49.804
<v Wolfgang Adam>Das heißt, die Spule ist komplementiert, und das macht den Großteil der Struktur

00:35:49.804 --> 00:35:52.025
<v Wolfgang Adam>des Detektors aus, durch einen Rückflussjoch.

00:35:54.347 --> 00:35:59.670
<v Wolfgang Adam>Also, um es einfach zu sagen, die Spule an der Detektor ist eingebettet in ein

00:35:59.670 --> 00:36:04.754
<v Wolfgang Adam>Stahlkorsett, de facto, und dieses schließt die magnetischen Feldlinien.

00:36:05.775 --> 00:36:11.058
<v Wolfgang Adam>Das heißt, die magnetischen Feldlinien laufen durch die Spule und dann durch

00:36:11.058 --> 00:36:14.240
<v Wolfgang Adam>den Stahl wieder zurück Und das bewirkt,

00:36:14.240 --> 00:36:19.024
<v Wolfgang Adam>dass außen zwar nicht null, weil das System nicht perfekt ist,

00:36:19.024 --> 00:36:21.585
<v Wolfgang Adam>aber ein sehr viel geringeres Magnetfeld herrscht.

00:36:23.447 --> 00:36:28.610
<v Wolfgang Adam>Dieses sehr viel geringere Magnetfeld ist allerdings immer noch stark genug,

00:36:28.610 --> 00:36:31.932
<v Wolfgang Adam>um einfach sichtbar zu sein und in Führungen.

00:36:33.554 --> 00:36:35.716
<v Tim Pritlove>Aber es reißt einem jetzt nicht die Armbanduhr vom Arm?

00:36:35.716 --> 00:36:39.859
<v Wolfgang Adam>Es reißt nicht die Armbandufe am Arm, aber wenn man nahe an den Detektor geht,

00:36:39.859 --> 00:36:44.262
<v Wolfgang Adam>sollte man keine magnetischen Werkzeuge oder ähnliches haben.

00:36:44.262 --> 00:36:49.886
<v Tim Pritlove>Man kennt ja diese Problematik aus der Medizin mit so einem Magnetresonanzsystem und so weiter.

00:36:49.906 --> 00:36:52.808
<v Tim Pritlove>Da ist es ja ein echtes Problem, wenn man da mal was mit reinbringt.

00:36:53.708 --> 00:37:01.193
<v Wolfgang Adam>Genau, wir bewegen uns in denselben Größenordnungen und das heißt natürlich

00:37:01.193 --> 00:37:04.355
<v Wolfgang Adam>auch, dass alle Komponenten im Detektor nicht magnetisch sein sollten.

00:37:06.696 --> 00:37:12.300
<v Wolfgang Adam>Aber wie gesagt außen in Führungen verwenden wir oft eine kleine Kette von Büroklammern

00:37:12.300 --> 00:37:17.242
<v Wolfgang Adam>und man sieht klar auch außerhalb vom Detektor und in einem Abstand vom Detektor,

00:37:17.242 --> 00:37:22.366
<v Wolfgang Adam>dass diese Kette nicht gerade hinunter hängt.

00:37:22.866 --> 00:37:26.648
<v Tim Pritlove>Wäre das, würde man sich jetzt in der Mitte befinden, wenn der Magnet eingeschaltet ist?

00:37:28.330 --> 00:37:33.214
<v Tim Pritlove>Nur so als Mensch nackt, würde einem das schaden? Also ist das ein Problem für

00:37:33.214 --> 00:37:36.577
<v Tim Pritlove>den menschlichen Körper oder ist es egal?

00:37:36.577 --> 00:37:41.430
<v Wolfgang Adam>Im Prinzip sollte das egal sein, weil wir uns in den selben Größenordnungen

00:37:41.430 --> 00:37:43.821
<v Wolfgang Adam>bewegen wie für medizinische Untersuchungen, Magnetesresonanz.

00:37:46.704 --> 00:37:48.445
<v Tim Pritlove>Na gut, also auf jeden Fall eine fette Spule.

00:37:49.230 --> 00:37:52.759
<v Wolfgang Adam>Sie würden aber wahrscheinlich Effekte sehen, wenn sie sich bewegen,

00:37:52.759 --> 00:37:54.864
<v Wolfgang Adam>wenn sich jemand bewegt im Detektor.

00:37:55.939 --> 00:37:59.201
<v Wolfgang Adam>Im magnetischen Feld, das löst ja Ströme aus.

00:38:00.082 --> 00:38:03.104
<v Tim Pritlove>Also man würde es stören, aber man würde nicht sterben. Ja.

00:38:04.666 --> 00:38:09.749
<v Tim Pritlove>Okay, also so ein riesen Magnetspuler, die dann aber auch noch gekühlt werden

00:38:09.749 --> 00:38:11.670
<v Tim Pritlove>muss, nehme ich an, also ordentlich?

00:38:12.031 --> 00:38:19.176
<v Wolfgang Adam>Genau, das ist meines Wissens immer der größte supraleitende Magnet, der existiert.

00:38:19.176 --> 00:38:26.602
<v Wolfgang Adam>Das heißt, um dieses starke Magnetfeld zu erzeugen, verwenden wir einen Niob-Titan-Leiter,

00:38:26.602 --> 00:38:33.026
<v Wolfgang Adam>der supraleitend wird, wenn man ihn auf etwa 4 Grad über dem absoluten Nullpunkt kühlt.

00:38:34.708 --> 00:38:38.971
<v Wolfgang Adam>Und diese Kühlung passiert mit flüssigem Helium. Und das macht natürlich die

00:38:38.971 --> 00:38:41.373
<v Wolfgang Adam>Komplexität des Systems aus.

00:38:42.314 --> 00:38:48.759
<v Wolfgang Adam>Man muss flüssiges Helium erzeugen, man muss die Spule natürlich thermisch isolieren,

00:38:48.759 --> 00:38:54.183
<v Wolfgang Adam>Das heißt, die ist in einem Vakuumtank eingebettet, sozusagen eine riesige Thermosflasche.

00:38:56.525 --> 00:39:00.788
<v Wolfgang Adam>Und man muss garantieren können, dass die Spule immer kalt bleibt,

00:39:00.788 --> 00:39:04.951
<v Wolfgang Adam>weil man muss sich vorstellen, der Leiter,

00:39:04.951 --> 00:39:07.794
<v Wolfgang Adam>also der elektrische Leiter, der dort ausgewickelt ist in der Spule,

00:39:07.794 --> 00:39:14.639
<v Wolfgang Adam>der hat eine Breite von einigen Zentimetern und eine Dicke von einigen Millimetern

00:39:14.639 --> 00:39:20.223
<v Wolfgang Adam>Und durch diesen Leiter laufen 18.000 Ampere.

00:39:20.223 --> 00:39:21.504
<v Wolfgang Adam>Das wäre für normal leitende...

00:39:24.387 --> 00:39:30.091
<v Wolfgang Adam>Das heißt, man muss sicherstellen, dass die Spule im super leitenden Zustand bleibt.

00:39:32.393 --> 00:39:35.695
<v Wolfgang Adam>Und falls man glaubt, dass die Kühlung nicht mehr aufrechterhalten werden kann

00:39:35.695 --> 00:39:40.979
<v Wolfgang Adam>oder so, muss man die Spule möglichst schnell und kontrolliert abschalten.

00:39:42.000 --> 00:39:46.502
<v Wolfgang Adam>Weil man muss verstehen, dass im Magnetfeld kann man de facto Energie speichern.

00:39:46.502 --> 00:39:53.087
<v Wolfgang Adam>Das heißt, wenn das Magnetfeld aufgebaut wird, wird de facto Energie dort hineingebombt

00:39:53.087 --> 00:39:54.667
<v Wolfgang Adam>und im Magnetfeld gespeichert.

00:39:55.628 --> 00:39:57.929
<v Wolfgang Adam>In unserem Fall sind das ca. 2 Gigajoule.

00:39:59.996 --> 00:40:04.919
<v Wolfgang Adam>Das ist eine nicht vernachlässigbare Menge, mit der man eine Menge Metall zum

00:40:04.919 --> 00:40:05.940
<v Wolfgang Adam>Beispiel schmelzen könnte.

00:40:07.641 --> 00:40:11.763
<v Wolfgang Adam>Und sollte man die Kühlung nicht aufrechterhalten können, muss man dafür sorgen,

00:40:11.763 --> 00:40:15.855
<v Wolfgang Adam>dass man diese große Energie aus den Magneten möglichst schnell extrahiert,

00:40:15.855 --> 00:40:20.547
<v Wolfgang Adam>damit es keine Beschädigungen im Magnet ergibt. Das ist eine der technischen...

00:40:21.328 --> 00:40:22.508
<v Tim Pritlove>So ein Abschalten-Moment?

00:40:25.350 --> 00:40:34.075
<v Wolfgang Adam>Ja, wir versuchen das möglichst selten zu haben, aber es ist schon zweimal vorgekommen,

00:40:34.075 --> 00:40:36.416
<v Wolfgang Adam>dass wir ihn schnell abschalten wollen.

00:40:36.496 --> 00:40:39.798
<v Tim Pritlove>Aber hat dann zumindest auch funktioniert und das glimpfliche auch.

00:40:39.798 --> 00:40:41.039
<v Wolfgang Adam>Hat alles funktioniert, ja.

00:40:43.101 --> 00:40:48.023
<v Tim Pritlove>Wenn ich das richtig sehe, ist ja CMS nicht vor Ort gebaut worden,

00:40:48.023 --> 00:40:52.406
<v Tim Pritlove>sondern erstmal woanders und dann da rein.

00:40:55.189 --> 00:40:59.190
<v Wolfgang Adam>Also CMS, diese Detektoren werden von Kollaborationen gebaut,

00:40:59.190 --> 00:41:03.713
<v Wolfgang Adam>die aus vielen Instituten bestehen. In CMS haben wir inzwischen mehr als 200

00:41:03.713 --> 00:41:07.956
<v Wolfgang Adam>Universitäts- oder andere wissenschaftliche Institute, die da mitarbeiten.

00:41:08.396 --> 00:41:12.359
<v Wolfgang Adam>Und normalerweise, wenn man diesen Konten aus so einem Detektor baut,

00:41:12.359 --> 00:41:15.341
<v Wolfgang Adam>trägt jedes Institut einen gewissen Teil bei.

00:41:19.265 --> 00:41:22.786
<v Wolfgang Adam>Und die Konstruktion basiert von kleinen Elementen zu immer größeren Elementen.

00:41:23.948 --> 00:41:29.311
<v Wolfgang Adam>Also viele der grundlegenden Bestandteile werden in Industrie gefertigt und

00:41:29.311 --> 00:41:36.236
<v Wolfgang Adam>sie werden dann sukzessive am Anfang in den Instituten zusammengebaut zu immer größeren Elementen.

00:41:37.057 --> 00:41:40.558
<v Wolfgang Adam>Und der finale Zusammenbau geschieht dann normalerweise hier am CERN.

00:41:41.498 --> 00:41:47.580
<v Wolfgang Adam>Und für CMS war das eine spezielle Komplikation, weil als wir anfangen mussten,

00:41:47.580 --> 00:41:53.422
<v Wolfgang Adam>den Detektor zusammenzubauen, also die Konstruktion der Elemente hat ungefähr

00:41:53.422 --> 00:41:57.464
<v Wolfgang Adam>im Jahr 2000 begonnen, war die Kaverne im Untergrund noch nicht fertiggestellt.

00:41:59.404 --> 00:42:04.788
<v Wolfgang Adam>Und wir konnten aus Zeitgründen nicht warten auf die Fertigstellung,

00:42:04.788 --> 00:42:09.412
<v Wolfgang Adam>um das normale Prozedere zu machen, das heißt den Detektor in kleinen Stücken

00:42:09.412 --> 00:42:12.654
<v Wolfgang Adam>unten direkt vor Ort in der Kaverne aufzubauen.

00:42:12.654 --> 00:42:15.616
<v Tim Pritlove>Also man hätte das eigentlich gerne getan, aber das macht man auch nicht.

00:42:15.616 --> 00:42:18.959
<v Wolfgang Adam>Das wäre eine normale Vorgangsweise gewesen. Aber es ging nicht und deswegen,

00:42:18.959 --> 00:42:23.642
<v Wolfgang Adam>was wir gemacht haben, wir hatten über der Detektorzone eine große Halle und

00:42:23.642 --> 00:42:25.503
<v Wolfgang Adam>wir haben angefangen den Detektor dort aufzubauen.

00:42:25.864 --> 00:42:32.509
<v Wolfgang Adam>Und er ist de facto vollständig in dieser Halle aufgebaut worden und der Aufbau

00:42:32.509 --> 00:42:38.264
<v Wolfgang Adam>wurde aber so gemacht, dass er in größere Stücke zerlegt werden konnte.

00:42:39.415 --> 00:42:43.397
<v Wolfgang Adam>Also insgesamt 15 Stücke, davon 11 wirklich sehr große.

00:42:43.818 --> 00:42:47.941
<v Wolfgang Adam>Man muss sich vorstellen, dass das größte Stück, das auch den Magneten enthalten

00:42:47.941 --> 00:42:49.922
<v Wolfgang Adam>hat, ca. 2000 Tonnen wiegt.

00:42:52.725 --> 00:42:57.448
<v Wolfgang Adam>Und als die Kaverne fertig war, wir haben einen sehr großen Zugangsschacht,

00:42:57.448 --> 00:43:01.751
<v Wolfgang Adam>der so diese 80, 90 Meter hinunter geht, bis er die Kaverne erreicht.

00:43:02.311 --> 00:43:13.959
<v Wolfgang Adam>Und es wurde dann ein riesiger Kran gemietet, der 2000 Tonnen tragen kann.

00:43:15.160 --> 00:43:20.704
<v Wolfgang Adam>Die kleine Komplexität dabei ist, dass diese Kräne nicht mehr beweglich sind.

00:43:21.084 --> 00:43:23.946
<v Wolfgang Adam>Das heißt, dieser Kran wurde direkt über dem Schacht aufgebaut.

00:43:25.707 --> 00:43:29.929
<v Wolfgang Adam>Und der Schacht kann durch einen Deckel verschlossen werden,

00:43:29.929 --> 00:43:33.991
<v Wolfgang Adam>der mehr als einen Meter Stahlbeton besteht.

00:43:36.313 --> 00:43:41.315
<v Wolfgang Adam>Und das System war dann, dass wir jeweils eines von diesen Detektorstücken auf

00:43:41.315 --> 00:43:42.556
<v Wolfgang Adam>den Deckel verschoben haben.

00:43:43.517 --> 00:43:48.139
<v Wolfgang Adam>Der Kran hat ihn dann dort aufgehoben, man hat den Deckel geöffnet und ihn dann

00:43:48.139 --> 00:43:54.082
<v Wolfgang Adam>in einer Operation, die halben Tag typischerweise gebraucht hat,

00:43:54.082 --> 00:43:56.304
<v Wolfgang Adam>das Teil runtergelassen bis in die Kaverne.

00:43:57.104 --> 00:44:02.347
<v Wolfgang Adam>Dann in der Kaverne verschoben, damit wieder Platz wird und das nächste Teil runtergelassen.

00:44:02.687 --> 00:44:07.810
<v Wolfgang Adam>Das war eine Operation, die von circa 2006 bis 2008 gedauert hat insgesamt.

00:44:07.810 --> 00:44:13.554
<v Wolfgang Adam>Krass. Dieses Konzept hat aber den Vorteil gehabt, oder hat noch immer den Vorteil,

00:44:13.554 --> 00:44:18.516
<v Wolfgang Adam>dass wir dieses Verschieben von Teilen auch jetzt für die Wartung des Detektors verwenden können.

00:44:20.558 --> 00:44:25.420
<v Wolfgang Adam>Der Beschleuniger läuft typischerweise den Großteil des Jahres und wir haben

00:44:25.420 --> 00:44:30.763
<v Wolfgang Adam>dann eine Pause von zwei Monaten oder in der Größenordnung in der Winterperiode.

