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NOTE
Podcast: Raumzeit
Episode: RZ126 Gravitationswellenforschung
Publishing Date: 2026-03-08T17:22:07+01:00
Podcast URL: https://raumzeit-podcast.de
Episode URL: https://raumzeit-podcast.de/2026/03/08/rz126-gravitationswellenforschung/

00:00:34.762 --> 00:00:39.142
<v Tim Pritlove>Hallo und herzlich willkommen zu Raumzeit, dem Podcast über Raumfahrt und andere.

00:00:39.142 --> 00:00:43.322
<v Tim Pritlove>Kosmische Angelegenheiten und ich begrüße alle zur 126.

00:00:43.482 --> 00:00:44.882
<v Tim Pritlove>Ausgabe von Raumzeit.

00:00:45.582 --> 00:00:49.222
<v Tim Pritlove>Und nachdem wir uns jetzt viel mit Teleskopen beschäftigt haben in den letzten

00:00:49.222 --> 00:00:55.782
<v Tim Pritlove>Sendungen, gehen jetzt Schockwellen durch die Raumzeit und zwar literally und

00:00:55.782 --> 00:01:00.382
<v Tim Pritlove>das die ganze Zeit und das auch schon seit einiger Zeit.

00:01:00.382 --> 00:01:05.502
<v Tim Pritlove>Und ich habe schon häufiger darüber berichtet, über Gravitationswellen.

00:01:05.582 --> 00:01:08.862
<v Tim Pritlove>Darüber wollen wir uns heute ein weiteres Mal unterhalten.

00:01:09.322 --> 00:01:14.862
<v Tim Pritlove>Und dazu bin ich nach Görlitz gefahren zum Deutschen Zentrum für Astrophysik

00:01:14.862 --> 00:01:18.922
<v Tim Pritlove>und begrüße meinen Gesprächspartner für heute, nämlich den Günter Günter-Hasinger.

00:01:19.102 --> 00:01:22.242
<v Günther Hasinger>Hallo, grüß dich und schön bei euch wieder zu sein.

00:01:22.242 --> 00:01:27.142
<v Tim Pritlove>Ja, wir hatten schon mal das Vergnügen vor vier Jahren tatsächlich.

00:01:27.722 --> 00:01:30.862
<v Tim Pritlove>Da war ich in Madrid und da war es nun auch...

00:01:30.862 --> 00:01:33.602
<v Günther Hasinger>Da war ich Wissenschaftsdirektor der ESA.

00:01:33.802 --> 00:01:38.182
<v Tim Pritlove>Genau und da haben wir uns viel genau darüber unterhalten, aber vor allem auch

00:01:38.182 --> 00:01:43.602
<v Tim Pritlove>über das James-Webb-Teleskop, was ja damals frisch gestartet war und ja mittlerweile

00:01:43.602 --> 00:01:47.642
<v Tim Pritlove>kann man sagen auch schon eine ganze Menge von den Versprechen eingelöst hat.

00:01:47.642 --> 00:01:53.922
<v Günther Hasinger>Ja, eigentlich nicht brechen, sondern das hat alle Erwartungen weit überragt

00:01:53.922 --> 00:01:57.822
<v Günther Hasinger>und vor allem diese Objekte im frühen Universum,

00:01:58.062 --> 00:02:02.542
<v Günther Hasinger>die sehr, sehr vermutlich irgendwas mit schwarzen Löchern zu tun haben und das

00:02:02.542 --> 00:02:05.662
<v Günther Hasinger>passt natürlich wunderbar jetzt auch zu dem Thema mit den Gravitationswellen.

00:02:05.662 --> 00:02:09.482
<v Tim Pritlove>Genau, darüber wollen wir uns nämlich unterhalten aus einem anderen Grund.

00:02:09.722 --> 00:02:12.062
<v Tim Pritlove>Also erstens ist es immer schön sich darüber zu unterhalten,

00:02:12.222 --> 00:02:14.362
<v Tim Pritlove>aber es ist jetzt ziemlich genau zehn Jahre her,

00:02:14.682 --> 00:02:22.802
<v Tim Pritlove>dass das erste Mal es gelungen ist Gravitationswellen zu entdecken oder zu messen,

00:02:22.942 --> 00:02:28.862
<v Tim Pritlove>also konkret zu detektieren und ist auch ziemlich genau zehn Jahre her,

00:02:29.082 --> 00:02:32.862
<v Tim Pritlove>dass ich dann auch darüber eine Sendung gemacht habe.

00:02:33.616 --> 00:02:37.736
<v Tim Pritlove>Das war im Februar 2016,

00:02:37.756 --> 00:02:46.096
<v Tim Pritlove>also ist diese Detektion stattgefunden und ich bin dann schnell zur ESA gereist

00:02:46.096 --> 00:02:53.836
<v Tim Pritlove>und habe dann Gott sei Dank auch gleich einen kompetenten Ansprechpartner zu dem Thema gefunden.

00:02:53.936 --> 00:02:56.796
<v Tim Pritlove>Ist ja nicht so schwierig, gibt ja ganz in Reihe.

00:02:56.876 --> 00:03:00.776
<v Günther Hasinger>Also es gibt tausende von Wissenschaftlern, die sich damit beschäftigen.

00:03:00.816 --> 00:03:02.256
<v Günther Hasinger>Du hast mit Oliver Jenrich gesprochen.

00:03:02.256 --> 00:03:06.236
<v Tim Pritlove>Genau, mit Oliver Jenrich und das war auch eine interessante Einführung.

00:03:06.616 --> 00:03:10.616
<v Tim Pritlove>Alles natürlich noch aus dieser Perspektive heraus, dass man jetzt gerade mal

00:03:10.616 --> 00:03:14.276
<v Tim Pritlove>sich sicher sein konnte, so okay, die Theorien haben gestimmt,

00:03:14.376 --> 00:03:16.856
<v Tim Pritlove>wir haben es jetzt irgendwie auch hinbekommen, die entsprechende Technik zu

00:03:16.856 --> 00:03:19.536
<v Tim Pritlove>bauen, gucken wir mal, was kommt.

00:03:19.536 --> 00:03:25.876
<v Tim Pritlove>Weil man wusste ja nicht, ist das jetzt so ein totaler Zufall gewesen und man

00:03:25.876 --> 00:03:28.536
<v Tim Pritlove>hat jetzt irgendwie mal eine gefunden und jetzt dauert es wieder 20 Jahre,

00:03:28.656 --> 00:03:32.196
<v Tim Pritlove>bis die nächste vorbeikommt oder ist das jetzt sozusagen so ein Dauerereignis?

00:03:32.896 --> 00:03:37.256
<v Günther Hasinger>Die Existenz von Gravitationswellen war ja vorher schon im Prinzip bekannt durch

00:03:37.256 --> 00:03:40.896
<v Günther Hasinger>diese Doppelpulsare, die also Energie verlieren und wo man also sagen konnte,

00:03:41.076 --> 00:03:43.196
<v Günther Hasinger>dass es genau so ist, wie Einstein vorhergesagt hat.

00:03:43.196 --> 00:03:49.276
<v Günther Hasinger>Aber dann war die Natur tatsächlich sehr gut zu uns und hat eben dieses fantastische

00:03:49.276 --> 00:03:54.256
<v Günther Hasinger>Ereignis mit zwei schwarzen Löchern, die jeweils ungefähr 30 Sonnenmassen hatten, gefunden.

00:03:54.616 --> 00:03:57.836
<v Günther Hasinger>Und da sind alle Leute aus allen Wolken gefallen, weil solche schwarzen Löcher

00:03:57.836 --> 00:03:59.116
<v Günther Hasinger>hatte man vorher noch nie gesehen.

00:03:59.276 --> 00:04:03.056
<v Günther Hasinger>Und das war eben jetzt heutzutage ganz Standardmöglichkeit.

00:04:03.565 --> 00:04:06.185
<v Günther Hasinger>Dass eben LIGO solche schweren schwarzen Löcher findet.

00:04:06.885 --> 00:04:10.765
<v Tim Pritlove>Genau, da kommen wir noch zu. Sprechen wir mal erstmal kurz hier zu dem Ort,

00:04:10.925 --> 00:04:16.145
<v Tim Pritlove>weil der ist ja noch relativ neu, das Deutsche Zentrum für Astrophysik hier in Görlitz.

00:04:17.025 --> 00:04:22.945
<v Tim Pritlove>Ja, warum, weshalb, wieso gibt es dieses neue Institut? Was ist hier die Aufgabe?

00:04:22.945 --> 00:04:28.465
<v Günther Hasinger>Genau, also das DZA, Deutsches Zentrum für Astrophysik, ist eines von zwei Großforschungszentren,

00:04:28.665 --> 00:04:34.925
<v Günther Hasinger>die im Rahmen des Strukturförderungsgesetzes Kohleausstieg in einem Wettbewerb ausgesucht wurden.

00:04:35.345 --> 00:04:38.585
<v Günther Hasinger>Da gab es also vor ein paar Jahren einen riesen Wettbewerb, da gab es so 100

00:04:38.585 --> 00:04:43.965
<v Günther Hasinger>Bewerber und wir haben uns riesig gefreut, dass wir dann letztendlich in zwei

00:04:43.965 --> 00:04:46.545
<v Günther Hasinger>Stufen ausgesucht wurden als eines von diesen Zentren.

00:04:47.265 --> 00:04:51.725
<v Günther Hasinger>Es steht da ziemlich viel Geld zur Verfügung. Also die Bundesregierung hat entschieden,

00:04:51.965 --> 00:04:58.525
<v Günther Hasinger>ungefähr 10 Prozent der Kohlestrukturfördermittel in diese Großforschungseinrichtungen zu stecken.

00:04:59.005 --> 00:05:05.085
<v Günther Hasinger>Das heißt, wir haben 1,2 Milliarden Euro zur Verfügung, über 15 Jahre ein großes Zentrum aufzubauen.

00:05:05.265 --> 00:05:09.345
<v Günther Hasinger>Das soll insgesamt ungefähr 1.000 Leute haben zum Schluss. Und wir sind inzwischen

00:05:09.345 --> 00:05:10.905
<v Günther Hasinger>schon von 0 auf 110 gekommen.

00:05:11.745 --> 00:05:18.225
<v Günther Hasinger>Also wir haben jetzt 110 Mitarbeiter hier im Zentrum von Görlitz und haben natürlich riesiges vor.

00:05:18.345 --> 00:05:23.405
<v Günther Hasinger>Wir wollen Multimessenger-Astrophysik machen, also Radioastronomie,

00:05:23.605 --> 00:05:27.825
<v Günther Hasinger>optische Astronomie, aber die Gravitationswellen spielen eine ganz zentrale Rolle bei uns.

00:05:29.858 --> 00:05:37.318
<v Tim Pritlove>Und das hat dich dann auch bewogen, den doch ganz interessanten Job bei der ESA aufzugeben.

00:05:37.558 --> 00:05:41.878
<v Günther Hasinger>Na bewogen kann man so nicht sagen, also der ESA-Job war von Anfang an zeitlich

00:05:41.878 --> 00:05:45.738
<v Günther Hasinger>limitiert, die haben ja ziemlich strenge Altersgrenzen und ich bin da natürlich

00:05:45.738 --> 00:05:46.798
<v Günther Hasinger>drüber gerutscht. Stutt.

00:05:47.978 --> 00:05:51.238
<v Günther Hasinger>Aber umgekehrt, ich hätte schon noch ein paar Jahre bei der ESA machen können,

00:05:51.438 --> 00:05:56.398
<v Günther Hasinger>aber diese Chance hier, etwas völlig Neues aufzubauen, kommt halt nur einmal im Leben.

00:05:56.558 --> 00:05:59.038
<v Günther Hasinger>Also das war wirklich dann das, was uns bewogen hat.

00:05:59.058 --> 00:06:03.458
<v Tim Pritlove>Wie geht man da ran? Ich meine, wenn man so ein Institut komplett von Null aufbaut?

00:06:04.758 --> 00:06:08.878
<v Günther Hasinger>Also zunächst mal muss ich sagen, haben wir uns auf eine unheimliche Unterstützung

00:06:08.878 --> 00:06:11.478
<v Günther Hasinger>der ganzen deutschen Community stützen können.

00:06:11.698 --> 00:06:14.358
<v Günther Hasinger>Und ich bin ja nicht allein, ich habe ein fantastisches Team,

00:06:14.498 --> 00:06:19.438
<v Günther Hasinger>da sind ungefähr zwölf Professoren aus allen möglichen Institutionen in Deutschland.

00:06:19.618 --> 00:06:25.938
<v Günther Hasinger>Max Planck, Helmholtz, Leibniz und die Idee, so ein Großforschungszentrum für

00:06:25.938 --> 00:06:27.298
<v Günther Hasinger>Astrophysik aufzumachen, ist

00:06:27.298 --> 00:06:31.238
<v Günther Hasinger>schon lange in den Strategiepapieren der deutschen Community gestanden.

00:06:31.238 --> 00:06:35.638
<v Günther Hasinger>Also ich war selber ja mal Ratsvorsitzender der Deutschen Sternwarten.

00:06:36.018 --> 00:06:40.378
<v Günther Hasinger>Die schreiben so alle zehn Jahre so eine Strategiedenkschrift und da stand immer

00:06:40.378 --> 00:06:42.138
<v Günther Hasinger>drin, wir brauchen so ein Zentrum.

00:06:42.778 --> 00:06:48.038
<v Günther Hasinger>Und das passte halt einfach wie die Faust aufs Auge. Also als dann diese Kohleausstiegsmöglichkeit

00:06:48.038 --> 00:06:49.818
<v Günther Hasinger>sich ergab, da mussten wir uns bewerben.

00:06:49.818 --> 00:06:54.298
<v Tim Pritlove>Ja, also Zentrum für Astrophysik, man würde ja erwarten, dass Astrophysik als

00:06:54.298 --> 00:06:58.018
<v Tim Pritlove>solche schon seinen Platz hat in der deutschen Wissenschaft.

00:06:58.258 --> 00:07:01.818
<v Tim Pritlove>Insofern, was fügt das Zentrum dem dann noch hinzu?

00:07:02.218 --> 00:07:04.078
<v Günther Hasinger>Also genau, die Astrophysik in Deutschland ist eigentlich sehr,

00:07:04.138 --> 00:07:07.698
<v Günther Hasinger>sehr gut aufgestellt, vor allem durch die Max-Planck-Institute von Anfang an,

00:07:07.878 --> 00:07:14.238
<v Günther Hasinger>also Radioastronomie, extraterrestrische Physik, optische Astronomie, Gravitationswellen.

00:07:14.238 --> 00:07:16.458
<v Tim Pritlove>Die auch schon Nobelpreise reingeholt haben und so.

00:07:16.918 --> 00:07:20.598
<v Günther Hasinger>Und auch die Leibniz-Gesellschaft, also in Potsdam, das war ich ja auch früher

00:07:20.598 --> 00:07:23.618
<v Günther Hasinger>mal Direktor an dem Institut, ist eigentlich sehr, sehr gut aufgestellt.

00:07:23.958 --> 00:07:25.198
<v Günther Hasinger>Aber was es nicht gibt...

00:07:25.813 --> 00:07:30.893
<v Günther Hasinger>Und gab, ist eben ein nationales Zentrum, was die Community in großen internationalen

00:07:30.893 --> 00:07:32.093
<v Günther Hasinger>Projekten vertreten kann.

00:07:32.273 --> 00:07:37.613
<v Günther Hasinger>Also die Max-Planck-Gesellschaft kann praktisch keine Serviceleistungen für die Community,

00:07:38.713 --> 00:07:42.393
<v Günther Hasinger>bieten und das ist so ähnlich wie in der Teilchenphysik, da gibt es ja das CERN

00:07:42.393 --> 00:07:44.293
<v Günther Hasinger>als riesiges internationales Projekt,

00:07:44.513 --> 00:07:48.773
<v Günther Hasinger>aber das DESI ist einfach die nationale Vertretung der Teilchenphysik und ist

00:07:48.773 --> 00:07:53.393
<v Günther Hasinger>sozusagen dann im internationalen Rahmen satisfaktionsfähig und sowas gab es

00:07:53.393 --> 00:07:55.253
<v Günther Hasinger>bisher in der Astronomie noch nicht.

00:07:55.813 --> 00:07:59.733
<v Günther Hasinger>Und das Deutsche Zentrum soll das jetzt im Prinzip machen, diese Rolle.

00:08:00.053 --> 00:08:03.833
<v Günther Hasinger>Also wir reden von diesen riesigen Projekten wie SKR zum Beispiel,

00:08:03.993 --> 00:08:07.573
<v Günther Hasinger>Square Kilometer Array oder auch das zukünftige Einstein-Teleskop,

00:08:07.733 --> 00:08:10.853
<v Günther Hasinger>wo wir dann quasi die nationalen Interessen vertreten können.

00:08:12.673 --> 00:08:17.853
<v Tim Pritlove>Da werden wir jetzt auch noch gleich drauf zu sprechen kommen auf diese Projekte.

00:08:17.853 --> 00:08:20.493
<v Tim Pritlove>Aber jetzt müssen wir natürlich erstmal ein bisschen das Feld legen,

00:08:20.773 --> 00:08:28.033
<v Tim Pritlove>denn so Gravitationswellen ist so ein bisschen eins meiner Lieblingsthemen geworden

00:08:28.033 --> 00:08:29.893
<v Tim Pritlove>hier bei Raumzeit, muss ich sagen, weil es halt einfach,

00:08:30.093 --> 00:08:34.873
<v Tim Pritlove>naja, ich meine, es ist halt neu, aber es ist halt auch irgendwie total faszinierend,

00:08:34.973 --> 00:08:37.813
<v Tim Pritlove>dass es das überhaupt so gibt und es ist noch viel faszinierender,

00:08:37.893 --> 00:08:41.133
<v Tim Pritlove>dass es jetzt auch gelungen ist, das zu messen.

00:08:42.693 --> 00:08:48.553
<v Tim Pritlove>Denn es gibt ja im Prinzip, basiert das mehr oder weniger auf Voraussagen von

00:08:48.553 --> 00:08:51.533
<v Tim Pritlove>Einstein von vor ziemlich genau 90 Jahren tatsächlich.

00:08:52.413 --> 00:08:56.293
<v Tim Pritlove>Und gesagt hat, so ja hier Gravitation und so Relativitätstheorie,

00:08:56.493 --> 00:08:58.313
<v Tim Pritlove>so stelle ich mir das Universum vor.

00:08:58.853 --> 00:09:04.753
<v Tim Pritlove>Hat sich ja auch weitgehend bestätigt bisher, was er an Ideen so formuliert hat.

00:09:04.993 --> 00:09:08.473
<v Tim Pritlove>Und die Gravitationswellen waren eher so eine Fußnote, sage ich mal.

00:09:09.353 --> 00:09:13.753
<v Tim Pritlove>Das müsste es eigentlich auch noch geben aber das ist ja kaum zu messen,

00:09:14.823 --> 00:09:16.923
<v Tim Pritlove>Ob man das jemals finden wird, who knows.

00:09:17.043 --> 00:09:21.603
<v Günther Hasinger>Also in der Tat hat wohl Einstein schon gesagt, dass es sowas geben muss,

00:09:21.703 --> 00:09:24.863
<v Günther Hasinger>aber es hat niemand geglaubt, dass man es je messen werden könnte.

00:09:24.943 --> 00:09:29.683
<v Günther Hasinger>Und es ist heutzutage noch fast so unglaublich, welche Präzision da drin steckt.

00:09:29.803 --> 00:09:35.743
<v Günther Hasinger>Also es sind ja 10 hoch minus 21 ist die relative Längenänderung von irgendwelchen

00:09:35.743 --> 00:09:38.663
<v Günther Hasinger>Maßstäben, die durch die Gravitationswelle entstehen.

00:09:38.663 --> 00:09:43.943
<v Günther Hasinger>Und 10 hoch minus 21 ist also auch eine unvorstellbar kleine Zahl und eine unvorstellbar

00:09:43.943 --> 00:09:46.563
<v Günther Hasinger>hohe Genauigkeit, mit der diese Geräte arbeiten.

00:09:47.103 --> 00:09:52.063
<v Tim Pritlove>Genau, jetzt sollten wir nochmal sagen, was es ist. Also es gibt große Ereignisse

00:09:52.063 --> 00:09:56.823
<v Tim Pritlove>im Universum, die so viel Energie freisetzen,

00:09:57.083 --> 00:10:04.063
<v Tim Pritlove>dass da nicht nur Dinge abstrahlen, man kennt das ja mit irgendwelchen Gammastrahlen

00:10:04.063 --> 00:10:06.843
<v Tim Pritlove>Und alles mögliche Puls,

00:10:06.963 --> 00:10:12.643
<v Tim Pritlove>aber bisher haben wir das Weltall ja eigentlich primär so über elektromagnetische

00:10:12.643 --> 00:10:14.643
<v Tim Pritlove>Strahlung aller Art wahrgenommen.

00:10:15.143 --> 00:10:20.043
<v Tim Pritlove>Also Licht natürlich, aber was in anderen Frequenzbereichen noch so zu holen ist.

00:10:21.813 --> 00:10:30.433
<v Tim Pritlove>Aber nachdem man wusste, dass das Universum oder unsere Annahme derzeit,

00:10:30.653 --> 00:10:33.833
<v Tim Pritlove>die sich laufend bestätigt, ich muss jetzt schon Wissenschaftler-Sprache sprechen,

00:10:35.293 --> 00:10:40.773
<v Tim Pritlove>ist, dass wir eben diese Wirkung der Gravitation haben, dadurch,

00:10:40.873 --> 00:10:44.973
<v Tim Pritlove>dass der Raum gekrümmt ist oder gekrümmt wird durch diese Gravitation.

00:10:44.973 --> 00:10:48.993
<v Tim Pritlove>Also sprich, da wo viel Masse ist, wie zum Beispiel unsere Sonne,

00:10:49.393 --> 00:10:52.473
<v Tim Pritlove>krümmt sich der Raum so, dass die Erde, die eigentlich immer geradeaus fliegen

00:10:52.473 --> 00:10:56.753
<v Tim Pritlove>will, um die Sonne drumherum fliegt.

00:10:56.933 --> 00:11:03.273
<v Tim Pritlove>Also dieses Bild der Kugel auf so einem Stück Stoff, was halt irgendwie alles mit sich zieht.

00:11:03.813 --> 00:11:10.493
<v Tim Pritlove>Und diese großen Ereignisse lassen halt diesen Stoff vibrieren in kleinen Stoffen.

00:11:10.493 --> 00:11:15.053
<v Günther Hasinger>Vielleicht ist es ganz interessant, weil es gibt nämlich sehr gute Analogien

00:11:15.053 --> 00:11:18.233
<v Günther Hasinger>zwischen der elektromagnetischen Strahlung und der Gravitationsstrahlung.

00:11:18.393 --> 00:11:22.913
<v Günther Hasinger>Also eigentlich ist es beides dasselbe, nur dass im einen Fall sind es elektrische

00:11:22.913 --> 00:11:26.113
<v Günther Hasinger>Ladungen, die sich verändern.

00:11:26.553 --> 00:11:29.353
<v Günther Hasinger>Also wenn irgendwo ein Elektron zum Beispiel von einer Schale auf die andere

00:11:29.353 --> 00:11:33.353
<v Günther Hasinger>hüpft, dann muss dem Rest des Universums das mitgeteilt werden,

00:11:33.553 --> 00:11:36.673
<v Günther Hasinger>dass sich sozusagen jetzt die Ladungsverteilung verändert hat und das wird in

00:11:36.673 --> 00:11:38.873
<v Günther Hasinger>Form von elektromagnetischen Wellen gemacht.

00:11:38.873 --> 00:11:42.553
<v Günther Hasinger>Wenn ein schwarzes Loch von einer Seite auf die andere springen würde,

00:11:43.353 --> 00:11:48.473
<v Günther Hasinger>dann muss der Rest des Universums das sozusagen auch mitkriegen und diese Information

00:11:48.473 --> 00:11:52.953
<v Günther Hasinger>der Änderung der Gravitation wird eben über Wellen nach außen gesendet.

00:11:53.653 --> 00:11:57.513
<v Günther Hasinger>Man kann sich jetzt eben vorstellen, so eine Art Gummi, wo diese schweren Massen

00:11:57.513 --> 00:12:01.433
<v Günther Hasinger>drin liegen und dann fliegt das eine um das andere rum, dann wird der Raum sozusagen

00:12:01.433 --> 00:12:06.013
<v Günther Hasinger>verändert, die Krümmung wird sich sozusagen immer verändern und das wird dann

00:12:06.013 --> 00:12:08.593
<v Günther Hasinger>in Form von Wellen nach außen getragen.

00:12:09.273 --> 00:12:13.793
<v Günther Hasinger>Eigentlich wie so Wellen, wenn ein See oder ein Wasser Wellen wirft,

00:12:13.933 --> 00:12:16.213
<v Günther Hasinger>wenn man einen Stein reinschmeißt.

00:12:16.958 --> 00:12:19.578
<v Tim Pritlove>Und wie das Licht ist die Ausbreitung in Lichtgeschwindigkeit.

00:12:19.598 --> 00:12:24.418
<v Günther Hasinger>Mit Lichtgeschwindigkeit, genau. Das konnte man ja wunderbar jetzt messen und

00:12:24.418 --> 00:12:30.998
<v Günther Hasinger>bestätigen durch das erste Ereignis, was Gravitationswellen und Licht gleichzeitig ausgesandt hat.

00:12:31.518 --> 00:12:35.398
<v Tim Pritlove>10 hoch minus 21, das ist ja immer wieder so eine Zahl, die kann sich kein Mensch

00:12:35.398 --> 00:12:37.678
<v Tim Pritlove>vorstellen, beziehungsweise was das bedeutet.

00:12:37.678 --> 00:12:43.718
<v Tim Pritlove>Wir reden hier von einer Erschütterung unseres Raums und damit ja sozusagen

00:12:43.718 --> 00:12:51.158
<v Tim Pritlove>einer Ausdehnung, wie so die Effekte, die man so im Film Matrix sieht,

00:12:51.478 --> 00:12:54.278
<v Tim Pritlove>wenn Neo alles verzerrt, genau,

00:12:55.418 --> 00:13:00.558
<v Tim Pritlove>nur mitnichten in irgendeiner Form sichtbaren Ausdehnung.

00:13:00.558 --> 00:13:03.998
<v Tim Pritlove>Es ist nicht so, dass jetzt vor den eigenen Augen alles wabert,

00:13:04.358 --> 00:13:09.238
<v Tim Pritlove>sondern wir reden hier von einer Distanz, die sozusagen kleiner ist als die

00:13:09.238 --> 00:13:10.758
<v Tim Pritlove>Ausbreitung eines Atoms.

00:13:10.918 --> 00:13:15.238
<v Günther Hasinger>Ja, also man kann sagen, wenn man jetzt zum Beispiel 10 Kilometer Armlänge hätte,

00:13:15.538 --> 00:13:18.138
<v Günther Hasinger>wo die Laserstrahlen hin und her sausen,

00:13:18.638 --> 00:13:22.538
<v Günther Hasinger>tausendmal, dann kommt man auf 10.000 Kilometer und die Änderungen,

00:13:22.538 --> 00:13:26.358
<v Günther Hasinger>die man sehen möchte, ist ein Millionstel eines Atomkerndurchmessers.

00:13:26.838 --> 00:13:30.878
<v Günther Hasinger>Das heißt also, das gibt dann schon so die Größenordnung an 10.000 Kilometer

00:13:30.878 --> 00:13:34.898
<v Günther Hasinger>auf der einen Seite und beides kann man sich nicht mehr so richtig vorstellen

00:13:34.898 --> 00:13:38.878
<v Günther Hasinger>und jetzt verbindet man die beiden Sachen, kann man sich erst noch weniger vorstellen.

