Raumzeit
Der Podcast mit Tim Pritlove über Raumfahrt und andere kosmische Angelegenheiten
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RZ038 Alpha-Magnet-Spektrometer

Über den Versuch an Bord der ISS den letzten Geheimnissen des Universums auf die Spur zu kommen

In den letzten zehn Jahren hat sich das Verständnis des Universums grundlegend gewandelt. Durch zahlreiche wissenschaftliche Entdeckungen und Erkenntnisse wurden die bisherigen Annahmen auf den Kopf gestellt. Um die Fragen nach dem Wesen von Dunkler Materie und Dunkler Energie zu beantworten müssen neue Wege gegangen werden. Dabei spielt das auf der Internationalen Raumstation installierte Alpha-Magnet-Spektrometer (AMS) eine Schlüsselrolle.

Das vom DLR geförderte und von zahlreichen Wissenschaftlern in kurzer Zeit entwickelte neuartige Messsystem beobachtet und analysiert rund um die Uhr eintreffende kosmische Strahlung und sucht dabei nach Atomen und Elementarteilchen, die weiteren Aufschluss über die genaueren Umstände des Urknalls und der generellen Beschaffenheit des Universums geben sollen.

https://raumzeit-podcast.de/2012/06/01/rz038-alpha-magnet-spektrometer/
Veröffentlicht am: 1. Juni 2012
Dauer: 1:59:37


Kapitel

  1. Intro 00:00:00.000
  2. Vorstellung 00:00:40.791
  3. Bedeutung der Grundlagenforschung 00:04:13.495
  4. Wandel der Physik im Laufe der Zeit 00:12:50.714
  5. Aktuelle Fragestellungen der Physik 00:16:54.599
  6. Die Suche nach Elementarteilchen 00:27:58.000
  7. Alpha-Magnet-Spektrometer 00:31:40.359
  8. Aufbau und Funktionsweise des AMS 01:01:38.000
  9. Auswertung und Datenübertragung 01:19:17.750
  10. Installation des AMS-02 auf der ISS 01:21:33.625
  11. Aktueller Betrieb und mögliche Erkenntnisse 01:22:44.250
  12. Wissenschaftliche Auswertung 01:35:21.875
  13. Personal und Ausbildung 01:43:53.875
  14. Zukünftige Entwicklungen 01:48:45.000
  15. Ausklang 01:58:31.533

Transkript

Tim Pritlove
0:00:42
Stefan Schael
0:01:28
Tim Pritlove
0:01:29
Stefan Schael
0:01:33
Tim Pritlove
0:01:39
Stefan Schael
0:01:41
Tim Pritlove
0:02:17
Stefan Schael
0:02:21
Tim Pritlove
0:03:29
Stefan Schael
0:04:20
Tim Pritlove
0:05:04
Stefan Schael
0:05:09
Tim Pritlove
0:06:21
Stefan Schael
0:06:22
Tim Pritlove
0:06:24

Ja.

Stefan Schael
0:06:26
Tim Pritlove
0:07:23
Stefan Schael
0:07:26
Tim Pritlove
0:08:30
Stefan Schael
0:08:35

Das ist immer die Frage, welchen Anspruch man hat. Also ich bin sehr damit zufrieden, dass wir Modelle entwickeln, die, es ist schwierig zu sagen, welchen Bruchteil des Universums, aber wenn Sie sich unsere Zivilisation angucken, unseren Wohlstand angucken, dann stellen Sie fest, dass wir das recht erfolgreich machen seit einigen hundert Jahren. Also seitdem wir ernsthaft seit Galileo Newton angefangen haben, Wissenschaft zu machen, dass wir das recht erfolgreich machen. Also die ganzen Sachen, an die sie heute gewöhnt sind, ob das Laser oder Navigationssystem ist, können nehmen, was sie wollen. Können sie ohne die moderne Physik, haben sie keine Chance. Und wenn wir uns heute angucken, was sind die globalen Herausforderungen, mit denen wir zu tun haben, also ob das Erderwärmung ist, alternde Gesellschaft, was auch immer. Also. Ist eigentlich die Erkenntnis, wir werden das wahrscheinlich, diese Probleme nicht dadurch lösen, dass wir das bestehende Know-how, ich sage jetzt mal ein bisschen despektierlich, aber einfach nur ingenieren. Also um wieder ein Beispiel zu sagen, Sie können sich noch so lange damit auseinandersetzen, wie Sie eine Kerze optimieren. Sobald ein Physiker kommt und Ihnen erklärt, wie eine Glühbirne funktioniert, haben Sie keine Chance mehr. Und sie können noch so lange versuchen als Ingenieur die Glühbirne zu optimieren, sobald ein Physiker kommt und ihnen sagt, was eine LED ist, also wie sie Licht erzeugen können ohne Wärme über quantenmechanische Prozesse, haben sie mit ihrer Glühbirne keine Chance mehr. Und man sieht an diesen Sprüngen in der Qualität, dass das was ganz anderes ist, als wenn ich also einen bestehenden Prozess nehme und den Prozess immer weiter optimiere. Irgendwann in diesem Prozess hoffentlich kommt die Physik wieder. Das ist natürlich ein bisschen, also warum mache ich Physik? Ja, weil mich diese Themen interessieren, kommt die Physik wieder mit einer grundlegenden neuen Idee und das revolutioniert das gesamte Gebiet. Das ist mein Verständnis von Grundlagenforschung und warum man Grundlagenforschung machen muss. Wir werden die Probleme, die wir heute haben, nicht dadurch lösen, dass wir also Engineering machen von den bekannten Lösungen, sondern wir brauchen grundsätzlich neue Ansätze. Und dann ist die Frage, wo bekomme ich die her? Im Nachhinein ist das einfach zu sagen, Planck mit seinem Wirkungsquantum, das war ja die richtige Idee. Die ganzen anderen tausend Physiker, die zu der Zeit an verschiedenen Fragen gearbeitet haben, über die reden wir heute nicht mehr. Und genau so ist das heute. Wir arbeiten an Grundlagenforschung, wir versuchen Themenkomplexe zu verstehen, die uns aufzeigen, dass unsere Physik unvollständig ist. Welche von diesen Ansätzen am Ende zum Erfolg führen und zu dem Durchbruch führen, das werden wir in 100 Jahren diskutieren. Also wir nicht, also unsere Nachfolger werden dann bei solch einem Interview sitzen und dann werden sie sagen, ja, damals AMS, das war das Schlüsselexperiment, vielleicht. Wie wir heute sagen, Michelson-Morley, Messung der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit vor 100 Jahren, das war das entscheidende Experiment, um die Relativitätstheorie zu begründen. Oder die Messung der Wärmestrahlung eines schwarzen Körpers, das war das entscheidende Experiment, um die Quantenmechanik zu begründen.