00:44:32.045 --> 00:44:37.149
<v Wolfgang Adam>Das wird für Wartungen benutzt oder Verbesserungen. Und dieses System mit den

00:44:37.149 --> 00:44:41.313
<v Wolfgang Adam>verschiedenen großen Teilen kann benutzt werden, um die Teile unten in der Kaverne

00:44:41.313 --> 00:44:45.616
<v Wolfgang Adam>zu verschieben und dadurch Zugang zu den Zonen zwischen den Teilen zu bekommen.

00:44:45.616 --> 00:44:49.520
<v Tim Pritlove>Okay. Aus der Not eine Tugend gemacht sozusagen.

00:44:49.520 --> 00:44:49.820
<v Wolfgang Adam>Mhm.

00:44:51.863 --> 00:44:57.047
<v Tim Pritlove>Gut, dann würde ich sagen, schauen wir doch mal, wie das jetzt wirklich in Operation aussieht.

00:44:58.508 --> 00:45:03.452
<v Tim Pritlove>Also wir haben ja auch schon über den Beschleunigerring gesprochen. Die Teilchen,

00:45:03.452 --> 00:45:07.115
<v Tim Pritlove>die man halt haben will, werden so einer Quelle entnommen und werden dann auf

00:45:07.115 --> 00:45:13.860
<v Tim Pritlove>die Reise geschickt und landen dann eben über die einzelnen Kaskaden von Ringen im LHC,

00:45:13.860 --> 00:45:20.285
<v Tim Pritlove>in dem großen 27 Kilometer Ring und erhalten dort ihre finale Geschwindigkeit

00:45:20.285 --> 00:45:25.728
<v Tim Pritlove>und entlang dieses LHC sind die vier großen Detektoren aufgebaut.

00:45:27.329 --> 00:45:33.012
<v Tim Pritlove>Über LS haben wir schon gesprochen, jetzt halt CMS. Wo befindet sich CMS,

00:45:33.012 --> 00:45:34.853
<v Tim Pritlove>schon in der Schweiz oder in Frankreich?

00:45:36.515 --> 00:45:40.937
<v Wolfgang Adam>CMS befindet sich in Frankreich, also der einzige Detektor der in der Schweiz steht ist Atlas.

00:45:42.638 --> 00:45:49.182
<v Wolfgang Adam>Und wir befinden uns genau auf der entgegengesetzten Seite des Rings im Vergleich

00:45:49.182 --> 00:45:50.703
<v Wolfgang Adam>zum Hauptgelände des CERN.

00:45:53.426 --> 00:45:54.626
<v Tim Pritlove>Also maximal weiter Weg.

00:45:55.627 --> 00:46:00.571
<v Wolfgang Adam>Maximal weiter Weg, was natürlich die Operation des Detektors und den Betrieb

00:46:00.571 --> 00:46:04.154
<v Wolfgang Adam>des Detektors nicht erleichtert.

00:46:04.154 --> 00:46:09.398
<v Wolfgang Adam>Wir haben natürlich einen Kontrollraum beim Detektor, der ständig besetzt ist

00:46:09.398 --> 00:46:15.362
<v Wolfgang Adam>und das heißt, die Leute müssen vom CERN typischerweise dorthin fahren.

00:46:16.845 --> 00:46:19.227
<v Tim Pritlove>Ihr seid so ein bisschen die da draußen sozusagen.

00:46:22.352 --> 00:46:23.513
<v Tim Pritlove>Ja, okay, gut.

00:46:24.414 --> 00:46:29.832
<v Tim Pritlove>So jetzt kommen also die Teilchen dort an und werden dann ja auf den letzten

00:46:29.832 --> 00:46:35.262
<v Tim Pritlove>Metern auch nochmal aus dieser Kreisbahn quasi herausgenommen und fliegen dann

00:46:35.262 --> 00:46:36.703
<v Tim Pritlove>gerade in diesen Detektor rein.

00:46:38.345 --> 00:46:45.350
<v Tim Pritlove>So und jetzt bin ich ein Proton, was da sozusagen angeschossen kommt.

00:46:45.350 --> 00:46:50.493
<v Tim Pritlove>Mir kommt ein anderes, entsprechend anders herum geladenes Teilchen entgegen.

00:46:53.957 --> 00:46:57.318
<v Tim Pritlove>Und durch ein Wunder treffe ich jetzt genau auf dieses Teilchen.

00:46:59.421 --> 00:47:02.583
<v Tim Pritlove>Also nicht jedes Teilchen, was da durchfliegt, trifft auch auf eins,

00:47:02.583 --> 00:47:05.445
<v Tim Pritlove>nehme ich mal an, viele fliegen aneinander vorbei.

00:47:05.905 --> 00:47:12.050
<v Wolfgang Adam>Nachdem die starke Wechselwirkung eben stark ist, passiert praktisch bei jeder

00:47:12.050 --> 00:47:16.633
<v Wolfgang Adam>Kreuzung etwas. Man muss natürlich dazu sagen, dass die Protonen nicht einzeln

00:47:16.633 --> 00:47:20.897
<v Wolfgang Adam>im Beschleuniger fliegen, sondern sie kommen in Paketen.

00:47:22.178 --> 00:47:27.132
<v Wolfgang Adam>Wir haben im Beschleuniger einige tausend Pakete von Protonen,

00:47:27.132 --> 00:47:32.246
<v Wolfgang Adam>die knapp beisammen sind und dann größenordnungsmäßig

00:47:32.246 --> 00:47:36.389
<v Wolfgang Adam>acht Meter wieder Pause oder in

00:47:36.389 --> 00:47:40.272
<v Wolfgang Adam>Zeit ausgedrückt 25 Milliarden Sekunden und

00:47:40.272 --> 00:47:44.575
<v Wolfgang Adam>dann kommt das nächste Protonpaket und um sich eine Vorstellung zu machen in

00:47:44.575 --> 00:47:50.580
<v Wolfgang Adam>jedem dieser Pakete sind circa 100 Milliarden Protonen und das heißt diese beiden

00:47:50.580 --> 00:47:57.465
<v Wolfgang Adam>de facto kreuzen sich diese beiden Pakete und es können sich da bei jeder Kreuzung,

00:47:57.465 --> 00:48:04.110
<v Wolfgang Adam>können ein oder mehrere Protonkollisionen stattfinden und um die Intensität,

00:48:04.110 --> 00:48:07.492
<v Wolfgang Adam>wir wollen natürlich möglichst viele Protonkollisionen sehen,

00:48:07.492 --> 00:48:12.776
<v Wolfgang Adam>weil um unsere Physikzielsetzungen zu erreichen,

00:48:12.776 --> 00:48:17.038
<v Wolfgang Adam>möchten wir einerseits möglichst hohe Energien erreichen, um möglicherweise

00:48:17.038 --> 00:48:22.582
<v Wolfgang Adam>neue schwere Teilchen zu erzeugen und wir möchten möglichst hohe Intensität,

00:48:22.582 --> 00:48:27.565
<v Wolfgang Adam>möglichst viele Protonkollisionen haben, weil wir Prozesse sehen wollen, die extrem selten sind.

00:48:27.565 --> 00:48:29.786
<v Tim Pritlove>Aber zwei Pakete treffen quasi

00:48:29.786 --> 00:48:33.809
<v Tim Pritlove>aufeinander. Jedes enthält 100 Milliarden Protonen, also Pi mal Daumen.

00:48:34.729 --> 00:48:40.313
<v Tim Pritlove>Und wenn diese zwei Pakete von je 100 Milliarden Protonen aufeinander treffen,

00:48:40.313 --> 00:48:42.734
<v Tim Pritlove>dann gibt es ein oder ein Paar Kollisionen?

00:48:43.876 --> 00:48:49.767
<v Wolfgang Adam>Also die ursprüngliche Auslegung des LHC war typischerweise 25 gleichzeitige

00:48:49.767 --> 00:48:52.691
<v Wolfgang Adam>Kollisionen zu haben. Jedes Mal, wenn es...

00:48:53.875 --> 00:48:54.535
<v Tim Pritlove>Alle 25 Nanosekunden.

00:48:56.660 --> 00:49:00.984
<v Wolfgang Adam>Ja, das ist nur zufällig dieselbe Zahl und inzwischen ist es dem Beschleuniger

00:49:00.984 --> 00:49:02.564
<v Wolfgang Adam>gelungen die Intensität zu erhöhen.

00:49:04.686 --> 00:49:07.368
<v Tim Pritlove>Durch eine höhere Verdichtung dieses Pakets.

00:49:07.368 --> 00:49:14.893
<v Wolfgang Adam>Genau und letztes Jahr hatten wir typischerweise über 50 und dieses Jahr werden wir noch mehr haben.

00:49:15.274 --> 00:49:19.146
<v Tim Pritlove>Aber die finden ja dann alle gleichzeitig statt, das heißt man beobachtet sie

00:49:19.146 --> 00:49:19.796
<v Tim Pritlove>auch alle gleichzeitig.

00:49:20.237 --> 00:49:23.539
<v Tim Pritlove>Ist das nicht eher ein Problem, wenn man zu viele gleichzeitig hat,

00:49:23.539 --> 00:49:25.080
<v Tim Pritlove>weil dann muss man sie ja auch auseinander halten.

00:49:25.080 --> 00:49:29.544
<v Wolfgang Adam>Das ist potenziell ein Problem natürlich und die Detektoren wurden darauf auch ausgelegt.

00:49:30.625 --> 00:49:33.127
<v Wolfgang Adam>Man muss jetzt natürlich sagen, sie wurden auf die berühmten ca.

00:49:33.127 --> 00:49:37.810
<v Wolfgang Adam>25 ausgelegt und wir sind jetzt von mehr als einem Faktor 2 darüber.

00:49:38.651 --> 00:49:44.149
<v Wolfgang Adam>Aber ja, sie finden gleichzeitig statt, aber die Zone, in der diese Kollisionen

00:49:44.149 --> 00:49:49.259
<v Wolfgang Adam>stattfinden, erstreckt sich über plus minus 15 Zentimeter typischerweise.

00:49:50.700 --> 00:49:54.603
<v Wolfgang Adam>Das heißt, diese Kollisionen finden nicht alle genau am selben Platz statt,

00:49:54.603 --> 00:49:58.506
<v Wolfgang Adam>sondern sie sind etwas verteilt. Und wir können diesen Abstand verwenden,

00:49:58.506 --> 00:49:59.987
<v Wolfgang Adam>um sie von einander zu unterscheiden.

00:50:00.888 --> 00:50:06.572
<v Wolfgang Adam>Der zweite wichtige Aspekt ist, dass wir, wir suchen eben extrem seltene Prozesse,

00:50:06.572 --> 00:50:11.556
<v Wolfgang Adam>in denen sehr viel Energie freigesetzt wird. Und das passiert bei Weitem nicht bei jeder Kollision.

00:50:12.297 --> 00:50:18.081
<v Wolfgang Adam>Das heißt, aus den meisten Kollisionen werden wahrscheinlich nur wenige relativ

00:50:18.081 --> 00:50:19.722
<v Wolfgang Adam>niederenergetische Teilchen entstehen.

00:50:22.544 --> 00:50:28.501
<v Wolfgang Adam>Und eine, typisch maximal eine von diesen Kollisionen, wird ein Ereignis auslösen,

00:50:28.501 --> 00:50:31.350
<v Wolfgang Adam>das uns interessiert und das wir messen wollen.

00:50:31.970 --> 00:50:37.594
<v Wolfgang Adam>Dazu sollte man vielleicht auch sagen, dass eine der Herausforderungen ist,

00:50:37.594 --> 00:50:40.835
<v Wolfgang Adam>dass der Detektor braucht, was wir ein Triggersystem nennen.

00:50:42.197 --> 00:50:46.419
<v Wolfgang Adam>Das heißt wir brauchen ein System, das genau diese interessanten Kollisionen aussucht.

00:50:49.001 --> 00:50:52.603
<v Wolfgang Adam>Weil die Gesamtzahl der Kollisionen,

00:50:52.603 --> 00:50:59.348
<v Wolfgang Adam>man muss sich vorstellen, dass circa 30 Millionen mal pro Sekunde kreuzen sich

00:50:59.348 --> 00:51:07.013
<v Wolfgang Adam>Pakete und der Detektor ist in der Lage diese 30 Millionen Fotos,

00:51:07.013 --> 00:51:10.915
<v Wolfgang Adam>also er ist ausgelegt auf bis zu 40 Millionen Fotos pro Sekunde.

00:51:13.577 --> 00:51:19.581
<v Wolfgang Adam>Aber das ist eine Datenmenge, die schwer zu handhaben wäre und in vielen dieser

00:51:19.581 --> 00:51:22.282
<v Wolfgang Adam>Kollisionen passiert eben nichts, was uns interessieren würde.

00:51:23.083 --> 00:51:30.747
<v Wolfgang Adam>Und deswegen brauchen wir ein System, das aus diesen 30 Millionen eine sieben wenige rausfiltert.

00:51:32.629 --> 00:51:39.173
<v Wolfgang Adam>Und das ist eine ziemliche Herausforderung und das CMS hat sich früher entschieden

00:51:39.173 --> 00:51:43.895
<v Wolfgang Adam>und das war technologisch zum Zeitpunkt der Auslegung des Experiments noch ein

00:51:43.895 --> 00:51:48.999
<v Wolfgang Adam>bisschen auch eine Vorhersage oder eine Wette auf die zukünftige Entwicklung

00:51:48.999 --> 00:51:51.360
<v Wolfgang Adam>von elektronischen Komponenten und Rechenleistung,

00:51:51.360 --> 00:51:54.060
<v Wolfgang Adam>dass wir diese Auswahl in einem zweistufigen System machen.

00:51:56.326 --> 00:52:02.490
<v Wolfgang Adam>Wir haben eine erste Stufe, das ist Elektronik, die sich unten nahe beim Detektor befindet.

00:52:03.311 --> 00:52:09.855
<v Wolfgang Adam>Und diese Elektronik wird für jede Kollision ein paar Grunddaten bekommen über

00:52:09.855 --> 00:52:14.439
<v Wolfgang Adam>Energie, die man im Detektor gesehen hat, die Anzahl zum Beispiel der Myonen

00:52:14.439 --> 00:52:16.320
<v Wolfgang Adam>oder von Elektronen, die gesehen wurden.

00:52:17.041 --> 00:52:23.725
<v Wolfgang Adam>Und aus diesen Daten kann sie sagen, ob wir dieses Foto behalten wollen oder nicht.

00:52:24.026 --> 00:52:26.087
<v Wolfgang Adam>Und das muss geschehen in einigen Mikrosekunden.

00:52:26.708 --> 00:52:32.132
<v Wolfgang Adam>Also die Elektronik hat einige Millionstel Sekunden Zeit, um für jedes Foto

00:52:32.132 --> 00:52:34.233
<v Wolfgang Adam>zu sagen, wollen wir es behalten oder nicht.

00:52:35.314 --> 00:52:40.177
<v Wolfgang Adam>Und nur wenn wir es behalten wollen, werden überhaupt alle Daten aus dem Detektor heraus transferiert.

00:52:41.499 --> 00:52:44.741
<v Wolfgang Adam>Und wir können bis zu 100.000 pro Sekunde transferieren.

00:52:46.483 --> 00:52:51.947
<v Wolfgang Adam>Das heißt, aus den ursprünglichen 30 Millionen pro Sekunde behalten wir mal

00:52:51.947 --> 00:52:53.468
<v Wolfgang Adam>in dieser ersten Stufe 100.000 pro Sekunde.

00:52:55.309 --> 00:52:59.612
<v Wolfgang Adam>Und in einem zweiten Schritt werden dann diese Daten, die aus dem Detektor gelesen

00:52:59.612 --> 00:53:06.237
<v Wolfgang Adam>werden, werden an ein Computerzentrum transferiert, das wir auch vor Ort am Experiment haben.