00:13:40.438 --> 00:13:44.378
<v Tim Pritlove>Genau, dafür ist dieser Podcast da, um Sachen zu erzählen, die man sich nicht vorstellen kann.

00:13:45.238 --> 00:13:48.718
<v Tim Pritlove>Aber naja, wenn man jetzt vielleicht mal die konkrete Skalierung ein bisschen

00:13:48.718 --> 00:13:54.718
<v Tim Pritlove>rauslässt, dann versteht man schon, der Raum zittert und man will dieses Zittern messen.

00:13:55.369 --> 00:13:59.049
<v Günther Hasinger>Vielleicht kann ich da eins noch dazu sagen und zwar die Gravitationswellen

00:13:59.049 --> 00:14:03.509
<v Günther Hasinger>haben eine ganz wichtige Charakteristik und zwar wenn man sich so einen,

00:14:03.649 --> 00:14:07.429
<v Günther Hasinger>sagen wir mal, dieses L-förmigen Detektoren vorstellt, die die Wellen messen,

00:14:07.929 --> 00:14:11.109
<v Günther Hasinger>wenn der eine Arm kürzer wird, muss der andere automatisch länger werden.

00:14:11.789 --> 00:14:14.829
<v Günther Hasinger>Oder wenn man einen Kreis hernimmt und eine Gravitationswelle geht durch,

00:14:14.969 --> 00:14:19.749
<v Günther Hasinger>dann wird die so elliptisch verformt, dass der Kreis sozusagen immer senkrecht

00:14:19.749 --> 00:14:22.249
<v Günther Hasinger>zu Ellipsen gezogen wird.

00:14:22.509 --> 00:14:27.069
<v Günther Hasinger>Und das ist eine ganz, ganz wichtige Geschichte, weil damit kann man Störungen

00:14:27.069 --> 00:14:31.969
<v Günther Hasinger>von anderen, also Gravitationswellen haben eben diese ganz besondere Charakteristik,

00:14:32.029 --> 00:14:36.529
<v Günther Hasinger>wo man sie raussuchen kann unter sehr, sehr viel Rauschen, was sonst noch existiert.

00:14:37.429 --> 00:14:42.369
<v Tim Pritlove>Genau, weil die beiden Detektoren, die die erste Gravitationswelle gemessen

00:14:42.369 --> 00:14:44.129
<v Tim Pritlove>haben, die basieren ja genau auf dieser Idee.

00:14:44.349 --> 00:14:49.049
<v Tim Pritlove>Man hat halt einfach einen langen Laser, den man über ein paar Kilometer rausschickt.

00:14:49.129 --> 00:14:51.609
<v Tim Pritlove>Das waren glaube ich vier Kilometer. 4 Kilometer.

00:14:52.429 --> 00:14:57.489
<v Tim Pritlove>Also es ist eigentlich nur ein Laserstrahl, der durch so ein Prisma geteilt

00:14:57.489 --> 00:15:01.169
<v Tim Pritlove>wird, das heißt die eine Hälfte geht in die eine Richtung, die andere 90 Grad

00:15:01.169 --> 00:15:03.569
<v Tim Pritlove>davon entfernt bis zu einem Spiegel,

00:15:03.729 --> 00:15:05.789
<v Tim Pritlove>dann wieder den Weg zurück und

00:15:05.789 --> 00:15:08.689
<v Tim Pritlove>wenn es halt jetzt in irgendeiner Form eine Änderung in diesem Raum gibt,

00:15:09.545 --> 00:15:14.825
<v Tim Pritlove>Dann ist die eine schneller als die andere. Und wenn man dann eben diese beiden

00:15:14.825 --> 00:15:19.605
<v Tim Pritlove>Lichtwellen wieder übereinander legt, hat man so eine Phasenverschiebung und

00:15:19.605 --> 00:15:21.645
<v Tim Pritlove>das ist eigentlich das, was man misst.

00:15:21.645 --> 00:15:26.005
<v Günther Hasinger>Genau, also wenn man Exaktes übereinanderlegt in diesem sogenannten Michelson-Interformator,

00:15:26.065 --> 00:15:28.945
<v Günther Hasinger>das wurde ja auch vor ungefähr 100 Jahren erfunden,

00:15:29.645 --> 00:15:32.965
<v Günther Hasinger>dass derselbe Laserstrahl praktisch aufgeteilt wird mit dem Strahlteiler und

00:15:32.965 --> 00:15:37.885
<v Günther Hasinger>dann wieder mit sich selbst verbunden wird, dann muss das Signal Null sein sozusagen,

00:15:38.385 --> 00:15:41.125
<v Günther Hasinger>weil die Wellen sich gerade so wieder gegenseitig überlagern,

00:15:41.205 --> 00:15:43.225
<v Günther Hasinger>dass nichts übrig bleibt.

00:15:43.765 --> 00:15:47.785
<v Günther Hasinger>Und wenn man dann eine winzig kleine Störung hat, dann kriegt man eben ein kleines

00:15:47.785 --> 00:15:51.525
<v Günther Hasinger>Lichtsignal und dadurch hat man schon mal einen riesen Hebelarm,

00:15:51.665 --> 00:15:54.025
<v Günther Hasinger>mit dem man dort das Signal messen kann.

00:15:56.225 --> 00:16:01.665
<v Tim Pritlove>Und ja, das ist sozusagen das Prinzip und das ist das, was vor zehn Jahren zum

00:16:01.665 --> 00:16:06.145
<v Tim Pritlove>Einsatz kam und es gab auch nur genau diese beiden Messgeräte.

00:16:07.125 --> 00:16:12.385
<v Tim Pritlove>Wenig überraschend gab es dafür dann den Nobelpreis im Jahr drauf schon für

00:16:12.385 --> 00:16:19.445
<v Tim Pritlove>diese Forschung, weil das natürlich monumental ist und vor allem ist es ja dann eben auch so die,

00:16:20.645 --> 00:16:24.085
<v Tim Pritlove>Geburt einer ja einer komplett neuen,

00:16:25.645 --> 00:16:27.305
<v Tim Pritlove>Wahrnehmungsfähigkeit Völlig neues Fenster.

00:16:27.365 --> 00:16:31.205
<v Günther Hasinger>Was da aufgegangen ist Vielleicht sollte man dazu sagen, dass da 30 Jahre Arbeit

00:16:31.205 --> 00:16:36.205
<v Günther Hasinger>vorangegangen sind also das war ja sozusagen, als dann Advanced LIGO das gemessen

00:16:36.205 --> 00:16:40.645
<v Günther Hasinger>hat, da gab es ja vorher schon viele Generationen von anderen Gravitationswellendetektoren.

00:16:40.945 --> 00:16:46.225
<v Günther Hasinger>Und da hat ja auch zum Beispiel das Geo 600 in Hannover, was du auch schon besucht

00:16:46.225 --> 00:16:49.825
<v Günther Hasinger>hast, eine Rolle gespielt, weil diese neuen Detektoren, die da bei Advanced

00:16:49.825 --> 00:16:53.645
<v Günther Hasinger>LIGO eingesetzt wurden, dann eben den Durchbruch geschafft haben.

00:16:54.205 --> 00:16:59.025
<v Günther Hasinger>Also es sind einfach, man muss eben riesige Berge von Rauschen erstmal überwinden

00:16:59.025 --> 00:17:03.505
<v Günther Hasinger>und nach unten klopfen, bevor man dann das Signal bekommt.

00:17:04.732 --> 00:17:09.612
<v Tim Pritlove>Genau, weil das kam ja auch schon in der ersten Sendung hier zur Sprache.

00:17:10.072 --> 00:17:14.752
<v Tim Pritlove>Diese Vibrationen, die man dort sieht, die kann halt von allem kommen.

00:17:14.932 --> 00:17:22.252
<v Tim Pritlove>Irgendein Hase läuft an der Installation vorbei, Wellen treffen auf die Küste,

00:17:22.672 --> 00:17:24.872
<v Tim Pritlove>paar hundert Kilometer entfernt, aber egal.

00:17:25.192 --> 00:17:27.472
<v Günther Hasinger>Der ICE-Fahrplan, den kann man dort auch sehen.

00:17:28.712 --> 00:17:32.972
<v Tim Pritlove>Nur dass all diese Änderungen halt nicht immer eine Änderung in beide Richtungen bringen.

00:17:33.372 --> 00:17:37.732
<v Tim Pritlove>Und das ist sozusagen die Basis, dass man das alles rausrechnen kann,

00:17:37.732 --> 00:17:40.172
<v Tim Pritlove>aber man muss es dann auch noch rausrechnen.

00:17:40.192 --> 00:17:44.592
<v Günther Hasinger>Und dann hat man eben bei der LIGO zwei Detektoren, die tausende von Kilometern

00:17:44.592 --> 00:17:48.472
<v Günther Hasinger>entfernt sind und wenn der eine so irgendeine Erschütterung sieht,

00:17:48.632 --> 00:17:51.372
<v Günther Hasinger>die nicht aus dem Weltall kommt, dann sieht das der andere nicht.

00:17:51.632 --> 00:17:55.412
<v Günther Hasinger>Aber wenn es wirklich aus dem Weltall kommt, dann müssen sie beide gleichzeitig sehen.

00:17:55.612 --> 00:17:59.032
<v Tim Pritlove>Und das Das ist der Grund, warum man halt mindestens zwei braucht,

00:17:59.212 --> 00:18:04.192
<v Tim Pritlove>beziehungsweise das ist auch der Grund, warum man dann auch gerne noch mehr als nur zwei hätte,

00:18:04.592 --> 00:18:08.352
<v Tim Pritlove>weil dadurch, dass diese Gravitationswellen sich natürlich mit Lichtgeschwindigkeit

00:18:08.352 --> 00:18:13.512
<v Tim Pritlove>ausbreiten, was ja erstmal sehr schnell klingt, ist das trotzdem schon in unserem

00:18:13.512 --> 00:18:15.812
<v Tim Pritlove>planetären Maßstab so ein Unterschied.

00:18:15.812 --> 00:18:21.352
<v Tim Pritlove>Das heißt, kommt die Gravitationswelle aus der einen Richtung des Universums

00:18:21.352 --> 00:18:26.612
<v Tim Pritlove>und eine andere aus der anderen, dann hat man unterschiedliches Zeitverhalten

00:18:26.612 --> 00:18:27.952
<v Tim Pritlove>bei den einzelnen Detektoren.

00:18:28.352 --> 00:18:31.072
<v Günther Hasinger>Also zunächst kann man sich das ja vorstellen wie ein Mikrofon,

00:18:31.152 --> 00:18:34.292
<v Günther Hasinger>was einfach allen Lärm hört, der aus allen Richtungen kommt.

00:18:34.612 --> 00:18:39.012
<v Günther Hasinger>Und wenn man dann zwei Mikrofone hat, dann hat man ja schon Stereoinformationen.

00:18:39.012 --> 00:18:43.952
<v Günther Hasinger>Und ideal ist es, dass man drei oder vier hat, sodass man eben die Lichtquelle

00:18:43.952 --> 00:18:48.912
<v Günther Hasinger>oder die Gravitationsquelle möglichst gut am Himmel festzurren kann.

00:18:52.673 --> 00:18:58.033
<v Tim Pritlove>Es gibt Frequenzen letzten Endes in diesen Wellen und wenn man dann wieder das

00:18:58.033 --> 00:19:00.653
<v Tim Pritlove>so vergleicht mit Sound oder so, denkt man sich so, ja okay,

00:19:00.813 --> 00:19:04.073
<v Tim Pritlove>gibt es dann also unterschiedliche Frequenzen.

00:19:04.073 --> 00:19:08.393
<v Tim Pritlove>Dieser ganzen Detektion ist ja auch noch was vorhergegangen,

00:19:08.573 --> 00:19:12.813
<v Tim Pritlove>was ich auch extrem faszinierend fand, dass man ja sagen könnte,

00:19:13.533 --> 00:19:15.013
<v Tim Pritlove>okay, wir werden da irgendwas messen.

00:19:15.153 --> 00:19:23.433
<v Tim Pritlove>Die Frage ist, wie sieht das aus und was können wir daraus ablesen und dementsprechend

00:19:23.433 --> 00:19:28.133
<v Tim Pritlove>ist ja viel Arbeit geleistet worden auf der mathematischen Ebene, dass es,

00:19:28.533 --> 00:19:33.053
<v Tim Pritlove>wenn ich das richtig erinnere, zwei unabhängig voneinander arbeitende Teams

00:19:33.053 --> 00:19:37.673
<v Tim Pritlove>gab, die sozusagen diese Frage beantworten wollten, die also quasi rein mathematisch

00:19:37.673 --> 00:19:39.653
<v Tim Pritlove>gesagt haben, ja okay, wenn es das gibt,

00:19:40.173 --> 00:19:45.233
<v Tim Pritlove>dann müsste sich das bei dieser Messmethode auf diese Art und Weise niederschlagen.

00:19:45.333 --> 00:19:51.073
<v Tim Pritlove>Das heißt, das Bild, was man letzten Endes sieht in dieser gemessenen Frequenzänderung,

00:19:51.213 --> 00:19:55.193
<v Tim Pritlove>sieht so und so aus, je nachdem, welches Ereignis man hat.

00:19:55.573 --> 00:20:01.133
<v Günther Hasinger>Man muss dazu sagen, dass das natürlich im Endeffekt dann extrem relativistische Vorgänge sind.

00:20:01.133 --> 00:20:05.653
<v Günther Hasinger>Also man hat dann sozusagen Krümmungen der Raumzeit, die fast 100 Prozent sind,

00:20:05.853 --> 00:20:10.313
<v Günther Hasinger>man redet ja von schwarzen Löchern und es war lange Zeit nicht möglich,

00:20:10.513 --> 00:20:15.393
<v Günther Hasinger>solche Simulationen tatsächlich dann mit der richtigen Physik zu machen und

00:20:15.393 --> 00:20:19.013
<v Günther Hasinger>das war, bevor die Entdeckung dann kam, war das ein Durchbruch,

00:20:19.093 --> 00:20:21.093
<v Günther Hasinger>dass zwei Gruppen praktisch das geschafft haben,

00:20:21.933 --> 00:20:27.633
<v Günther Hasinger>wirklich allgemein relativistische Simulationen von solchen Vereinigungsprozessen zu machen.

00:20:28.093 --> 00:20:31.773
<v Günther Hasinger>Weil wir ja hier jetzt ein Audio haben, ich kann mal versuchen,

00:20:31.793 --> 00:20:34.633
<v Günther Hasinger>das vorzusingen, wie so ein Signal klingt.

00:20:35.433 --> 00:20:38.473
<v Günther Hasinger>Also wenn man zwei schwarze Löcher hat, die sich einander umkreisen,

00:20:39.013 --> 00:20:42.613
<v Günther Hasinger>das ist ja wie so ein Sinussignal. Also da gibt es so ein tiefes Brummen.

00:20:45.133 --> 00:20:49.153
<v Günther Hasinger>Und dann kommen die langsam näher, weil sie Gravitationswellen verlieren,

00:20:49.333 --> 00:20:51.073
<v Günther Hasinger>also Gravitationsenergie verlieren.

00:20:51.353 --> 00:20:53.253
<v Günther Hasinger>Und dann wird das Brummen etwas höher.

00:20:56.959 --> 00:20:59.719
<v Günther Hasinger>Und dann haben sie sich miteinander vereinigt. Und dieses Zip,

00:20:59.919 --> 00:21:02.639
<v Günther Hasinger>das nennt man ein Chirp, wie ein Vogelswitschern.

00:21:03.439 --> 00:21:07.959
<v Günther Hasinger>Und das war praktisch, diese Simulation hat eben diese Chirps vorhergesagt und

00:21:07.959 --> 00:21:10.199
<v Günther Hasinger>das war genau das Signal, was man dann gesehen hat.

00:21:11.099 --> 00:21:16.259
<v Tim Pritlove>Und das alles einen Tag, nachdem man die neue Technik installiert hat und alle haben sich angeschaut.

00:21:16.279 --> 00:21:20.219
<v Günther Hasinger>Ja, es war noch gar nicht im offiziellen Messbetrieb.

00:21:21.139 --> 00:21:26.139
<v Günther Hasinger>Und es war auch interessant, dass die beiden Herren, die das erstes gesehen

00:21:26.139 --> 00:21:27.659
<v Günther Hasinger>haben, waren in Hannover gesessen,

00:21:27.759 --> 00:21:32.919
<v Günther Hasinger>weil das ist ja ein internationales Projekt und die Messungen laufen praktisch

00:21:32.919 --> 00:21:36.619
<v Günther Hasinger>Tag und Nacht über und während es in den USA noch Nacht war,

00:21:37.239 --> 00:21:41.959
<v Günther Hasinger>saßen die hier in Hannover und haben das Signal praktisch gesehen und erstmal

00:21:41.959 --> 00:21:44.839
<v Günther Hasinger>überhaupt nicht geglaubt, aber das war wirklich fantastisch.

00:21:45.659 --> 00:21:49.539
<v Tim Pritlove>Kann man sich überhaupt nicht vorstellen, wie es den Leuten in dem Moment ging.

00:21:50.539 --> 00:21:54.019
<v Günther Hasinger>Aber wir reden ja jetzt dann auch über, wie es heute aussieht.

00:21:54.279 --> 00:21:59.659
<v Günther Hasinger>Und vielleicht kann ich da eine kurze Brücke schlagen. Ganz vor kurzem hat der

00:21:59.659 --> 00:22:04.599
<v Günther Hasinger>neue LIGO-Detektor, also der wesentlich empfindlicher ist, fast exakt das gleiche

00:22:04.599 --> 00:22:06.479
<v Günther Hasinger>Signal gesehen, was damals.

00:22:06.719 --> 00:22:09.939
<v Günther Hasinger>Also entstanden ist mit 30 Sonnenmassen, zweimal 30 Sonnenmassen.

00:22:09.939 --> 00:22:15.479
<v Günther Hasinger>Inzwischen ist die Signifikanz der Messergebnisse dramatisch verbessert worden

00:22:15.479 --> 00:22:20.599
<v Günther Hasinger>und jetzt kann man alle möglichen hochinteressanten Dinge aus diesem Signal

00:22:20.599 --> 00:22:23.019
<v Günther Hasinger>ableiten, die man am Anfang noch nicht konnte.

00:22:23.259 --> 00:22:27.179
<v Günther Hasinger>Also das ist eigentlich eine schöne Brücke, dass wir heute zwar immer noch diese

00:22:27.179 --> 00:22:32.139
<v Günther Hasinger>Signale sehen, aber inzwischen mit wesentlich höherer statistischer Aussagekraft.

00:22:32.139 --> 00:22:35.519
<v Tim Pritlove>Genau, das ist ja auch im Wesentlichen der Gedanke jetzt dieser Sendung,

00:22:35.579 --> 00:22:38.579
<v Tim Pritlove>dass wir ein bisschen drauf schauen wollen, was eigentlich sich jetzt in diesen

00:22:38.579 --> 00:22:41.559
<v Tim Pritlove>zehn Jahren getan hat. Dieser Chirp,

00:22:43.341 --> 00:22:48.001
<v Tim Pritlove>Also nicht nur, dass man jetzt daran sieht, okay, so sieht das aus,

00:22:48.081 --> 00:22:52.721
<v Tim Pritlove>wenn zwei schwarze Löcher sich miteinander vereinigen, sondern man konnte ja

00:22:52.721 --> 00:22:56.781
<v Tim Pritlove>auch schon diverse Parameter daraus ziehen, nämlich in etwa,

00:22:57.461 --> 00:22:59.541
<v Tim Pritlove>wie groß sind die jeweils?

00:22:59.541 --> 00:23:03.941
<v Tim Pritlove>Das heißt, das sind sozusagen in dieser Kurve steckende Informationen.

00:23:04.541 --> 00:23:10.621
<v Tim Pritlove>Man sieht nicht nur, sind schwarze Löcher, sondern man kann quasi zurückrechnen, was da war.

00:23:10.621 --> 00:23:11.381
<v Günther Hasinger>Wie schwer die sind.

00:23:11.541 --> 00:23:11.681
<v Tim Pritlove>Genau.

00:23:12.861 --> 00:23:18.681
<v Günther Hasinger>Man kann den Abstand, also die Entfernung bestimmen, also die kosmologischen Entfernungen.

00:23:19.481 --> 00:23:24.141
<v Günther Hasinger>Man kann bestimmen, wie sich die drehen, also ob sich die beiden schwarzen Löcher

00:23:24.141 --> 00:23:28.101
<v Günther Hasinger>stark drehen oder ob die sich ruhig verhalten.

00:23:29.061 --> 00:23:34.121
<v Günther Hasinger>Und jetzt eben in letzter Zeit, was ganz fantastisch war, man kann auch die

00:23:34.121 --> 00:23:36.841
<v Günther Hasinger>Oberfläche der beiden schwarzen Löcher messen.

00:23:37.181 --> 00:23:41.461
<v Günther Hasinger>Also was Stephen Hawkins hat vorhergesagt, dass wenn sich zwei schwarze Löcher

00:23:41.461 --> 00:23:46.161
<v Günther Hasinger>miteinander vereinigen, dann soll die Oberfläche des neuen schwarzen Loches,

00:23:46.161 --> 00:23:50.241
<v Günther Hasinger>was entsteht, größer sein als die beiden Oberflächen der vorhergehenden Schwarzen Löcher.

00:23:50.321 --> 00:23:55.241
<v Günther Hasinger>Und das konnte man jetzt vor kurzem das erste Mal beweisen. Das war auch fantastisch.

00:23:55.541 --> 00:23:57.841
<v Tim Pritlove>Auch rein aus dieser Gravitationswellen?

00:23:57.921 --> 00:24:00.521
<v Günther Hasinger>Aus der Form des Wellenzuges, ja.

00:24:01.201 --> 00:24:02.161
<v Tim Pritlove>Okay, irre.

00:24:03.221 --> 00:24:03.781
<v Günther Hasinger>Ja.

00:24:06.034 --> 00:24:09.634
<v Tim Pritlove>Genau. Kommen wir doch vielleicht mal so ein bisschen auf diese Detektoren selbst,

00:24:09.814 --> 00:24:13.954
<v Tim Pritlove>die jetzt bisher eingesetzt wurden und die es vor allem seitdem neu gab.

00:24:14.094 --> 00:24:18.394
<v Tim Pritlove>Also alles begann halt mit Geo 600, das ist eben diese Forschungsstation in

00:24:18.394 --> 00:24:21.814
<v Tim Pritlove>der Nähe von Hannover bei Hillesheim, irgendwo so auf dem Feld.

00:24:22.674 --> 00:24:30.134
<v Tim Pritlove>Ich war da ja, also eine unscheinbarere Erscheinung als das geht irgendwie gar nicht.

00:24:30.434 --> 00:24:34.394
<v Tim Pritlove>Also man hat fast das Gefühl, man steht da so ein bisschen im Nichts.

00:24:34.494 --> 00:24:35.054
<v Günther Hasinger>So verloren.

00:24:35.474 --> 00:24:40.474
<v Tim Pritlove>Und dann sind da so ein paar kleine Gebäude und man kommt rein und es ist alles voll mit Technik.

00:24:40.614 --> 00:24:44.534
<v Tim Pritlove>Und ja, es wird einem dann schnell klar so, okay, aber hier ist quasi gerade

00:24:44.534 --> 00:24:45.094
<v Tim Pritlove>eine... Es ist Hightech.

00:24:45.434 --> 00:24:49.274
<v Tim Pritlove>Es ist Hightech, aber es ist halt auch so ein bisschen die Geburtsstätte einer

00:24:49.274 --> 00:24:51.374
<v Tim Pritlove>kompletten neuen Astronomieform.

00:24:53.374 --> 00:24:57.054
<v Tim Pritlove>Und dort wurde die Technik entwickelt, aber man hatte dort nicht den Platz.

00:24:57.494 --> 00:25:00.694
<v Tim Pritlove>Platz hat man immer in Amerika. Finde ich ehrlich gesagt ein bisschen...

00:25:01.546 --> 00:25:05.046
<v Tim Pritlove>Schade, merkwürdig, ich habe mich ein bisschen gewundert, wenn das jetzt sozusagen

00:25:05.046 --> 00:25:08.326
<v Tim Pritlove>in Deutschland entwickelt ist, warum gab es da nicht den Push sowas dann auch

00:25:08.326 --> 00:25:12.186
<v Tim Pritlove>gleich in Deutschland aufzubauen oder ist Deutschland einfach generell nicht

00:25:12.186 --> 00:25:15.026
<v Tim Pritlove>mehr geeignet, ob seiner dichten Bebauung für so etwas?

00:25:15.086 --> 00:25:18.926
<v Günther Hasinger>Ja, also man braucht natürlich viel Platz und man braucht sehr,

00:25:18.926 --> 00:25:26.606
<v Günther Hasinger>sehr ruhige Gebiete und das ist halt im Sumpf in Louisiana oder auch an der

00:25:26.606 --> 00:25:29.646
<v Günther Hasinger>Westküste, also Amerika hat halt einfach viel mehr Platz.

00:25:30.366 --> 00:25:34.466
<v Tim Pritlove>Also da wurden die auf jeden Fall gebaut. Das sind also diese beiden LIGOS,

00:25:34.626 --> 00:25:41.826
<v Tim Pritlove>diese L-förmigen Lasermessinstrumente mit der Technik aus Deutschland und die

00:25:41.826 --> 00:25:45.306
<v Tim Pritlove>haben diese erste Detektion gemacht, aber seitdem ist ja einiges passiert.

00:25:45.566 --> 00:25:48.826
<v Tim Pritlove>Mittlerweile gibt es ja noch sehr viel mehr Gravitationsdetektoren.

00:25:48.826 --> 00:25:53.266
<v Günther Hasinger>Genau, also sehr früh gab es dann schon den Virgo-Detektor in der Nähe von Pisa,

00:25:53.626 --> 00:25:55.326
<v Günther Hasinger>also die italienischen Kollegen,

00:25:55.786 --> 00:26:02.486
<v Günther Hasinger>der hat drei Kilometer Kantenlänge und dann kam dazu der Kagra-Detektor in Japan,

00:26:02.906 --> 00:26:06.006
<v Günther Hasinger>der hat also als Besonderheit schon, dass er unter der Erde ist,

00:26:06.186 --> 00:26:10.546
<v Günther Hasinger>der wird also in den Fels geschlagen, weil man eben versuchen möchte,

00:26:10.806 --> 00:26:17.626
<v Günther Hasinger>die Störungen, die auf der Erdoberfläche existieren, halt so gut wie möglich zu reduzieren.

00:26:17.626 --> 00:26:21.166
<v Günther Hasinger>Und es entsteht ein neuer Detektor in Indien.

00:26:21.886 --> 00:26:26.586
<v Günther Hasinger>Das heißt also idealerweise hat man dann ein ganzes Netzwerk von Gravitationsdetektoren.

00:26:27.286 --> 00:26:32.766
<v Günther Hasinger>Sowohl Kagara als auch der indische Detektor sind noch nicht so richtig in Betrieb,

00:26:32.946 --> 00:26:37.006
<v Günther Hasinger>weil Kagara hatte dann Schwierigkeiten mit Wasser,

00:26:38.154 --> 00:26:42.674
<v Günther Hasinger>Problem, Wassereinbruch in dem Tunnel da und das sind halt Herausforderungen,

00:26:42.854 --> 00:26:46.594
<v Günther Hasinger>die ziemlich schwierig sind.