00:53:06.978 --> 00:53:13.142
<v Wolfgang Adam>Und dort können wir schon sozusagen eine beschleunigte Version der Auswerteprogramme

00:53:13.142 --> 00:53:17.105
<v Wolfgang Adam>oder der ersten Stufe der Auswerteprogramme laufen lassen, die wir später dann verwenden auch.

00:53:18.286 --> 00:53:22.139
<v Wolfgang Adam>Damit kann man natürlich sehr viel detaillierter nachsehen in allen Detektoren,

00:53:22.139 --> 00:53:27.212
<v Wolfgang Adam>was passiert ist und eine viel detailliertere Analyse machen und deswegen auch genauer auswählen.

00:53:29.454 --> 00:53:33.617
<v Wolfgang Adam>Und damit reduzieren wir dann die Rate von 100.000 auf einige Tausend pro Sekunde.

00:53:33.997 --> 00:53:40.601
<v Wolfgang Adam>Das heißt von den 30 Millionen oder in der Größenordnung die Kreuzungen von

00:53:40.601 --> 00:53:43.704
<v Wolfgang Adam>Paketen die im Detektor oder Fotos die im Detektor genommen werden,

00:53:43.704 --> 00:53:47.565
<v Wolfgang Adam>behalten wir letztlich nur einige Tausend pro Sekunde. Junge Prosekunde.

00:53:48.960 --> 00:53:53.603
<v Wolfgang Adam>Diese einigen tausend pro Sekunde, die werden dann permanent gespeichert und

00:53:53.603 --> 00:53:56.825
<v Wolfgang Adam>das ist das, was für die Analyse nachher zur Verfügung steht.

00:53:57.165 --> 00:54:00.307
<v Tim Pritlove>Das muss man ja auch erstmal in so ein Computersystem gespeichert bekommen.

00:54:00.307 --> 00:54:05.671
<v Tim Pritlove>Das ist eine enorme Anforderung an die Geschwindigkeit, die da gestellt werden.

00:54:08.674 --> 00:54:12.976
<v Tim Pritlove>Diese erste Filterung ist hier gar nicht so sehr eine qualitative Filterung,

00:54:12.976 --> 00:54:16.139
<v Tim Pritlove>sondern mehr so ein Ranking und man nimmt dann sozusagen die hunderttausend,

00:54:16.139 --> 00:54:19.601
<v Tim Pritlove>die man übertragen kann, Nimmt man dann alle, um dann in der zweiten Stufe erst

00:54:19.601 --> 00:54:24.464
<v Tim Pritlove>auszusuchen, was für einen wertvoll ist oder ist es schon eine qualitative Auslesung?

00:54:26.086 --> 00:54:31.949
<v Wolfgang Adam>Nein, nein. Das sind quantitative Kriterien und man kann, obwohl es nicht normale

00:54:31.949 --> 00:54:33.290
<v Wolfgang Adam>CPUs sind, sondern Elektronikkomponenten.

00:54:36.412 --> 00:54:38.593
<v Tim Pritlove>Also quantitativ im Sinne von wie viele Spuren?

00:54:39.895 --> 00:54:45.938
<v Wolfgang Adam>Wir können zum Beispiel verlangen, dass wir zwei Myonen übersehen,

00:54:45.938 --> 00:54:47.759
<v Wolfgang Adam>die über einer gewissen Energie liegen.

00:54:48.180 --> 00:54:53.803
<v Tim Pritlove>Okay, also auch schon mit einer, ich meine jetzt qualitativ im Sinne von was sehen wir?

00:54:54.744 --> 00:54:57.825
<v Tim Pritlove>Also das wird auch schon berücksichtigt in dieser ersten Frage.

00:54:58.206 --> 00:55:03.178
<v Wolfgang Adam>Genau, welche Arten von Teilchen haben wir gesehen, in welcher Zahl, bei welcher Energie.

00:55:04.329 --> 00:55:11.653
<v Wolfgang Adam>Wir könnten auch auswählen, dass diese zwei Teilchen in gegengesetzte Richtungen geflogen sind.

00:55:13.314 --> 00:55:19.977
<v Wolfgang Adam>Und da können wir einige hundert Kriterien definieren, die all diese Größen kombinieren.

00:55:23.787 --> 00:55:28.491
<v Wolfgang Adam>Und wenn mindestens eines dieser Kriterien erfüllt ist, dann würden wir dieses Event auswählen.

00:55:29.492 --> 00:55:34.556
<v Tim Pritlove>Wenn es so schnell laufen soll, dann ist das schon so optimierte Hardware,

00:55:34.556 --> 00:55:38.258
<v Tim Pritlove>wo die Software dann voll in die Hardware eingebrannt ist und das voll beschleunigt?

00:55:38.659 --> 00:55:42.382
<v Wolfgang Adam>Das sind FPGAs, das heißt das ist Elektronik, die programmierbar ist,

00:55:42.382 --> 00:55:45.845
<v Wolfgang Adam>aber nicht programmierbar wie in dem.

00:55:46.285 --> 00:55:52.490
<v Tim Pritlove>Also damit das wirklich sehr schnell abläuft, weil das wäre jetzt für eine normale CPU zu schnell.

00:55:55.172 --> 00:55:59.335
<v Tim Pritlove>Alright, ja okay gut. Das ist also der Vorgang. Jetzt stellt sich natürlich

00:55:59.335 --> 00:56:01.656
<v Tim Pritlove>die Frage, wie funktioniert der Detektor eigentlich genau.

00:56:02.538 --> 00:56:06.500
<v Tim Pritlove>Klar kann man ja sagen, das haben wir ja in Muon gesehen, das muss man ja auch

00:56:06.500 --> 00:56:08.982
<v Tim Pritlove>erstmal sehen. Und wir hatten das im Prinzip, wir haben das auch schon,

00:56:08.982 --> 00:56:13.165
<v Tim Pritlove>als wir über Alice gesprochen haben, im Prinzip folgt das ja dem ähnlichen Modell.

00:56:13.425 --> 00:56:17.568
<v Tim Pritlove>Es geht einfach darum, durch diese magnetische Ablenkung, die durch diesen großen

00:56:17.568 --> 00:56:21.390
<v Tim Pritlove>Spulenmagneten hergestellt wird,

00:56:21.390 --> 00:56:26.513
<v Tim Pritlove>also sozusagen die ganzen Teilchen quasi in ihrer Ausbreitung,

00:56:26.513 --> 00:56:31.176
<v Tim Pritlove>in ihrer Abstrahlung irgendwie versucht, wieder in den Griff zu kriegen und

00:56:31.176 --> 00:56:35.118
<v Tim Pritlove>eben dieses starke Magnetfeld braucht, weil eben die Energien so hoch sind, die dort stattfinden.

00:56:35.839 --> 00:56:42.283
<v Tim Pritlove>Die wollen halt einfach irgendwo hinschießen und der Magnet sagt so, so nicht.

00:56:42.683 --> 00:56:45.464
<v Tim Pritlove>Ja, ich krümm dich jetzt mal hier so ein bisschen weg.

00:56:46.105 --> 00:56:49.747
<v Tim Pritlove>Und durch diese Krümmung, die man beobachtet,

00:56:49.747 --> 00:56:54.511
<v Tim Pritlove>dann ist es ja quasi so das Rennen zwischen Energie des Teilchens und deren

00:56:54.511 --> 00:57:00.875
<v Tim Pritlove>Richtung kämpft gegen das Magnetfeld Und daraus ergibt sich halt so eine Spurenkurve,

00:57:00.875 --> 00:57:04.737
<v Tim Pritlove>der man dann eben quasi nachsehen kann.

00:57:05.158 --> 00:57:08.460
<v Tim Pritlove>Okay, alles klar, wenn du so schnell unterwegs bist, weil die Zeit kann ich

00:57:08.460 --> 00:57:13.123
<v Tim Pritlove>ja messen, und dann diese Kurve machst, dann musst du sonst so schwer sein,

00:57:13.123 --> 00:57:14.704
<v Tim Pritlove>also bist du wahrscheinlich das und das Teilchen.

00:57:18.249 --> 00:57:20.149
<v Tim Pritlove>Und wie misst jetzt CMS diese...

00:57:23.074 --> 00:57:27.057
<v Tim Pritlove>Funktioniert das genauso wie bei ALICE oder kommt hier eine ganz andere Technologie zu?

00:57:27.057 --> 00:57:31.139
<v Wolfgang Adam>Nein, wir verwenden andere Technologien. Wir verwenden eine Technologie,

00:57:31.139 --> 00:57:35.482
<v Wolfgang Adam>die ALICE auch in den ganz innersten Tonen verwendet.

00:57:36.063 --> 00:57:38.204
<v Wolfgang Adam>Das sind Siliziumdetektoren, das sind Pal-Beta-Detektoren.

00:57:38.985 --> 00:57:43.748
<v Wolfgang Adam>Man muss sich vorstellen, das sind ganz dünne Scheiben von Silizium,

00:57:43.748 --> 00:57:45.569
<v Wolfgang Adam>das speziell präpariert wird.

00:57:46.590 --> 00:57:49.972
<v Wolfgang Adam>Im Wesentlichen ist die Idee dieselbe wie die Sensoren in einer Kamera.

00:57:51.013 --> 00:57:57.898
<v Wolfgang Adam>Das heißt, das Silizium kann Lichtteilchen im Fall der Kamera oder geladene

00:57:57.898 --> 00:58:03.982
<v Wolfgang Adam>Teilchen wie Myonen oder andere Teilchen in unserem Fall registrieren,

00:58:03.982 --> 00:58:07.324
<v Wolfgang Adam>wenn diese Teilchen durch das Silizium durchlaufen.

00:58:09.726 --> 00:58:14.369
<v Tim Pritlove>Also quasi so CCDs, Charge Coupled Devices, sind das ja in der Kamera, als Ladung.

00:58:15.210 --> 00:58:19.873
<v Wolfgang Adam>Aber in unserem Fall sind es keine CCDs, weil die CCDs viel zu langsam werden.

00:58:20.013 --> 00:58:23.276
<v Wolfgang Adam>Weil eines der Grundprinzipien des Detektors ist natürlich, wie gesagt,

00:58:23.276 --> 00:58:30.081
<v Wolfgang Adam>wir haben einen 25 Milliardstel Sekunden Abstand zwischen zwei Kollisionen.

00:58:30.782 --> 00:58:35.245
<v Wolfgang Adam>Und das heißt, alle Detektoren müssen schnell genug ein Signal liefern,

00:58:35.245 --> 00:58:39.849
<v Wolfgang Adam>um zwei Kollisionen unterscheiden zu können. Und das ginge bei CCDs nicht.

00:58:41.851 --> 00:58:46.254
<v Wolfgang Adam>Und das heißt, de facto, was wir haben, ist Silizium. Und auf dem Silizium sind

00:58:46.254 --> 00:58:47.154
<v Wolfgang Adam>Strukturen, Elektrodenstrukturen aufgebracht.

00:58:50.458 --> 00:58:53.519
<v Wolfgang Adam>Und das sind entweder Streifen oder kleine Rechtecke.

00:58:56.382 --> 00:58:58.063
<v Wolfgang Adam>Und jeder dieser Streifen und

00:58:58.063 --> 00:59:00.844
<v Wolfgang Adam>jedes dieser Rechtecke hat seine eigene Verstärkung und Datenübertragung.

00:59:04.628 --> 00:59:11.093
<v Wolfgang Adam>Das heißt, wir haben im Moment knappe 100 Millionen de facto aktive Elemente, so Streifen oder...

00:59:11.533 --> 00:59:16.397
<v Wolfgang Adam>Und jedes dieser Elemente wird gleichzeitig ausgelesen. Das ist eben der Unterschied zur Kamera.

00:59:18.078 --> 00:59:22.271
<v Wolfgang Adam>Und das ermöglicht einerseits eine sehr hohe Präzision.

00:59:23.022 --> 00:59:29.275
<v Wolfgang Adam>Das heißt, die Präzision der innersten Lagen ist besser als 10 Millionsilometer.

00:59:35.030 --> 00:59:37.691
<v Wolfgang Adam>Das heißt, das ist kleiner, dünner als ein Haar.

00:59:39.072 --> 00:59:44.756
<v Wolfgang Adam>Hinaus nimmt es dann etwas zu, aber es ist immer noch in dieser Größenordnung. 10, 20, 30 Mikrometer.

00:59:45.456 --> 00:59:47.218
<v Wolfgang Adam>Das heißt, wir haben eine Serie.

00:59:48.709 --> 00:59:54.263
<v Wolfgang Adam>Diese Detektoren sind in Schichten angeordnet. Das heißt, im Zentraldetektor

00:59:54.263 --> 00:59:57.685
<v Wolfgang Adam>sind das Zylinder. Das heißt, es ist jeweils eine zylindrische Schicht,

00:59:57.685 --> 01:00:00.788
<v Wolfgang Adam>und die ist mit Detektoren, mit diesen dünnen Platten, vollgepflastert.

01:00:02.489 --> 01:00:04.831
<v Wolfgang Adam>Und eine Schicht kommt nach der anderen.

01:00:04.911 --> 01:00:06.372
<v Tim Pritlove>Wie viele Schichten sind es dann?

01:00:06.372 --> 01:00:11.135
<v Wolfgang Adam>Wir haben insgesamt im Moment, also im Zentralteil würde ein Teilchen 14 Schichten

01:00:11.135 --> 01:00:16.438
<v Wolfgang Adam>durchlaufen und das heißt jede Schicht würde eine sehr sehr präzise Messung des Ortes.

01:00:16.438 --> 01:00:18.320
<v Tim Pritlove>Und der Abstand zwischen den Schichten ist konstant?

01:00:18.840 --> 01:00:21.081
<v Wolfgang Adam>Nein, der Abstand vergrößert sich nach außen.

01:00:22.502 --> 01:00:25.705
<v Tim Pritlove>Was ist der kleinste und was ist der größte Abstand?

01:00:25.705 --> 01:00:31.909
<v Wolfgang Adam>Der kleinste Abstand ist also Zentimeterbereich, 2 Zentimeter und nach außen

01:00:31.909 --> 01:00:33.379
<v Wolfgang Adam>wird es größer, 10 Zentimeter Größenordnung.

01:00:35.511 --> 01:00:39.714
<v Wolfgang Adam>Also der ganze Detektor, um sich das vorzustellen, geht bis zu einem Radius

01:00:39.714 --> 01:00:42.135
<v Wolfgang Adam>von knapp über einem Meter.

01:00:43.076 --> 01:00:47.239
<v Wolfgang Adam>Also knapp einen Meter von der Wechselwirkungszone, von der Kollisionszone entfernt.

01:00:47.239 --> 01:00:52.842
<v Wolfgang Adam>Und mit diesen 14 Punkten, die kann man dann sozusagen verbinden und aus der

01:00:52.842 --> 01:00:56.344
<v Wolfgang Adam>Verbindung dieser 14 Punkte sieht man dann diese berühmte Spur.

01:00:56.344 --> 01:00:59.826
<v Tim Pritlove>Genau, wo man dann Ort und Zeit hat, überall wo das Zeichen steht.

01:01:01.748 --> 01:01:05.810
<v Wolfgang Adam>In unserem existierenden Detektor messen wir die Zeit nicht explizit.

01:01:07.572 --> 01:01:13.716
<v Wolfgang Adam>Der Detektor ist so ausgelegt, dass er optimiert ist, jeweils für eine bestimmte

01:01:13.716 --> 01:01:17.299
<v Wolfgang Adam>Kollision die Teilchen zu sehen. Aber wir messen die Zeit nicht explizit.

01:01:18.300 --> 01:01:24.024
<v Wolfgang Adam>Wir werden das in der nächsten Generation von CMS machen, aber im derzeitigen

01:01:24.024 --> 01:01:25.605
<v Wolfgang Adam>Detektor ist das nicht notwendig.