00:26:48.074 --> 00:26:53.534
<v Günther Hasinger>Virgo arbeitet jetzt auch schon die ganze Zeit ganz gut mit,

00:26:53.654 --> 00:26:57.114
<v Günther Hasinger>aber ist leider noch nicht, hat noch nicht so einen großen Schritt in seiner

00:26:57.114 --> 00:27:00.454
<v Günther Hasinger>Empfindlichkeit gemacht wie die beiden LIGO-Detektoren.

00:27:00.694 --> 00:27:03.214
<v Günther Hasinger>Also im Moment ist tatsächlich LIGO führend.

00:27:05.094 --> 00:27:07.234
<v Tim Pritlove>Indigo heißt glaube ich das Ding in Indien?

00:27:10.054 --> 00:27:14.254
<v Tim Pritlove>Genau. Das heißt, es gibt theoretisch, wenn die alle mal so richtig im Betrieb

00:27:14.254 --> 00:27:23.494
<v Tim Pritlove>sind, gibt es zweimal LIGO, dann Indien, Japan und Dings, also fünf Stück, die dann,

00:27:24.114 --> 00:27:29.574
<v Tim Pritlove>also vor allem natürlich erstmal so diese dreidimensionale Ortung eines Signals

00:27:29.574 --> 00:27:30.854
<v Tim Pritlove>nochmal deutlich verbessern dürfen.

00:27:31.354 --> 00:27:31.734
<v Günther Hasinger>Genau, genau.

00:27:32.294 --> 00:27:35.414
<v Tim Pritlove>Gibt es darüber hinaus noch einen Nutzen, dass man so viele hat?

00:27:35.414 --> 00:27:40.934
<v Günther Hasinger>Naja, es ist eben so häufig, also nicht immer, aber es passiert immer wieder

00:27:40.934 --> 00:27:43.674
<v Günther Hasinger>mal, dass einer der Detektoren ausfällt oder einen Glitsch hat.

00:27:43.874 --> 00:27:48.074
<v Günther Hasinger>Also das passiert eben manchmal, dass dann gerade ein Nasswagen vorbeifährt

00:27:48.074 --> 00:27:53.034
<v Günther Hasinger>oder die Stromleitung gerade eingeschaltet wird, während andere ein interessantes Signal sieht.

00:27:53.354 --> 00:27:56.934
<v Günther Hasinger>Und wenn man jetzt drei hat, ist es schon besser und mit fünf ist es noch besser.

00:27:56.934 --> 00:28:02.614
<v Günther Hasinger>Also es ist einerseits Redundanz und andererseits eben die Fähigkeit,

00:28:02.814 --> 00:28:06.334
<v Günther Hasinger>möglichst genau den Ort festzulegen, woher die Quelle kam.

00:28:06.474 --> 00:28:09.994
<v Tim Pritlove>Das heißt, sie sind auch alle fünf unmittelbar miteinander verbunden?

00:28:10.434 --> 00:28:16.854
<v Günther Hasinger>Also unmittelbar insofern, als die sozusagen in diesem International Gravitational

00:28:16.854 --> 00:28:22.274
<v Günther Hasinger>Wave, also Observatory, dann miteinander kooperieren.

00:28:22.854 --> 00:28:26.514
<v Günther Hasinger>Sie sind jetzt nicht physikalisch verbunden miteinander, sondern auch über die Daten.

00:28:26.854 --> 00:28:27.634
<v Tim Pritlove>Ja, klar.

00:28:27.934 --> 00:28:29.614
<v Günther Hasinger>Man muss halt sehr, sehr genau...

00:28:29.959 --> 00:28:36.219
<v Günther Hasinger>Die Zeit auf jedes Ereignis stempeln und dann kann man die miteinander korrelieren

00:28:36.219 --> 00:28:38.559
<v Günther Hasinger>später und kann praktisch die Daten dann,

00:28:39.239 --> 00:28:42.959
<v Günther Hasinger>also später heißt innerhalb von wenigen Minuten werden dann die Informationen

00:28:42.959 --> 00:28:47.919
<v Günther Hasinger>miteinander zusammengelegt, um möglichst gute Lokalisation zu haben.

00:28:48.359 --> 00:28:53.199
<v Günther Hasinger>Wir reden ja von explosiven Ereignissen, also die passieren nur einmal irgendwo

00:28:53.199 --> 00:28:56.359
<v Günther Hasinger>und wenn man das verpasst und spät hingeschaut hat, dann war es das.

00:28:56.459 --> 00:28:58.099
<v Günther Hasinger>Das heißt man muss möglichst schnell reagieren.

00:28:58.099 --> 00:29:02.179
<v Tim Pritlove>Wie kriegen die Zeitsynchronisationen hin?

00:29:03.159 --> 00:29:09.219
<v Günther Hasinger>Ich glaube, auf der Ebene geht es noch mit GPS-Zeiten.

00:29:09.779 --> 00:29:14.099
<v Günther Hasinger>Das sind dann vielleicht Submillisekunden oder sowas.

00:29:14.599 --> 00:29:19.559
<v Günther Hasinger>Wenn man jetzt zum Beispiel im Radiobereich diese Antennen miteinander verbindet,

00:29:19.739 --> 00:29:23.839
<v Günther Hasinger>diese Radiointerferometrie, wo man wirklich die Wellensignale einander überlagert,

00:29:23.839 --> 00:29:26.079
<v Günther Hasinger>dann braucht man Atomuhren oder Maser,

00:29:26.279 --> 00:29:30.219
<v Günther Hasinger>die dann sozusagen die Zeit besonders gut festlegen.

00:29:30.719 --> 00:29:32.179
<v Tim Pritlove>Aber das ist ein gelöstes Problem.

00:29:32.499 --> 00:29:32.639
<v Günther Hasinger>Ja.

00:29:34.139 --> 00:29:40.179
<v Tim Pritlove>Und jetzt hat es bei LIGO auf jeden Fall schon ein technisches Upgrade gegeben,

00:29:40.179 --> 00:29:42.199
<v Tim Pritlove>jetzt in diesen letzten zehn Jahren?

00:29:42.399 --> 00:29:47.399
<v Günther Hasinger>Also es gab mehrere Upgrades und was wir jetzt haben, ist das sogenannte Advanced LIGO,

00:29:48.219 --> 00:29:53.759
<v Günther Hasinger>in dem jetzt sozusagen schon die neuesten Detektoren verwendet werden und vor

00:29:53.759 --> 00:29:56.859
<v Günther Hasinger>allem auch eine Technik, die

00:29:56.859 --> 00:30:02.939
<v Günther Hasinger>also auch revolutionär ist, nämlich gequetschtes Licht, squeezed light.

00:30:04.719 --> 00:30:11.459
<v Günther Hasinger>Und zwar Licht ist ja auch ein quantenmechanisches Phänomen und im Rahmen der

00:30:11.459 --> 00:30:14.979
<v Günther Hasinger>Quantenmechanik gibt es eben die Heisenbergsche Unschärferelation,

00:30:15.159 --> 00:30:18.719
<v Günther Hasinger>dass man also nicht alles exakt gleichzeitig messen kann.

00:30:18.719 --> 00:30:22.399
<v Günther Hasinger>Man kann entweder die Geschwindigkeit oder den Ort eines Teilchens messen und

00:30:22.399 --> 00:30:25.279
<v Günther Hasinger>das gilt für die Lichtquelle auch.

00:30:25.979 --> 00:30:28.399
<v Günther Hasinger>Und da gibt es jetzt Techniken,

00:30:29.004 --> 00:30:33.504
<v Günther Hasinger>die sozusagen die quantenmechanische Unsicherheit in einer gewissen Dimension

00:30:33.504 --> 00:30:39.124
<v Günther Hasinger>sozusagen reduzieren, also da wo es einem besonders interessant ist und dafür

00:30:39.124 --> 00:30:41.404
<v Günther Hasinger>aber in der anderen Dimension dann die Unsicherheit,

00:30:41.824 --> 00:30:45.544
<v Günther Hasinger>also man quetscht sozusagen die Fehler des Lichtes zusammen,

00:30:45.964 --> 00:30:47.744
<v Günther Hasinger>sodass man noch genauer messen kann.

00:30:48.444 --> 00:30:54.264
<v Tim Pritlove>Man quetscht das Licht, also den Laser jetzt, den man schickt, den quetscht man?

00:30:54.264 --> 00:30:57.704
<v Günther Hasinger>Also man muss sagen, also nehmen wir mal an, ein Teilchen, also das Licht ist

00:30:57.704 --> 00:31:03.324
<v Günther Hasinger>ja auch, es gibt Lichtquanten und so ein Teilchen hat einen Ort,

00:31:03.544 --> 00:31:06.744
<v Günther Hasinger>also das sind drei Dimensionen und eine Geschwindigkeit, das sind auch nochmal

00:31:06.744 --> 00:31:11.924
<v Günther Hasinger>drei Dimensionen, also es sind sechs Parameter, die sozusagen so ein Teilchen bestimmen.

00:31:12.444 --> 00:31:16.784
<v Günther Hasinger>Und wenn ich die alle sechs Parameter genau messen möchte, dann gibt es eben

00:31:16.784 --> 00:31:20.804
<v Günther Hasinger>diese Heisenbergsche Unschärferelation, die mir immer sagt, ich kann maximal

00:31:20.804 --> 00:31:23.564
<v Günther Hasinger>drei von denen genau messen, die anderen weiß ich dann gar nicht.

00:31:23.824 --> 00:31:27.544
<v Günther Hasinger>Oder ich kann einen Kompromiss schließen und sagen, die Geschwindigkeit ein

00:31:27.544 --> 00:31:29.344
<v Günther Hasinger>bisschen messen und den Ort ein bisschen messen.

00:31:29.924 --> 00:31:34.484
<v Günther Hasinger>Und jetzt gibt es eben dieses sogenannte gequetschte Licht, wo einige Dimensionen

00:31:34.484 --> 00:31:39.084
<v Günther Hasinger>dieser Teilchen besonders genau gemessen werden, dafür die anderen weniger genau,

00:31:39.444 --> 00:31:43.204
<v Günther Hasinger>sodass man sozusagen ein Optimum in der Messgenauigkeit bekommt.

00:31:44.864 --> 00:31:48.484
<v Tim Pritlove>Also man quetscht. Versuche mir gerade vorzustellen, wie man Licht quetscht.

00:31:48.484 --> 00:31:51.464
<v Günther Hasinger>Also das ist eigentlich nicht das Licht selber, was gequetscht wird,

00:31:51.544 --> 00:31:54.644
<v Günther Hasinger>sondern die Unsicherheit, mit der man das Licht messen kann, wird gequetscht.

00:31:56.503 --> 00:32:02.943
<v Tim Pritlove>Unsicherheit wird gequetscht, also es ist eine Eigenschaft des Messgerätes, die sich dort ändert?

00:32:04.083 --> 00:32:08.003
<v Günther Hasinger>Ja, beziehungsweise man muss das Licht sozusagen durch spezielle sogenannte

00:32:08.003 --> 00:32:11.543
<v Günther Hasinger>Filter-Cavities schicken, das hängt dann auch im Prinzip noch davon ab,

00:32:11.683 --> 00:32:16.283
<v Günther Hasinger>das hängt von der Frequenz des Lichtes ab, also man kann das zum Beispiel für

00:32:16.283 --> 00:32:19.303
<v Günther Hasinger>blaues Licht dann gut machen, dann funktioniert es aber im roten Licht nicht

00:32:19.303 --> 00:32:23.583
<v Günther Hasinger>mehr so gut, das heißt, das ist also eine hochkomplexe physikalische Anwendung,

00:32:23.583 --> 00:32:25.223
<v Günther Hasinger>Aber dieses gequetschte Licht,

00:32:25.443 --> 00:32:29.503
<v Günther Hasinger>da ist zum Beispiel die Universität Hannover und das Arbeit-Einstein-Institut

00:32:29.503 --> 00:32:31.823
<v Günther Hasinger>in Hannover sind da weltführend.

00:32:32.763 --> 00:32:40.123
<v Günther Hasinger>Und das ist ein Teil jedes zukünftigen Interferometers.

00:32:40.503 --> 00:32:48.643
<v Tim Pritlove>Und dadurch verbessert sich nochmal die sich letzten Endes abbildende Kurve.

00:32:48.763 --> 00:32:52.023
<v Tim Pritlove>Das heißt, man hat einen feiner aufgelösten Chip.

00:32:52.023 --> 00:32:56.603
<v Günther Hasinger>Man muss dazu sagen, also man versucht ja sozusagen das Wackeln des Weltalls

00:32:56.603 --> 00:33:02.603
<v Günther Hasinger>zu messen und dazu muss man sämtliche anderen Wackelquellen möglichst ausschalten.

00:33:03.623 --> 00:33:07.103
<v Günther Hasinger>Ich rede jetzt mal nicht von LIGO, sondern von der nächsten Generation,

00:33:07.103 --> 00:33:13.003
<v Günther Hasinger>zum Beispiel das Einstein-Teleskop, wo man jetzt schon nochmal eine Stufe besser werden möchte.

00:33:13.683 --> 00:33:16.843
<v Günther Hasinger>Die größte Wackelquelle ist die Erde selber. Also das heißt,

00:33:16.903 --> 00:33:20.923
<v Günther Hasinger>die Erdoberfläche wackelt, weil da eben Autos fahren und Züge.

00:33:21.443 --> 00:33:25.543
<v Günther Hasinger>Und man hat auch die Ozeanwellen, die wackeln und so weiter.

00:33:26.083 --> 00:33:31.283
<v Günther Hasinger>Also jetzt, das versucht man auszuschalten dadurch, dass man eben an einen sehr

00:33:31.283 --> 00:33:34.263
<v Günther Hasinger>ruhigen Standort geht und dann noch besser in die Erde.

00:33:34.263 --> 00:33:41.003
<v Günther Hasinger>Also wenn man in 200 Meter Tiefe geht, dann ist dieses Wackeln der Erde möglichst

00:33:41.003 --> 00:33:45.143
<v Günther Hasinger>schon dramatisch reduziert ein Faktor von 100 bis 1000.

00:33:45.143 --> 00:33:46.423
<v Tim Pritlove>Das ist von Erdbeben mal abgesehen.

00:33:46.683 --> 00:33:52.223
<v Günther Hasinger>Jaja, die Erdbeben kommen von innen. Dann, wenn man das Wackeln sieht,

00:33:52.808 --> 00:33:58.088
<v Günther Hasinger>Wenn der Erde los wird, dann ist die nächstgrößte Wackelquelle der Spiegel selber.

00:33:58.248 --> 00:34:02.268
<v Günther Hasinger>Das heißt also der Laserstrahl wird ja hin und her geschickt zwischen zwei Spiegeln.

00:34:02.668 --> 00:34:07.468
<v Günther Hasinger>Die Oberfläche dieses Spiegels wackelt durch die braunsche Molekularbewegung

00:34:07.468 --> 00:34:09.648
<v Günther Hasinger>der Temperatur der Spiegeloberfläche.

00:34:09.648 --> 00:34:15.828
<v Günther Hasinger>Also Temperatur bedeutet ja Bewegung und jetzt möchte man gerne diese Bewegung

00:34:15.828 --> 00:34:21.728
<v Günther Hasinger>sozusagen reduzieren und dadurch muss man diese Spiegel dann bei kalten Temperaturen betreiben.

00:34:21.868 --> 00:34:25.948
<v Günther Hasinger>Also man muss sie auf 10 Grad über den absoluten Nullpunkt zum Beispiel bringen,

00:34:26.188 --> 00:34:28.008
<v Günther Hasinger>dann wackelt die Oberfläche nicht mehr.

00:34:28.008 --> 00:34:29.408
<v Tim Pritlove>Das wird aber jetzt noch nicht gemacht.

00:34:29.868 --> 00:34:33.468
<v Günther Hasinger>Das wird jetzt erst vorbereitet.

00:34:33.648 --> 00:34:38.708
<v Günther Hasinger>Aber die nächste Idee ist, gekühlte Spiegel zu verwenden.

00:34:39.748 --> 00:34:45.528
<v Günther Hasinger>Und dann kommt ein Faktor dazu, dass nämlich die Laserstrahlen schicken ja Licht.

00:34:45.668 --> 00:34:49.108
<v Günther Hasinger>Und Licht besteht ja eben auch aus Photonen. Das heißt, das Licht ist nicht

00:34:49.108 --> 00:34:53.848
<v Günther Hasinger>kontinuierlich, sondern das wackelt, das ist gebanscht.

00:34:54.468 --> 00:34:59.188
<v Günther Hasinger>Und diese Impulsvariationen, die durch das Licht kommen, die führen dazu,

00:34:59.268 --> 00:35:01.588
<v Günther Hasinger>dass der Spiegel zu wackeln anfängt.

00:35:02.848 --> 00:35:09.708
<v Günther Hasinger>Und deswegen muss man den Spiegel möglichst schwer machen, damit er möglichst nicht so wackelt.

00:35:10.708 --> 00:35:13.888
<v Günther Hasinger>Und dann kommt als nächster Faktor dieses gequetschte Licht,

00:35:14.028 --> 00:35:19.608
<v Günther Hasinger>das heißt also man versucht jetzt das Wackeln in Ausbewegungsrichtung möglichst

00:35:19.608 --> 00:35:26.528
<v Günther Hasinger>klein zu machen und dafür aber quer zur Bewegungsrichtung größer und das ist

00:35:26.528 --> 00:35:29.168
<v Günther Hasinger>eben dann nochmal eine Reduktion des Rauschens.

00:35:29.308 --> 00:35:34.128
<v Günther Hasinger>Das heißt also letztendlich geht es einfach darum, diese Berge von Störquellen

00:35:34.128 --> 00:35:38.548
<v Günther Hasinger>möglichst abzutragen, damit dann das Signal vom Himmel übrig bleibt.

00:35:39.181 --> 00:35:43.021
<v Tim Pritlove>Wie tief ist denn Kagra in Japan, also wenn das das erste Unterirdische ist?

00:35:43.041 --> 00:35:46.921
<v Günther Hasinger>Also Kagra ist in einen Berg eingebaut. Ich weiß jetzt nicht genau, wie hoch der Berg ist.

00:35:47.121 --> 00:35:50.701
<v Tim Pritlove>Da geht es mehr um den Schutz durch den Berg, nicht so sehr durch eine absolute Tiefe.

00:35:50.941 --> 00:35:56.161
<v Günther Hasinger>Ja, also einfach damit sozusagen dann die Störungen, die menschengemachten Störungen

00:35:56.161 --> 00:35:58.061
<v Günther Hasinger>von außen etwas geringer sind.

00:35:58.601 --> 00:36:01.101
<v Günther Hasinger>Aber zum Beispiel, wenn wir über das Einstein-Teleskop reden,

00:36:01.221 --> 00:36:09.141
<v Günther Hasinger>dort geht es darum, da 200, 250 Meter Tiefe in schön stabile Gesteinsschichten reinzugehen.

00:36:09.781 --> 00:36:12.741
<v Tim Pritlove>Wenn man Wellen misst, misst man ja Frequenzen?

00:36:14.286 --> 00:36:22.626
<v Tim Pritlove>Und diesen Chirp, den wir da sehen, ist ja quasi auch eine Änderung in dieser Frequenz.

00:36:24.506 --> 00:36:29.306
<v Tim Pritlove>Jetzt ist ja immer das Messen von Frequenzen eben auch abhängig davon,

00:36:29.306 --> 00:36:33.006
<v Tim Pritlove>wie groß ist sozusagen das Messgerät.

00:36:33.086 --> 00:36:36.806
<v Tim Pritlove>Man kennt das ja auch aus dem Audio-Bereich, also man muss eine entsprechende

00:36:36.806 --> 00:36:41.066
<v Tim Pritlove>Auflösung haben, um irgendwie auch noch hohe Frequenzen mitzunehmen.

00:36:41.066 --> 00:36:46.166
<v Günther Hasinger>Oder umgekehrt, ich liebe die Bass-Lautsprecher, die dann so 50 Zentimeter Durchmesser

00:36:46.166 --> 00:36:49.586
<v Günther Hasinger>haben und die schon so richtig Luft schieben.

00:36:49.686 --> 00:36:56.846
<v Tim Pritlove>Sodass man es halt auch spürt. Welche Limitierungen gibt es jetzt sozusagen

00:36:56.846 --> 00:37:04.366
<v Tim Pritlove>durch diese Methode, die man derzeit hat mit dem Laser oder mit diesen Längen der Laser?

00:37:04.366 --> 00:37:11.306
<v Tim Pritlove>Also was kann man denn sehen und was kann man denn vielleicht nicht sehen, was man sehen möchte?

00:37:12.026 --> 00:37:21.086
<v Günther Hasinger>Genau, also durch die Länge des Interferometers gibt es natürlich eine Frequenzlimitierung.

00:37:22.266 --> 00:37:27.206
<v Günther Hasinger>Und dann gibt es aber eben diese Störquellen, zum Beispiel das seismische Rauschen

00:37:27.206 --> 00:37:30.586
<v Günther Hasinger>auf einer Seite oder das Quantenrauschen des Lichtes auf der anderen Seite.

00:37:30.586 --> 00:37:35.926
<v Günther Hasinger>Das sind auch sowieso Wände, die dann irgendwie nicht mehr erlauben, tiefer zu gehen.

00:37:36.186 --> 00:37:41.866
<v Günther Hasinger>Also bei niedrigen Frequenzen, wir reden jetzt da so von ein paar Hertz,

00:37:42.346 --> 00:37:48.686
<v Günther Hasinger>da ist dann plötzlich die Seismik im Weg und bei hohen Frequenzen, ein paar hundert Hertz,

00:37:49.346 --> 00:37:54.646
<v Günther Hasinger>dann kommt dieses Quantenrauschen der Laser dazu.

00:37:54.646 --> 00:38:03.386
<v Günther Hasinger>Und jetzt kann man eben, je nachdem wie man sozusagen sein Messgerät aufbaut,

00:38:03.486 --> 00:38:08.406
<v Günther Hasinger>kann man die Frequenz etwas beeinflussen und vor allem die...

00:38:11.012 --> 00:38:15.692
<v Günther Hasinger>Was jetzt interessant wird, ist, dass man eben versucht zu niedrigeren Frequenzen

00:38:15.692 --> 00:38:20.412
<v Günther Hasinger>zu kommen und niedrigere Frequenzen bedeutet größere Objekte,

00:38:20.552 --> 00:38:21.672
<v Günther Hasinger>also größere Schwarze Löcher.

00:38:23.337 --> 00:38:28.257
<v Tim Pritlove>Also diese ganzen Detektoren laufen also jetzt teilweise seit zehn Jahren.

00:38:29.157 --> 00:38:32.937
<v Tim Pritlove>Wirklich nicht ganz so lang, ich weiß nicht, aber auch schon eine Weile.

00:38:33.697 --> 00:38:36.777
<v Tim Pritlove>Jetzt ist einiges gemessen worden und man hat auch festgestellt,

00:38:37.097 --> 00:38:42.897
<v Tim Pritlove>da kommt jetzt nicht nur so alle Jubiläare mal was, sondern da passiert schon

00:38:42.897 --> 00:38:47.657
<v Tim Pritlove>öfter mal was. Also wie hat sich denn das jetzt eingependelt?

00:38:47.797 --> 00:38:51.677
<v Tim Pritlove>Wie viele Ereignisse, die jetzt wirklich relevant sind und die auf irgendwas

00:38:51.677 --> 00:38:55.537
<v Tim Pritlove>hinweisen, wo man weiß, okay, das ist auch was, kommen denn jetzt tatsächlich?

00:38:55.537 --> 00:39:02.917
<v Günther Hasinger>Also jetzt in dem letzten Beobachtungslauf von Laigo Virgo Cagra, O4,

00:39:03.337 --> 00:39:08.077
<v Günther Hasinger>der wurde insgesamt in drei verschiedene Gruppen unterteilt, O4A,

00:39:08.277 --> 00:39:13.857
<v Günther Hasinger>B, C und C ist jetzt gerade vor ein paar Tagen zu Ende gegangen und in dem letzten

00:39:13.857 --> 00:39:19.037
<v Günther Hasinger>Lauf gab es zweimal pro Woche ungefähr ein Ereignis.

00:39:19.977 --> 00:39:25.257
<v Günther Hasinger>Und Ereignis ist eben dieser Chirp, also wo dann zwei schwarze Löcher sich miteinander vereinigt haben.

00:39:25.877 --> 00:39:27.537
<v Tim Pritlove>Oder auch nicht schwarze Löcher.

00:39:28.057 --> 00:39:30.357
<v Günther Hasinger>Sondern z.B. Neutronenstern. Da kommen wir gleich noch drauf.

00:39:31.757 --> 00:39:37.257
<v Günther Hasinger>Und die Gesamtanzahl von solchen Ereignissen hat sich jetzt auf über 200 erhöht.

00:39:37.257 --> 00:39:41.237
<v Günther Hasinger>Also wir reden jetzt nicht mehr von Einzeldingen, sondern von richtig toller Statistik.

00:39:41.717 --> 00:39:45.977
<v Günther Hasinger>Und das Interessante ist, wenn man jetzt die Massen anschaut,

00:39:46.097 --> 00:39:51.797
<v Günther Hasinger>die da vorkommen, dann sind diese 30 Sonnenmassen, die wir am Anfang wo wir so überrascht waren,

00:39:52.057 --> 00:39:58.257
<v Günther Hasinger>drüber die sind praktisch heute gang und gäbe also die Mehrzahl der LIGO Ereignisse

00:39:58.257 --> 00:40:01.457
<v Günther Hasinger>hat in der Gegend von 30 bis 50 Sonnenmassen.

00:40:03.257 --> 00:40:07.917
<v Günther Hasinger>Gesamtsumme und dann gibt es aber einige Ereignisse die besonders hervorstechen,

00:40:07.997 --> 00:40:14.497
<v Günther Hasinger>also inzwischen hat LIGO Birgokagra auch 100 und 200 Sonnenmassenobjekte gefunden

00:40:14.497 --> 00:40:16.497
<v Günther Hasinger>die man eigentlich kaum erwartet hätte,

00:40:17.449 --> 00:40:21.829
<v Günther Hasinger>Und dann ist es auch so, dass es immer mehr von den leichten Objekten gibt,

00:40:21.949 --> 00:40:24.249
<v Günther Hasinger>die so im Bereich von einer Sonnenmasse liegen,

00:40:24.769 --> 00:40:29.989
<v Günther Hasinger>wo man eigentlich bisher dachte, dass das Neutronensterne sein können,

00:40:30.289 --> 00:40:35.029
<v Günther Hasinger>aber es gibt eben diese Theorie der primordialen schwarzen Löcher,

00:40:35.269 --> 00:40:40.129
<v Günther Hasinger>die vorhersagen, dass es auch eine starke Komponente von primordialen schwarzen

00:40:40.129 --> 00:40:42.689
<v Günther Hasinger>Löchern bei einer Sonnenmasse existiert.

00:40:43.369 --> 00:40:46.669
<v Günther Hasinger>Und vielleicht kommen wir jetzt ganz kurz auf dieses eine Ereignis,

00:40:46.769 --> 00:40:49.749
<v Günther Hasinger>was wirklich auch bahnbrechend war.

00:40:51.389 --> 00:40:59.089
<v Günther Hasinger>1708-17, also am 17. August 2017, ist dieses Neutronensternverschmelzungsereignis,

00:40:59.149 --> 00:41:01.489
<v Günther Hasinger>diese sogenannte Kilonova, passiert.

00:41:01.629 --> 00:41:04.149
<v Günther Hasinger>Und das war wirklich ein Durchbruch.

00:41:04.674 --> 00:41:12.154
<v Günther Hasinger>Weil es das erste Mal war, dass man sozusagen Sound zu den optischen Informationen dazu bekommen hat.

00:41:12.294 --> 00:41:16.674
<v Günther Hasinger>Also wie der Sturmfilm wurde sozusagen in den Tonfilm umgewandelt.

00:41:17.054 --> 00:41:20.354
<v Günther Hasinger>Ich habe das früher Bringing Sound to the Cosmic Movies genannt,

00:41:20.554 --> 00:41:23.714
<v Günther Hasinger>also dass man sozusagen jetzt plötzlich nicht nur sieht, sondern auch hört.

00:41:23.894 --> 00:41:27.034
<v Tim Pritlove>Weil wenn die schwarzen Löcher sich da vereinigen, dann sieht man halt nichts.

00:41:27.894 --> 00:41:33.474
<v Günther Hasinger>Ja, oder nur sehr selten. Wir werden ja vielleicht hinterher noch über Lisa

00:41:33.474 --> 00:41:35.694
<v Günther Hasinger>reden, über dieses große Weltraum-Observatorium.

00:41:36.474 --> 00:41:40.534
<v Günther Hasinger>Lisa wird supermassereiche Schwarze Löcher sehen, die sich miteinander vereinigen.

00:41:40.654 --> 00:41:43.234
<v Günther Hasinger>Und die kommen ja nicht alleine, sondern die kommen immer mit so einem ganzen

00:41:43.234 --> 00:41:47.134
<v Günther Hasinger>Hofstaat von Materie und Sternen und weiß nicht was alles, die sich dann auch

00:41:47.134 --> 00:41:47.874
<v Günther Hasinger>miteinander vereinigen.

00:41:48.354 --> 00:41:51.674
<v Günther Hasinger>Da würde man wahrscheinlich auch wieder elektromagnetische Signale erwarten.

00:41:52.034 --> 00:41:57.554
<v Günther Hasinger>Aber wenn so zwei einsame, arme, schwarze Löcher so von Sternanmassen sich miteinander

00:41:57.554 --> 00:41:59.474
<v Günther Hasinger>vereinigen, dann sieht man da nichts.

00:41:59.474 --> 00:42:00.554
<v Tim Pritlove>So handelsübliche.

00:42:03.134 --> 00:42:07.754
<v Tim Pritlove>Genau, da ist dunkel, aber wenn zwei Neutronensterne aufeinander ballern,

00:42:08.094 --> 00:42:12.594
<v Tim Pritlove>dann ist eine Menge los und das ist schon auch immer mal beobachtet worden,

00:42:12.854 --> 00:42:16.634
<v Tim Pritlove>beziehungsweise man hat halt was beobachtet und nahm an, dass das dann zwei

00:42:16.634 --> 00:42:18.714
<v Tim Pritlove>Neutronensterne waren.

00:42:18.714 --> 00:42:22.674
<v Günther Hasinger>Bei den Gammastrahlenausbrüchen, genau. Also früher gab es schon sozusagen so

00:42:22.674 --> 00:42:26.574
<v Günther Hasinger>Gamma-Bursts, da haben wir auch schon tausende davon gesehen.

00:42:27.054 --> 00:42:31.014
<v Günther Hasinger>Vielleicht nur so ein kleiner Ausflug in die Geschichte, das basierte damals

00:42:31.014 --> 00:42:35.454
<v Günther Hasinger>auf den Atomsperrverträgen, wo also Russland und Amerika beschlossen haben,

00:42:35.594 --> 00:42:39.514
<v Günther Hasinger>keine Atomversuche mehr zu machen im Weltraum.

00:42:40.214 --> 00:42:43.594
<v Günther Hasinger>Und um sich gegenseitig zu kontrollieren, haben sie dann Satelliten hochgeschickt,

00:42:43.654 --> 00:42:46.494
<v Günther Hasinger>die praktisch Gamma-Blitze entdecken können.

00:42:47.054 --> 00:42:50.434
<v Günther Hasinger>Und plötzlich gab es diese Gamma-Blitze und Gott sei Dank ist dann nicht der

00:42:50.434 --> 00:42:53.334
<v Günther Hasinger>Dritte Weltkrieg ausgebrochen, weil sie dann gemerkt haben, die kommen nicht

00:42:53.334 --> 00:42:56.154
<v Günther Hasinger>von der Erde, sondern die kommen von weit her.

00:42:56.614 --> 00:43:03.034
<v Günther Hasinger>Und diese Gamma-Blitze sind dann eine ganz eigene astronomische Industrie geworden.

00:43:03.702 --> 00:43:08.002
<v Günther Hasinger>Und da gibt es zwei Sorten, sehr lange Gamma-Blitze, die so Minuten vielleicht

00:43:08.002 --> 00:43:12.162
<v Günther Hasinger>dauern und sehr kurze, die nur Sekunden oder weniger als die Sekunde dauern.

00:43:12.242 --> 00:43:17.662
<v Günther Hasinger>Und bei diesen kurzen hat man immer schon vermutet, dass es sich dabei um Neutronenstern-Vorgänge

00:43:17.662 --> 00:43:21.262
<v Günther Hasinger>handelt, also um die Vereinigung von zwei Neutronensternen.

00:43:21.642 --> 00:43:23.102
<v Tim Pritlove>Wie man Kilonova nennt.

00:43:23.102 --> 00:43:28.242
<v Günther Hasinger>Genau und dieses Ereignis am 17.08.17,

00:43:29.062 --> 00:43:33.702
<v Günther Hasinger>da hat man sowohl eine Gravitationswelle entdeckt, also diesen Terp und wenige

00:43:33.702 --> 00:43:38.982
<v Günther Hasinger>Sekunden später ein Gammablitz und dann hat man nachgeschaut und konnte tatsächlich

00:43:38.982 --> 00:43:40.542
<v Günther Hasinger>identifizieren die Galaxie,

00:43:40.622 --> 00:43:44.822
<v Günther Hasinger>in der dies passiert ist und dann hat man Wochen und Monate und heute noch sieht

00:43:44.822 --> 00:43:48.182
<v Günther Hasinger>man Signale aus dieser Kilonova-Verschmelzung.

00:43:48.182 --> 00:43:54.422
<v Günther Hasinger>Also dort sind das erste Mal nachweisbar die schweren Elemente entstanden,

00:43:54.722 --> 00:44:02.802
<v Günther Hasinger>zum Beispiel wie Platin und Uran und Thorium und Cäsium und so weiter.

00:44:03.354 --> 00:44:06.374
<v Günther Hasinger>Wo man bisher nicht so richtig verstanden hat, wo die eigentlich herkommen.

00:44:07.294 --> 00:44:10.754
<v Günther Hasinger>Und da wurde dann, also alle Welt hat jetzt gesagt, jetzt haben wir endlich

00:44:10.754 --> 00:44:12.694
<v Günther Hasinger>gesehen, wie Gold entsteht.

00:44:13.714 --> 00:44:20.434
<v Günther Hasinger>Also das Jod in den Blutbahnen und das Gold in den Zähnen, da hat man gedacht,

00:44:20.554 --> 00:44:25.274
<v Günther Hasinger>dass das jetzt sozusagen diese Neutronensternvereinigungen die Grundlage dafür

00:44:25.274 --> 00:44:27.654
<v Günther Hasinger>sind. Das stimmt heute nicht mehr so ganz.

00:44:28.234 --> 00:44:30.754
<v Günther Hasinger>Wir gehen davon aus, dass das Gold nicht so entsteht.

00:44:31.334 --> 00:44:31.594
<v Tim Pritlove>Ach echt?

00:44:31.614 --> 00:44:33.694
<v Günther Hasinger>Aber das ist nochmal ein anderes Thema.

00:44:34.334 --> 00:44:37.114
<v Tim Pritlove>Okay. Davon bin ich jetzt immer ausgegangen.

00:44:39.194 --> 00:44:41.314
<v Tim Pritlove>All die Gewissheit ist schon wieder verflogen.

00:44:41.934 --> 00:44:46.474
<v Günther Hasinger>Nein, es ist so, wir sehen diese schweren, diese sogenannten R-Prozesselemente,

00:44:46.554 --> 00:44:51.934
<v Günther Hasinger>also die mit sehr vielen Neutronensternen reicher Materie entstehen müssen.

00:44:52.234 --> 00:44:56.514
<v Günther Hasinger>Wir sehen die schon sehr, sehr früh im Universum und wir sehen sie auch in Zwerggalaxien,

00:44:56.514 --> 00:45:01.954
<v Günther Hasinger>wo sie, also wenn man eine Neutronenstern-Vereinigung hat, dann muss man ja

00:45:01.954 --> 00:45:04.034
<v Günther Hasinger>zunächst mal zwei Explosionen überleben.

00:45:04.874 --> 00:45:08.294
<v Günther Hasinger>Zwei Sterne müssen explodieren und Neutronensterne bilden.

00:45:08.494 --> 00:45:12.914
<v Günther Hasinger>Das ist schon mal sehr schwierig, wenn man so eine eine Neutronenstern-Explosion

00:45:12.914 --> 00:45:16.034
<v Günther Hasinger>hat, dann wird dieses System schon, kriegt schon eine Kick-Velocity,

00:45:16.254 --> 00:45:20.294
<v Günther Hasinger>also eine Geschwindigkeit und verlässt seine Muttergalaxie.

00:45:20.414 --> 00:45:23.314
<v Günther Hasinger>Und wenn der zweite Stern dann explodiert, dann passiert das nicht mehr in der

00:45:23.314 --> 00:45:25.074
<v Günther Hasinger>Galaxie, sondern irgendwo weiter draußen.

00:45:25.714 --> 00:45:29.414
<v Günther Hasinger>Und dann dauert es noch eine Milliarde Jahre, bis die beiden Neutronensterne

00:45:29.414 --> 00:45:31.874
<v Günther Hasinger>so weit zusammenkommen, dass sie sich miteinander vereinigen.

00:45:32.494 --> 00:45:36.154
<v Günther Hasinger>Das heißt, es ist ein interessantes Phänomen im heutigen Universum,

00:45:36.394 --> 00:45:41.394
<v Günther Hasinger>aber im frühen Universum reicht es nicht aus, also es dauert zu lange,

00:45:41.734 --> 00:45:44.814
<v Günther Hasinger>bis sich diese Neutronensterne miteinander vereinigen.

00:45:44.814 --> 00:45:48.674
<v Günther Hasinger>Deswegen braucht es andere Phänomene und da komme ich vielleicht zum Schluss

00:45:48.674 --> 00:45:51.354
<v Günther Hasinger>nochmal drauf, es gibt jetzt einen ganz, ganz heißen Kandidat,

00:45:51.514 --> 00:45:53.954
<v Günther Hasinger>der auch mit Gravitationswellen zusammenhängt,

00:45:54.353 --> 00:45:59.033
<v Günther Hasinger>wo also das Gold vielleicht erklärt werden kann.

00:45:59.133 --> 00:46:03.433
<v Tim Pritlove>Okay, aber bleiben wir nochmal bei den Messungen, die jetzt konkret stattgefunden

00:46:03.433 --> 00:46:04.893
<v Tim Pritlove>haben in den letzten zehn Jahren.

00:46:05.053 --> 00:46:10.253
<v Tim Pritlove>Also wir haben nicht nur so die herkömmlichen schwarzen Löcher,

00:46:10.433 --> 00:46:17.013
<v Tim Pritlove>sondern auch größere und auch sehr viel kleinere gesehen, die sich irgendwie zusammentun.

00:46:17.393 --> 00:46:21.673
<v Tim Pritlove>Man hat die Neutronensterne und ich glaube auch die Kombination Neutronenstern

00:46:21.673 --> 00:46:23.813
<v Tim Pritlove>und schwarze Löcher lässt sich ja auch nochmal erkennen.

00:46:23.813 --> 00:46:30.353
<v Günther Hasinger>Ja, also es ist so, bisher ist die Betrachtungsweise im Wesentlichen anhand der Massen,

00:46:30.513 --> 00:46:34.553
<v Günther Hasinger>also alles was sozusagen weniger als zwei oder drei Sonnenmassen hat,

00:46:34.673 --> 00:46:36.653
<v Günther Hasinger>wird in diesem Zusammenhang als

00:46:36.653 --> 00:46:40.473
<v Günther Hasinger>Neutronenstern bezeichnet und alles was schwerer ist als schwarzes Loch.

00:46:40.653 --> 00:46:43.553
<v Tim Pritlove>Also man kann es nicht wirklich sehen, man nimmt es nur an.

00:46:43.713 --> 00:46:48.213
<v Günther Hasinger>Man nimmt es an und ich bin ehrlich gesagt der Meinung, dass ein Großteil der

00:46:48.213 --> 00:46:51.833
<v Günther Hasinger>Objekte, die die Leute heute Neutronensterne nennen in dem Zusammenhang,

00:46:51.933 --> 00:46:53.073
<v Günther Hasinger>auch schwarze Löcher sein könnten.

00:46:54.426 --> 00:47:00.406
<v Günther Hasinger>Also das ist eben noch diese Debatte, ob es primordiale schwarze Löcher gibt oder nicht.

00:47:00.546 --> 00:47:06.426
<v Günther Hasinger>Und wenn es die gibt, dann müssten die auch in dieser Klasse von leichten Objekten drin sein.

00:47:06.446 --> 00:47:12.906
<v Tim Pritlove>Okay, aber wie oft, also wir hatten jetzt zweimal pro Woche gibt es so ein Ereignis.

00:47:13.926 --> 00:47:18.126
<v Tim Pritlove>Oder zweimal pro Woche messen wir so ein Ereignis. Vielleicht gibt es die ja

00:47:18.126 --> 00:47:21.646
<v Tim Pritlove>noch sehr viel öfter, man muss nur noch mal ein bisschen genauer hinschauen.

00:47:21.646 --> 00:47:26.206
<v Günther Hasinger>Ja, aber wenn man empfindlichere Detektoren hat, dann passiert das zehnmal am Tag sozusagen.

00:47:26.546 --> 00:47:29.386
<v Günther Hasinger>Also das Einstein-Teleskop zum Beispiel oder Cosmic Explorer,

00:47:29.506 --> 00:47:34.146
<v Günther Hasinger>die nächste Generation, würde so ein Ereignis vielfach, weil man natürlich viel

00:47:34.146 --> 00:47:35.226
<v Günther Hasinger>weiter rausschauen kann.

00:47:36.206 --> 00:47:41.726
<v Tim Pritlove>Und diese Ereignisse finden ja nicht unbedingt in unserer Galaxis statt.

00:47:42.006 --> 00:47:47.706
<v Günther Hasinger>Die sind im ganzen Universum verteilt. Beziehungsweise, wenn man die Entfernungen

00:47:47.706 --> 00:47:51.726
<v Günther Hasinger>anschaut, die jetzt im Moment kommen, dann ist es so immer noch vor unserer kosmischen Haustür.

00:47:52.126 --> 00:47:54.826
<v Tim Pritlove>Aber die Entfernung kann man auch rauslesen?

00:47:54.846 --> 00:48:00.686
<v Günther Hasinger>Die kann man messen, ja. Also das Gravitationssignal gibt einem auch Informationen

00:48:00.686 --> 00:48:02.346
<v Günther Hasinger>über den Abstand des Objekts.

00:48:02.426 --> 00:48:05.886
<v Günther Hasinger>Das ist eben so fantastisch, weil damit kann man im Prinzip,

00:48:06.046 --> 00:48:10.346
<v Günther Hasinger>wenn man viele von denen hat, kann man auch die Hubble-Konstante nochmal neu bestimmen.

00:48:10.466 --> 00:48:13.406
<v Tim Pritlove>Aber das würde doch bedeuten, dass sich das Signal irgendwie ändert,

00:48:13.586 --> 00:48:16.286
<v Tim Pritlove>wenn es länger unterwegs ist, oder woran kann man das sehen?

00:48:16.286 --> 00:48:21.026
<v Günther Hasinger>Ja, also durch die Rotverschiebung wird ja die...

00:48:22.002 --> 00:48:23.742
<v Günther Hasinger>Die Zeit sozusagen verändert.

00:48:23.942 --> 00:48:27.722
<v Tim Pritlove>Ach, die Ausdehnung, okay, na klar, also die Ausdehnung des Universums steckt

00:48:27.722 --> 00:48:28.802
<v Tim Pritlove>da natürlich genauso drin.

00:48:28.802 --> 00:48:33.382
<v Günther Hasinger>Steckt mit drin, ja genau. Also wenn man ein weit entferntes Signal findet,

00:48:33.562 --> 00:48:37.202
<v Günther Hasinger>dann dauert es wesentlich länger als das gleiche Signal in unserer Nähe.

00:48:37.222 --> 00:48:41.742
<v Tim Pritlove>Also die Frequenz wird tiefer sozusagen, aber die Charakteristika sind die gleichen. Ah, okay, gut.

00:48:41.842 --> 00:48:45.782
<v Tim Pritlove>Das heißt, und wie weit konnte man dort schon schauen?

00:48:45.962 --> 00:48:50.062
<v Tim Pritlove>Also ist man dann auch schon so bis ans Ende des beobachtbaren Universums gelangt?

00:48:50.062 --> 00:48:54.542
<v Günther Hasinger>Nee, eben noch nicht. Also das heißt, Also in Rotverschiebungen gerechnet kann

00:48:54.542 --> 00:48:57.842
<v Günther Hasinger>LIGO im Moment maximal ungefähr bis Z gleich 1 messen.

00:48:58.062 --> 00:49:01.922
<v Günther Hasinger>Und Z gleich 1 ist ungefähr die Hälfte des Alters des Universums.

00:49:02.142 --> 00:49:03.462
<v Tim Pritlove>Wofür steht Z in dem Zahnar?

00:49:03.462 --> 00:49:08.542
<v Günther Hasinger>Also Z ist die Rotverschiebung. Z ist 0, ist sozusagen unser lokales Universum.

00:49:08.762 --> 00:49:14.542
<v Günther Hasinger>Und Z gleich 1 heißt, dass man im Prinzip schon ein Signal um einen Faktor 2

00:49:14.542 --> 00:49:16.222
<v Günther Hasinger>sozusagen rot verschoben hat.

00:49:16.362 --> 00:49:19.422
<v Günther Hasinger>Also blaues Licht erscheint dann schon als rot.

00:49:20.082 --> 00:49:25.262
<v Günther Hasinger>Und man misst ja heutzutage, James Webb misst bis Z gleich 15,20 etwa.

00:49:25.982 --> 00:49:30.602
<v Günther Hasinger>Und die Mikrowellen-Hintergrundstrahlung, das Wackeln des Urknalls,

00:49:30.722 --> 00:49:33.582
<v Günther Hasinger>das sieht man bei Z gleich 1100, also 1100.

00:49:34.162 --> 00:49:38.582
<v Günther Hasinger>Da ist die Wellenlänge des Lichtes 1101 mal verschoben.

00:49:39.282 --> 00:49:41.842
<v Tim Pritlove>Und das ist sozusagen das Ende der Beobachtung.

00:49:41.902 --> 00:49:42.502
<v Günther Hasinger>Ja, genau.

00:49:43.002 --> 00:49:45.702
<v Tim Pritlove>Das heißt, da würde man eigentlich ganz gerne mit den Gravitationswellen noch hin.

00:49:45.942 --> 00:49:47.302
<v Günther Hasinger>Oder noch weiter hinaus.

00:49:47.302 --> 00:49:48.542
<v Tim Pritlove>Okay, aber wir sind jetzt bei 1.

00:49:48.542 --> 00:49:55.022
<v Günther Hasinger>Genau, im Moment kommt man zu eins. Sowohl LISA, das Weltraumobservatorium der

00:49:55.022 --> 00:49:59.502
<v Günther Hasinger>ESA, als auch die nächste Generation an bodengebundenen Teleskopen,

00:49:59.662 --> 00:50:01.782
<v Günther Hasinger>also Einstein-Teleskop und Cosmic Explorer,

00:50:02.408 --> 00:50:09.008
<v Günther Hasinger>können bis Z gleich 100 oder 1000 messen. Und das heißt, da kann man dann Objekte sehen,

00:50:09.208 --> 00:50:13.228
<v Günther Hasinger>die wirklich so früh entstanden sind im Universum, dass man dann sagen kann,

00:50:13.308 --> 00:50:17.728
<v Günther Hasinger>ob das primordiale schwarze Löcher sind oder ob man wirklich die erste Generation von Sternen sieht.

00:50:17.948 --> 00:50:21.028
<v Tim Pritlove>Das heißt, dann wäre die Erwartung auch, dass man jetzt nicht zweimal die Woche

00:50:21.028 --> 00:50:25.248
<v Tim Pritlove>eine Messung hat, sondern dann ist eigentlich am laufenden Meter was los.

00:50:25.248 --> 00:50:26.088
<v Günther Hasinger>Zig mal am Tag, ja.

00:50:26.568 --> 00:50:31.048
<v Tim Pritlove>Wow, okay. Wenn man das also mal hochrechnen würde, zig mal am Tag.

00:50:32.519 --> 00:50:36.539
<v Günther Hasinger>Das sind Zehntausende von Objekten, die man da dann sieht.

00:50:36.779 --> 00:50:37.339
<v Tim Pritlove>Pro Tag.

00:50:37.739 --> 00:50:41.139
<v Günther Hasinger>Nein, nein, also insgesamt, also wenn das Ding dann so ein Jahr oder ein paar

00:50:41.139 --> 00:50:43.299
<v Günther Hasinger>Jahre misst, dann rechnen wir wirklich von.

00:50:43.299 --> 00:50:46.139
<v Tim Pritlove>Ich wollte jetzt so ein bisschen darauf hinaus, sagen wir mal,

00:50:46.219 --> 00:50:48.839
<v Tim Pritlove>wir sehen jetzt 100 Ereignisse pro Tag.

00:50:49.279 --> 00:50:49.499
<v Günther Hasinger>Ja.

00:50:50.759 --> 00:50:56.799
<v Tim Pritlove>Was sagt denn das über das Universum aus? Also es knallt, aber jetzt ist ja

00:50:56.799 --> 00:51:03.599
<v Tim Pritlove>so eine Zahl wie 100, ist ja irgendwie nichts in Universumsdimensionen.

00:51:03.739 --> 00:51:09.339
<v Tim Pritlove>Das heißt, wir sehen schon wirklich sehr seltene Ereignisse.

00:51:09.339 --> 00:51:13.419
<v Günther Hasinger>Natürlich, klar. Ich meine, das Universum selbst hat ja, also wir reden von

00:51:13.419 --> 00:51:18.299
<v Günther Hasinger>100 Milliarden Sternen in unserer Milchstraße und 100 Milliarden Galaxien insgesamt.

00:51:18.599 --> 00:51:24.099
<v Günther Hasinger>Also das ist eine Eins mit 22 Nullen und 100 Objekte ist eine Eins mit zwei Nullen.

00:51:24.239 --> 00:51:27.399
<v Günther Hasinger>Also man hat da noch einen 20 Nullen Unterschied.

00:51:28.059 --> 00:51:32.079
<v Günther Hasinger>Aber ich glaube, es gibt zwei Punkte. Das eine ist, natürlich wird die Anzahl

00:51:32.079 --> 00:51:37.559
<v Günther Hasinger>von Objekten größer, aber auch die Signale der schon bekannten Objekte werden

00:51:37.559 --> 00:51:39.939
<v Günther Hasinger>zehnmal besser sozusagen oder hundertmal besser.

00:51:40.059 --> 00:51:44.939
<v Günther Hasinger>Das heißt also, man kann jede einzelne von diesen Wellenformen viel,

00:51:45.019 --> 00:51:51.139
<v Günther Hasinger>viel präziser messen und kann sehr, sehr viel über das Signal lernen.

00:51:51.839 --> 00:51:55.459
<v Günther Hasinger>Also wir haben vorher zum Beispiel darüber gesprochen, man kann Neutronensterne

00:51:55.459 --> 00:51:56.839
<v Günther Hasinger>haben oder schwarze Löcher.

00:51:57.379 --> 00:52:01.779
<v Günther Hasinger>Ein Neutronenstern hat eine harte Oberfläche und das wirkt sich auf die Wellenform aus.

00:52:01.919 --> 00:52:06.799
<v Günther Hasinger>Das heißt also man kann die Verbiegbarkeit der Oberfläche dann dieser Objekte

00:52:06.799 --> 00:52:11.719
<v Günther Hasinger>messen, wenn man ein Signal hat, was hundertmal besser ist als die heutigen Signale.

00:52:12.059 --> 00:52:15.659
<v Günther Hasinger>Und daraus kann man zum Beispiel eindeutig entscheiden, ob man ein schwarzes

00:52:15.659 --> 00:52:20.799
<v Günther Hasinger>Loch hat oder einen Neutronenstern. und man kann sogar die Zustandsgleichung

00:52:20.799 --> 00:52:22.419
<v Günther Hasinger>der Neutronensterne sehr genau messen.

00:52:22.519 --> 00:52:27.119
<v Günther Hasinger>Also was heute noch unbekannt ist, wie groß ist eigentlich so ein Neutronenstern,

00:52:27.239 --> 00:52:29.379
<v Günther Hasinger>Masse- und Radiusbeziehung.

00:52:29.499 --> 00:52:31.319
<v Tim Pritlove>Das kann man daraus ablesen, okay.

00:52:35.341 --> 00:52:40.881
<v Tim Pritlove>Das wird ja, also ich meine, das ist ja dann schon, da kann man schon von einer

00:52:40.881 --> 00:52:44.261
<v Tim Pritlove>signifikanten Verbesserung des Verständnisses des Universums reden, oder?

00:52:54.573 --> 00:53:02.073
<v Günther Hasinger>Sogenannte subsolare Ereignisse, also Ereignisse, deren Masse weniger als eine Sonnenmasse sind.

00:53:03.333 --> 00:53:07.753
<v Günther Hasinger>Also astrophysikalisch entsteht ein Neutronenstern dann, wenn zum Beispiel ein

00:53:07.753 --> 00:53:13.233
<v Günther Hasinger>weißer Zwerg im Zentrum des Sternes dann langsam,

00:53:13.633 --> 00:53:18.993
<v Günther Hasinger>oder ein Eisenkern dann kollabiert und dann ein Neutronenstern daraus entsteht.

00:53:18.993 --> 00:53:22.993
<v Günther Hasinger>Und das ist bei einer sogenannten Chandra-Seca-Masse, also das muss genau bei

00:53:22.993 --> 00:53:25.273
<v Günther Hasinger>1,4 Sonnenmassen passieren.

00:53:26.033 --> 00:53:30.533
<v Günther Hasinger>Und deswegen haben Neutronensterne typischerweise Massen zwischen 1,4 Sonnenmassen

00:53:30.533 --> 00:53:31.973
<v Günther Hasinger>und maximal drei Sonnenmassen.

00:53:32.273 --> 00:53:34.393
<v Günther Hasinger>Und danach werden es dann schwarze Löcher.

00:53:35.093 --> 00:53:42.553
<v Günther Hasinger>Aber es ist hochinteressant, dass es Theorien gibt, die auch kompakte Objekte,

00:53:42.633 --> 00:53:45.013
<v Günther Hasinger>die weniger als eine Sonnenmasse vorhersagen.

00:53:45.013 --> 00:53:47.533
<v Günther Hasinger>Also normalerweise, wenn man weniger als eine Sonnenmasse hat,

00:53:47.593 --> 00:53:52.073
<v Günther Hasinger>hat man automatisch einen weißen Zwerg, der ist dann so groß wie die Erde und

00:53:52.073 --> 00:53:55.773
<v Günther Hasinger>die Neutronensterne sind ja nur so groß wie Berlin oder Dresden.

00:53:57.033 --> 00:54:03.353
<v Günther Hasinger>Und jetzt gibt es die ersten Hinweise auf Signale, die weniger als eine Sonnenmasse

00:54:03.353 --> 00:54:07.753
<v Günther Hasinger>schwer sind und das können zwei Möglichkeiten sein.