01:01:27.987 --> 01:01:32.911
<v Wolfgang Adam>Was man da vielleicht auch erwähnen könnte, ist, dass man diese Punkte zu einer

01:01:32.911 --> 01:01:36.253
<v Wolfgang Adam>Linie, also zu einem Kreis, wenn man so will, verbinden muss.

01:01:36.253 --> 01:01:41.297
<v Wolfgang Adam>Die Komplexität ist natürlich, dass wir eben hunderte oder in Kollisionen von

01:01:41.297 --> 01:01:42.858
<v Wolfgang Adam>Kernen tausende Teilchen haben,

01:01:42.858 --> 01:01:47.561
<v Wolfgang Adam>die da fliegen und jedes dieser Teilchen hinterlässt natürlich Punkte in dem

01:01:47.561 --> 01:01:54.886
<v Wolfgang Adam>Detektor und die ja je nachdem welcher Punkt oder Streifen getroffen wurde Und es ist natürlich,

01:01:54.886 --> 01:02:01.311
<v Wolfgang Adam>diese Punkte haben kein Etikett, das sagen würde, ich bin von diesem Teich hingekommen.

01:02:02.632 --> 01:02:05.414
<v Tim Pritlove>Deswegen dachte ich ja, dass die Zeit ein wichtiger Faktor ist.

01:02:05.414 --> 01:02:10.077
<v Wolfgang Adam>Nein, weil die Zeiten, die Teilchen laufen ja fast bei derselben Zeit,

01:02:10.077 --> 01:02:15.581
<v Wolfgang Adam>weil sie wurden zur selben Zeit produziert und fliegen dann de facto mit Lichtgeschwindigkeit hinaus.

01:02:15.581 --> 01:02:20.985
<v Wolfgang Adam>Und das heißt man hat ein Problem jeweils Punkte einem Teilchen zuzuordnen und

01:02:20.985 --> 01:02:23.287
<v Wolfgang Adam>das ist ein ziemlich großer Rechenaufwand.

01:02:23.667 --> 01:02:29.011
<v Wolfgang Adam>Also wenn man ein Foto sehen würde, an dem einfach die Punkte aufgetragen sind,

01:02:29.011 --> 01:02:31.111
<v Wolfgang Adam>würde man mit freiem Auge nichts erkennen.

01:02:32.440 --> 01:02:37.564
<v Wolfgang Adam>Das heißt es gibt Algorithmen, die dann eben die Punkte verbinden und das klassifizieren

01:02:37.564 --> 01:02:42.347
<v Wolfgang Adam>in Teilchen und dann für jedes Teilchen aus der Krömung eben den Impuls,

01:02:42.347 --> 01:02:43.147
<v Wolfgang Adam>die Energie ausrechnen.

01:02:44.149 --> 01:02:45.389
<v Tim Pritlove>Kann man dabei Fehler machen?

01:02:45.389 --> 01:02:51.114
<v Wolfgang Adam>Natürlich. Es gibt natürlich Fehler, aber die Algorithmen sind eben so entwickelt

01:02:51.114 --> 01:02:54.976
<v Wolfgang Adam>worden, um diese Fehler sehr gering zu halten, so gering zu halten,

01:02:54.976 --> 01:02:58.699
<v Wolfgang Adam>dass sie de facto die letztlichen Messungen nicht beeinflussen.

01:03:00.021 --> 01:03:04.994
<v Tim Pritlove>Also Teilchen trifft auf, Kollision findet statt,

01:03:04.994 --> 01:03:11.550
<v Tim Pritlove>all das was dort aufeinander trifft wird dann eben in seine elementaren Teilchen

01:03:11.550 --> 01:03:16.433
<v Tim Pritlove>zerschmettert und die machen sich dann auf die Reise,

01:03:16.433 --> 01:03:22.899
<v Tim Pritlove>fliegen los und entweder streifen sie halt selber unmittelbar dann eine dieser

01:03:22.899 --> 01:03:29.144
<v Tim Pritlove>Schichten Oder auf dem Weg zerteilt sich eben dieses Teilchen nochmal in andere,

01:03:29.144 --> 01:03:32.726
<v Tim Pritlove>also von wegen Elementarteilchen, wenn es sich dann doch noch in andere Teilchen

01:03:32.726 --> 01:03:36.429
<v Tim Pritlove>verwandelt, kann es ja so elementar auch wieder nicht sein.

01:03:37.050 --> 01:03:41.893
<v Tim Pritlove>Egal, auf jeden Fall das findet statt und man hat es also bei jeder Kollision

01:03:41.893 --> 01:03:45.937
<v Tim Pritlove>mit einer Vielzahl von Durchschlagungspunkten zu tun,

01:03:45.937 --> 01:03:49.900
<v Tim Pritlove>also zumindest in diesem inneren 14 Schichten Bereich,

01:03:49.900 --> 01:03:54.322
<v Tim Pritlove>die man dann eben per Software wieder zueinander zuordnen und sagt okay,

01:03:54.322 --> 01:03:56.814
<v Tim Pritlove>wenn das da war, das da war, dann gehört das wahrscheinlich zusammen und dann

01:03:56.814 --> 01:04:02.788
<v Tim Pritlove>ist das die daraus resultierende Bahn und aus dieser Bahn kann ich dann wiederum errechnen,

01:04:02.788 --> 01:04:06.770
<v Tim Pritlove>okay was war das jetzt mit welcher Energie und damit weiß ich auch die Masse

01:04:06.770 --> 01:04:11.373
<v Tim Pritlove>und wenn man die Masse weiß, dann weiß man um was für ein Teilchen es sich gehandelt hat.

01:04:11.373 --> 01:04:15.736
<v Wolfgang Adam>Und wie gesagt, worüber diese Siliziumdetektoren, das ist dieser erste Teil

01:04:15.736 --> 01:04:19.518
<v Wolfgang Adam>des Detektors, von dem ich vorhin gesprochen habe, das heißt dieser Teil des

01:04:19.518 --> 01:04:22.220
<v Wolfgang Adam>Detektors, der möglichst leicht gebaut werden soll.

01:04:22.380 --> 01:04:26.704
<v Tim Pritlove>Aber diese Phase reicht auch schon für die Klassifikation der Teilchen aus? Nein, noch nicht.

01:04:26.704 --> 01:04:27.625
<v Wolfgang Adam>Nein, weil wir eben...

01:04:28.240 --> 01:04:32.263
<v Wolfgang Adam>Die Information aus mehreren Detektoren kombinieren wollen.

01:04:32.263 --> 01:04:35.145
<v Wolfgang Adam>Das heißt, wir haben so ein Teilchen, ein geladenes Teilchen,

01:04:35.145 --> 01:04:38.488
<v Wolfgang Adam>das läuft durch den Detektor durch, wir messen die Punkte, wir verfolgen seine

01:04:38.488 --> 01:04:43.751
<v Wolfgang Adam>Spur und dann wird es in den nächsten Detektor übergehen, eben in dieses Kalorimeter,

01:04:43.751 --> 01:04:48.294
<v Wolfgang Adam>wo sehr viel Material ist, in dem das Teilchen de facto seine ganze Energie abgeben kann.

01:04:48.755 --> 01:04:50.616
<v Wolfgang Adam>Das ist dann eine ganz andere Technologie.

01:04:51.897 --> 01:04:54.858
<v Wolfgang Adam>Im Fall von CMS verwenden wir dabei Kristalle.

01:04:57.961 --> 01:04:59.122
<v Wolfgang Adam>Das ist Blei-Wolframat.

01:05:02.745 --> 01:05:09.149
<v Wolfgang Adam>Das sind sehr, sehr transparente Kristalle, die aber de facto die Dichte von Blei haben.

01:05:09.830 --> 01:05:13.692
<v Wolfgang Adam>Das heißt, eine sehr große Dichte. Man stellt sehr viel Material entgegen,

01:05:13.692 --> 01:05:17.235
<v Wolfgang Adam>um eben diese Schauer, diese Lawinen möglichst kurz zu halten.

01:05:21.208 --> 01:05:25.400
<v Wolfgang Adam>Und Teilchen, besonders Elektronen oder Photonen, die dort in diese Kristalle

01:05:25.400 --> 01:05:31.444
<v Wolfgang Adam>hineinlaufen, die werden den Kristall anregen und es wird Licht ausgesendet,

01:05:31.444 --> 01:05:32.044
<v Wolfgang Adam>Stintillationslicht ausgesendet.

01:05:35.287 --> 01:05:40.930
<v Wolfgang Adam>Das Licht wird im Kristall, der sehr transparent ist, weiterlaufen und jeder

01:05:40.930 --> 01:05:47.915
<v Wolfgang Adam>von diesen circa 80.000 Kristallen hat dann hinten am Kristall einen Detektor, der Licht messen kann.

01:05:49.316 --> 01:05:56.000
<v Wolfgang Adam>Und aus der Menge des Lichts, das dieser Detektor hinten am Kristall misst,

01:05:56.000 --> 01:05:59.965
<v Wolfgang Adam>kann man dann rückschließen, wie viel Energie sozusagen dort deponiert wurde.

01:06:00.767 --> 01:06:06.172
<v Wolfgang Adam>Und das heißt, man kann diese Messung mit der Messung aus dem Siliziumdetektor kombinieren.

01:06:09.643 --> 01:06:13.385
<v Wolfgang Adam>Dieser Kristalldetektor ist auch notwendig, weil der Siliziumdetektor wird nur

01:06:13.385 --> 01:06:15.487
<v Wolfgang Adam>elektrisch geladene Teilchen sehen.

01:06:15.927 --> 01:06:20.300
<v Wolfgang Adam>Das heißt neutrale Teilchen, wie zum Beispiel Photonen, Lichtteilchen,

01:06:20.300 --> 01:06:23.413
<v Wolfgang Adam>werden im Siliziumdetektor nicht gesehen.

01:06:23.973 --> 01:06:27.555
<v Wolfgang Adam>Die werden erst dann in diesem Kristallteil gesehen werden.

01:06:28.937 --> 01:06:34.160
<v Tim Pritlove>Also wenn diese Kalorimeter, die dann auch die Endstation darstellen für die

01:06:34.160 --> 01:06:36.422
<v Tim Pritlove>auseinanderfliegenden Teilchen.

01:06:36.962 --> 01:06:40.245
<v Tim Pritlove>Wenn die jetzt zuverlässig aber eingefangen werden sollen, dann muss ja im Prinzip

01:06:40.245 --> 01:06:45.448
<v Tim Pritlove>eine riesige, vollständige, den kompletten zentralen Teil umschließende Schicht sein.

01:06:45.448 --> 01:06:50.191
<v Wolfgang Adam>Das ist genau die Grundkonzeption. Wir wollen natürlich möglichst alle Teilchen

01:06:50.191 --> 01:06:53.674
<v Wolfgang Adam>messen, die aus der Kollision entstehen. Das heißt wir möchten den Kollisionspunkt

01:06:53.674 --> 01:06:55.174
<v Wolfgang Adam>eigentlich möglichst hermetisch umschließen.

01:06:56.016 --> 01:07:00.598
<v Wolfgang Adam>Das ist nicht vollständig möglich, weil wir… Man muss ja auch mal ran, ne?

01:07:01.159 --> 01:07:05.621
<v Wolfgang Adam>Naja, der Beschleuniger, die Beschleunigerröhre muss natürlich durchlaufen.

01:07:05.682 --> 01:07:09.004
<v Wolfgang Adam>Das heißt, dort per Definition können keine Detektoren stehen,

01:07:09.004 --> 01:07:11.065
<v Wolfgang Adam>aber wir versuchen den Rest möglichst abzudecken.

01:07:11.886 --> 01:07:16.449
<v Wolfgang Adam>Und wie gesagt, nachdem wir mehrere Lagen verschiedene Detektoren brauchen,

01:07:16.449 --> 01:07:21.732
<v Wolfgang Adam>sind die so angeordnet, dass ein Teilchen eben, egal in welche Richtung es läuft,

01:07:21.732 --> 01:07:24.794
<v Wolfgang Adam>immer dieselbe Sequenz von Detektortypen durchläuft.

01:07:27.537 --> 01:07:30.638
<v Wolfgang Adam>Und man könnte sich jetzt naiv vorstellen, dass man eine Kugel baut,

01:07:30.638 --> 01:07:35.682
<v Wolfgang Adam>Aber das ist aus mechanischen, Wartungs- und ähnlichen Gründen nicht sehr praktisch.

01:07:35.902 --> 01:07:40.703
<v Wolfgang Adam>Das heißt, die meisten dieser Experimente an Beschleunigern,

01:07:40.703 --> 01:07:44.484
<v Wolfgang Adam>an Speicherringen wie dem LAC, haben einen zylindrischen Aufbau.

01:07:44.924 --> 01:07:50.225
<v Wolfgang Adam>Das heißt, man hat einen zentralen Zylinder, in dem man eine zylindrische Lage nach der anderen hat.

01:07:50.685 --> 01:07:58.767
<v Wolfgang Adam>Und das wird dann abgeschlossen durch Endkappen, also großen kreisförmigen Strukturen,

01:07:58.767 --> 01:08:05.969
<v Wolfgang Adam>wo dieselbe Sequenz, aber linear von der Mitte nach außen, nach links und nach rechts geht.

01:08:07.471 --> 01:08:11.373
<v Wolfgang Adam>Vorkommt und dadurch kann man den Detektor relativ leicht öffnen,

01:08:11.373 --> 01:08:15.897
<v Wolfgang Adam>weil man kann diese Endcaps, wie wir es sagen, diese kreisförmigen Strukturen

01:08:15.897 --> 01:08:20.640
<v Wolfgang Adam>vom Zentralteil entfernen und dann ins Innere des Detektors kommen.

01:08:20.981 --> 01:08:26.224
<v Wolfgang Adam>Aber durch diesen Aufbau kann man garantieren, dass dieselbe Sequenz von Detektoren

01:08:26.224 --> 01:08:27.385
<v Wolfgang Adam>von jedem Teich entgegen ist.

01:08:27.385 --> 01:08:31.448
<v Tim Pritlove>Das heißt, diese Kalorimeter, dieser Zylinder ist sozusagen komplett mit diesem

01:08:31.448 --> 01:08:34.010
<v Tim Pritlove>Blei, was war das für eine Verbindung?

01:08:35.812 --> 01:08:43.137
<v Tim Pritlove>Genau mit diesen Kristallen beschichtet und messen kann man das dann,

01:08:43.137 --> 01:08:46.840
<v Tim Pritlove>also das ist dann diese Sintillation, also das ist sozusagen so ein Lichteffekt

01:08:46.840 --> 01:08:48.140
<v Tim Pritlove>der dabei dann entsteht.

01:08:48.140 --> 01:08:51.523
<v Wolfgang Adam>Genau es wird Licht erzeugt im Kristall und dieses Licht wird gemessen.

01:08:51.523 --> 01:08:54.896
<v Tim Pritlove>Okay also im Prinzip ist es dann letzten Endes ein optisches Messgerät,

01:08:54.896 --> 01:08:56.807
<v Tim Pritlove>was eigentlich das Licht misst.

01:08:57.808 --> 01:09:00.790
<v Wolfgang Adam>Misst die Quantität von Licht die aus dem Kristall kommt.

01:09:00.790 --> 01:09:03.852
<v Tim Pritlove>Okay, gut. Und das tut es mit welcher Auflösung dann wiederum?

01:09:03.852 --> 01:09:05.913
<v Tim Pritlove>Also man kann ja nicht jeden Punkt beobachten.

01:09:06.874 --> 01:09:10.977
<v Wolfgang Adam>Ja, wie gesagt, über die ganze Fläche. Wir haben jetzt hier 80.000 Kristalle.

01:09:10.977 --> 01:09:15.880
<v Wolfgang Adam>Man muss sich vorstellen, die Kristalle sind so längliche Gebilde mit einem

01:09:15.880 --> 01:09:18.421
<v Wolfgang Adam>quadratischen Querschnitt von einigen Zentimetern.

01:09:19.663 --> 01:09:21.784
<v Tim Pritlove>Okay, also 80.000 Kalometer.