00:54:07.853 --> 00:54:11.613
<v Günther Hasinger>Es könnte entweder primordiale schwarze Löcher sein, also die können nämlich

00:54:11.613 --> 00:54:13.513
<v Günther Hasinger>auch wesentlich kleiner sein.

00:54:13.513 --> 00:54:15.553
<v Tim Pritlove>Was heißt primordial in dem Zusammenhang?

00:54:15.773 --> 00:54:19.833
<v Günther Hasinger>Die dann sozusagen nicht durch den Kollaps eines Sternes entstanden sind,

00:54:20.013 --> 00:54:26.253
<v Günther Hasinger>sondern im frühen Universum durch Massekonzentrationen, die am eigenen Gewicht

00:54:26.253 --> 00:54:29.513
<v Günther Hasinger>schon nach wenigen Sekunden zusammenstürzen.

00:54:30.113 --> 00:54:35.453
<v Tim Pritlove>Also die sehr früh schon unabhängig von Sternen.

00:54:37.133 --> 00:54:42.173
<v Günther Hasinger>Und diese primordialen schwarzen Löcher könnten im Prinzip auch die dunkle Materie darstellen.

00:54:42.773 --> 00:54:46.293
<v Günther Hasinger>Also die dunkle Materie ist ja immer noch nicht bekannt, die Leute suchen seit

00:54:46.293 --> 00:54:50.253
<v Günther Hasinger>Generationen nach diesem Teilchen und jetzt stellt sich plötzlich heraus,

00:54:50.313 --> 00:54:53.433
<v Günther Hasinger>dass vielleicht primordiale schwarze Löcher ein Teilchen,

00:54:54.100 --> 00:54:59.280
<v Günther Hasinger>Also die dunkle Materie sein könnten. Aber wenn es so wäre, dann sagt die Theorie

00:54:59.280 --> 00:55:03.880
<v Günther Hasinger>eindeutig vorher, dass es auch schwarze Löcher geben soll, die weniger als eine Sonnenmasse haben.

00:55:04.540 --> 00:55:11.700
<v Günther Hasinger>Und da gibt es jetzt die allerersten, noch nicht hundertprozentig sicheren Signale,

00:55:11.840 --> 00:55:15.940
<v Günther Hasinger>aber in den letzten Wochen gab es zwei Ereignisse, die hochspannend waren,

00:55:16.560 --> 00:55:23.100
<v Günther Hasinger>wo man von LIGO gesehen hat, dass es dort Signale gibt, die sich mit 0,1 bis

00:55:23.100 --> 00:55:25.580
<v Günther Hasinger>0,5 Sonnenmassen miteinander vereinigt haben.

00:55:27.260 --> 00:55:31.900
<v Tim Pritlove>Also alle Annahmen bisher von schwarzen Löchern, dass das immer so riesige Ereignisse

00:55:31.900 --> 00:55:34.920
<v Tim Pritlove>sind und Zentrum der Galaxis und das saugt irgendwie alles auf,

00:55:35.260 --> 00:55:39.220
<v Tim Pritlove>das stimmt, aber könnte auch welche sein.

00:55:39.480 --> 00:55:43.580
<v Günther Hasinger>Es könnte sogar welche, die Asteroidenmassen haben und planetare Massen.

00:55:43.820 --> 00:55:47.760
<v Günther Hasinger>Also es könnte sein, dass unser Sonnensystem voll von kleinen schwarzen Löchern

00:55:47.760 --> 00:55:49.220
<v Günther Hasinger>ist, die wir noch nicht gesehen haben.

00:55:49.820 --> 00:55:53.760
<v Tim Pritlove>Dunkle Materie taucht ja immer wieder fast in jeder Sendung auf,

00:55:53.900 --> 00:55:56.300
<v Tim Pritlove>aber kann man nicht müde betonen.

00:55:56.460 --> 00:56:02.620
<v Tim Pritlove>Das ist sozusagen the biggest unknown derzeit. Man weiß, es gibt sehr viel mehr Masse.

00:56:03.880 --> 00:56:07.480
<v Tim Pritlove>Man kann es einfach ableiten aus der Beobachtung der Galaxien,

00:56:07.660 --> 00:56:11.060
<v Tim Pritlove>die sich sonst einfach nicht so drehen könnten, wie sie es eben tun.

00:56:11.500 --> 00:56:17.380
<v Tim Pritlove>Nur man sieht halt nichts. Und dieses Nicht-Sehen ist halt sozusagen die große

00:56:17.380 --> 00:56:19.580
<v Tim Pritlove>Frage, was ist es, was wir nicht sehen?

00:56:19.860 --> 00:56:23.540
<v Tim Pritlove>Ist es etwas, was wirklich im eigentlichen Sinne dunkel ist,

00:56:23.600 --> 00:56:28.800
<v Tim Pritlove>wie der Name ja jetzt hier irgendwie insinuiert, dass es sozusagen nur einfach kein Licht aussendet.

00:56:28.800 --> 00:56:33.400
<v Tim Pritlove>Da sind natürlich schwarze Löcher sozusagen einfach, indem sie einfach das Licht

00:56:33.400 --> 00:56:37.740
<v Tim Pritlove>bei sich behalten, auch wenn es das theoretisch in ihnen natürlich gibt.

00:56:37.920 --> 00:56:43.960
<v Tim Pritlove>Oder eben so die andere Theorie, der ja genauso nachgegangen wird beim Zerren etc.

00:56:44.480 --> 00:56:47.740
<v Tim Pritlove>Ob es Teilchen sind. Teilchenphysik ist, dass man einfach weiß,

00:56:47.860 --> 00:56:51.960
<v Tim Pritlove>okay es gibt da noch irgendein Teilchen, das einfach eine Masse hat.

00:56:52.641 --> 00:56:56.821
<v Tim Pritlove>Aber aus welchen Gründen auch immer, nicht im elektromagnetischen Spektrum sich

00:56:56.821 --> 00:56:58.921
<v Tim Pritlove>in irgendeiner Form abbildet.

00:56:59.081 --> 00:57:02.841
<v Tim Pritlove>Genau, und das ist so ein bisschen noch offen, bleibt wahrscheinlich auch noch eine Weile offen.

00:57:02.861 --> 00:57:07.601
<v Günther Hasinger>Also wir haben ja ein Teilchen der dunklen Materie schon gefunden, das ist das Neutrino.

00:57:08.121 --> 00:57:12.161
<v Günther Hasinger>Das Neutrino sollte ja eigentlich nach der klassischen Theorie keine Masse haben,

00:57:12.301 --> 00:57:15.481
<v Günther Hasinger>aber inzwischen hat man ja festgestellt, dass Neutrinos Masse haben.

00:57:15.541 --> 00:57:15.821
<v Tim Pritlove>Ach doch.

00:57:16.501 --> 00:57:21.181
<v Günther Hasinger>Ganz, ganz kleine Massen, aber im Prinzip ist das Neutrino schon ein Teilchen,

00:57:21.261 --> 00:57:24.861
<v Günther Hasinger>was genau die Eigenschaften der dunklen Materie widerspiegelt.

00:57:25.261 --> 00:57:30.541
<v Günther Hasinger>Aber das Neutrino ist so leicht, dass es sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegt und das ist zu schnell.

00:57:30.721 --> 00:57:35.781
<v Günther Hasinger>Also wir brauchen sogenannte kalte dunkle Materie und das Neutrino ist heiße dunkle Materie.

00:57:37.401 --> 00:57:38.261
<v Tim Pritlove>Na, Teufel auch.

00:57:40.761 --> 00:57:46.481
<v Tim Pritlove>Ja, wir kommen auch gleich nochmal zu den Multi-Messenger-Geschichten,

00:57:46.921 --> 00:57:51.521
<v Tim Pritlove>wo ja die Gravitationsfolgen eine große Rolle spielen, aber die Neutrinos ja auch.

00:57:54.081 --> 00:57:57.001
<v Tim Pritlove>Jetzt haben wir geschaut, okay,

00:57:57.521 --> 00:58:02.321
<v Tim Pritlove>was ist bisher an Detektoren gebaut worden, wie haben die funktioniert,

00:58:02.481 --> 00:58:07.081
<v Tim Pritlove>da haben wir im Prinzip ja eine Funktionsweise jetzt beschrieben,

00:58:07.401 --> 00:58:10.041
<v Tim Pritlove>die jetzt konkret implementiert wurde.

00:58:10.041 --> 00:58:15.461
<v Tim Pritlove>Wir sehen jetzt auch, was wurde davon detektiert und es gibt den Ausblick, okay,

00:58:15.921 --> 00:58:23.181
<v Tim Pritlove>man kann diese Technik noch verbessern und es ist absehbar, dass allein die

00:58:23.181 --> 00:58:25.621
<v Tim Pritlove>Verbesserung dieser Technik schon eine ganze Menge bringen wird.

00:58:26.441 --> 00:58:30.781
<v Tim Pritlove>Aber jetzt gibt es ja auch noch andere Ansätze, die wir hier haben.

00:58:31.707 --> 00:58:35.887
<v Tim Pritlove>Für Detektoren noch mal Messungen in irgendeiner Form vorzunehmen.

00:58:35.967 --> 00:58:38.327
<v Tim Pritlove>Was steht da sozusagen auf der Liste?

00:58:38.507 --> 00:58:43.927
<v Günther Hasinger>Also wir haben ja darüber gesprochen, dass die Gravitationswellen eine Art Spektrum auch darstellen.

00:58:44.047 --> 00:58:47.547
<v Günther Hasinger>Also wenn wir mal kurz auf das elektromagnetische Spektrum kommen,

00:58:48.247 --> 00:58:52.747
<v Günther Hasinger>das ist ja eigentlich ein Riesenbereich zwischen Radio- und Gamma-Strahlen.

00:58:53.767 --> 00:58:58.867
<v Günther Hasinger>Man hat ungefähr 56 Oktaven, die dieses Spektrum beschreiben.

00:58:59.587 --> 00:59:03.707
<v Günther Hasinger>Ein großes Piano hat acht Oktaven, das heißt man muss also acht große Pianos

00:59:03.707 --> 00:59:06.327
<v Günther Hasinger>nebeneinander stellen und jede Seite muss anders gespannt sein,

00:59:06.407 --> 00:59:10.967
<v Günther Hasinger>dann kriegt man sozusagen das gesamte elektromagnetische Spektrum dargestellt.

00:59:11.287 --> 00:59:16.287
<v Günther Hasinger>Beim Gravitationswellenspektrum ist es so ähnlich, das sind zwar nicht so viele

00:59:16.287 --> 00:59:20.827
<v Günther Hasinger>Dimensionen, aber trotzdem gibt es sehr große Unterschiede zwischen dem,

00:59:20.967 --> 00:59:22.887
<v Günther Hasinger>was man jetzt terrestrisch messen kann,

00:59:23.627 --> 00:59:27.347
<v Günther Hasinger>und Signalen, die noch viel, viel länger wellig sind.

00:59:27.347 --> 00:59:34.367
<v Günther Hasinger>Und der nächste Schritt ist, dass die ESA im Moment dieses LISA-Projekt baut.

00:59:35.147 --> 00:59:39.687
<v Günther Hasinger>Da spielt übrigens auch Hannover eine große Rolle. Also die deutsche Koordination

00:59:39.687 --> 00:59:43.607
<v Günther Hasinger>von dem LISA-Projekt findet im Albert-Einstein-Institut in Hannover statt.

00:59:44.827 --> 00:59:50.307
<v Günther Hasinger>Dort handelt es sich um ein Dreieck aus Satelliten, die hinter der Erde herfliegen

00:59:50.307 --> 00:59:55.447
<v Günther Hasinger>um die Sonne und einen 2,5 Millionen Kilometer Abstand haben.

00:59:58.067 --> 01:00:01.427
<v Tim Pritlove>Also hinter der Erde hinterherfliegen, also ich nehme an, das ist Lagrange-Punkt.

01:00:01.767 --> 01:00:06.227
<v Günther Hasinger>Nee, das ist nicht Lagrange-Punkt, sondern jeder einzelne Satellit fliegt sozusagen

01:00:06.227 --> 01:00:12.687
<v Günther Hasinger>um die Sonne in einer Bahn, die 60 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist.

01:00:12.687 --> 01:00:16.987
<v Günther Hasinger>Also man kann sich vorstellen, die Erde fliegt um die Sonne und hinten dran

01:00:16.987 --> 01:00:21.587
<v Günther Hasinger>gibt es dann so ein Dreieck von Satelliten, die auch um die Sonne fliegen.

01:00:22.946 --> 01:00:28.326
<v Tim Pritlove>Hinten dran, also ein Dreieck, was der Erde folgt, aber nicht an einem Lagrange-Punkt.

01:00:28.326 --> 01:00:32.926
<v Günther Hasinger>Nein, genau. Das wird in den Sonnenorbit gebracht,

01:00:35.446 --> 01:00:43.546
<v Günther Hasinger>in dem auch die Erde sitzt. Und jeder einzelne Satellit hat seine eigene Umlaufbahn um die Sonne.

01:00:43.946 --> 01:00:49.526
<v Günther Hasinger>Und diese Umlaufbahnen sind ganz klein wenig gekippt gegenüber der Erde.

01:00:49.526 --> 01:00:55.106
<v Günther Hasinger>Und wenn man dann die drei Satelliten genau richtig hinbringt,

01:00:55.206 --> 01:00:59.206
<v Günther Hasinger>dann fliegt jeder unabhängig voneinander um die Sonne, aber sie drehen sich

01:00:59.206 --> 01:01:04.446
<v Günther Hasinger>dann in so einem gleichschenklichen Dreieck umeinander herum mit zweieinhalb

01:01:04.446 --> 01:01:06.426
<v Günther Hasinger>Millionen Kilometer Kantenlänge.

01:01:07.606 --> 01:01:12.746
<v Günther Hasinger>Und jetzt ist es so, wir haben ja vorher gesprochen von diesem Michelson-Interferometer,

01:01:12.906 --> 01:01:17.346
<v Günther Hasinger>wo sozusagen derselbe Laserstrahl hergenommen wird und in sich selbst sozusagen

01:01:17.346 --> 01:01:18.686
<v Günther Hasinger>wieder interferiert wird.

01:01:19.166 --> 01:01:24.726
<v Günther Hasinger>Dazu muss man praktisch sicherstellen, dass man den gleichen Wellenberg immer

01:01:24.726 --> 01:01:26.966
<v Günther Hasinger>und das gleiche Wellental findet.

01:01:26.966 --> 01:01:33.686
<v Günther Hasinger>Das heißt, die Abstände dieser Laserstrahlen müssen also auf weniger als Zignanometer

01:01:33.686 --> 01:01:38.866
<v Günther Hasinger>oder sowas, also auf einen Bruchteil der optischen Wellenlänge genau festgelegt werden.

01:01:39.106 --> 01:01:45.646
<v Tim Pritlove>Also wir reden jetzt von einem Laserstrahl, der zwischen diesen drei Satelliten ein Dreieck aufspannt.

01:01:45.646 --> 01:01:50.526
<v Günther Hasinger>Ja, also ich wollte jetzt nochmal kurz zurück auf das Standardverfahren, was LIGO verwendet.

01:01:50.626 --> 01:01:56.166
<v Günther Hasinger>Das ist ein Michelson-Interferometer, wo ein Laserstrahl aufgespalten wird in

01:01:56.166 --> 01:02:00.326
<v Günther Hasinger>zwei Teile und dann wieder in sich zurückreflektiert wird und dann muss man

01:02:00.326 --> 01:02:03.766
<v Günther Hasinger>sicherstellen, dass man sozusagen auf demselben Wellenberg landet,

01:02:03.806 --> 01:02:04.966
<v Günther Hasinger>wieder in beiden Strahlen.

01:02:05.006 --> 01:02:06.226
<v Tim Pritlove>Das ist keine Phasenverschiebung.

01:02:06.226 --> 01:02:10.026
<v Günther Hasinger>Genau, wenn man jetzt zum Beispiel das Interferometer ein kleines Stückchen,

01:02:10.026 --> 01:02:13.626
<v Günther Hasinger>dem einen Fußtritt geben würde, dann sind die Wellen so weit auseinander,

01:02:13.746 --> 01:02:16.346
<v Günther Hasinger>dass man sie gar nicht mehr vermessen kann.

01:02:17.226 --> 01:02:22.546
<v Günther Hasinger>Bei LISA ist es so, dass die Satelliten untereinander jeweils einen Laserstrahl

01:02:22.546 --> 01:02:29.286
<v Günther Hasinger>hin und her schicken, dass aber der Abstand dieser Satelliten um Kilometer sozusagen unbekannt ist.

01:02:29.286 --> 01:02:33.806
<v Günther Hasinger>Also man kann das jetzt nicht auf Nanometer genau regulieren,

01:02:34.106 --> 01:02:38.386
<v Günther Hasinger>sondern man muss sozusagen, das ist kein Michelson-Interferometer,

01:02:38.586 --> 01:02:41.326
<v Günther Hasinger>sondern das ist eine andere Art von Interferometer,

01:02:42.006 --> 01:02:45.706
<v Günther Hasinger>man muss jetzt sozusagen die Wellenlänge mit sich selbst interferieren lassen,

01:02:45.886 --> 01:02:50.386
<v Günther Hasinger>man hat also Wellentäler und Wellenberge, aber die absolute Referenz dieser

01:02:50.386 --> 01:02:51.646
<v Günther Hasinger>Wellen sind nicht mehr bekannt.

01:02:52.422 --> 01:02:55.622
<v Günther Hasinger>Das heißt also, man misst nur noch relativ zueinander.

01:02:56.782 --> 01:03:00.642
<v Günther Hasinger>Man sieht das immer noch, wenn sich der Abstand um ein kleines Stückchen verändert,

01:03:00.922 --> 01:03:07.642
<v Günther Hasinger>aber man kann das nicht jetzt so genau messen, wie wenn man denselben Wellenberg sozusagen hätte.

01:03:08.262 --> 01:03:13.222
<v Günther Hasinger>Trotzdem ist es so, dass man mit Lisa mit diesen zweieinhalb Millionen Kilometern

01:03:13.222 --> 01:03:16.022
<v Günther Hasinger>unheimlich hohe Empfindlichkeiten bekommt.

01:03:16.602 --> 01:03:22.142
<v Günther Hasinger>Und man hat diese ganzen Störstrahlungen von der Erde und sonst was, kein Wackeln, nichts.

01:03:22.642 --> 01:03:26.502
<v Günther Hasinger>Das heißt also, man geht davon aus, dass die Signale, die Lisa sehen wird,

01:03:26.782 --> 01:03:32.942
<v Günther Hasinger>also praktisch absolut starke Signale sind. Da ist überhaupt kein Weg.

01:03:33.042 --> 01:03:37.402
<v Tim Pritlove>Das heißt, funktioniert Lisa im Prinzip genauso wie so ein Distanzlasermessgebiet?

01:03:37.642 --> 01:03:46.682
<v Günther Hasinger>Im Prinzip ja, kann man fast sagen. Wobei dann eben, also innerhalb jedes dieser

01:03:46.682 --> 01:03:50.862
<v Günther Hasinger>Satelliten gibt es freifliegende Massen.

01:03:51.522 --> 01:03:54.862
<v Günther Hasinger>Da hat es ja auch schon das LISA Pathfinder Projekt gegeben,

01:03:54.982 --> 01:03:59.402
<v Günther Hasinger>wo die mit hoher Präzision zeigen konnten, dass das Prinzip funktioniert.

01:04:00.382 --> 01:04:07.142
<v Günther Hasinger>Und Lisa wird jetzt eben im Gegensatz zu LIGO Objekte sehen können,

01:04:07.302 --> 01:04:12.062
<v Günther Hasinger>die so zwischen 100.000 und ein paar Millionen Sonnenmassen sind.

01:04:12.222 --> 01:04:17.382
<v Günther Hasinger>Also das heißt, diese supermassereichen schwarzen Löcher, die ja in allen Galaxien sich befinden.

01:04:18.302 --> 01:04:22.942
<v Günther Hasinger>Wenn sich dort zwei Galaxien miteinander vereinigen, dann wird Lisa dieses Signal sehen.

01:04:24.150 --> 01:04:32.090
<v Tim Pritlove>Das heißt, Lisa misst auch einen ganz anderen Frequenzbereich in diesem Spektrum.

01:04:32.090 --> 01:04:37.850
<v Günther Hasinger>Genau, also sehr, sehr langwellige Frequenzen, also im Bereich von Millihertz

01:04:37.850 --> 01:04:40.450
<v Günther Hasinger>bis Mikrohertz oder irgendetwas.

01:04:41.450 --> 01:04:45.950
<v Tim Pritlove>Und bedeutet das vor allem, dass man weiterschauen kann, weil man sozusagen

01:04:45.950 --> 01:04:47.810
<v Tim Pritlove>mehr Rotverschiebung nimmt?

01:04:47.810 --> 01:04:55.550
<v Günther Hasinger>Nicht unbedingt, sondern vor allem sieht man sehr, sehr massereiche Objekte.

01:04:56.090 --> 01:04:57.350
<v Tim Pritlove>Also andere Ereignisse.

01:04:57.450 --> 01:05:03.870
<v Günther Hasinger>Andere Ereignisse. Lisa kann zum Beispiel diese sogenannten kompakten Binärsysteme

01:05:03.870 --> 01:05:09.370
<v Günther Hasinger>sehen, also Systeme, die aus zwei weißen Zwergen bestehen und die sich einander umkreisen.

01:05:09.370 --> 01:05:15.710
<v Günther Hasinger>Da gibt es jetzt so Doppelsternsysteme, die nur Minuten Orbits haben und die

01:05:15.710 --> 01:05:20.790
<v Günther Hasinger>würden bei LISA praktisch einen sehr starken Hintergrund erzeugen.

01:05:21.990 --> 01:05:25.730
<v Günther Hasinger>Das gibt es überall in der Milchstraße, überall im ganzen Kosmos erzeugen die

01:05:25.730 --> 01:05:30.590
<v Günther Hasinger>so ein generelles Brummen, was überall immer zu sehen ist.

01:05:30.590 --> 01:05:35.470
<v Günther Hasinger>Und darüber überlagert sind dann diese supermassereichen schwarzen Löcher,

01:05:35.550 --> 01:05:36.670
<v Günther Hasinger>die sich miteinander vereinigen,

01:05:37.930 --> 01:05:44.610
<v Günther Hasinger>wo alles das, was wir vorher gesagt haben, dieses Chirpen, eine Million mal

01:05:44.610 --> 01:05:46.410
<v Günther Hasinger>langsamer abläuft etwa.

01:05:47.622 --> 01:05:57.162
<v Tim Pritlove>Millionen Mal, okay. Und was verspricht man sich jetzt primär davon zu entdecken?

01:05:57.162 --> 01:06:02.922
<v Günther Hasinger>Genau, also bei LISA ist es so, dass man vor allem lernen möchte,

01:06:03.062 --> 01:06:07.362
<v Günther Hasinger>woher kommen diese supermassereichen schwarzen Löcher in den Galaxien.

01:06:07.422 --> 01:06:12.022
<v Günther Hasinger>Wir sehen ja praktisch fast in jeder größeren, jeder ordentlichen Galaxie im

01:06:12.022 --> 01:06:13.182
<v Günther Hasinger>Zentrum ein schwarzes Loch.

01:06:13.322 --> 01:06:16.082
<v Günther Hasinger>Unsere eigene Milchstraße hat vier Millionen Sonnenmassen.

01:06:16.922 --> 01:06:21.482
<v Günther Hasinger>Im Andromedanebel sind es vielleicht zehn, zwanzig Millionen Sonnenmassen und

01:06:21.482 --> 01:06:26.402
<v Günther Hasinger>diese größten Galaxien im Universum haben bis zu Milliarden Sonnenmassen schweren schwarzen Löcher.

01:06:27.782 --> 01:06:32.382
<v Günther Hasinger>Und wenn sich dann, wir sehen auch immer wieder solche Galaxienvereinigungsprozesse

01:06:32.382 --> 01:06:37.502
<v Günther Hasinger>im Kosmos, wo zwei Galaxien sich miteinander verheiraten oder sich gegenseitig

01:06:37.502 --> 01:06:41.682
<v Günther Hasinger>auffressen und es muss im Prinzip dann auch,

01:06:41.802 --> 01:06:44.942
<v Günther Hasinger>diese schwarzen Löcher in den Galaxien müssen sich dann auch miteinander vereinigen

01:06:44.942 --> 01:06:46.002
<v Günther Hasinger>und das ist hochspannend.

01:06:46.710 --> 01:06:50.950
<v Günther Hasinger>Weil man da also alle mögliche Astrophysik und Dynamik und sonst was sieht.

01:06:51.190 --> 01:06:54.970
<v Günther Hasinger>Vor allem auch deswegen, weil man diese aktiven schwarzen Löcher,

01:06:55.070 --> 01:06:59.910
<v Günther Hasinger>die im Zentrum von Galaxien sitzen, die strahlen ja sehr hell und das sind die

01:06:59.910 --> 01:07:04.110
<v Günther Hasinger>Quasare zum Beispiel, die also besonders leuchtkräftig sind.

01:07:04.690 --> 01:07:09.290
<v Günther Hasinger>Man geht davon aus, dass solche schwarzen Löcher besonders gut gefüttert werden,

01:07:09.530 --> 01:07:12.930
<v Günther Hasinger>wenn sich zwei Galaxien miteinander vereinigen, weil dann plötzlich im Zentrum

01:07:12.930 --> 01:07:19.610
<v Günther Hasinger>ganz viele Gasströme sozusagen ins Zentrum geschoben werden und die schwarzen

01:07:19.610 --> 01:07:22.190
<v Günther Hasinger>Löcher, die also Milliarden Jahre lang hungern,

01:07:22.470 --> 01:07:26.270
<v Günther Hasinger>kriegen dann plötzlich was zu fressen und strahlen ganz hell.

01:07:26.810 --> 01:07:34.570
<v Günther Hasinger>Und das ist also besonders der Vergleich der elektromagnetischen mit der Gravitationswellensignale

01:07:34.570 --> 01:07:40.090
<v Günther Hasinger>ist also unheimlich spannend, weil man dann genau messen kann, was da passiert.

01:07:40.610 --> 01:07:44.290
<v Günther Hasinger>Man geht zum Beispiel davon aus, dass wenn so ein schwarzes Loch sehr,

01:07:44.370 --> 01:07:47.470
<v Günther Hasinger>sehr gut gefüttert wird, dann strahlt es auch sehr viel ab.

01:07:47.930 --> 01:07:51.890
<v Günther Hasinger>Das heißt also, da gibt es diese Jets, die dann rauskommen und dann so ein schwarzes

01:07:51.890 --> 01:07:56.490
<v Günther Hasinger>Loch ist in der Lage, seine Umgebung freizupusten sozusagen von Materie.

01:07:57.322 --> 01:08:02.282
<v Günther Hasinger>Die neuesten Modelle sagen, dass also am Anfang, wenn sich zwei solche schwarzen

01:08:02.282 --> 01:08:04.922
<v Günther Hasinger>Löcher nähern, sind die sehr helle Röntgenquellen,

01:08:05.102 --> 01:08:09.522
<v Günther Hasinger>man kann sie ziemlich hell sehen und die fangen dann langsam an Gravitationswellen

01:08:09.522 --> 01:08:13.582
<v Günther Hasinger>auszustrahlen, aber wenn sie dann anfangen Gravitationswellen auszustrahlen,

01:08:13.642 --> 01:08:15.202
<v Günther Hasinger>dann pusten sie gleichzeitig ihre

01:08:15.202 --> 01:08:18.622
<v Günther Hasinger>Umgebung frei und dann muss die Röntgenstrahlung erstmal verschwinden.

01:08:19.362 --> 01:08:22.742
<v Günther Hasinger>Und wenn sie sich dann miteinander vereinigen, dann wackelt es und dann gibt

01:08:22.742 --> 01:08:26.242
<v Günther Hasinger>es ein großes neues Objekt und dann dauert es ein paar Monate,

01:08:26.642 --> 01:08:30.802
<v Günther Hasinger>vielleicht bis Jahre, bis dann die Materie wieder reinkommt und dann wieder

01:08:30.802 --> 01:08:33.922
<v Günther Hasinger>sozusagen gefressen wird.

01:08:34.522 --> 01:08:38.702
<v Günther Hasinger>Das heißt, es gibt so einen richtig schönen Tanz zwischen elektromagnetischer

01:08:38.702 --> 01:08:40.202
<v Günther Hasinger>und gravitationswellen Strahlung,

01:08:40.522 --> 01:08:44.642
<v Günther Hasinger>wo man unheimlich viel über die Physik lernt von solchen Schwarzen.

01:08:44.642 --> 01:08:48.622
<v Tim Pritlove>Und das bedeutet auch, dass man jetzt nicht nur so einen kurzen Event hat und

01:08:48.622 --> 01:08:52.362
<v Tim Pritlove>dann war es das, sondern man beobachtet im Prinzip zwei Galaxien dabei,

01:08:52.562 --> 01:08:56.282
<v Tim Pritlove>wie sie sich miteinander vereinigen über einen Zeitraum von Wochen,

01:08:56.462 --> 01:08:58.042
<v Tim Pritlove>Monaten oder Jahren vielleicht sogar.

01:08:58.879 --> 01:09:02.379
<v Günther Hasinger>Also es geht los mit hunderten von Millionen Jahren, wenn man sozusagen sieht,

01:09:02.479 --> 01:09:05.859
<v Günther Hasinger>wie sie sich dann schon annähern, aber da haben wir nicht genügend Zeit,

01:09:06.019 --> 01:09:07.879
<v Günther Hasinger>aber man sieht die letzten Minuten.

01:09:08.599 --> 01:09:12.959
<v Günther Hasinger>Also quasi den Moment der Vereinigung eben flagrant, die ertappt.

01:09:13.479 --> 01:09:17.959
<v Tim Pritlove>Und das würde sich dann über was für einen Zeitraum vielleicht in etwa abbilden?

01:09:18.759 --> 01:09:24.779
<v Günther Hasinger>Also wie gesagt, dieses mit dem Leerpusten, also dass sozusagen irgendwann mal

01:09:24.779 --> 01:09:29.999
<v Günther Hasinger>die Gravitationswellen überwiegen und den Rest der Materie erstmal nach außen

01:09:29.999 --> 01:09:33.459
<v Günther Hasinger>pusten, das ist eine Frage von vielleicht Wochen oder so etwas.

01:09:33.859 --> 01:09:37.839
<v Tim Pritlove>Aber wann würde man das erste Mal was messen können, vermutlich mit Lisa,

01:09:38.179 --> 01:09:39.859
<v Tim Pritlove>wenn das jetzt so im Raum ist?

01:09:39.879 --> 01:09:44.919
<v Günther Hasinger>Das ist im Bereich von Wochen, also so ein Ereignis kann ein ganzes Jahr lang

01:09:44.919 --> 01:09:47.179
<v Günther Hasinger>dauern sozusagen mit Lisa, wenn man Glück hat.

01:09:48.059 --> 01:09:52.799
<v Günther Hasinger>Das heißt also, wenn man die Lokation am Himmel gut genug bestimmen kann,

01:09:53.359 --> 01:09:58.339
<v Günther Hasinger>dann kann man also alle Teleskope darauf richten und insbesondere die Rankenteleskope

01:09:58.339 --> 01:10:00.059
<v Günther Hasinger>können das dann verfolgen.

01:10:00.319 --> 01:10:04.539
<v Tim Pritlove>Dann hat man richtig ein Jahr lang Spaß mit der Vereinigung von zwei Galaxien.

01:10:08.179 --> 01:10:11.659
<v Tim Pritlove>Ein beeindruckendes Projekt, Lisa. Gibt es da noch was?

01:10:11.659 --> 01:10:16.679
<v Günther Hasinger>Ja, also was ich noch sagen wollte, so ähnlich wie auch dein Einstein-Teleskop später,

01:10:16.959 --> 01:10:21.419
<v Günther Hasinger>kann LISA eben bis viel weiter hinausschauen, also praktisch bis an den Rand

01:10:21.419 --> 01:10:25.559
<v Günther Hasinger>des sichtbaren Universums, bis zu einer Rotverschiebung von 1000 etwa,

01:10:25.679 --> 01:10:28.239
<v Günther Hasinger>das ist da, wo der mikrowellen Hintergrund dann beginnt.

01:10:28.239 --> 01:10:33.499
<v Günther Hasinger>Und das kann halt besonders diese sogenannten dunklen Zeiten beurteilen,

01:10:33.679 --> 01:10:39.579
<v Günther Hasinger>wo man eigentlich nichts erwartet, aber wenn Lisa in diesen dunklen Zeiten schwarze Löcher findet,

01:10:39.959 --> 01:10:44.199
<v Günther Hasinger>dann kann man beweisen, dass die primordial sein müssen, also dass sie praktisch

01:10:44.199 --> 01:10:47.059
<v Günther Hasinger>schon von Anfang an da gewesen sind.

01:10:49.450 --> 01:10:56.750
<v Tim Pritlove>So, ja, Lisa, Start ist glaube ich 2035, also da müssen wir noch ein bisschen warten.

01:10:57.550 --> 01:11:01.530
<v Günther Hasinger>Ich glaube, die Eigenschaft eines Weltraumforsches ist erstmal Geduld zu haben.

01:11:01.730 --> 01:11:05.310
<v Tim Pritlove>Ja, das geht ja generell in diesem Segment, das stimmt.

01:11:06.070 --> 01:11:10.330
<v Tim Pritlove>Jetzt gibt es ja auch noch ein paar andere Ansätze, den Gravitationswellen auf

01:11:10.330 --> 01:11:16.650
<v Tim Pritlove>die Spur zu kommen, jenseits der jetzt bereits vorgestellten Techniken und der

01:11:16.650 --> 01:11:20.950
<v Tim Pritlove>von dieser angestrebten Methode. Was gibt es denn da noch?

01:11:21.130 --> 01:11:27.770
<v Günther Hasinger>Genau, also es gibt noch drei verschiedene Themen. Das eine sind die sogenannten Pulsar Timing Arrays.

01:11:28.350 --> 01:11:31.790
<v Günther Hasinger>Das hat sich jetzt gerade im letzten Jahr fantastisch ergeben,

01:11:32.010 --> 01:11:37.630
<v Günther Hasinger>dass also drei oder vier weltweite Kollaborationen ein Signal gefunden haben,

01:11:37.630 --> 01:11:42.570
<v Günther Hasinger>was sehr, sehr wahrscheinlich von einem Gravitationswellenhintergrund stammt.

01:11:42.890 --> 01:11:48.070
<v Günther Hasinger>Und zwar muss man sich das vorstellen, die Pulsare, das sind ja diese Neutronenstern,

01:11:48.130 --> 01:11:50.370
<v Günther Hasinger>die sich unheimlich schnell um ihre eigene Achse drehen.

01:11:50.450 --> 01:11:55.350
<v Günther Hasinger>Wir reden von Millisekunden-Pulsaren, also das sind so 10 Kilometer oder 20

01:11:55.350 --> 01:12:01.030
<v Günther Hasinger>Kilometer große Neutronenbälle, die sich einmal in der Millisekunde um ihre

01:12:01.030 --> 01:12:04.050
<v Günther Hasinger>eigene Achse drehen, also gigantische Unvorstellungen.

01:12:04.050 --> 01:12:08.930
<v Günther Hasinger>Und diese Millisekunden-Pulsare sind eigentlich unheimlich präzise Uhren.

01:12:09.709 --> 01:12:15.929
<v Günther Hasinger>Die werden zum Teil auch benutzt, um die Atomzeit auf der Erde nachzustellen.

01:12:16.089 --> 01:12:19.849
<v Günther Hasinger>Also die Atomuhren sind ja schon fantastisch, aber die gehen weniger genau als

01:12:19.849 --> 01:12:21.089
<v Günther Hasinger>die Millisekundenpulsare.

01:12:21.849 --> 01:12:27.129
<v Günther Hasinger>Das heißt also Millisekundenpulsare insgesamt stellen also eine extrem gute Zeitbasis dar.

01:12:27.649 --> 01:12:31.849
<v Günther Hasinger>Und wenn jetzt eine Gravitationswelle durch unsere Galaxie läuft.

01:12:32.789 --> 01:12:37.109
<v Günther Hasinger>Dann führt die dazu, dass die Uhrzeiten auf der einen Seite alle ein bisschen

01:12:37.109 --> 01:12:39.689
<v Günther Hasinger>nachgehen und auf der anderen Seite ein bisschen schneller laufen.

01:12:39.869 --> 01:12:43.909
<v Günther Hasinger>Also die Gravitationswelle ist ja sozusagen auch eine Verzerrung des Raum-Zeit-Kontinuums

01:12:43.909 --> 01:12:47.209
<v Günther Hasinger>und die Uhren laufen dann auf der einen Seite ein bisschen langsamer und auf

01:12:47.209 --> 01:12:48.369
<v Günther Hasinger>der anderen Seite ein bisschen schneller.

01:12:49.069 --> 01:12:53.249
<v Günther Hasinger>Oder man kann es auch so sehen, die ganzen Millisekunden-Pulsare auf der einen

01:12:53.249 --> 01:12:54.989
<v Günther Hasinger>Seite werden so zehn Meter auf

01:12:54.989 --> 01:12:59.109
<v Günther Hasinger>die eine Seite gerückt und auf der anderen Seite in die andere Richtung.

01:13:00.109 --> 01:13:03.969
<v Günther Hasinger>Und man kann also praktisch die ganze Galaxie als Detektor benutzen,

01:13:04.109 --> 01:13:07.949
<v Günther Hasinger>um extrem langwellige Gravitationswellen zu finden.

01:13:08.349 --> 01:13:14.449
<v Günther Hasinger>Und die werden von Objekten ausgesandt, die so Millionen bis Milliarden Sonnenmassen schwer sind.

01:13:14.549 --> 01:13:17.709
<v Günther Hasinger>Also wenn man dann so richtig dicke Klopper von Galaxien hat,

01:13:17.829 --> 01:13:23.469
<v Günther Hasinger>die sich dann miteinander vereinigen, dann wackelt das Raumzeitkontinuum auf

01:13:23.469 --> 01:13:24.669
<v Günther Hasinger>galaktischen Maßstäben.

01:13:25.669 --> 01:13:29.269
<v Günther Hasinger>Und wenn wir jetzt also typischerweise haben diese Pulsar Timing Arrays,

01:13:29.529 --> 01:13:36.089
<v Günther Hasinger>so eine Zahl von 20, 30 Neutronensternen, die sie gleichzeitig beobachten und

01:13:36.089 --> 01:13:39.569
<v Günther Hasinger>man kann zwar noch nicht, man konnte noch nicht ein einzelnes Ereignis sehen,

01:13:39.729 --> 01:13:43.989
<v Günther Hasinger>also dass dann sozusagen auf der einen Seite alle in eine Richtung ging und

01:13:43.989 --> 01:13:44.829
<v Günther Hasinger>auf der anderen in die andere,

01:13:45.069 --> 01:13:48.509
<v Günther Hasinger>aber man konnte insgesamt an dem Rauschen der Signale schon sehen,

01:13:48.509 --> 01:13:52.469
<v Günther Hasinger>dass da ein Gravitationswellenuntergrund drunter,

01:13:53.853 --> 01:13:57.153
<v Günther Hasinger>Und in Zukunft ist es so, dass wir durch neue Radioteleskope,

01:13:57.173 --> 01:14:00.213
<v Günther Hasinger>da kommen wir dann vielleicht hinterher auf das Querkilometer Array oder auf

01:14:00.213 --> 01:14:06.233
<v Günther Hasinger>das DSA 2000, jetzt vielfach mehr noch neue Neutronensterne entdecken können.

01:14:06.353 --> 01:14:09.613
<v Günther Hasinger>Und wenn man die, sagen wir mal so zehn Jahre lang beobachtet,

01:14:09.753 --> 01:14:15.293
<v Günther Hasinger>dann gehen wir davon aus, dass wir auch in Pulsar Timing Arrays zukünftig einzelne

01:14:15.293 --> 01:14:16.313
<v Günther Hasinger>Ereignisse sehen können.

01:14:16.313 --> 01:14:21.173
<v Günther Hasinger>Also dass man wirklich das zuordnen kann, dass da zwei supermassereiche schwarze

01:14:21.173 --> 01:14:22.913
<v Günther Hasinger>Löcher sich miteinander vereinigen.

01:14:23.173 --> 01:14:27.513
<v Tim Pritlove>Um nochmal zu verstehen, also mit Pulsar Timing Array meint man im Prinzip die

01:14:27.513 --> 01:14:33.473
<v Tim Pritlove>parallele Beobachtung mehrerer bekannter Pulsare mit was für einem Instrument?

01:14:33.693 --> 01:14:35.113
<v Günther Hasinger>Mit Radioteleskopen.

01:14:35.113 --> 01:14:39.733
<v Tim Pritlove>Okay, was man ohnehin schon seit langer Zeit tut, aber dadurch,

01:14:39.833 --> 01:14:43.833
<v Tim Pritlove>dass man sie sozusagen im Konzert anschaut und man weiß, okay,

01:14:44.653 --> 01:14:49.373
<v Tim Pritlove>der feuert mit der Frequenz, der feuert mit der Frequenz, detektiert man im

01:14:49.373 --> 01:14:52.953
<v Tim Pritlove>Prinzip dann in dem Moment, wo eine Gravitationswelle durchläuft,

01:14:53.073 --> 01:14:56.533
<v Tim Pritlove>eine Veränderung bei den einen und die anderen halt noch nicht,

01:14:56.653 --> 01:14:58.613
<v Tim Pritlove>aber die dann später und dann die anderen nicht mehr.

01:14:58.613 --> 01:15:01.513
<v Günther Hasinger>Ja, oder die eine in die eine Richtung und die andere in die andere Richtung.

01:15:01.693 --> 01:15:06.193
<v Tim Pritlove>Also man sieht so richtig, wie die Gravitationswelle durch die Galaxie schwappt.

01:15:07.453 --> 01:15:12.133
<v Günther Hasinger>Also man könnte sich vorstellen, die Gravitationswelle kommt und bewegt sozusagen

01:15:12.133 --> 01:15:14.713
<v Günther Hasinger>alle Pulsare ein Stückchen in eine Richtung.

01:15:15.293 --> 01:15:20.233
<v Günther Hasinger>Und in der Richtung, wo sie auf uns zuläuft, fliegen die Pulsare auf uns zu

01:15:20.233 --> 01:15:23.333
<v Günther Hasinger>und in der Richtung, wo sie von uns wegläuft, von uns weg.

01:15:23.433 --> 01:15:26.633
<v Günther Hasinger>Das heißt, an der einen Seite sind sie rot verschoben und an der anderen Seite blau verschoben.

01:15:27.193 --> 01:15:28.913
<v Günther Hasinger>Und das erzeugt dann ein Signal.

01:15:29.113 --> 01:15:29.613
<v Tim Pritlove>Und das...

01:15:31.570 --> 01:15:35.330
<v Günther Hasinger>Das ist sozusagen jetzt schon über die Jahrzehnte passiert.

01:15:36.090 --> 01:15:41.110
<v Günther Hasinger>Also es haben sich immer mehr Leute, immer mehr Pulsare angeschaut und es gab

01:15:41.110 --> 01:15:48.410
<v Günther Hasinger>eben letztes Jahr mehrere große Publikationen, wo also das Nanograph in den USA,

01:15:48.930 --> 01:15:54.310
<v Günther Hasinger>das European Pulsar Timing Array, das indische Pulsar Timing Array,

01:15:54.370 --> 01:15:56.270
<v Günther Hasinger>also alle Signale gefunden haben.

01:15:56.910 --> 01:16:00.250
<v Günther Hasinger>Und was jetzt eigentlich noch fehlt, ist, dass man diese weltweiten Informationen

01:16:00.250 --> 01:16:03.410
<v Günther Hasinger>alle zu einer Analyse zusammenschmeißt.

01:16:03.550 --> 01:16:07.290
<v Günther Hasinger>Dann wird man nochmal eine höhere Genauigkeit erhalten.

01:16:08.110 --> 01:16:12.270
<v Günther Hasinger>Aber wenn man so im Ausblick schaut, es kommen jetzt eben diese großen Projekte

01:16:12.270 --> 01:16:16.630
<v Günther Hasinger>auf uns zu, neue Radioteleskope, die viel, viel mehr Pulsare noch entdecken werden.

01:16:16.730 --> 01:16:19.530
<v Günther Hasinger>Und das wird also eine ganz, ganz spannende Geschichte.

01:16:19.730 --> 01:16:22.370
<v Tim Pritlove>Wenn man einfach nochmal eine ganz andere Auflösung bekommt.

01:16:22.790 --> 01:16:25.910
<v Günther Hasinger>Genau, also wir reden dann vielleicht von 100 Pulsaren und nicht von 20.

01:16:26.270 --> 01:16:31.310
<v Günther Hasinger>Und auch die Häufigkeit, mit der die beobachtet werden, wird häufiger sein.

01:16:32.110 --> 01:16:34.690
<v Günther Hasinger>Wir sind zum Beispiel an einem Projekt, wollen wir uns beteiligen,

01:16:34.830 --> 01:16:40.630
<v Günther Hasinger>das nennt sich DSA 2000, wo jede Nacht ein ganzes Bild vom ganzen Himmel,

01:16:40.690 --> 01:16:44.610
<v Günther Hasinger>also da wird sozusagen eine Art Video des Himmels, Radio-Video gedreht.

01:16:44.910 --> 01:16:49.110
<v Günther Hasinger>Und da stecken natürlich auch zig neue Pulsare

01:16:49.110 --> 01:16:53.450
<v Günther Hasinger>drin, die dann für solche Pulsar-Timing-Messungen verhandelt werden.

01:16:53.450 --> 01:17:01.290
<v Tim Pritlove>A2000, Deep Synoptic Array, also ein tiefer holistischer Blick auf das ganze Universum.

01:17:01.350 --> 01:17:06.830
<v Tim Pritlove>Jetzt frage ich mich gerade, ist diese Erkennung von Gravitationswellen über diese Pulsare,

01:17:07.951 --> 01:17:12.671
<v Tim Pritlove>Fand das schon vor LIGO statt? Also war das quasi schon so, das muss man ja

01:17:12.671 --> 01:17:13.951
<v Tim Pritlove>auch schon vorher beobachtet haben.

01:17:14.071 --> 01:17:18.951
<v Günther Hasinger>Genau, also das allererste Gravitationswellensignal, da gab es auch den Nobelpreis

01:17:18.951 --> 01:17:23.331
<v Günther Hasinger>dafür schon in den 70er Jahren, das ist der sogenannte Hulse-Taylor-Pulsar.

01:17:23.451 --> 01:17:28.191
<v Günther Hasinger>Das ist also ein System aus zwei Pulsaren, aus zwei Neutronensternen,

01:17:28.471 --> 01:17:33.691
<v Günther Hasinger>die sich einander umkreisen, wovon einer ein sichtbarer Pulsar war.

01:17:34.231 --> 01:17:38.391
<v Günther Hasinger>Und da hat man tatsächlich gesehen, wie sich der Orbit langsam verändert,

01:17:38.591 --> 01:17:43.391
<v Günther Hasinger>also wie die Neutronensterne sich immer näher kommen und das war der Beweis,

01:17:43.611 --> 01:17:48.991
<v Günther Hasinger>so wie es Einstein vorhergesagt hat, dass also Gravitationswellen abgestrahlt werden.

01:17:49.251 --> 01:17:52.871
<v Günther Hasinger>Da konnte man zwar die einzelne Welle nicht sehen, aber man konnte den Effekt

01:17:52.871 --> 01:17:57.091
<v Günther Hasinger>sozusagen sehen. Und das war das erste Mal das hochpräzise Beweis,

01:17:58.050 --> 01:18:01.390
<v Günther Hasinger>Gravitationswellen gefunden wurden, noch vor LIGO.

01:18:01.990 --> 01:18:05.570
<v Tim Pritlove>Aber man hatte nicht jetzt diesen Chirp sozusagen in dieser Information,

01:18:05.830 --> 01:18:07.810
<v Tim Pritlove>aus dem man viel hätte herauslesen können.

01:18:07.830 --> 01:18:11.270
<v Günther Hasinger>Nein, also was man gesehen hat, ist ein Doppelsternsystem, was sich langsam

01:18:11.270 --> 01:18:13.930
<v Günther Hasinger>immer sozusagen immer einander annähert.

01:18:14.090 --> 01:18:15.910
<v Günther Hasinger>Also die Frequenz verändert sich.

01:18:16.510 --> 01:18:21.030
<v Günther Hasinger>Aber den Chirp selber, da muss man noch vielleicht noch paar hunderttausend

01:18:21.030 --> 01:18:22.810
<v Günther Hasinger>bis Millionen Jahre warten, bis der passiert.

01:18:23.030 --> 01:18:28.150
<v Tim Pritlove>Aber wie fein kann jetzt mit so einem Timing Array die Messung werden.

01:18:28.330 --> 01:18:34.490
<v Tim Pritlove>Also wenn ich jetzt so viele Neutronensterne sehe, beobachte und die Zeit vergleiche

01:18:34.490 --> 01:18:39.570
<v Tim Pritlove>und das mit einer hohen Auflösung mache, wie viel Information über das Ereignis

01:18:39.570 --> 01:18:40.710
<v Tim Pritlove>lässt sich daraus lesen?

01:18:40.930 --> 01:18:46.070
<v Günther Hasinger>Also im Moment haben wir so in der Gegend von 20 Pulsaren, die vielleicht so

01:18:46.070 --> 01:18:51.550
<v Günther Hasinger>maximal 10 Jahre lang beobachtet worden sind, aber nicht alle immer gleichzeitig

01:18:51.550 --> 01:18:55.850
<v Günther Hasinger>und nicht alle immer sozusagen mit hoher Kadenz.

01:18:57.090 --> 01:19:01.230
<v Günther Hasinger>Und die Zukunft gibt da zwei Sachen. Das eine ist, dass man wesentlich mehr

01:19:01.230 --> 01:19:04.190
<v Günther Hasinger>kriegt, also dass wir vielleicht von 100 Pulsaren reden, fünfmal mehr,

01:19:04.410 --> 01:19:07.070
<v Günther Hasinger>dass die aber auch viel regelmäßiger beobachtet werden.

01:19:07.170 --> 01:19:11.170
<v Günther Hasinger>Das heißt, die Matrix wird immer voller, das Gitter wird besser gefüllt.

01:19:11.630 --> 01:19:16.010
<v Günther Hasinger>Und die Hoffnung ist, dass wir schon in den nächsten paar Jahren vielleicht

01:19:16.010 --> 01:19:18.170
<v Günther Hasinger>tatsächlich einzelne Ereignisse sehen werden können.

01:19:18.230 --> 01:19:21.990
<v Günther Hasinger>Also bisher sieht man sozusagen nur so das allgemeine Rauschen, so wie der Wind.

01:19:23.410 --> 01:19:27.170
<v Günther Hasinger>Man weiß, dass er da ist, aber man sieht noch nicht aus welcher Richtung er

01:19:27.170 --> 01:19:32.570
<v Günther Hasinger>kommt und da hoffen wir, dass sozusagen im nächsten Schritt wir tatsächlich

01:19:32.570 --> 01:19:35.410
<v Günther Hasinger>einzelne Objekte dann identifizieren können.

01:19:37.559 --> 01:19:41.699
<v Tim Pritlove>Jetzt gibt es glaube ich auch noch so diese Theorie oder vielleicht ist das

01:19:41.699 --> 01:19:44.079
<v Tim Pritlove>ja auch schon sichtbar geworden,

01:19:44.379 --> 01:19:52.019
<v Tim Pritlove>dass so ähnlich wie man das bei der Hintergrundstrahlung des Universums hat,

01:19:52.179 --> 01:19:55.499
<v Tim Pritlove>die auch schon gut gemessen wurde,

01:19:56.699 --> 01:20:04.379
<v Tim Pritlove>die ja im Wesentlichen so die thermische Verteilung nach dem theoretischen Urknall festgehalten hat,

01:20:04.379 --> 01:20:07.959
<v Tim Pritlove>dass quasi all diese Ereignisse bei

01:20:07.959 --> 01:20:16.119
<v Tim Pritlove>der Ausdehnung des Weltalls auch Gravitationswellen quasi erzeugt haben,

01:20:16.299 --> 01:20:20.999
<v Tim Pritlove>die sich vielleicht auf eine ähnliche Art und Weise manifestieren und messbar sind.

01:20:20.999 --> 01:20:28.739
<v Günther Hasinger>Genau, also die sogenannte Mikrowellenhintergrundstrahlung ist ja ungefähr 380.000

01:20:28.739 --> 01:20:30.479
<v Günther Hasinger>Jahre nach dem Urknall entstanden,

01:20:30.679 --> 01:20:34.959
<v Günther Hasinger>zu einer Zeit, als das Universum ungefähr so heiß war wie unsere Sonne,

01:20:35.059 --> 01:20:38.779
<v Günther Hasinger>also so wie die Sonnenoberfläche, ungefähr 3000 Grad heiß.

01:20:38.779 --> 01:20:44.499
<v Günther Hasinger>In dem Moment sind die Atome entstanden, also da haben sich Elektronen und Protonen

01:20:44.499 --> 01:20:48.519
<v Günther Hasinger>miteinander vereinigt und dadurch ist das Universum erstmal kalt genug.

01:20:48.519 --> 01:20:51.819
<v Günther Hasinger>Genau, da war es kalt genug und dass das Universum durchsichtig wurde.

01:20:52.059 --> 01:20:55.899
<v Günther Hasinger>Das kann man so vergleichen mit einer Kerzenflamme, wenn man die Kerzenflamme

01:20:55.899 --> 01:20:58.959
<v Günther Hasinger>anschaut, da wo man das helle Licht sieht, das ist ein Plasma,

01:20:59.059 --> 01:21:01.879
<v Günther Hasinger>wo die Elektronen noch frei sind und dann,

01:21:02.079 --> 01:21:07.099
<v Günther Hasinger>wenn die Kerzenflamme kühler wird, dann werden die Atome gebildet und dann hat

01:21:07.099 --> 01:21:08.179
<v Günther Hasinger>man immer noch heißes Gas.

01:21:08.179 --> 01:21:10.759
<v Günther Hasinger>Also da verbrennt man sich immer noch dran, aber man sieht es nicht mehr.

01:21:11.519 --> 01:21:15.399
<v Günther Hasinger>Das wird dann sozusagen durchsichtig. Und genau in dieser Grenze,

01:21:15.619 --> 01:21:20.999
<v Günther Hasinger>das war 380.000 Jahre nach dem Urknall, ist diese Mikrowellenhintergrundstrahlung entstanden.

01:21:21.319 --> 01:21:26.039
<v Günther Hasinger>Das Licht ist seitdem, hat sich tausendmal ausgedehnt. Also die Frequenz war

01:21:26.039 --> 01:21:29.659
<v Günther Hasinger>vorher sozusagen so heiß wie die Sonne und heute ist es nur noch drei Grad über

01:21:29.659 --> 01:21:31.319
<v Günther Hasinger>dem absoluten Nullpunkt.