01:09:21.784 --> 01:09:28.308
<v Wolfgang Adam>Also die Größe ist dadurch bestimmt, dass die Schauer eine gewisse Ausdehnung

01:09:28.308 --> 01:09:30.750
<v Wolfgang Adam>in der Tiefe, aber auch in der Breite haben.

01:09:32.592 --> 01:09:37.154
<v Wolfgang Adam>Und es ist sinnlos, die Detektoren sozusagen sehr viel kleiner zu machen als

01:09:37.154 --> 01:09:40.797
<v Wolfgang Adam>die Breite des Schauers. Das war die ursprüngliche Idee.

01:09:41.117 --> 01:09:43.339
<v Wolfgang Adam>Das bestimmte die Zahl der Kristalle.

01:09:45.981 --> 01:09:50.504
<v Wolfgang Adam>Und das ist der erste Teil des Kalorimeters. Und in diesem Teil,

01:09:50.504 --> 01:09:56.728
<v Wolfgang Adam>der genügt, um de facto alle Teilchen zu stoppen, die elektromagnetisch wechselwirken,

01:09:56.728 --> 01:09:58.229
<v Wolfgang Adam>also wir sind Elektronen und Photonen.

01:10:00.491 --> 01:10:04.173
<v Wolfgang Adam>Und andere Teilchen, Hadronen, die erzeugen größere Schauer und wir brauchen

01:10:04.173 --> 01:10:06.214
<v Wolfgang Adam>einen zweiten Kalorimeterteil dahinter.

01:10:06.975 --> 01:10:09.937
<v Tim Pritlove>Also die durchschlagen sozusagen auch noch diesen ersten Teil.

01:10:09.937 --> 01:10:13.139
<v Wolfgang Adam>Genau, die würden zwar einen Schauer beginnen im ersten Teil,

01:10:13.139 --> 01:10:20.264
<v Wolfgang Adam>aber der Schauer wäre so tief, dass er aus diesen Kristallen heraustritt und hinten raustritt.

01:10:20.264 --> 01:10:21.664
<v Tim Pritlove>Ohne einen Lichteffekt zu erzeugen?

01:10:23.146 --> 01:10:27.569
<v Wolfgang Adam>Nein, es wird Licht erzeugt, aber das Problem ist, dass nicht der gesamte Schauer

01:10:27.569 --> 01:10:29.230
<v Wolfgang Adam>enthalten sein wird in den Kristallen.

01:10:29.370 --> 01:10:34.874
<v Wolfgang Adam>Das geht danach weiter und dann haben wir einen zweiten Teil.

01:10:34.874 --> 01:10:39.618
<v Wolfgang Adam>Das beruhigt wieder auf dem Prinzip, dass wir dem Teilchen möglichst viel Material entgegenstellen.

01:10:41.060 --> 01:10:43.041
<v Wolfgang Adam>Aber in dem Fall ist das Messing.

01:10:46.639 --> 01:10:51.002
<v Wolfgang Adam>Es ist sozusagen ein Sandwich von Messing und wieder Zintillatoren.

01:10:52.043 --> 01:11:00.469
<v Wolfgang Adam>Zintillatoren, das ist ein Plastikmaterial und dort ist wieder dieselbe Idee.

01:11:00.469 --> 01:11:06.274
<v Wolfgang Adam>In dem Plastikmaterial entsteht Licht und man misst das Licht am Ende des Elements

01:11:06.274 --> 01:11:09.256
<v Wolfgang Adam>und aus der Quantität des Lichts schließt man.

01:11:09.256 --> 01:11:10.917
<v Tim Pritlove>Das ist also auch nochmal so eine zylindrische Struktur.

01:11:13.019 --> 01:11:17.402
<v Wolfgang Adam>Das generiert wieder eine zylindrische Struktur, die eben außerhalb des,

01:11:17.402 --> 01:11:19.884
<v Wolfgang Adam>die nächste Lage darstellt nach diesen Kristallen.

01:11:21.866 --> 01:11:25.388
<v Wolfgang Adam>Und wie viele Detektoren sind das dann?

01:11:26.109 --> 01:11:31.793
<v Wolfgang Adam>Das ist in großen Modulen strukturiert. Also wir haben einige hundert von den

01:11:31.793 --> 01:11:38.078
<v Wolfgang Adam>großen Modulen, aber in jedem Modul gibt es Glasfasern, die Teile des Moduls messen.

01:11:38.299 --> 01:11:42.041
<v Tim Pritlove>Ja, also ist das dann so wie bei dem ersten Zylinder, so 80.000 in der Größenordnung?

01:11:42.442 --> 01:11:46.385
<v Wolfgang Adam>Es ist in der Größenordnung. In diesem Teil braucht man etwas weniger Genauigkeit.

01:11:47.346 --> 01:11:49.688
<v Wolfgang Adam>Das heißt, man muss nicht so feine Elemente haben.

01:11:51.129 --> 01:11:55.492
<v Tim Pritlove>Gut, nur mal so ein Gefühl für die Datenpunkte zu bekommen, wie viel das so ist.

01:11:55.492 --> 01:11:56.653
<v Wolfgang Adam>Und dann gibt es einen...

01:11:56.653 --> 01:11:59.736
<v Tim Pritlove>Gibt es noch Teilchen, die diese Schicht dann auch noch überwinden können?

01:11:59.736 --> 01:12:03.418
<v Wolfgang Adam>Genau, dann gibt es die berühmten Myonern, die diese Schicht überwinden können.

01:12:03.418 --> 01:12:05.380
<v Tim Pritlove>Ah ja, okay, jetzt wird es spannend.

01:12:05.380 --> 01:12:12.125
<v Wolfgang Adam>Diese Myonen sind eingelagert, diese Detektoren sind eingelagert in dieses Rückflussjoch.

01:12:12.406 --> 01:12:16.369
<v Wolfgang Adam>Also ich habe davon gesprochen, dass wir das Magnetfeld sozusagen im Detektor

01:12:16.369 --> 01:12:19.231
<v Wolfgang Adam>zu halten, haben wir diese Stahlkonstruktion, die rundherum geht.

01:12:20.993 --> 01:12:26.617
<v Wolfgang Adam>Und in diese Stahlkonstruktion sind eingelagert, in Spalten in der Stahlkonstruktion

01:12:26.617 --> 01:12:31.180
<v Wolfgang Adam>sind Myonkammern eingelagert. Und in dem Fall sind das Gasdetektoren.

01:12:33.782 --> 01:12:38.933
<v Wolfgang Adam>Das sind Detektoren, Schichten mit verschiedenen Technologien,

01:12:38.933 --> 01:12:41.228
<v Wolfgang Adam>die mit einem Gas gefüllt sind.

01:12:42.629 --> 01:12:48.793
<v Wolfgang Adam>Wenn Teilchen durch das Gas durchlaufen, dann ionisieren sie Atome in dem Gas

01:12:48.793 --> 01:12:54.557
<v Wolfgang Adam>und man kann diese Ladungen durch elektrische Felder bewegen und dann messen.

01:12:56.539 --> 01:13:00.922
<v Wolfgang Adam>Diese Detektoren werden elektronisch ausgelesen, also de facto die Bewegung

01:13:00.922 --> 01:13:05.525
<v Wolfgang Adam>dieser Ladungen der Elektronen und der positiven Ionen, die dabei entstehen,

01:13:05.525 --> 01:13:09.948
<v Wolfgang Adam>die erzeugen elektrische Signale auf Elektroden und die werden dann ausgelesen.

01:13:10.929 --> 01:13:17.253
<v Wolfgang Adam>Dort ist es eben wichtig, dass wir mit vernünftigen Kosten eine sehr,

01:13:17.253 --> 01:13:22.337
<v Wolfgang Adam>sehr große Fläche abdecken können, In diesem Prinzip, dass eine Lage nach der

01:13:22.337 --> 01:13:25.822
<v Wolfgang Adam>anderen kommt, natürlich je weiter man nach außen kommt, desto größer wird die

01:13:25.822 --> 01:13:29.020
<v Wolfgang Adam>Fläche, die man abdecken muss. Gleichzeitig ist die,

01:13:30.132 --> 01:13:33.835
<v Wolfgang Adam>ist die Genauigkeit, die man dort erzielen muss, geringer.

01:13:35.717 --> 01:13:41.021
<v Wolfgang Adam>Das heißt, dort genügt uns ein Zehntel Millimeter oder etwas weniger.

01:13:42.442 --> 01:13:46.485
<v Wolfgang Adam>Und der Grund dafür ist, dass die Myonen, bis sie in diese Lage kommen,

01:13:46.485 --> 01:13:50.508
<v Wolfgang Adam>haben sie schon viel Material durchlaufen. Das Material wird sie zwar nicht

01:13:50.508 --> 01:13:55.271
<v Wolfgang Adam>stoppen, aber es wird leichte Ablenkung an der Bahn verursachen.

01:13:56.832 --> 01:14:02.275
<v Wolfgang Adam>Und das heißt, es ist sinnlos genauer zu messen als die typische Größenordnung

01:14:02.275 --> 01:14:03.476
<v Wolfgang Adam>dieser Ablenkung der Bahn.

01:14:04.637 --> 01:14:09.419
<v Wolfgang Adam>Zu den Myonen möchte ich vielleicht noch sagen, dass im Prinzip,

01:14:09.419 --> 01:14:15.282
<v Wolfgang Adam>so wie die CMS konzipiert wurde, um die Myoner zu messen, um zu wissen,

01:14:15.282 --> 01:14:18.464
<v Wolfgang Adam>dass es ein Myon ist, brauchen wir dieses Signal in den äußersten Detektorschichten.

01:14:19.925 --> 01:14:26.128
<v Wolfgang Adam>Aber die genaue Messung der Energie des Muons wird in CMS gemacht,

01:14:26.128 --> 01:14:32.971
<v Wolfgang Adam>dass wir den inneren Siliziumdetektor mit den Informationen aus diesen Muonsdetektoren verbinden.

01:14:35.173 --> 01:14:39.855
<v Tim Pritlove>Das erklärt jetzt auch warum dieser Muon, also warum das auch im Namen drinsteckt.

01:14:39.855 --> 01:14:45.279
<v Tim Pritlove>Weil es sozusagen ein Element in diesem großen Magnet mit drin ist und von daher

01:14:45.279 --> 01:14:49.181
<v Tim Pritlove>sozusagen so ein Major Design Prinzip darstellt sozusagen und nicht einfach

01:14:49.181 --> 01:14:52.823
<v Tim Pritlove>nur so ein bisschen Gerät, was man noch in die Mitte reingeworfen hat.

01:14:58.407 --> 01:15:01.208
<v Tim Pritlove>Also dieser Teilchen zu diesem Standardmodell ist ja wirklich...

01:15:02.962 --> 01:15:09.336
<v Tim Pritlove>Das kann ja sehr verwirrend sein. Was wir ja die ganze Zeit angerissen haben mit diesen Myonen.

01:15:12.299 --> 01:15:16.521
<v Tim Pritlove>Es gibt ja in diesem Standardmodell Klassifizierungen auf unterschiedlichen Dimensionen.

01:15:19.233 --> 01:15:25.827
<v Tim Pritlove>Wenn man erstmal generell so diese Quarks und Leptoden unterscheidet,

01:15:25.827 --> 01:15:29.829
<v Tim Pritlove>also das was sozusagen Protonen im wesentlichen baut sind die Quarks und der

01:15:29.829 --> 01:15:33.131
<v Tim Pritlove>Rest sind eben die Elektronen und Verwandte sozusagen.

01:15:34.893 --> 01:15:37.034
<v Tim Pritlove>Gibt es ja das dann alles noch dreimal.

01:15:38.895 --> 01:15:42.738
<v Tim Pritlove>Alles ist irgendwie dreimal vorhanden, hat dann andere Namen,

01:15:42.738 --> 01:15:49.582
<v Tim Pritlove>ähnliche Namen und warum es das jetzt alles dreimal gibt, weiß man nicht so

01:15:49.582 --> 01:15:53.344
<v Tim Pritlove>richtig und es gibt es dreimal, weil es dann unterschiedliche Massen hat.

01:15:55.026 --> 01:16:00.589
<v Wolfgang Adam>Das ist ganz klar eine der großen unbeantworteten Fragen in der Teilchenphysik,

01:16:00.589 --> 01:16:06.022
<v Wolfgang Adam>dass man im Moment keine Erklärung hat, warum es drei Generationen sein sollten.

01:16:06.653 --> 01:16:11.575
<v Wolfgang Adam>Diese Teilchen haben exakt die gleichen Eigenschaften, nur die Masse ist unterschiedlich. Genau.

01:16:11.575 --> 01:16:13.897
<v Tim Pritlove>Das heißt dieses Myon, von dem wir jetzt die ganze Zeit reden,

01:16:13.897 --> 01:16:18.489
<v Tim Pritlove>um das mal ein bisschen bekannter zu machen, ist eigentlich in seinem Wesen ein Elektron.

01:16:19.240 --> 01:16:22.111
<v Tim Pritlove>Es ist nur sehr viel schwerer als ein Elektron.

01:16:23.302 --> 01:16:27.004
<v Tim Pritlove>In welchem Faktor ist das schwerer, sehr viel schwerer?

01:16:27.004 --> 01:16:30.566
<v Wolfgang Adam>200 Faktor, 1000, 2000, ca.

01:16:32.817 --> 01:16:39.310
<v Wolfgang Adam>2000. Ca. 2000 sind 500 Kiloelektronvolt und 100 Megelektronvolt.

01:16:42.872 --> 01:16:46.816
<v Tim Pritlove>Ja, wie auch immer. Auf jeden Fall ist sehr viel schwerer, aber ist ansonsten wie so.

01:16:47.716 --> 01:16:54.281
<v Tim Pritlove>Warum gibt's da, also das wissen wir nicht, aber warum ist man da jetzt so drauf abgefahren?

01:16:54.281 --> 01:16:54.641
<v Wolfgang Adam>200 Stimmen.

01:16:57.244 --> 01:17:03.629
<v Tim Pritlove>Genau, aber es gibt ja auch noch ein drittes, was dann nochmal extrem viel schwerer

01:17:03.629 --> 01:17:05.009
<v Tim Pritlove>ist, das ist dann das Tauon.

01:17:06.431 --> 01:17:07.932
<v Wolfgang Adam>Genau, das Tauon oder Taulepton.

01:17:10.654 --> 01:17:11.715
<v Tim Pritlove>Das sieht man aber nicht.

01:17:12.236 --> 01:17:14.277
<v Wolfgang Adam>Oh ja, das produzieren wir ebenfalls.

01:17:16.639 --> 01:17:17.980
<v Tim Pritlove>Kann das auch detektiert werden?

01:17:18.340 --> 01:17:23.024
<v Wolfgang Adam>Natürlich, wir detektieren das. Das einzige Problem, es ist schwerer zu detektieren,

01:17:23.024 --> 01:17:28.368
<v Wolfgang Adam>das Elektronen und Myonen, weil es nämlich relativ instabil ist.

01:17:29.629 --> 01:17:32.811
<v Wolfgang Adam>Elektronen sind stabile Teilchen, da gibt es kein Problem.

01:17:35.795 --> 01:17:39.319
<v Wolfgang Adam>Myonen zerfallen, aber die Lebensdauer eines Myons ist so groß,

01:17:39.319 --> 01:17:43.304
<v Wolfgang Adam>dass sie auf jeden Fall den Detektor verlassen werden, bevor sie zerfallen.

01:17:44.746 --> 01:17:50.774
<v Wolfgang Adam>Dagegen haben Daunen, eben weil sie schwer sind, eine relativ kurze Lebenszeit.

01:17:51.485 --> 01:17:57.129
<v Wolfgang Adam>Und das heißt, die würden schon in den ersten Zentimetern des Detektors zerfallen.