01:21:32.116 --> 01:21:36.516
<v Günther Hasinger>Weiter hinein kann man nicht schauen, weil dann hat man sozusagen wie bei der

01:21:36.516 --> 01:21:40.096
<v Günther Hasinger>Sonnenoberfläche auch ein dichtes Medium und kann nicht mehr sozusagen durch

01:21:40.096 --> 01:21:42.156
<v Günther Hasinger>die Sonnenoberfläche durchschauen.

01:21:42.796 --> 01:21:47.156
<v Günther Hasinger>Aber bei der Sonne gibt es ja auch einen Trick. Man kann zum Beispiel die seismischen

01:21:47.156 --> 01:21:52.296
<v Günther Hasinger>Störungen der Sonne, also die Sonne wackelt und man kann Helioseismologie machen.

01:21:52.416 --> 01:21:57.276
<v Günther Hasinger>Man kann also innere akustische Schwingungen sozusagen in diesem Feuerball sehen,

01:21:57.916 --> 01:22:04.896
<v Günther Hasinger>indem man das Wackeln der Oberfläche sozusagen studiert. Und so ähnlich kann

01:22:04.896 --> 01:22:05.976
<v Günther Hasinger>man sich das auch vorstellen.

01:22:06.276 --> 01:22:12.556
<v Günther Hasinger>Also man möchte jetzt gerne Signale finden, die noch früher als 380.000 Jahre entstanden sind.

01:22:13.276 --> 01:22:17.396
<v Günther Hasinger>Zum Beispiel gleich die ersten zwei Sekunden, wo die Hölle los war.

01:22:17.396 --> 01:22:19.316
<v Tim Pritlove>Also der Knall selbst sozusagen.

01:22:19.316 --> 01:22:24.176
<v Günther Hasinger>Dass man quasi das Echo dieses Knalls direkt sehen möchte.

01:22:24.596 --> 01:22:29.156
<v Günther Hasinger>Und das kann man tatsächlich, wenn man Glück hat, kann man das in der Polarisation

01:22:29.156 --> 01:22:31.036
<v Günther Hasinger>des Mikrowellenhintergrundes sehen.

01:22:31.136 --> 01:22:36.856
<v Günther Hasinger>Das heißt also, diese Gravitationswellen verändern den Mikrowellenhintergrund

01:22:36.856 --> 01:22:43.096
<v Günther Hasinger>in einer Weise, dass sie verschiedene Polarisationsmodi anregen.

01:22:43.836 --> 01:22:47.276
<v Günther Hasinger>Sogenannte B-Modes, also B-Moden in der Polarisation,

01:22:48.648 --> 01:22:51.848
<v Günther Hasinger>Und wenn man jetzt, also die Mikrowellenhintergrundstrahlung ist ja sehr,

01:22:51.928 --> 01:22:55.168
<v Günther Hasinger>sehr genau vermessen worden durch Planck, durch WMAP vorher,

01:22:55.508 --> 01:23:01.128
<v Günther Hasinger>durch COBE, aber die Polarisation ist noch nicht so gut vermessen.

01:23:01.228 --> 01:23:04.728
<v Günther Hasinger>Also wenn man die Polarisation des Mikrowellenhintergrundes jetzt messen würde,

01:23:05.368 --> 01:23:09.128
<v Günther Hasinger>dann könnte man auf Gravitationswellen schließen, die wirklich im allerfrühsten

01:23:09.128 --> 01:23:10.168
<v Günther Hasinger>Universum entstanden sind.

01:23:10.428 --> 01:23:13.388
<v Tim Pritlove>Ah, heißt das, man bräuchte nochmal so eine Planck 2 Mission?

01:23:14.748 --> 01:23:23.068
<v Günther Hasinger>Ja, beziehungsweise es gibt jetzt heute schon Projekte, die vor allem am Südpol

01:23:23.068 --> 01:23:29.388
<v Günther Hasinger>messen, wo man also jetzt bodengebunden versucht, die Präzision hochzutreten.

01:23:30.308 --> 01:23:35.208
<v Günther Hasinger>Also man bräuchte ein Planck-artiges Teleskop, aber eigentlich mit viel größerem

01:23:35.208 --> 01:23:37.708
<v Günther Hasinger>Spiegel noch. Das kriegt man so leicht nicht in den Weltraum.

01:23:38.728 --> 01:23:43.448
<v Günther Hasinger>Aber am Südpol entstehen im Moment Projekte, die sowas messen können.

01:23:44.268 --> 01:23:49.768
<v Tim Pritlove>Würde jetzt die Dimension von dem James-Webb-Teleskop da schon ausreichen oder

01:23:49.768 --> 01:23:51.528
<v Tim Pritlove>müsste es noch krasser sein?

01:23:52.608 --> 01:23:57.028
<v Günther Hasinger>Würde im Prinzip gehen, aber es muss halt das Problem, James-Webb ist ja schon

01:23:57.028 --> 01:24:01.368
<v Günther Hasinger>relativ kalt, also ist bei minus 80 Grad oder irgendwie sowas.

01:24:03.968 --> 01:24:11.248
<v Günther Hasinger>Und diese Messungen müssen bei weniger als einem Mikrokelvin stattfinden.

01:24:11.428 --> 01:24:17.588
<v Günther Hasinger>Also da muss der Detektor so stark gekühlt werden, das kriegt man im Weltall nicht so leicht hin.

01:24:17.708 --> 01:24:20.908
<v Günther Hasinger>Also wenn man ein riesiges Teleskop sozusagen so kalt machen möchte,

01:24:21.648 --> 01:24:24.688
<v Günther Hasinger>dazu bräuchte man einen riesen Kühlschrank, ein Gefriergerät.

01:24:25.328 --> 01:24:28.628
<v Günther Hasinger>Im Moment, James Webb ist deswegen so kalt, weil es halt den kalten Weltraum

01:24:28.628 --> 01:24:35.388
<v Günther Hasinger>sieht, aber es wird ja durch den Weltraum gekühlt und man möchte jetzt eigentlich die Dinge,

01:24:35.908 --> 01:24:38.788
<v Günther Hasinger>messen, also man möchte die Strahlung nicht zur Kühlung verwenden,

01:24:38.868 --> 01:24:41.728
<v Günther Hasinger>sondern man muss noch kälter werden als die Strahlung, damit man sie messt.

01:24:42.268 --> 01:24:45.248
<v Tim Pritlove>Also bräuchte man eine richtig große Wärmepumpe Ja,

01:24:48.078 --> 01:24:53.758
<v Tim Pritlove>Also ist es dann, ja, ich meine, wie kommt man denn dann ran an diese Gravitationswellen,

01:24:53.838 --> 01:24:55.518
<v Tim Pritlove>Hintergrundstrahlung? Gibt es da überhaupt einen Ansatz?

01:24:55.538 --> 01:25:01.158
<v Günther Hasinger>Ja, wie gesagt, also im Moment gibt es sozusagen Projekte, die am Südpol entstehen.

01:25:01.358 --> 01:25:06.098
<v Günther Hasinger>Also da ist es sowieso schon kalt und das Teleskop muss dann auch noch gekühlt.

01:25:06.098 --> 01:25:09.678
<v Günther Hasinger>Nein, der Detektor selber muss dann so kalt sein.

01:25:11.498 --> 01:25:18.238
<v Günther Hasinger>Also es gibt ja, diese Polometer, diese empfindlichen Messgeräte werden ja auf

01:25:18.238 --> 01:25:20.558
<v Günther Hasinger>solche Temperaturen abgekühlt.

01:25:21.438 --> 01:25:24.558
<v Günther Hasinger>Also Mini-Calvin oder wenige.

01:25:24.858 --> 01:25:33.938
<v Tim Pritlove>Also Hintergrundstrahlung des Universums, Messen am Südpol, wo es ja auch schön dunkel ist.

01:25:34.878 --> 01:25:35.858
<v Günther Hasinger>Und schön kalt.

01:25:35.858 --> 01:25:40.338
<v Tim Pritlove>Und schön kalt, um dann die Polarisation dieses Lichts zu messen,

01:25:40.458 --> 01:25:43.898
<v Tim Pritlove>um daraus unter Umständen Gravitationswellen ablesen zu können.

01:25:44.218 --> 01:25:49.198
<v Tim Pritlove>Okay, aber mit LISA und so weiter, das reicht sozusagen nicht aus.

01:25:51.398 --> 01:25:55.998
<v Günther Hasinger>Genau, also mit LISA kommt man ungefähr bis Z gleich 1000, also bis ungefähr,

01:25:56.218 --> 01:25:58.738
<v Günther Hasinger>wo die Mikrowellenhintergrundstahlung entstanden ist.

01:25:58.978 --> 01:26:05.198
<v Günther Hasinger>Und mit diesen Methoden würde man bis Z gleich 100.000 oder sowas kommen, also noch viel früher.

01:26:05.858 --> 01:26:09.838
<v Tim Pritlove>Und so eine Super-LISA, wo die drei Satelliten noch weiter auseinander sind,

01:26:09.978 --> 01:26:10.858
<v Tim Pritlove>wird es da auch nicht bringen?

01:26:11.038 --> 01:26:17.918
<v Günther Hasinger>Nein, das Laser ist da schon das Optimum, weil je weiter die Satelliten auseinander

01:26:17.918 --> 01:26:25.158
<v Günther Hasinger>sind, desto stärkeren Laser braucht man und dann wird wiederum das Lasersignal selber das Problem.

01:26:26.362 --> 01:26:30.062
<v Tim Pritlove>Tja, ganz schön kompliziert, Raumfahrttechnik.

01:26:31.602 --> 01:26:39.182
<v Tim Pritlove>Ja, das tolle Wort, was jetzt in den letzten zehn Jahren die Wissenschaftswelt

01:26:39.182 --> 01:26:43.842
<v Tim Pritlove>hier bereichert, ist Multimessenger-Astronomie, wie schon vorhin erwähnt.

01:26:43.942 --> 01:26:47.902
<v Tim Pritlove>Also bisher war immer alles Elektromagnetismus, dann kamen die Gravitationswellen

01:26:47.902 --> 01:26:53.482
<v Tim Pritlove>dazu, dann gibt es so Projekte wie der Ice Cube, wurde ja auch schon besprochen.

01:26:53.482 --> 01:26:57.522
<v Tim Pritlove>In der Antarktis der dicke Würfel im Eis,

01:26:57.762 --> 01:27:03.342
<v Tim Pritlove>wo man eben die Neutrinos misst und durch diese Platzierung auch weiß,

01:27:03.462 --> 01:27:06.882
<v Tim Pritlove>okay, das sind jetzt hier nicht die Fake-Neutrinos, die jetzt hier gerade in

01:27:06.882 --> 01:27:08.862
<v Tim Pritlove>der Atmosphäre gebildet wurden,

01:27:09.122 --> 01:27:13.102
<v Tim Pritlove>dadurch, dass da die kosmische Strahlung aufschlägt, sondern das sind schon

01:27:13.102 --> 01:27:16.622
<v Tim Pritlove>so die Neutrinos von irgendwelchen anderen Ereignissen, die es einmal durch

01:27:16.622 --> 01:27:17.802
<v Tim Pritlove>die Erde geschafft haben.

01:27:17.802 --> 01:27:25.782
<v Tim Pritlove>Und dann kann man dann halt durch diese sekundären Blitzeffekte diese Neutrinos

01:27:25.782 --> 01:27:29.102
<v Tim Pritlove>messen, die ja normalerweise sich aus allem ganz gut raushalten.

01:27:29.442 --> 01:27:34.102
<v Tim Pritlove>Das sind also alles andere Botschafter, die wir auf einmal haben.

01:27:34.102 --> 01:27:38.522
<v Tim Pritlove>Daher kommt der Name Multimessenger-Astronomie, weil man eben jetzt Ereignisse

01:27:38.522 --> 01:27:44.022
<v Tim Pritlove>beobachten kann, eben nicht nur auf eine Art, sondern auf mindestens drei und

01:27:44.022 --> 01:27:48.382
<v Tim Pritlove>ich weiß gar nicht, ob es jetzt noch weitere gibt, die jetzt hier in der Reihe stehen.

01:27:49.422 --> 01:27:53.642
<v Tim Pritlove>Das ist natürlich jetzt auch erstmal etwas, was in der Forschung aufgenommen

01:27:53.642 --> 01:27:55.302
<v Tim Pritlove>werden muss, diese neuen Möglichkeiten.

01:27:55.482 --> 01:27:58.422
<v Tim Pritlove>Wie hat sich denn das jetzt entwickelt? Wie ist denn da der Stand?

01:27:58.422 --> 01:28:03.102
<v Günther Hasinger>Also wir reden von Astrophysik mit allen Sinnen. Also wir haben vorher schon

01:28:03.102 --> 01:28:06.122
<v Günther Hasinger>darüber gesprochen, dass wir jetzt hören und sehen können.

01:28:06.782 --> 01:28:10.302
<v Günther Hasinger>Die Teilchen könnte man fühlen, also wenn man wirklich sehr empfindliche Hände

01:28:10.302 --> 01:28:13.162
<v Günther Hasinger>hat, also so ein hochenergetisches Neutrino.

01:28:14.075 --> 01:28:21.275
<v Günther Hasinger>Eine Energie, die ungefähr einem von Boris Becker geschlagenen Aufschlagstennisball entspricht.

01:28:21.495 --> 01:28:24.155
<v Günther Hasinger>Also wenn man tatsächlich irgendwie aus Versehen mal...

01:28:24.155 --> 01:28:24.915
<v Tim Pritlove>Als er noch jung war.

01:28:27.675 --> 01:28:32.995
<v Günther Hasinger>Also da kommen sehr, sehr hohe Energien zustande. Und wenn man das Glück hat,

01:28:33.075 --> 01:28:36.395
<v Günther Hasinger>also Neutrino hat halt einen extrem kleinen Wirkungsquerschnitt.

01:28:36.555 --> 01:28:40.935
<v Günther Hasinger>Also die Wahrscheinlichkeit, dass ein Neutrino irgendwie ein Atom unseres Körpers

01:28:40.935 --> 01:28:41.955
<v Günther Hasinger>trifft, ist sehr, sehr klein.

01:28:42.675 --> 01:28:46.315
<v Günther Hasinger>Wir werden jede Sekunde mit zigtausenden Neutrinos durchstrahlt.

01:28:46.915 --> 01:28:50.935
<v Günther Hasinger>Aber wenn man einen sehr, sehr guten Empfänger hat, dann hat man manchmal das

01:28:50.935 --> 01:28:55.995
<v Günther Hasinger>Glück, dass man diese sehr hochenergetischen Neutrinos messen kann.

01:28:56.575 --> 01:29:00.615
<v Günther Hasinger>Das erste Mal, dass man Neutrinos im astrophysikalischen Zusammenhang,

01:29:00.775 --> 01:29:05.035
<v Günther Hasinger>also außerhalb der Sonne, also man hat die Neutrinos, die aus dem Sonneninneren

01:29:05.035 --> 01:29:07.375
<v Günther Hasinger>kommen, die hat man ja schon länger gemessen.

01:29:08.115 --> 01:29:11.355
<v Günther Hasinger>Aber das erste Mal, dass man ein astrophysikales Ereignis gesehen hat,

01:29:11.455 --> 01:29:15.715
<v Günther Hasinger>war 1987, als die Supernova in der Magellanschen Wolke explodiert ist.

01:29:16.035 --> 01:29:21.935
<v Günther Hasinger>Und mehrere Neutrinodetektoren auf der ganzen Welt die Ereignisse gesehen haben.

01:29:22.675 --> 01:29:24.755
<v Günther Hasinger>Und es gab auch einen Nobelpreis dafür.

01:29:26.135 --> 01:29:31.935
<v Günther Hasinger>Und das ist tatsächlich auch eine mögliche Quelle, wo Neutrinos entstehen bei

01:29:31.935 --> 01:29:32.975
<v Günther Hasinger>Supernova-Explosionen.

01:29:32.975 --> 01:29:38.055
<v Günther Hasinger>Weil dort werden ja Neutronen, also aus Protonen und Elektronen,

01:29:38.055 --> 01:29:42.175
<v Günther Hasinger>die werden sozusagen zusammengequetscht in ein Neutron und es entsteht ein Neutrino dabei.

01:29:42.535 --> 01:29:46.755
<v Günther Hasinger>Und bei der Supernome-Explosion entstehen also gigantische Mengen von Neutrinos.

01:29:47.383 --> 01:29:51.683
<v Günther Hasinger>Die letztendlich auch dazu führen, dass die Explosion überhaupt stattfindet,

01:29:51.863 --> 01:29:53.643
<v Günther Hasinger>also dass der Stern dann auseinanderfliegt.

01:29:54.263 --> 01:29:57.643
<v Günther Hasinger>Man fragt sich ja immer, wenn alles zusammenstürzt, warum fliegt dann irgendwas

01:29:57.643 --> 01:30:01.483
<v Günther Hasinger>auseinander? Das sind die Neutrinos, die praktisch den Stern auseinander treiben.

01:30:02.183 --> 01:30:07.183
<v Günther Hasinger>Aber die Neutrinos, die jetzt bei Ice Cube gefunden sind, sind noch viel hochenergetischer

01:30:07.183 --> 01:30:10.083
<v Günther Hasinger>als das, was man bei Supernova-Explosionen findet.

01:30:10.403 --> 01:30:14.943
<v Günther Hasinger>Und da ist immer schon lange die Frage gewesen, wo kommen eigentlich die her?

01:30:14.943 --> 01:30:20.203
<v Günther Hasinger>Also wo gibt es solche Beschleuniger, die Teilchen auf so hohe Energien beschleunigen?

01:30:20.403 --> 01:30:25.683
<v Günther Hasinger>Und da spielen natürlich schwarze Löcher eine zentrale Rolle und zwar in zweierlei Art und Weise.

01:30:26.403 --> 01:30:31.543
<v Günther Hasinger>Entweder es handelt sich dabei um solche aktiven galaktischen Kerne,

01:30:31.863 --> 01:30:34.603
<v Günther Hasinger>die ja auch diese Jets aussenden.

01:30:34.603 --> 01:30:39.023
<v Günther Hasinger>Bei diesen Jets gibt es ja auch relativistische Teilchen, die ausgesendet werden

01:30:39.023 --> 01:30:42.283
<v Günther Hasinger>und vielleicht im Zusammenhang mit diesen relativistischen Teilen könnte es

01:30:42.283 --> 01:30:44.823
<v Günther Hasinger>auch sein, dass es Neutrinos beschleunigt werden.

01:30:45.443 --> 01:30:50.803
<v Günther Hasinger>Und eine andere interessante Spekulation ist, dass es sich dabei um sogenannte

01:30:50.803 --> 01:30:53.183
<v Günther Hasinger>Gezeitenzerreißereignisse handelt.

01:30:53.423 --> 01:30:57.483
<v Günther Hasinger>Also man hat ein schwarzes Loch und dann ist ein armes Sternlein,

01:30:57.583 --> 01:31:01.463
<v Günther Hasinger>was um dieses schwarze Loch herumfliegt, was irgendwann mal dem schwarzen Loch

01:31:01.463 --> 01:31:05.923
<v Günther Hasinger>so nahe kommt, dass es quasi durch die Gezeitenkräfte zerrissen wird.

01:31:06.363 --> 01:31:09.803
<v Günther Hasinger>Und dann fängt das schwarze Loch an, diesen Stern aufzuessen.

01:31:09.803 --> 01:31:15.383
<v Günther Hasinger>Und bei der Gelegenheit entstehen auch diese gigantischen, sagen wir mal,

01:31:15.843 --> 01:31:17.503
<v Günther Hasinger>Beschleunigungskräfte.

01:31:17.583 --> 01:31:17.783
<v Tim Pritlove>Ah ja.

01:31:20.562 --> 01:31:21.622
<v Tim Pritlove>Zerplatzte Sterne.

01:31:21.902 --> 01:31:29.982
<v Günther Hasinger>Ja, genau. Und das ist halt so, dass jetzt der Traum des Astrophysikers ist,

01:31:30.062 --> 01:31:32.462
<v Günther Hasinger>dass man eine oder mehrere Ereignisse findet,

01:31:32.602 --> 01:31:37.502
<v Günther Hasinger>die sowohl Gravitationswellen als auch Licht als auch Teilchen erzeugen.

01:31:37.502 --> 01:31:43.902
<v Günther Hasinger>Und in Zukunft werden halt die Empfindlichkeiten dieser Messgeräte immer größer

01:31:43.902 --> 01:31:49.602
<v Günther Hasinger>werden und die Wahrscheinlichkeit, dass man irgendwann mal drei Phänomene gleichzeitig sieht, wird steigen.

01:31:50.542 --> 01:31:53.562
<v Günther Hasinger>Und das ist dann sozusagen die Astrophysik mit allen Sinnen.

01:31:54.854 --> 01:32:02.574
<v Günther Hasinger>Ich selber interpretiere auch noch ein anderes Phänomen als Multimessenger und

01:32:02.574 --> 01:32:06.994
<v Günther Hasinger>zwar haben wir ja zum Beispiel am galaktischen Zentrum schon gesehen,

01:32:07.074 --> 01:32:10.054
<v Günther Hasinger>dass man ganze Sterne als Diagnose benutzen kann,

01:32:10.214 --> 01:32:13.914
<v Günther Hasinger>um zum Beispiel auf das schwarze Loch im galaktischen Zentrum zu schließen.

01:32:14.534 --> 01:32:18.074
<v Tim Pritlove>Das war ja so auch der Nobelpreis vor ein paar Jahren.

01:32:18.214 --> 01:32:23.614
<v Günther Hasinger>Genau, an Reinhard Gensel und Andrea Gess. Und da benutzt man sozusagen die

01:32:23.614 --> 01:32:25.694
<v Günther Hasinger>Sterne selbst als Sensoren.

01:32:26.354 --> 01:32:29.874
<v Tim Pritlove>Das heißt, man beobachtet einfach die Sterne im Zentrum der Galaxis.

01:32:30.014 --> 01:32:33.434
<v Tim Pritlove>Das war jetzt der Nobelpreis und daraus hat man dann geschlussfolgert,

01:32:33.514 --> 01:32:34.334
<v Tim Pritlove>da ist das schwarze Loch.

01:32:34.354 --> 01:32:36.594
<v Günther Hasinger>Genau, man sieht, wie die sozusagen auf elliptischen Bahnen,

01:32:36.674 --> 01:32:39.914
<v Günther Hasinger>genau wie von Kepler vorhergesagt, um dieses schwarze Loch herumsausen.

01:32:40.094 --> 01:32:43.494
<v Günther Hasinger>Und damit kann man etwas dingfest machen, was man nicht sehen kann.

01:32:44.414 --> 01:32:48.194
<v Günther Hasinger>Und sowas ähnliches findet jetzt eigentlich auch schon pausenlos mit Gaia statt.

01:32:48.434 --> 01:32:56.614
<v Günther Hasinger>Also Gaia ist doch diese europäische Astrometrie-Mission, die Milliarden von

01:32:56.614 --> 01:33:00.314
<v Günther Hasinger>Sternen hochpräzise vermisst und man kann anhand der Bewegung dieser Sterne

01:33:00.314 --> 01:33:03.474
<v Günther Hasinger>jetzt auf Phänomene schließen, die man sonst nicht sehen kann.

01:33:04.054 --> 01:33:07.394
<v Günther Hasinger>Und das ist zwar jetzt nicht so im klassischen Sinn Multimessenger,

01:33:07.474 --> 01:33:11.014
<v Günther Hasinger>weil das Licht kommt ja immer noch als Licht auf uns an aber die Signale,

01:33:11.134 --> 01:33:15.154
<v Günther Hasinger>die man interpretiert stammen nicht aus dem Licht selber sondern aus der Bewegung

01:33:15.154 --> 01:33:18.054
<v Günther Hasinger>sozusagen und das ist für mich auch ein zusätzlicher,

01:33:19.414 --> 01:33:23.674
<v Günther Hasinger>Sinn, der da mit in die Astrophysik einfließt Ja.

01:33:23.754 --> 01:33:28.934
<v Tim Pritlove>Die Langzeitbeobachtung die bringt dann sozusagen nochmal Metainformationen heraus Ja,

01:33:29.833 --> 01:33:33.033
<v Tim Pritlove>Weil man ja auf einmal überhaupt erst merkt, hier sind Sterne unterwegs,

01:33:33.273 --> 01:33:40.353
<v Tim Pritlove>die sind nur auf der Durchreise, woher die auch immer gekommen sein mögen.

01:33:40.453 --> 01:33:44.353
<v Tim Pritlove>Das heißt, da muss auch irgendwann mal so ein Beschleunigungsevent gegeben haben,

01:33:44.473 --> 01:33:47.013
<v Tim Pritlove>auf das man unter Umständen dann Rückschlüsse ziehen kann.

01:33:47.013 --> 01:33:52.633
<v Günther Hasinger>Aber wenn man jetzt auf die Multimessenger-Astrophysik als Industrie der Zukunft sozusagen schaut,

01:33:53.193 --> 01:33:57.153
<v Günther Hasinger>dann gibt es da ganz neue Herausforderungen, weil man muss sozusagen erstmal

01:33:57.153 --> 01:34:01.673
<v Günther Hasinger>große Teile des Himmels anschauen, um wirklich einzelne, sehr,

01:34:01.753 --> 01:34:03.733
<v Günther Hasinger>sehr seltene Ereignisse zu sehen.

01:34:03.733 --> 01:34:06.913
<v Günther Hasinger>Also das macht man zum Beispiel durch diese großen Surveys.

01:34:07.393 --> 01:34:12.433
<v Günther Hasinger>Im Moment das Vera Rubin Teleskop hat da am Südhimmel jetzt angefangen zu survern.

01:34:12.973 --> 01:34:17.133
<v Günther Hasinger>Die Gravitationswellen sehen auch den ganzen Himmel. Die Radioteleskope sollen

01:34:17.133 --> 01:34:20.253
<v Günther Hasinger>auch den ganzen Himmel durchmustern.

01:34:20.513 --> 01:34:22.833
<v Günther Hasinger>Also man muss riesige Datenmengen haben.

01:34:23.493 --> 01:34:27.653
<v Günther Hasinger>Gleichzeitig finden diese Ereignisse nur sehr selten statt und wenn eins stattfindet,

01:34:27.713 --> 01:34:31.233
<v Günther Hasinger>dann muss die ganze Welt sozusagen sofort darauf geschaltet werden,

01:34:31.313 --> 01:34:32.773
<v Günther Hasinger>dass die alle das anschauen.

01:34:33.373 --> 01:34:41.493
<v Günther Hasinger>Und in diesem einen Ereignis, was sozusagen mehr oder weniger der Goldstandard

01:34:41.493 --> 01:34:45.693
<v Günther Hasinger>der Multimessenger-Astrophysik im Moment ist, dieses Neutronenstern-Vereinigungsereignis,

01:34:45.693 --> 01:34:48.253
<v Günther Hasinger>Und da gab es dann hinterher ein Paper,

01:34:48.373 --> 01:34:50.913
<v Günther Hasinger>wo 4000 Astronomen drauf standen.

01:34:51.133 --> 01:34:56.153
<v Günther Hasinger>Also praktisch die halbe Astronomiewelt war daran beschäftigt,

01:34:56.253 --> 01:34:58.673
<v Günther Hasinger>dieses eine Ereignis zu studieren.

01:35:00.273 --> 01:35:04.473
<v Günther Hasinger>Und wenn wir jetzt davon ausgehen, dass in Zukunft sowas nicht nur einmal in

01:35:04.473 --> 01:35:07.753
<v Günther Hasinger>zehn Jahren passiert, sondern zweimal oder zehnmal am Tag passiert,

01:35:08.106 --> 01:35:12.046
<v Günther Hasinger>dann wird die ganze Dynamik sozusagen unseres Feldes sich ändern.