01:17:57.129 --> 01:18:03.473
<v Wolfgang Adam>Das heißt wir werden kein Dow-Lapton als solches durch den Detektor fliegen sehen,

01:18:03.473 --> 01:18:08.376
<v Wolfgang Adam>sondern das Dow-Lapton kann in verschiedene Konfigurationen zerfallen und um

01:18:08.376 --> 01:18:12.439
<v Wolfgang Adam>die Dow-Laptonen zu identifizieren müssen wir eben die Sekundärteilchen,

01:18:12.439 --> 01:18:14.860
<v Wolfgang Adam>in die das Dow-Lapton zerfallen ist, identifizieren.

01:18:16.342 --> 01:18:21.105
<v Tim Pritlove>Also man weiß schon, dass es da war, aber man sieht es nicht als sollte so.

01:18:21.105 --> 01:18:22.206
<v Wolfgang Adam>Es ist schwieriger zu sehen, ja.

01:18:22.206 --> 01:18:26.829
<v Tim Pritlove>Ok, verstehe. Und warum ist man dann jetzt so scharf drauf?

01:18:27.990 --> 01:18:34.794
<v Tim Pritlove>Also was kann man, was meint man oder was kann man denn sozusagen daraus ableiten,

01:18:34.794 --> 01:18:38.597
<v Tim Pritlove>dass jetzt sozusagen dieses Myon da ist?

01:18:39.918 --> 01:18:49.965
<v Wolfgang Adam>Ja, wie gesagt, eine direkte Erklärung, warum es eben diese drei Generationen gibt, haben wir nicht.

01:18:51.686 --> 01:18:57.080
<v Wolfgang Adam>Aber das, wie gesagt, unser derzeitiges Standardmodell,

01:18:57.080 --> 01:19:01.553
<v Wolfgang Adam>mathematisches Modell, mit dem wir die Teilchen und die Kräfte zwischen den

01:19:01.553 --> 01:19:06.537
<v Wolfgang Adam>Teilchen beschreiben, setzt eben voraus, dass sich diese drei Generationen gleich

01:19:06.537 --> 01:19:08.519
<v Wolfgang Adam>verhalten, bis auf die Masse.

01:19:08.999 --> 01:19:12.722
<v Wolfgang Adam>Und das ist zum Beispiel ein interessanter Teil des Forschungsgebietes,

01:19:12.722 --> 01:19:16.885
<v Wolfgang Adam>um zu überprüfen, möglichst gut zu überprüfen, ob das wirklich der Fall ist.

01:19:17.506 --> 01:19:22.813
<v Wolfgang Adam>Weil wenn es nicht der Fall wäre, das würde das Ansatz geben,

01:19:22.813 --> 01:19:24.515
<v Wolfgang Adam>um neue Theorien zu entwickeln.

01:19:28.060 --> 01:19:31.962
<v Wolfgang Adam>Und deswegen, das ist natürlich ein Grund, sie zu messen. Der andere Grund,

01:19:31.962 --> 01:19:35.064
<v Wolfgang Adam>sie zu messen, ist, dass es einfach zusätzliche Möglichkeiten gibt,

01:19:35.064 --> 01:19:39.588
<v Wolfgang Adam>um andere Teilchen zu vermessen oder zu entdecken.

01:19:40.989 --> 01:19:46.392
<v Wolfgang Adam>Weil sehr oft, eben dadurch, dass die Elektronen Myon und Olepton dieselben

01:19:46.392 --> 01:19:50.035
<v Wolfgang Adam>Eigenschaften haben, kann ein Teilchen, das in Elektronen zerfallen kann oder

01:19:50.035 --> 01:19:54.578
<v Wolfgang Adam>in Myonen zerfallen kann, auch in die jeweils anderen Teilchen zerfallen.

01:19:54.799 --> 01:19:59.662
<v Wolfgang Adam>Das heißt, wir können dieses zerfallende Teilchen genau untersuchen.

01:20:00.122 --> 01:20:03.444
<v Wolfgang Adam>Wir haben mehr Möglichkeiten, wenn wir alle drei Zerfallsmodi untersuchen.

01:20:06.908 --> 01:20:09.769
<v Tim Pritlove>Old Myon spielt auch eine Rolle bei der Detektion des Higgs-Bosons?

01:20:11.491 --> 01:20:12.632
<v Wolfgang Adam>Zum Beispiel, ja.

01:20:16.215 --> 01:20:21.738
<v Wolfgang Adam>Genau, das Higgs-Boson kann in sehr viele unterschiedliche Arten zerfallen.

01:20:23.780 --> 01:20:29.384
<v Wolfgang Adam>Und eine dieser Arten ist, dass es de facto zuerst in zwei Z-Posonen,

01:20:29.384 --> 01:20:32.767
<v Wolfgang Adam>das sind die Vermittler der schwachen Wechselwirkung übrigens, zerfällt.

01:20:33.587 --> 01:20:37.931
<v Wolfgang Adam>Und diese Posonen können dann wieder in Leptonen zerfallen, zum Beispiel.

01:20:37.931 --> 01:20:40.713
<v Wolfgang Adam>Auch in Quarks, aber sie können auch in Leptonen zerfallen.

01:20:42.735 --> 01:20:45.897
<v Wolfgang Adam>Und sie können zum Beispiel in zwei Myonen zerfallen. Es könnte jedes dieser

01:20:45.897 --> 01:20:47.938
<v Wolfgang Adam>zwei Z-Posonen dann in zwei Myonen zerfallen.

01:20:48.439 --> 01:20:51.521
<v Wolfgang Adam>Und warum uns das besonders interessiert, ist einfach, weil wir die Myonen,

01:20:51.521 --> 01:20:53.862
<v Wolfgang Adam>das ist wirklich das Objekt, das wir am besten messen können.

01:20:54.683 --> 01:21:00.346
<v Wolfgang Adam>Sie können auch in Detektoren zerfallen, andere Teilchen, aber der Zerfall in

01:21:00.346 --> 01:21:05.390
<v Wolfgang Adam>insgesamt vier Myonen ist das, was wir normalerweise einen goldenen Kanal nennen.

01:21:05.390 --> 01:21:09.812
<v Wolfgang Adam>Das heißt, das ist wirklich die Art und Weise, die wir am besten messen können.

01:21:09.812 --> 01:21:11.093
<v Tim Pritlove>Ah ja, okay, verstehe.

01:21:12.534 --> 01:21:17.758
<v Wolfgang Adam>Voraussetzung ist natürlich, dass wir alle vier Myonen in einer Zone des Detektors

01:21:17.758 --> 01:21:18.898
<v Wolfgang Adam>sind, die wir sehen können.

01:21:20.260 --> 01:21:23.041
<v Wolfgang Adam>Und warum ist es wichtig, dass man die so genau messen kann,

01:21:23.041 --> 01:21:29.164
<v Wolfgang Adam>ist, weil wir dann aus den, wenn wir die Energien und Richtungen der Virmionen

01:21:29.164 --> 01:21:34.007
<v Wolfgang Adam>bestimmen, können wir zurückrechnen, die Masse des Teilchens, die zerfallen ist.

01:21:34.767 --> 01:21:39.330
<v Wolfgang Adam>Das ist, wie wir überhaupt versuchen, typischerweise neue Teilchen zu finden.

01:21:40.631 --> 01:21:44.913
<v Wolfgang Adam>Es gibt Energiehaltung, d.h. wenn ein schweres Teilchen zerfällt,

01:21:44.913 --> 01:21:50.536
<v Wolfgang Adam>muss die Masse, also Masse und Energie der Zerfallsprodukte,

01:21:50.536 --> 01:21:54.178
<v Wolfgang Adam>aus denen kann man wieder die Masse des ursprünglichen Teilchens zurückrechnen.

01:21:55.319 --> 01:21:59.643
<v Wolfgang Adam>Und man sollte sagen, am LHC, wir haben immer sehr viel...

01:22:01.106 --> 01:22:04.708
<v Wolfgang Adam>Untergrund. Das heißt, wir suchen ein bestimmtes Ereignis, einen bestimmten

01:22:04.708 --> 01:22:09.552
<v Wolfgang Adam>Typ von Ereignis, aber es gibt immer andere Prozesse, die etwas Ähnliches produzieren.

01:22:11.174 --> 01:22:15.597
<v Wolfgang Adam>Aber dadurch, dass wir diese Masse rekonstruieren können, ist dieser Untergrund,

01:22:15.597 --> 01:22:17.478
<v Wolfgang Adam>der ist normalerweise einfach zufällig verteilt.

01:22:20.241 --> 01:22:24.844
<v Wolfgang Adam>Und wenn es wirklich ein neues Teilchen ist, wie das X-Boson im Jahr 2012,

01:22:25.985 --> 01:22:32.590
<v Wolfgang Adam>dann sehen wir, dann werden die berechneten Massen, werden immer dort an der

01:22:32.590 --> 01:22:34.971
<v Wolfgang Adam>echten Masse des neuen Teilchens sitzen.

01:22:35.812 --> 01:22:39.474
<v Wolfgang Adam>Das heißt, wenn wir das ansehen, dann gibt es eben diesen Untergrund,

01:22:39.474 --> 01:22:43.297
<v Wolfgang Adam>der verteilt ist und über diesem Untergrund werden wir beginnen ein Signal zu

01:22:43.297 --> 01:22:47.060
<v Wolfgang Adam>sehen, dass auf einer bestimmten Stelle immer mehr Ereignisse sind,

01:22:47.060 --> 01:22:49.301
<v Wolfgang Adam>die genau diesen Wert haben.

01:22:49.301 --> 01:22:53.204
<v Wolfgang Adam>Das ist wie das X-Boson gefunden wurde und das ist auch die Methode,

01:22:53.204 --> 01:22:54.485
<v Wolfgang Adam>um nach anderen Teilchen zu suchen.

01:22:54.485 --> 01:22:58.428
<v Tim Pritlove>Genau, weil am Ende ist es ja alles eine statistische Betrachtung,

01:22:58.428 --> 01:23:02.411
<v Tim Pritlove>jede Kollision ist anders, immer wieder passiert irgendwas,

01:23:02.411 --> 01:23:05.233
<v Tim Pritlove>aber mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit passieren halt bestimmte Dinge

01:23:05.233 --> 01:23:08.195
<v Tim Pritlove>häufiger und wenn man das dann eben einfach über Wochen,

01:23:08.195 --> 01:23:13.859
<v Tim Pritlove>Monate und Milliarden an Beobachtungen zusammensummiert und plottet,

01:23:13.859 --> 01:23:17.001
<v Tim Pritlove>dann entstehen halt diese Grafiken, wo so eine kleine Spitze ist,

01:23:17.001 --> 01:23:20.883
<v Tim Pritlove>die halt so einen ganzen Raum voller Wissenschaftler total zum Schreien bringen,

01:23:20.883 --> 01:23:23.045
<v Tim Pritlove>weil das dann einfach total irre ist.

01:23:23.045 --> 01:23:26.608
<v Tim Pritlove>Und alle anderen fragen sich nur so, was passiert hier eigentlich gerade?

01:23:29.730 --> 01:23:32.392
<v Tim Pritlove>Aber das kennt man ja auch aus anderen Sportarten. Also Leute,

01:23:32.392 --> 01:23:34.753
<v Tim Pritlove>die mit Fußball nichts zu tun haben, wundern sich ja dann auch mal wieder,

01:23:34.753 --> 01:23:36.494
<v Tim Pritlove>was die anderen alle so begeistert.

01:23:37.936 --> 01:23:40.998
<v Wolfgang Adam>Ja, aber etwas zu finden, was man 60 Jahre lang gesucht hat,

01:23:40.998 --> 01:23:43.860
<v Wolfgang Adam>das kann etwas Begeisterung auslösen. Genau.

01:23:45.998 --> 01:23:51.010
<v Tim Pritlove>Jetzt kommen wir vielleicht so langsam zum Ende und die große Frage ist ja halt immer,

01:23:51.010 --> 01:23:58.993
<v Tim Pritlove>wie kann das alles dazu beitragen jetzt auch wirklich was neues zu finden und

01:23:58.993 --> 01:24:03.395
<v Tim Pritlove>vielleicht neu ist ja dann auch immer so ein dehnbarer Begriff,

01:24:03.395 --> 01:24:07.517
<v Tim Pritlove>also das Higgs Boson war ja nicht in dem Sinne neu, als dass es auf einmal so

01:24:07.517 --> 01:24:09.858
<v Tim Pritlove>da war und man gesagt, oh Holla was ist das denn?

01:24:10.278 --> 01:24:14.360
<v Tim Pritlove>Sondern das war ja quasi eine Suche nach 60 Jahren, weil es eben diese Theorie

01:24:14.360 --> 01:24:19.302
<v Tim Pritlove>gab, wenn es das gäbe, dann würde auf einmal alles zusammenpassen.

01:24:20.662 --> 01:24:24.924
<v Tim Pritlove>Alles was wir bisher beobachtet haben, haben wir sozusagen in dieses Standardmodell

01:24:24.924 --> 01:24:29.486
<v Tim Pritlove>eingefügt, da fehlte dann aber irgendwie noch so ein Slot und man hat immer

01:24:29.486 --> 01:24:32.067
<v Tim Pritlove>so gehofft, dass es das auch gibt, weil dann passt alles zusammen,

01:24:32.067 --> 01:24:34.488
<v Tim Pritlove>weil wenn es das nicht gibt, dann passt gar nichts mehr zusammen.

01:24:34.848 --> 01:24:39.850
<v Tim Pritlove>Dann müsste man sich was Neues ausdenken und bisher ist noch keinem was anderes eingefallen.

01:24:40.951 --> 01:24:47.154
<v Wolfgang Adam>Naja es gibt einige andere Ansätze, aber es war klar der einfachste Ansatz um

01:24:47.154 --> 01:24:51.516
<v Wolfgang Adam>das zu finden und deswegen war es spannend um zu sehen ob dieser Ansatz auch

01:24:51.516 --> 01:24:52.496
<v Wolfgang Adam>wirklich realistisch ist.

01:24:52.496 --> 01:24:55.198
<v Tim Pritlove>Ich denke es ist ja auch alles gebaut worden. Deswegen hat man den LAC gebaut,

01:24:55.198 --> 01:24:57.603
<v Tim Pritlove>deswegen hat man diese Energien versucht aufzubauen,

01:24:57.603 --> 01:25:01.441
<v Tim Pritlove>weil man halt einfach so ein gewisses Target hat und sagt okay das ist so der

01:25:01.441 --> 01:25:04.542
<v Tim Pritlove>Energiebedarf den wir benötigen und wenn wir das dann lange genug beobachten,

01:25:04.542 --> 01:25:07.744
<v Tim Pritlove>dann haben wir vielleicht eben diese Auffälligkeit und CMS ist einer von den

01:25:07.744 --> 01:25:13.427
<v Tim Pritlove>beiden Detektoren, die das eben mit der hier beschriebenen Technik beobachtet

01:25:13.427 --> 01:25:15.628
<v Tim Pritlove>haben, die Statistiken gemacht hat.

01:25:17.289 --> 01:25:21.641
<v Tim Pritlove>Atlas das andere, was im Prinzip dasselbe in grün gemacht hat und dann werden

01:25:21.641 --> 01:25:24.933
<v Tim Pritlove>wir halt auch nochmal drüber reden, wie das dort funktioniert und der Vergleich

01:25:24.933 --> 01:25:27.275
<v Tim Pritlove>dieser beiden Ergebnisse hat dann eben diese Gewissheit gebracht.

01:25:27.995 --> 01:25:33.299
<v Tim Pritlove>So jetzt ist das aber sozusagen aus dem Rennen, Higgs ist jetzt alter Käse.

01:25:35.040 --> 01:25:35.660
<v Wolfgang Adam>Absolut nicht.

01:25:36.661 --> 01:25:40.423
<v Tim Pritlove>Es wird natürlich nach wie vor noch weiter geguckt nach Higgs oder?

01:25:40.423 --> 01:25:46.467
<v Wolfgang Adam>Wir stehen eigentlich am Anfang der Reise, weil Entdeckung heißt,

01:25:46.467 --> 01:25:52.230
<v Wolfgang Adam>dass wir die ersten überzeugenden Zeichen für die Existenz eines Teilchens gefunden haben.

01:25:53.492 --> 01:25:58.194
<v Wolfgang Adam>Aber was jetzt gemacht wird, ist zu überprüfen, was wir wissen.

01:25:58.194 --> 01:26:04.188
<v Wolfgang Adam>Wir haben ein Teilchen gefunden. Das Teilchen entspricht in etwa den Erwartungen der Theorie.

01:26:05.099 --> 01:26:11.663
<v Wolfgang Adam>Aber was wir jetzt machen ist, um die detaillierten Vorhersagen der Theorie

01:26:11.663 --> 01:26:13.945
<v Wolfgang Adam>zu überprüfen und zu sehen, ob dieses

01:26:13.945 --> 01:26:18.628
<v Wolfgang Adam>Higgs-Teilchen wirklich genau das Higgs-Teilchen dieses Modells ist.

01:26:19.169 --> 01:26:20.890
<v Wolfgang Adam>Und das ist eben ein langfristiges Programm.

01:26:22.612 --> 01:26:28.517
<v Wolfgang Adam>Das Higgs-Feld gibt eben Masse an die Teilchen und das hängt damit zusammen,

01:26:28.517 --> 01:26:31.790
<v Wolfgang Adam>wie stark sozusagen diese Teilchen mit dem Higgs-Boson reden. und.

01:26:34.322 --> 01:26:38.825
<v Wolfgang Adam>Das bedingt auch, wie oft ein Higgs-Boson aus diesen Teilchen erzeugt werden

01:26:38.825 --> 01:26:42.809
<v Wolfgang Adam>kann oder wie oft ein Higgs-Boson in diese Teilchen zerfallen wird.

01:26:43.769 --> 01:26:47.812
<v Wolfgang Adam>Und die Vorhersage des Standard-Modells, dieses Modells ist eben,

01:26:47.812 --> 01:26:53.457
<v Wolfgang Adam>dass diese Wechselwirkung immer schwächer wird, je leichter Teilchen werden.

01:26:54.438 --> 01:26:58.260
<v Wolfgang Adam>Und dementsprechend werden die leichteren Teilchen auch seltener im Zerfall

01:26:58.260 --> 01:26:59.581
<v Wolfgang Adam>eines Higgs-Bosons vorkommen.

01:27:01.023 --> 01:27:05.946
<v Wolfgang Adam>Und die Entdeckung des X-Bosons wurde im Wesentlichen getragen durch den Zerfall

01:27:05.946 --> 01:27:12.371
<v Wolfgang Adam>in zwei Arten, eben in zwei Z-Bosonen oder ein Zerfall in zwei Photonen.

01:27:13.712 --> 01:27:17.915
<v Wolfgang Adam>Jetzt kann man sich fragen, Sie haben gesagt, dass das X hängt mit Masse zusammen.

01:27:18.706 --> 01:27:22.918
<v Wolfgang Adam>Das X gibt eigentlich die Masse. Photonen sind bekannterweise masselos.

01:27:24.300 --> 01:27:32.285
<v Wolfgang Adam>Also wie kann ein Higgs-Boson in Photonen zerfallen? Und das geschieht in der Beschreibung,

01:27:32.285 --> 01:27:36.948
<v Wolfgang Adam>die wir von der Natur in der Quantenfeldtheorie haben, dass da einfach ein komplizierter

01:27:36.948 --> 01:27:41.331
<v Wolfgang Adam>Prozess aufgetreten ist, dass das Higgs ursprünglich in zwei andere Teilchen

01:27:41.331 --> 01:27:44.934
<v Wolfgang Adam>zerfallen ist und diese Teilchen dann zwei Photonen erzeugt haben.

01:27:47.636 --> 01:27:53.319
<v Wolfgang Adam>Und in Wirklichkeit hängt das sehr stark zusammen mit dem zerfallen SIX-Bosons

01:27:53.319 --> 01:27:57.462
<v Wolfgang Adam>in zwei virtuelle Topquarks, also in schwere Teilchen.

01:27:58.703 --> 01:28:04.147
<v Wolfgang Adam>Und im Prinzip haben wir jetzt gemessen und wir haben überzeugende Messungen,

01:28:04.147 --> 01:28:07.009
<v Wolfgang Adam>dass der SIX eben in Z-Bosonen zerfallen kann,

01:28:07.009 --> 01:28:12.052
<v Wolfgang Adam>in W-Bosonen zerfallen kann, dass der SIX mit Topquarks redet,

01:28:12.052 --> 01:28:17.516
<v Wolfgang Adam>dass der SIX, also direkt in Topquarks, in zwei Topquarks kann der SIX nicht

01:28:17.516 --> 01:28:20.278
<v Wolfgang Adam>zerfallen, weil der SIX einfach zu leicht ist.

01:28:20.278 --> 01:28:25.181
<v Wolfgang Adam>Die zwei Top Quarks zusammen werden schwerer als das X-Poson und deswegen kann

01:28:25.181 --> 01:28:26.222
<v Wolfgang Adam>es nicht direkt zerfallen.

01:28:26.422 --> 01:28:31.885
<v Wolfgang Adam>Aber es kann trotzdem in der Produktion und im Zerfall auf indirekte Arten mit

01:28:31.885 --> 01:28:33.006
<v Wolfgang Adam>diesen Top Quarks reden.

01:28:33.646 --> 01:28:36.407
<v Wolfgang Adam>Wir haben den Zerfall in B, Quarks.

01:28:40.173 --> 01:28:45.177
<v Wolfgang Adam>Und die berühmten Dow-Leptonen. Das sind alles de facto die schwersten Teilchen, die wir kennen.

01:28:46.178 --> 01:28:51.782
<v Wolfgang Adam>Aber um jetzt überzeugt zu sein, dass dieser Mechanismus der Stärke der Wechselwirkung

01:28:51.782 --> 01:28:57.546
<v Wolfgang Adam>mit Masse wirklich funktioniert, sollten wir auch sehen, ob es mit den leichteren Teilchen redet.

01:28:58.367 --> 01:29:03.791
<v Wolfgang Adam>Und wir haben jetzt in CMS, wir haben mit den Daten aus den letzten Jahren das

01:29:03.791 --> 01:29:11.056
<v Wolfgang Adam>erste Mal einen Hinweis dafür gesehen, dass das X-Boson direkt in zwei Myonen zerfallen kann.

01:29:11.657 --> 01:29:16.580
<v Wolfgang Adam>Das ist schon jetzt ein großer Sprung in der Masse, weil, wie schon gesagt wurde,

01:29:16.580 --> 01:29:20.322
<v Wolfgang Adam>die Myonen sind sehr viel leichter als die Dauleptonen zum Beispiel,

01:29:20.322 --> 01:29:24.065
<v Wolfgang Adam>auch sehr viel leichter als Z-Bosonen oder W-Bosonen. Das heißt,

01:29:24.065 --> 01:29:25.146
<v Wolfgang Adam>da ist ein großer Sprung.

01:29:27.227 --> 01:29:30.770
<v Wolfgang Adam>Wir haben eben Hinweise dafür, noch nicht auf dem Niveau,

01:29:30.770 --> 01:29:35.593
<v Wolfgang Adam>das wir typischerweise in der gleichen Physik Entdeckungsniveau nennen,

01:29:35.593 --> 01:29:41.177
<v Wolfgang Adam>diese berühmten 5 Sigma statistische Wahrscheinlichkeit, also Wahrscheinlichkeit

01:29:41.177 --> 01:29:46.600
<v Wolfgang Adam>von weniger als 1 zu 1 Million, dass das einfach eine Fluktuation war.

01:29:47.241 --> 01:29:52.234
<v Wolfgang Adam>Aber das steht auf unserem Programm und auch zur Fälle in andere leichte Teilchen,

01:29:52.234 --> 01:29:55.787
<v Wolfgang Adam>um eben das vollkommen zu überprüfen, das Modell.

01:29:56.387 --> 01:30:03.932
<v Wolfgang Adam>Und dann auf einer etwas längeren Zeitskala ist die Frage, wie das Higgs mit

01:30:03.932 --> 01:30:05.132
<v Wolfgang Adam>sich selbst redet und...

01:30:08.870 --> 01:30:10.531
<v Tim Pritlove>Teilchen reden auch mit sich selbst.

01:30:10.531 --> 01:30:19.473
<v Wolfgang Adam>Ja, es kann ein Higgs-Boson zum Beispiel in zwei Higgs-Bosonen zerfallen und

01:30:19.473 --> 01:30:24.842
<v Wolfgang Adam>zwei Higgs-Bosonen produzieren in seinem Zerfall.

01:30:25.263 --> 01:30:31.547
<v Wolfgang Adam>Und das Interessante daran ist, dass das Higgs-Boson ursprünglich erfunden wurde,

01:30:31.547 --> 01:30:36.491
<v Wolfgang Adam>um zu erklären, warum diese W- und Z-Bosonen, für die es in den 80er Jahren

01:30:36.491 --> 01:30:40.034
<v Wolfgang Adam>den Nobelpreis gegeben hat und die die schwache Wechselwirkung erklären,

01:30:40.034 --> 01:30:44.857
<v Wolfgang Adam>warum die nicht wie das Photon masselos sind, sondern warum sie eine Masse haben,

01:30:44.857 --> 01:30:46.458
<v Wolfgang Adam>eine ziemlich hohe Masse sogar.

01:30:48.039 --> 01:30:50.340
<v Wolfgang Adam>Und das läuft unter dem Konzept der Symmetriebrechung.

01:30:52.362 --> 01:31:00.367
<v Wolfgang Adam>Es gibt da in Symmetrienstellen einen sehr wichtigen Bestandteil aller modernen

01:31:00.367 --> 01:31:01.588
<v Wolfgang Adam>Theorien der Teilchenphysik vor.

01:31:05.611 --> 01:31:09.713
<v Wolfgang Adam>Symmetrien können so etwas wie die einfache Links-Rechts-Spiegelsymmetrie sein,

01:31:09.713 --> 01:31:13.756
<v Wolfgang Adam>die wir kennen, aber es kann auch Symmetrien in anderen Formen geben,

01:31:13.756 --> 01:31:18.449
<v Wolfgang Adam>die zum Beispiel, das wäre sozusagen eine Art Spiegeleffekt,

01:31:18.449 --> 01:31:21.601
<v Wolfgang Adam>die zum Beispiel ein Teilchen in ein anderes Teilchen verwandeln könnte und

01:31:21.601 --> 01:31:23.042
<v Wolfgang Adam>dadurch ihre Ähnlichkeit erklärt.

01:31:25.955 --> 01:31:28.886
<v Wolfgang Adam>Und jedenfalls, das Higgs-Poson hat eben diese spezielle Eigenschaft,

01:31:28.886 --> 01:31:33.869
<v Wolfgang Adam>Eigenschaft, dass es eine gewisse Symmetrie bricht, also dazu führt,

01:31:33.869 --> 01:31:37.192
<v Wolfgang Adam>dass die Symmetrie nicht mehr vollkommen respektiert wird.

01:31:37.633 --> 01:31:40.675
<v Wolfgang Adam>Und das gibt diesen W- und Z-Posonen die Masse.

01:31:42.517 --> 01:31:47.882
<v Wolfgang Adam>Und das hängt sehr stark davon zusammen, eben wie stark dieses X-Poson sozusagen mit sich selbst redet.

01:31:48.483 --> 01:31:52.126
<v Wolfgang Adam>Und das ist ein Programm, das ist sehr schwierig zu messen. Das ist ein Prozess,

01:31:52.126 --> 01:31:59.833
<v Wolfgang Adam>der noch viel seltener ist, als was wir im Moment schon messen und die,

01:32:01.644 --> 01:32:05.586
<v Wolfgang Adam>Und das wird wirklich ein Programm sein für die nächsten Jahre,

01:32:05.586 --> 01:32:10.889
<v Wolfgang Adam>für die zukünftige Phase des LACs und dann sogar, wahrscheinlich um Präzise

01:32:10.889 --> 01:32:16.693
<v Wolfgang Adam>zu messen, auch für die nächste Beschleuniger-Generation, die nachher kommen werden.

01:32:17.393 --> 01:32:23.937
<v Tim Pritlove>Okay, also man ist quasi auf der Mission, also nachdem man sich sicher war,

01:32:23.937 --> 01:32:29.440
<v Tim Pritlove>dass Higgs-Prinzip das existiert, das ist da, das ist messbar,

01:32:29.440 --> 01:32:33.342
<v Tim Pritlove>das entspricht so gut den Vorhersagen und wir haben es auch aus den statistischen

01:32:33.342 --> 01:32:36.964
<v Tim Pritlove>Daten mit der statistischen Sicherheit herauslesen können.

01:32:36.964 --> 01:32:41.307
<v Tim Pritlove>Da ist was, geht es jetzt im Wesentlichen darum zu sagen, wie verhält es sich

01:32:41.307 --> 01:32:43.749
<v Tim Pritlove>jetzt genau, was hat das für eine Auswirkung.

01:32:45.291 --> 01:32:48.482
<v Tim Pritlove>Das ist jetzt sehr kompliziert zu verstehen, dieser ganze Bereich.

01:32:49.674 --> 01:32:53.476
<v Tim Pritlove>Aber eine Sache wollte ich mal kurz rausgreifen, weil das irgendwie eben viel,

01:32:53.476 --> 01:32:57.139
<v Tim Pritlove>also wenn wir jetzt den Begriff Wechselwirkung hier mit reinnehmen,

01:32:57.139 --> 01:33:01.362
<v Tim Pritlove>hab ich ja vorhin schon auch angesprochen, da haben wir es ja sozusagen mit

01:33:01.362 --> 01:33:03.564
<v Tim Pritlove>diesen Naturkräften zu tun.

01:33:05.365 --> 01:33:12.878
<v Tim Pritlove>Schwache Kernkraft durch diese WZ-Versionen, die elektromagnetische Kraft durch dieses Photon,

01:33:12.878 --> 01:33:20.132
<v Tim Pritlove>die starke Kernkraft durch diese Gluon, die dann halt irgendwie Lepton und Quark

01:33:20.132 --> 01:33:22.292
<v Tim Pritlove>irgendwie zusammenbacken oder auch nicht. Und...

01:33:23.865 --> 01:33:29.549
<v Tim Pritlove>Dann gibt's halt noch dieses Higgs. Und jetzt hast du aber auch diesen Begriff

01:33:29.549 --> 01:33:34.713
<v Tim Pritlove>Wechselwirkung in den Mund genommen, wenn man sagt, wie Higgs jetzt sozusagen

01:33:34.713 --> 01:33:35.673
<v Tim Pritlove>mit den anderen interagiert.

01:33:36.794 --> 01:33:40.687
<v Tim Pritlove>Heißt das, dass man dann sozusagen, also ist das dann sozusagen noch eine weitere

01:33:40.687 --> 01:33:45.601
<v Tim Pritlove>Kraft, die wir so bisher so nicht auf dem Zeiger haben oder reden wir jetzt

01:33:45.601 --> 01:33:50.164
<v Tim Pritlove>hier von einer anderen Wirkung, die nicht auf dem Level sich abspielt?

01:33:51.455 --> 01:33:54.377
<v Wolfgang Adam>Ich würde das nicht als Kraft bezeichnen. Es ist einfach nur,

01:33:54.377 --> 01:34:01.392
<v Wolfgang Adam>dass es Prozesse gibt, in denen Higgs-Boson und andere Teilchen vorkommen und

01:34:01.392 --> 01:34:05.874
<v Wolfgang Adam>die dann… Also nicht jede Wechselwirkung ist eine Kraft, aber jede Kraft ist eine Wechselwirkung?

01:34:06.455 --> 01:34:08.216
<v Wolfgang Adam>Ja, das könnte man vielleicht so sagen.