01:35:12.266 --> 01:35:14.686
<v Tim Pritlove>Was man gleich mehr, worauf man sich überhaupt noch stürzen soll.

01:35:14.906 --> 01:35:19.286
<v Günther Hasinger>Ja, man muss viel automatisieren. Man muss auch Prioritäten setzen.

01:35:19.586 --> 01:35:24.586
<v Günther Hasinger>Man muss mit künstlicher Intelligenz einem helfen zu sagen, wo schaut man jetzt überhaupt hin.

01:35:25.666 --> 01:35:30.946
<v Günther Hasinger>Und wir werden immer mehr lernen müssen, auch interessante Ereignisse zu vergessen

01:35:30.946 --> 01:35:35.226
<v Günther Hasinger>sozusagen, weil wir uns auf noch interessantere Ereignisse stürzen müssen.

01:35:37.040 --> 01:35:40.540
<v Tim Pritlove>Da vielleicht mal kurz nachgefragt, ich meine jetzt AI ist natürlich gerade

01:35:40.540 --> 01:35:44.020
<v Tim Pritlove>in aller Munde, wenn wir hier von AI reden, reden wir natürlich nicht von den

01:35:44.020 --> 01:35:47.560
<v Tim Pritlove>neuen Large Language Models und ähnlichen Geschichten,

01:35:47.700 --> 01:35:52.160
<v Tim Pritlove>sondern eher die klassische Machine Learning Technologie, die ja den anderen

01:35:52.160 --> 01:35:54.340
<v Tim Pritlove>Sachen so zugrunde liegt.

01:35:54.340 --> 01:36:00.040
<v Tim Pritlove>Die basiert ja immer darauf, dass man eben quasi große Datenmengen mit Wahrheiten

01:36:00.040 --> 01:36:06.900
<v Tim Pritlove>bewertet und daraus dann entsprechende Erkennungsmuster ableitet,

01:36:07.320 --> 01:36:10.540
<v Tim Pritlove>die man dann eben auf neue Daten schnell anwenden kann, um zu sehen,

01:36:10.660 --> 01:36:11.920
<v Tim Pritlove>okay, alles klar, da ist irgendwas.

01:36:11.920 --> 01:36:17.660
<v Tim Pritlove>Also so ein Asteroid, der sich sozusagen in vielen Bildern durchbewegt,

01:36:17.740 --> 01:36:22.060
<v Tim Pritlove>wo man sonst vielleicht mit einem bloßen Auge keine Chance hätte,

01:36:22.060 --> 01:36:26.620
<v Tim Pritlove>aber vielleicht auch mit Algorithmen schon Schwierigkeiten hätte,

01:36:26.720 --> 01:36:27.760
<v Tim Pritlove>weil man nicht so genau weiß,

01:36:27.900 --> 01:36:31.740
<v Tim Pritlove>worauf man diese Algorithmen jetzt wirklich drauf tunen soll.

01:36:32.780 --> 01:36:37.240
<v Tim Pritlove>Auf der anderen Seite, wenn man einfach sagt, hier sind eine Million Bilder,

01:36:37.360 --> 01:36:44.040
<v Tim Pritlove>da ist definitiv ein Asteroid drauf, dann wird eben an der Stelle das Machine

01:36:44.040 --> 01:36:45.380
<v Tim Pritlove>Learning entsprechend getriggert.

01:36:45.580 --> 01:36:53.220
<v Tim Pritlove>Jetzt meine Frage ist, wie sehr hat sich das bewährt in den letzten Jahren als Instrument?

01:36:53.400 --> 01:36:58.940
<v Tim Pritlove>Wie viel Neues konnte dadurch gefunden werden oder wie viele Prioritäten haben sich verschoben?

01:36:58.940 --> 01:37:03.540
<v Günther Hasinger>Also ich würde, ich komme da gleich auf die Frage zurück, aber ich möchte noch

01:37:03.540 --> 01:37:05.940
<v Günther Hasinger>einen Schritt weiter gehen für die Zukunft.

01:37:06.840 --> 01:37:12.080
<v Günther Hasinger>In Zukunft wird es absolut essentiell sein, wenn wir diese gigantischen Datenmengen

01:37:12.080 --> 01:37:18.200
<v Günther Hasinger>anschauen, die die nächste Generation von Teleskopen ausspuckt.

01:37:18.200 --> 01:37:22.940
<v Günther Hasinger>Also zum Beispiel das Square Kilometer Array, das sind ja hunderte von Schüsseln

01:37:22.940 --> 01:37:25.680
<v Günther Hasinger>oder auch hunderttausende von diesen Antennenbäumen,

01:37:25.760 --> 01:37:32.060
<v Günther Hasinger>die da in Australien Daten spucken und dort werden solche riesigen Datenmengen

01:37:32.060 --> 01:37:36.020
<v Günther Hasinger>erzeugt, die man praktisch gar nicht mehr speichern oder überhaupt nicht mehr auswerten kann.

01:37:36.944 --> 01:37:40.824
<v Günther Hasinger>Das Problem ist, dass der Großteil aber eigentlich Rauschen ist.

01:37:41.024 --> 01:37:45.904
<v Günther Hasinger>Der Großteil ist Schmutz und man muss jetzt sehr schnell entscheiden können,

01:37:46.064 --> 01:37:50.244
<v Günther Hasinger>welche Daten habe ich überhaupt auf und welche analysiere ich und welche schmeiße ich weg.

01:37:50.244 --> 01:37:54.224
<v Günther Hasinger>Und da brauchen wir künstliche Intelligenz, Mustererkennung,

01:37:54.344 --> 01:37:57.664
<v Günther Hasinger>die dann sozusagen vor allem das Rauschen rausschmeißt.

01:37:58.164 --> 01:38:02.604
<v Günther Hasinger>Das Rauschen in dem Fall im Radiobereich ist Gott sei Dank, muss man sagen,

01:38:02.724 --> 01:38:06.204
<v Günther Hasinger>nicht stochastisch, sondern systematisch, weil das sind diese ganzen Störstrahlungen

01:38:06.204 --> 01:38:11.904
<v Günther Hasinger>von Elon Musk Satelliten und von Schiffen, die Radio...

01:38:11.904 --> 01:38:13.484
<v Tim Pritlove>Man kennt seine Pappenheimat.

01:38:13.484 --> 01:38:23.364
<v Günther Hasinger>Ja, genau. Und da ist es so, dass man tatsächlich dann künstliche Intelligenz-Methoden verwendet,

01:38:23.484 --> 01:38:27.824
<v Günther Hasinger>um einem zu sagen, welche Daten speichere ich jetzt überhaupt ab und welche

01:38:27.824 --> 01:38:29.944
<v Günther Hasinger>analysiere ich gar nicht.

01:38:30.944 --> 01:38:34.064
<v Günther Hasinger>Und bei der künstlichen Intelligenz ist es aber so, die muss ja trainiert werden.

01:38:34.144 --> 01:38:37.804
<v Günther Hasinger>Das heißt, die kann nur auf Signale reagieren, die eigentlich schon bekannt sind.

01:38:38.484 --> 01:38:42.664
<v Günther Hasinger>Und da ist jetzt das große Problem, dass wir natürlich auch unbekannte Signale

01:38:42.664 --> 01:38:48.724
<v Günther Hasinger>noch entdecken wollen und verhindern müssen, dass die vorher schon rausgeschmissen werden.

01:38:49.444 --> 01:38:52.804
<v Günther Hasinger>Und das wird sich nie hundertprozentig vermeiden lassen. Also wenn man einen

01:38:52.804 --> 01:38:56.084
<v Günther Hasinger>Garten wegschmeißt, wird man immer auch wertvolle Informationen wegschmeißen.

01:38:56.664 --> 01:39:01.444
<v Günther Hasinger>Und in dem Fall ist es tatsächlich so, dass man dann den Himmel als Rückhalt hat.

01:39:01.624 --> 01:39:05.164
<v Günther Hasinger>Also dann muss man halt im schlimmsten Fall, wenn man jetzt eine neue Art von

01:39:05.164 --> 01:39:08.344
<v Günther Hasinger>Signal entdeckt, die man bisher noch nie gesehen hat.

01:39:08.943 --> 01:39:12.463
<v Günther Hasinger>Dann muss man einfach nochmal neu beobachten und dann den Himmel sozusagen nach

01:39:12.463 --> 01:39:14.963
<v Günther Hasinger>solchen Signalen absuchen.

01:39:15.443 --> 01:39:19.543
<v Günther Hasinger>Und jetzt, weil Sie fragen, inwieweit hat das schon geholfen?

01:39:19.763 --> 01:39:25.943
<v Günther Hasinger>Also im Moment diese Machine Learning Techniken werden hauptsächlich angewandt,

01:39:26.163 --> 01:39:30.623
<v Günther Hasinger>um, sagen wir mal, stupide Dinge, die der Mensch macht,

01:39:30.903 --> 01:39:37.103
<v Günther Hasinger>aber immer wieder macht, sozusagen zu vereinfachen und da Hilfe zu leisten.

01:39:37.783 --> 01:39:41.623
<v Günther Hasinger>Es gibt in anderen Feldern wohl, also in der Mathematik.

01:39:42.643 --> 01:39:46.263
<v Günther Hasinger>Jetzt die ersten Hinweise darauf, dass die künstliche Intelligenz auch wirklich

01:39:46.263 --> 01:39:53.043
<v Günther Hasinger>Dinge gelöst hat, neue Beweise gezogen hat, die noch kein Mensch sozusagen geschafft hat.

01:39:53.803 --> 01:39:57.003
<v Günther Hasinger>Aber in der Astrophysik sehe ich im Moment das eigentlich mehr als,

01:39:57.583 --> 01:40:02.403
<v Günther Hasinger>da gibt es ja vor allem auch diese Citizen Science Projekte,

01:40:02.483 --> 01:40:05.143
<v Günther Hasinger>wo man also viele, viele Menschen hat,

01:40:05.263 --> 01:40:10.823
<v Günther Hasinger>die sich dann gleichzeitig Dinge anschauen und da durch die Schwarmintelligenz

01:40:10.823 --> 01:40:13.643
<v Günther Hasinger>sozusagen neue Phänomene erzeugen.

01:40:13.823 --> 01:40:17.163
<v Günther Hasinger>Und an der Stelle kann im Prinzip die künstliche Intelligenz,

01:40:17.163 --> 01:40:19.183
<v Günther Hasinger>kann die Schwarmintelligenz ersetzen sozusagen.

01:40:21.623 --> 01:40:25.863
<v Tim Pritlove>Also das Square Kilometer Array, was wir jetzt gerade erwähnt haben,

01:40:26.483 --> 01:40:29.003
<v Tim Pritlove>ich glaube das haben wir vorhin gar nicht so gesagt, ist halt auch ein neues

01:40:29.003 --> 01:40:33.743
<v Tim Pritlove>Radioteleskop, was eben aus sehr vielen kleinen Teleskopen zusammensetzt,

01:40:33.963 --> 01:40:40.403
<v Tim Pritlove>das in Australien und Südafrika aufgebaut wird und das halt auch diese Pulsar-Entdeckung quasi mit treibt.

01:40:42.343 --> 01:40:49.383
<v Tim Pritlove>Ja, aber auch das Zentrum für Astrophysik hat ja hier ein Ziel,

01:40:49.543 --> 01:40:56.343
<v Tim Pritlove>also hat viele Ziele, aber schon erwähnt, das Einstein-Teleskop soll ein Teil davon sein.

01:40:57.515 --> 01:41:04.675
<v Tim Pritlove>Ja, also das Einstein-Teleskop wäre halt ein weiterer Gravitationswellendetektor,

01:41:04.795 --> 01:41:08.355
<v Tim Pritlove>so wie LIGO, Virgo, Agra, was wir schon besprochen haben,

01:41:08.975 --> 01:41:15.715
<v Tim Pritlove>aber eben tief unter der Erde oder ganz tief in den Bergen sozusagen,

01:41:16.075 --> 01:41:19.315
<v Tim Pritlove>in Felsen, einfach aus den schon erwähnten Gründen.

01:41:19.315 --> 01:41:26.535
<v Tim Pritlove>Da ist Ruhe im Karton und da kann man sich dann irgendwie mehr auf die Wellen selbst konzentrieren.

01:41:28.455 --> 01:41:34.935
<v Tim Pritlove>Wie sieht es denn da aus? Wer treibt das jetzt im Wesentlichen voran und vor allem, wo kommt es hin?

01:41:34.935 --> 01:41:41.055
<v Günther Hasinger>Ja, also das Einstein-Teleskop ist ein zukünftiges europäisches Projekt,

01:41:41.335 --> 01:41:50.815
<v Günther Hasinger>was jetzt schon auf der S3 Roadmap, also European Research Infrastructure Roadmap aufgenommen wurde.

01:41:51.055 --> 01:41:54.435
<v Günther Hasinger>Also es ist eine Priorität in Europa.

01:41:54.735 --> 01:41:58.175
<v Günther Hasinger>Das bedeutet allerdings noch nicht, dass es jetzt auch schon entschieden ist,

01:41:58.255 --> 01:42:03.095
<v Günther Hasinger>dass es gebaut wird oder vor allem finanziert wird. Und im Moment finden eben

01:42:03.095 --> 01:42:07.555
<v Günther Hasinger>gerade die Voruntersuchungen statt, wo es am besten hinkommen sollte.

01:42:07.815 --> 01:42:14.055
<v Günther Hasinger>Und da gibt es schon lange, gab es zwei Plätze, die sich darum gerangelt haben.

01:42:14.155 --> 01:42:21.255
<v Günther Hasinger>Das eine ist Sardinien in Italien und das andere ist das Dreiländereck, Belgien, Niederlande,

01:42:21.875 --> 01:42:29.855
<v Günther Hasinger>Nordrhein-Westfalen, die sogenannte EMR-Region, also Irop-Mois-Rhein-Region.

01:42:29.855 --> 01:42:32.055
<v Tim Pritlove>Euregio Mars Rhein heißt es, glaube ich.

01:42:32.075 --> 01:42:34.675
<v Günther Hasinger>Genau, Euregio Mars Rhein. Und,

01:42:35.901 --> 01:42:44.721
<v Günther Hasinger>Wir als DZA sind ja hier durch diesen Wettbewerb relativ kurzfristig auch noch mit dazugekommen.

01:42:45.701 --> 01:42:50.001
<v Günther Hasinger>Und im Rahmen dieses Wettbewerbs haben wir auch einen einzigartigen Granitstock

01:42:50.001 --> 01:42:52.441
<v Günther Hasinger>hier in der Lausitz identifiziert, der

01:42:52.441 --> 01:42:58.241
<v Günther Hasinger>sich besonders gut für solche Gravitationswellenmessungen eignen würde.

01:42:58.781 --> 01:43:03.761
<v Günther Hasinger>Und wir haben auch gesagt, wir wollen auf jeden Fall in diesem Granitstock eine

01:43:03.761 --> 01:43:10.321
<v Günther Hasinger>Art Untergrundlabor aufbauen, in dem man Technologien für Gravitationswellendetektoren entwickeln kann.

01:43:11.081 --> 01:43:12.541
<v Tim Pritlove>Also sozusagen so ein Geo 600.

01:43:12.841 --> 01:43:18.901
<v Günther Hasinger>Aber unter der Erde. Aber nicht 600, sondern wir reden von 20 Meter Länge.

01:43:18.921 --> 01:43:20.781
<v Tim Pritlove>Also 600 sind die 600 Meter.

01:43:21.101 --> 01:43:25.941
<v Günther Hasinger>Also wir hätten quasi so eine Art Geo 20 dann in der Lausitz, Lausitz 20.

01:43:27.861 --> 01:43:34.081
<v Günther Hasinger>Und wir als DZA haben sozusagen das als eins unserer Ziele.

01:43:34.341 --> 01:43:38.981
<v Günther Hasinger>Das DZA selber hat jetzt sozusagen mit dem Vorschlag,

01:43:39.201 --> 01:43:43.741
<v Günther Hasinger>das Einstein-Teleskop in die Lausitz zu bringen, nicht direkt was zu tun,

01:43:43.921 --> 01:43:51.301
<v Günther Hasinger>sondern das wird hauptsächlich vom Land Sachsen und von der TU Dresden vorangetrieben.

01:43:51.821 --> 01:43:56.121
<v Günther Hasinger>Und dadurch, dass ich Professor an der TU Dresden bin, habe ich da sozusagen auch,

01:43:56.693 --> 01:43:59.533
<v Günther Hasinger>Persönlich war es damit zu tun, aber wir müssen darauf achten,

01:43:59.613 --> 01:44:02.053
<v Günther Hasinger>das DZA selber ist im Moment,

01:44:02.273 --> 01:44:05.413
<v Günther Hasinger>dadurch, dass wir ja von der Bundesregierung gefördert werden,

01:44:05.553 --> 01:44:08.753
<v Günther Hasinger>sind wir nicht beauftragt, jetzt das Einstein-Teleskop zu machen,

01:44:08.913 --> 01:44:12.413
<v Günther Hasinger>weil das ja noch ein Wettbewerb ist, auch innerhalb von Deutschland.

01:44:13.233 --> 01:44:17.833
<v Günther Hasinger>Da ist so ein bisschen politische Sensitivität dafür da sozusagen.

01:44:18.373 --> 01:44:21.293
<v Tim Pritlove>Aber wer wird denn dann letzten Endes die Entscheidung fällen,

01:44:21.433 --> 01:44:23.093
<v Tim Pritlove>also ob es das gibt und wo?

01:44:23.093 --> 01:44:27.593
<v Günther Hasinger>Genau. Letztendlich muss man, um das Einzelnteleskop zu bauen,

01:44:27.773 --> 01:44:29.233
<v Günther Hasinger>braucht man vier Bedingungen.

01:44:29.353 --> 01:44:32.333
<v Günther Hasinger>Das eine ist, dass es technisch machbar ist.

01:44:32.453 --> 01:44:36.013
<v Günther Hasinger>Das andere ist, dass es wissenschaftlich machbar ist. Das dritte ist,

01:44:36.093 --> 01:44:38.113
<v Günther Hasinger>dass es betrieben werden kann.

01:44:38.713 --> 01:44:42.013
<v Günther Hasinger>Und das vierte ist, dass man die politische und finanzielle Unterstützung hat.

01:44:42.013 --> 01:44:43.993
<v Günther Hasinger>Und das vierte ist natürlich das Wichtigste.

01:44:44.993 --> 01:44:51.353
<v Günther Hasinger>Also wir gehen davon aus, dass die Gesamtkosten nahe drei Milliarden sein werden.

01:44:51.573 --> 01:44:56.013
<v Günther Hasinger>Und es ist leider so, dass kein einziges europäisches Land im Moment das Geld

01:44:56.013 --> 01:45:01.153
<v Günther Hasinger>hat, um so viel zu machen. Es muss eine Art...

01:45:02.056 --> 01:45:06.436
<v Günther Hasinger>Großeuropäische Lösung dafür her. Und in dem Sinne ist es ganz gut,

01:45:06.576 --> 01:45:11.616
<v Günther Hasinger>dass es jetzt drei verschiedene Standorte gibt, weil dann könnte man unter Umständen

01:45:11.616 --> 01:45:13.736
<v Günther Hasinger>die Lasten auch ein bisschen verteilen.

01:45:14.456 --> 01:45:17.356
<v Tim Pritlove>Könnte so ein bisschen so ein Gravitationswellen-Zern werden?

01:45:17.616 --> 01:45:20.796
<v Günther Hasinger>Ja, im Prinzip eigentlich, das wäre ideal. Also es ist fast so,

01:45:21.236 --> 01:45:25.596
<v Günther Hasinger>wie das Zern hat ja ursprünglich auch nicht nur reine wissenschaftliche Ziele,

01:45:25.596 --> 01:45:31.716
<v Günther Hasinger>sondern auch vor allem die Kommunikation, die Kooperation zwischen verschiedenen Ländern.

01:45:31.936 --> 01:45:33.476
<v Tim Pritlove>Friedensprojekt könnte man auch sagen.

01:45:34.076 --> 01:45:40.376
<v Günther Hasinger>CERN gab es ja, bevor es wirklich Europa gab. CERN war sozusagen eine Baustelle für Europa.

01:45:40.376 --> 01:45:43.236
<v Tim Pritlove>Für solche Friedensprojekte haben wir auch noch genug Bedarf.

01:45:43.376 --> 01:45:52.376
<v Günther Hasinger>Ja, genau. Und es ist jetzt so, neben der Frage des Standortes ist leider auch

01:45:52.376 --> 01:45:54.596
<v Günther Hasinger>noch eine Unsicherheit über die Geometrie.

01:45:54.596 --> 01:46:00.216
<v Günther Hasinger>Also Einstein-Teleskop ist bisher als ein Dreieck gedacht, so ähnlich wie auch

01:46:00.216 --> 01:46:05.316
<v Günther Hasinger>Lisa ein Dreieck ist, aber es gibt jetzt den Vorschlag, das Dreieck aufzuteilen

01:46:05.316 --> 01:46:09.236
<v Günther Hasinger>in zwei L-förmige, also dass man quasi sowas ähnliches wie LIGO baut.

01:46:09.236 --> 01:46:14.856
<v Günther Hasinger>Und ein L, also die beiden L's müssten mindestens 1000 Kilometer auseinander sein.

01:46:15.256 --> 01:46:19.416
<v Günther Hasinger>Das heißt, es wäre sicher so, dass ein L dann nach Sardinien kommen würde und

01:46:19.416 --> 01:46:24.536
<v Günther Hasinger>ein L nach Nordeuropa, also entweder in die Lausitz oder in die EMR-Region.

01:46:25.936 --> 01:46:32.216
<v Günther Hasinger>Und für mich wäre das eigentlich die Vorzugsvariante, weil dann hätte man sozusagen

01:46:32.216 --> 01:46:36.436
<v Günther Hasinger>nicht Gewinner und Verlierer, sondern da haben alle ein bisschen was davon.

01:46:36.436 --> 01:46:41.096
<v Günther Hasinger>Also dann hätte man praktisch Italien mit im Boot, Deutschland,

01:46:41.516 --> 01:46:42.676
<v Günther Hasinger>Niederlande und so weiter.

01:46:43.736 --> 01:46:48.416
<v Günther Hasinger>Also das Ganze ist eine hochkomplexe und auch letztendlich politische Frage

01:46:48.416 --> 01:46:50.616
<v Günther Hasinger>und zum Schluss hängt es an den Kosten ab.

01:46:51.293 --> 01:46:56.973
<v Günther Hasinger>Und ich glaube, wir sind im Moment in einer Phase, wo wir noch die ganzen Studien

01:46:56.973 --> 01:46:58.453
<v Günther Hasinger>noch nicht abgeschlossen haben.

01:46:58.573 --> 01:47:03.753
<v Günther Hasinger>Also wir wissen weder, ob es wirklich funktioniert an den einzelnen Standorten,

01:47:03.833 --> 01:47:05.213
<v Günther Hasinger>noch was die Kosten sind.

01:47:05.893 --> 01:47:09.973
<v Günther Hasinger>Und deswegen brauchen wir jetzt noch ein Jahr ungefähr, um diese ganzen Randbedingungen

01:47:09.973 --> 01:47:12.893
<v Günther Hasinger>zu klären und dann kann eigentlich eine politische Entscheidung getroffen werden.

01:47:12.893 --> 01:47:16.433
<v Tim Pritlove>Okay, aber das steht auch bald mal an, sagen wir es mal so.

01:47:16.433 --> 01:47:22.613
<v Günther Hasinger>Also nächstes Jahr würde ich sagen oder spätestens Anfang 2027 müsste dann die

01:47:22.613 --> 01:47:24.053
<v Günther Hasinger>Entscheidung getroffen werden.

01:47:24.473 --> 01:47:31.713
<v Tim Pritlove>Wäre jetzt der Unterschied primär, dass man Untergrund ist und ansonsten macht

01:47:31.713 --> 01:47:39.453
<v Tim Pritlove>man eigentlich alles genauso oder werden da noch andere Längen auch erzielt werden können?

01:47:39.453 --> 01:47:45.313
<v Günther Hasinger>Ja, also der Punkt ist, das Einstein-Teleskop selber besteht eigentlich aus zwei Techniken.

01:47:45.913 --> 01:47:52.313
<v Günther Hasinger>Das eine ist einfach eine Erweiterung der jetzt schon existierenden LIGO-Technik,

01:47:52.533 --> 01:47:55.793
<v Günther Hasinger>wobei man nicht mehr vier Kilometer hat, sondern zehn Kilometer.

01:47:55.933 --> 01:47:59.253
<v Günther Hasinger>Das heißt, man kommt entsprechend weiter.

01:48:00.013 --> 01:48:03.313
<v Günther Hasinger>Aber das wirklich Attraktive an dem Einstein-Teleskop ist, dass man eben dieses

01:48:03.313 --> 01:48:08.813
<v Günther Hasinger>neue, gekühlte Interferometer hat, wo man also die Spiegel dann auf 10 Grad

01:48:08.813 --> 01:48:10.853
<v Günther Hasinger>über dem absoluten Nullpunkt abkühlt.

01:48:11.153 --> 01:48:14.753
<v Günther Hasinger>Das heißt also, wir reden von dem sogenannten Xylophon-Design.

01:48:14.853 --> 01:48:19.753
<v Günther Hasinger>Das sind eigentlich zwei Interferometer, die bei zwei verschiedenen Frequenzen gestimmt sind.

01:48:20.253 --> 01:48:24.673
<v Günther Hasinger>Und erst in der Kombination kriegt man eigentlich das Gesamtkunstwerk.

01:48:24.673 --> 01:48:30.593
<v Günther Hasinger>Und dieses gekühlte Interferometer braucht komplett neue Technologien,

01:48:30.813 --> 01:48:32.693
<v Günther Hasinger>also braucht man neue Spiegeltechnologie,

01:48:33.433 --> 01:48:39.333
<v Günther Hasinger>das ganze Kühlsystem, Vakuum und so weiter ist alles viel herausfordernder noch

01:48:39.333 --> 01:48:42.013
<v Günther Hasinger>als bei dem jetzigen LIGO-Design.

01:48:43.561 --> 01:48:44.881
<v Tim Pritlove>Na, dann schauen wir mal, wie

01:48:44.881 --> 01:48:50.001
<v Tim Pritlove>sich das entwickelt. Raumzeit wird dann berichten. Ja, Günther, ich denke.

01:48:50.501 --> 01:48:51.021
<v Günther Hasinger>Wir sind durch.

01:48:52.121 --> 01:48:56.061
<v Tim Pritlove>Das war ein sehr schöner Überblick und auch nochmal eine schöne Vertiefung der

01:48:56.061 --> 01:49:00.441
<v Tim Pritlove>schon existierenden Folgen hier rund um die Gravitationswellenforschung.

01:49:00.601 --> 01:49:06.901
<v Tim Pritlove>Ich wünsche dem DZA, neue Abkürzung, erstmal lernen.

01:49:07.381 --> 01:49:11.481
<v Tim Pritlove>Alles Gute und dass sich das hier alles super entwickelt.

01:49:12.161 --> 01:49:13.561
<v Tim Pritlove>Dann komme ich auch gerne mal wieder vorbei.

01:49:13.941 --> 01:49:17.321
<v Günther Hasinger>Ja, und vielen Dank für das Gespräch. Es ist immer wieder eine Freude, mit dir zu reden.

01:49:17.961 --> 01:49:21.501
<v Tim Pritlove>Freut mich auch sehr. Ja, und vielen Dank natürlich auch fürs Zuhören hier über

01:49:21.501 --> 01:49:24.381
<v Tim Pritlove>Raumzeit. Bald geht es wieder weiter. Ich sage tschüss und bis bald.