01:34:09.658 --> 01:34:13.760
<v Wolfgang Adam>Aber was man vielleicht zum Programm mit dem Higgs-Boson noch hinzufügen sollte,

01:34:13.760 --> 01:34:20.224
<v Wolfgang Adam>ist, dass das Higgs-Boson auch sehr interessant ist, um mögliche neue Effekte zu studieren.

01:34:21.206 --> 01:34:24.648
<v Wolfgang Adam>Wir haben noch nicht erwähnt, dass das Standardmodell, dass wir sehr zufrieden

01:34:24.648 --> 01:34:28.931
<v Wolfgang Adam>sind, dass wir dieses letzte Teilchen des Standardmodells gefunden haben.

01:34:30.093 --> 01:34:33.235
<v Wolfgang Adam>Aber wir wissen, dass es nicht vollständig sein kann.

01:34:33.635 --> 01:34:38.239
<v Wolfgang Adam>Und da gibt es einen starken Zusammenhang mit Kosmologie und dem,

01:34:38.239 --> 01:34:44.884
<v Wolfgang Adam>was wir im Universum beobachten, weil zwei der großen Fragen in der Entwicklung des Universums sind,

01:34:45.345 --> 01:34:51.829
<v Wolfgang Adam>warum es einen Unterschied zwischen Teilchen und Antiteilchen gibt und was es

01:34:51.829 --> 01:34:54.931
<v Wolfgang Adam>mit dieser berühmten dunklen Materie im Universum an sich hat.

01:34:59.154 --> 01:35:01.655
<v Wolfgang Adam>Und beide Themenbereiche hängen mit Teilchenphysik zusammen,

01:35:01.655 --> 01:35:05.117
<v Wolfgang Adam>weil der Unterschied zwischen Teilchen und Antiteilchen,

01:35:05.117 --> 01:35:09.540
<v Wolfgang Adam>das ist etwas, was man messen kann in verschiedenen Arten, auch am LHC,

01:35:09.540 --> 01:35:16.945
<v Wolfgang Adam>Und die dunkle Materie, es ist sehr plausibel, dass die dunkle Materie de facto

01:35:16.945 --> 01:35:18.986
<v Wolfgang Adam>aus Teilchen besteht, die wir noch nicht kennen.

01:35:19.918 --> 01:35:25.581
<v Wolfgang Adam>Und wo kommt das Higgs da hinein? In vielen theoretischen Modellen,

01:35:25.581 --> 01:35:29.724
<v Wolfgang Adam>die versuchen, dunkle Materie mit neuen Teilchen zu erklären,

01:35:29.724 --> 01:35:36.989
<v Wolfgang Adam>spielt das Higgs-Boson oder mehrere, möglicherweise mehrere andere Higgs-Bosonen noch eine Rolle,

01:35:36.989 --> 01:35:42.333
<v Wolfgang Adam>um sozusagen die Welt, die wir da jetzt schon kennen, und diese dunkle Welt

01:35:42.333 --> 01:35:48.457
<v Wolfgang Adam>miteinander zu verbinden, also Verbindungen herzustellen zwischen den Teilchen, die wir kennen,

01:35:48.578 --> 01:35:51.920
<v Wolfgang Adam>und der Produktion von Teilchen, die wir noch nicht können und die zum Beispiel

01:35:51.920 --> 01:35:55.183
<v Wolfgang Adam>dunkle Materie hervorrufen könnten.

01:35:56.164 --> 01:36:01.147
<v Tim Pritlove>Also zum Beispiel würde man jetzt, und das ist ja unter anderem auch geplant,

01:36:01.147 --> 01:36:05.911
<v Tim Pritlove>noch einen größeren Ring bauen und damit noch mehr Energien aufbauen können

01:36:05.911 --> 01:36:07.912
<v Tim Pritlove>und noch fettere Detektoren bauen,

01:36:07.912 --> 01:36:11.675
<v Tim Pritlove>die mit diesen Energien auch umgehen, was dann noch größere Magneten wären und

01:36:11.675 --> 01:36:14.217
<v Tim Pritlove>überhaupt kann man sich das fast schon gar nicht mehr vorstellen,

01:36:14.217 --> 01:36:19.101
<v Tim Pritlove>Wie groß das alles wäre, auf jeden Fall wenn man sozusagen höhere Energien noch beobachten könnte,

01:36:19.101 --> 01:36:23.364
<v Tim Pritlove>dann könnte es vielleicht theoretisch sein, dass auch in der Mangelung einer

01:36:23.364 --> 01:36:26.746
<v Tim Pritlove>passenden Theorie zu diesem Zeitpunkt mal halt an irgendeiner Stelle mit noch

01:36:26.746 --> 01:36:31.650
<v Tim Pritlove>mehr Energien nochmal so einen kleinen Hopser in der Kurve hat.

01:36:32.090 --> 01:36:35.593
<v Wolfgang Adam>Das muss nicht unbedingt beim nächsten, das könnte natürlich beim nächsten Beschleuniger

01:36:35.593 --> 01:36:41.297
<v Wolfgang Adam>sein, aber selbst bei uns könnten Prozesse sein, die einfach so selten sind.

01:36:42.178 --> 01:36:46.100
<v Tim Pritlove>Die einfach selten sind, das ist der andere Punkt. Oder aber eben auch,

01:36:46.100 --> 01:36:48.421
<v Tim Pritlove>dass man erstmal woanders noch suchen muss, das meinte ich eigentlich mehr.

01:36:48.421 --> 01:36:50.862
<v Tim Pritlove>Also es könnte auch sein, dass man nochmal ganz woanders gucken muss,

01:36:50.862 --> 01:36:56.804
<v Tim Pritlove>als wir derzeit gucken können und dort sozusagen nochmal so ein Geschwisterhicks haben,

01:36:56.804 --> 01:37:00.286
<v Tim Pritlove>die dann vielleicht einfach nur in der Antimaterie irgendwas machen und da diese

01:37:00.286 --> 01:37:04.148
<v Tim Pritlove>Massen erzeugen, die wir quasi da ja ausmachen.

01:37:04.148 --> 01:37:09.635
<v Tim Pritlove>Weil das ist ja das, was wir sehen. Wir sehen, dass da irgendwas gravitativ wirkt,

01:37:09.635 --> 01:37:13.992
<v Tim Pritlove>Galaxien irgendwie zusammenhält und auf andere Geschwindigkeiten bringt,

01:37:13.992 --> 01:37:18.434
<v Tim Pritlove>die sich eben mit unserer Vorstellung der normalen Materie nicht verbinden lässt

01:37:18.434 --> 01:37:23.617
<v Tim Pritlove>und von daher irgendwie das große Fragezeichen, also eins der großen drei Fragezeichen

01:37:23.617 --> 01:37:25.277
<v Tim Pritlove>ist, die wir derzeit so im Weltall haben.

01:37:25.277 --> 01:37:29.140
<v Wolfgang Adam>Ja, aber die Verteilung von dunkler Materie und die Geschichte des Universums

01:37:29.140 --> 01:37:33.804
<v Wolfgang Adam>sagt uns, dass es eine gewisse Verbindung, eine sehr, sehr schwache Verbindung,

01:37:33.804 --> 01:37:37.046
<v Wolfgang Adam>aber zwischen diesen Teilchen, wenn es Teilchen sind der dunklen Materie,

01:37:37.046 --> 01:37:40.229
<v Wolfgang Adam>und den normalen Teilchen geben sollte.

01:37:41.150 --> 01:37:45.813
<v Wolfgang Adam>Und das ist eben Teil des Forschungsprogramms. Mit dieser Verbindung könnten

01:37:45.813 --> 01:37:52.277
<v Wolfgang Adam>wir diese Teilchen unter Umständen hier auch schon im LHC produzieren und mit dem Detektor sehen.

01:37:52.277 --> 01:37:57.100
<v Wolfgang Adam>Das ist übrigens ein interessanter Aspekt, dass die Detektoren de facto auch

01:37:57.100 --> 01:38:02.623
<v Wolfgang Adam>Deichen Detektieren können, die gar nicht direkt im Detektorsignal hinterlassen.

01:38:05.269 --> 01:38:07.791
<v Tim Pritlove>Man kann etwas detektieren, was man gar nicht detektiert?

01:38:07.791 --> 01:38:11.594
<v Wolfgang Adam>Genau, das betrifft schon bekannte Teilchen.

01:38:11.594 --> 01:38:16.217
<v Wolfgang Adam>Im Standardmodell mit den Elektronen, das Elektron hat nicht nur schwere Geschwister,

01:38:16.217 --> 01:38:22.621
<v Wolfgang Adam>sondern auch ein Pendant, das ist das Neutrino, das zum Beispiel in großen Mengen

01:38:22.621 --> 01:38:24.863
<v Wolfgang Adam>in der Sonne in den Kernprozessen erzeugt wird.

01:38:25.244 --> 01:38:33.069
<v Wolfgang Adam>Und das Neutrino ist fast masselos und hat nur eine sehr schwache Wechselwirkung mit Materie.

01:38:33.069 --> 01:38:36.251
<v Wolfgang Adam>Das heißt, die Neutrinos würden aus unseren Detektoren hinauslaufen und wir

01:38:36.251 --> 01:38:39.774
<v Wolfgang Adam>würden sie nicht sehen. Aber auch wenn wir zum Beispiel Teilchen der dunklen

01:38:39.774 --> 01:38:44.537
<v Wolfgang Adam>Materie erzeugen könnten, würden diese auch den Detektor verlassen, ohne dass wir sie sehen.

01:38:45.318 --> 01:38:50.762
<v Wolfgang Adam>Aber wir können uns ein Prinzip in der Physik zunutze machen,

01:38:50.762 --> 01:38:55.405
<v Wolfgang Adam>und das ist, es gibt die Energieerhaltung, aber es gibt auch ein Prinzip,

01:38:55.405 --> 01:39:00.589
<v Wolfgang Adam>das nennt sich Impulserhaltung, das ist also, sagen wir so, verwandt mit der

01:39:00.589 --> 01:39:07.653
<v Wolfgang Adam>Energie, aber das spielt sich in allen drei Raumrichtungen ab.

01:39:11.076 --> 01:39:15.840
<v Wolfgang Adam>Das heißt, man kennt vielleicht dieses Spiel mit dem Bändeln mit den Kugeln,

01:39:15.840 --> 01:39:19.362
<v Wolfgang Adam>wo man die Kugel fallen lässt und dann läuft auf der anderen Seite eine Kugel

01:39:19.362 --> 01:39:23.605
<v Wolfgang Adam>raus. Das ist de facto Impulserhaltung und das könnte man auch in drei Dimensionen machen.

01:39:25.106 --> 01:39:29.089
<v Wolfgang Adam>Jedenfalls, wir haben das Prinzip, dass die Protonen, die zusammenlaufen,

01:39:29.089 --> 01:39:35.423
<v Wolfgang Adam>die bewegen sich entlang des Beschleunigers, auf einer geraden Linie eben,

01:39:35.423 --> 01:39:37.995
<v Wolfgang Adam>aber nicht links, rechts, oben und unten.

01:39:39.997 --> 01:39:45.460
<v Wolfgang Adam>Und daraus schließt man, dass die Summe aller Teilchen, die nach der Kollision

01:39:45.460 --> 01:39:51.484
<v Wolfgang Adam>produziert wird, kann insgesamt, kollektiv sozusagen, auch keine Bewegung links,

01:39:51.484 --> 01:39:52.725
<v Wolfgang Adam>rechts, oben und unten haben.

01:39:53.406 --> 01:39:56.928
<v Wolfgang Adam>Und wenn da jetzt aber ein Teilchen dabei wäre mit hoher Energie,

01:39:56.928 --> 01:40:01.332
<v Wolfgang Adam>das wir nicht sehen, Und wir machen die Summe über alle sichtbaren Teilchen

01:40:01.332 --> 01:40:05.937
<v Wolfgang Adam>und würden sehen, dass die Summe der sichtbaren Teilchen in irgendeine Richtung zeigen würde.

01:40:07.043 --> 01:40:10.285
<v Wolfgang Adam>Während das unsichtbare Teilchen in die andere Richtung gegangen wäre.

01:40:10.726 --> 01:40:15.189
<v Wolfgang Adam>Und auf diese Art und Weise können wir feststellen, ob ein unsichtbares Teilchen

01:40:15.189 --> 01:40:16.370
<v Wolfgang Adam>den Detektor verlassen hat.

01:40:16.370 --> 01:40:19.832
<v Tim Pritlove>Also man rechnet sozusagen einfach nach wie viel Energie ist denn hier insgesamt

01:40:19.832 --> 01:40:23.545
<v Tim Pritlove>fehlt, was fehlt, fehlt und daraus kann man schließen.

01:40:23.936 --> 01:40:29.940
<v Wolfgang Adam>Und damit könnte man zum Beispiel sehen, falls dunkle Materie produziert würde

01:40:29.940 --> 01:40:32.882
<v Wolfgang Adam>und das ist ein wichtiger Teil unseres Forschungsprogramms.

01:40:32.882 --> 01:40:41.448
<v Tim Pritlove>Ja, spannend. Das bringt uns jetzt so ein bisschen ans Ende.

01:40:41.448 --> 01:40:44.090
<v Tim Pritlove>Können natürlich jetzt noch stundenlang weiter philosophieren,

01:40:44.090 --> 01:40:45.711
<v Tim Pritlove>aber um es vielleicht mal abzurunden.

01:40:48.774 --> 01:40:54.004
<v Tim Pritlove>Man sieht, dass die Detektoren halt auf der einen Seite dazu beitragen,

01:40:54.004 --> 01:40:57.720
<v Tim Pritlove>bestehende Theorien zu überprüfen und das eben teilweise mit Erfolg,

01:40:57.720 --> 01:41:02.383
<v Tim Pritlove>aber auch das nicht Nachweisen ist ja in gewisser Hinsicht auch ein Erfolg,

01:41:02.383 --> 01:41:07.086
<v Tim Pritlove>aber auch noch sehr viel Potenzial hat jetzt sozusagen auf dem nächsten Weg

01:41:07.086 --> 01:41:11.079
<v Tim Pritlove>mit der existierenden Technologie plus der Upgrades, die ja hier regelmäßig

01:41:11.079 --> 01:41:15.793
<v Tim Pritlove>stattfinden, die halt Dinge genauer machen, verfeinern, Energien erhöhen usw.

01:41:17.755 --> 01:41:24.319
<v Tim Pritlove>Anders ballen, dass man eben auch auf dem Pfad zu weiteren Erkenntnissen kommen kann.

01:41:25.079 --> 01:41:31.324
<v Tim Pritlove>Also jetzt nicht mit dem Higgs ist nicht das ganze Pulver verschossen worden. Nein, absolut.

01:41:31.324 --> 01:41:37.108
<v Wolfgang Adam>Und wie gesagt, wenn man ein neues Teilchen entdeckt, das ist die erste Stufe,

01:41:37.108 --> 01:41:41.912
<v Wolfgang Adam>die ist Entdeckung und die zweite Stufe ist dann, um dieses neue Teilchen de

01:41:41.912 --> 01:41:45.754
<v Wolfgang Adam>facto als Werkzeug zu verwenden, um neue Erkenntnisse zu bekommen.

01:41:50.138 --> 01:41:54.481
<v Tim Pritlove>Ja, gut Wolfgang, ich sag vielen Dank für die Ausführung zum CMS,

01:41:54.481 --> 01:41:56.963
<v Tim Pritlove>das war alles sehr interessant, sehr spannend.

01:41:59.086 --> 01:42:03.970
<v Tim Pritlove>Ja, und ich bedanke mich fürs Zuhören, das war's zum CMS, weiter geht's dann

01:42:03.970 --> 01:42:08.195
<v Tim Pritlove>mit dem Atlas, gucken wir mal wie die auf die Welt schauen, ja.

01:42:08.195 --> 01:42:12.820
<v Tim Pritlove>Und dann geht's halt hier wieder weiter. Bis dann sagt Tschüss, bis bald!