Tim Pritlove
0:11:41
Stefan Schael
0:11:46
Tim Pritlove
0:12:50
Stefan Schael
0:13:25

Heute würde die Antwort wahrscheinlich anders aussehen. Also zum einen mit der Erfahrung aus der Vergangenheit, aber man muss auch sehen, dass sich in den letzten zehn Jahren eigentlich eine Revolution weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit in der Physik abgespielt hat. Unser Verständnis dessen, wie unser Universum entstanden ist, hat sich grundlegend geändert in den letzten zehn Jahren. Und zwar im Wesentlichen durch Messungen von Satellitenexperimenten, also Weltraum-Experimenten, nicht durch Beobachtungen hier auf der Erde. Die Messungen der kosmischen Hintergrundstrahlung durch das COBE-Experiment, durch das WMAP-Experiment und jetzt durch das Planck-Experiment, das Hubble Space Telescope, die entdeckt haben, dass also nicht nur das Universum nicht schrumpft, wie man das eigentlich auf der Basis der Urknalltheorie erwarten würde, sondern dass es anfängt, sich beschleunigt, wieder auszudehnen. Die Erkenntnis, dass ein wesentlicher Teil des Universums aus einer Energieform besteht, die wir nicht beschreiben können, mit der gegenwärtigen Physik, was also die dunkle Energie ist. Die Erkenntnis, dass der größte Teil der Materie im Universum dunkle Materie ist, die wir mit der heutigen Physik nicht beschreiben können, von der wir nicht wissen, was es ist. Eigentlich ist die ernüchternde Erkenntnis der letzten zehn Jahre von vier Prozent dessen, was das Universum ist, wissen wir halbwegs, wie es funktioniert. Und das ist die normale Materie, aus der wir aufgebaut sind. Das ist das, was die Physik heute kann. 96 Prozent verstehen wir nicht. Und wir sind eigentlich jetzt in der Lage oder haben das Gefühl, in der Lage zu sein, die richtigen Fragen zu stellen. Wir haben nicht die Antworten, aber wir sind in der Lage, die richtigen Fragen zu stellen. Und die Aufgabe für die nächsten 10 Jahre, 15 Jahre wird es sein, zu versuchen, auf diese Fragen eine Antwort zu finden. Und diese Fragen sind sehr komplex, sehr schwierig, haben wenig mit unserer Alltagsanschauung zu tun. Es ist mehr und mehr so, dass die Grundlagenforschung in der Physik sich von den... Ja, von den Alltagserfahrungen mehr und mehr löst. Also wenn wir in den ganz kleinen Längenskalen gehen zur Quantenmechanik oder zu ganz großen Längenskalen zur Astrophysik und Kosmologie, dass das nichts mit dem zu tun hat, was wir über die Evolution eigentlich gelernt haben, um überleben zu können. Und das macht das sehr schwierig für uns Menschen mit unserem begrenzten Verstand, diese Phänomene überhaupt zu durchdringen. Und ich gehe davon aus, dass wir dafür, genauso wie Einstein eine neue Mathematik brauchte, um seine Relativitätstheorie aufzustellen, dass wir auch neue mathematische Verfahren brauchen werden, um diese Probleme zu lösen.

Tim Pritlove
0:16:03
Stefan Schael
0:16:07
Tim Pritlove
0:16:54
Stefan Schael
0:17:53

Also erstmal ist es so, dass wir…, immer wieder Beobachtungsdaten haben, die wir nicht verstehen. Also eine der Erkenntnisse zum Beispiel, dass es so etwas wie dunkle Materie geben muss, wenn man die Ergebnisse nur richtig interpretiert hätte, hätte man da schon in den 1930er Jahren drauf kommen können, als Zwicky sich die Bewegung von größeren Strukturen im Kosmos angeguckt hat und festgestellt hat, dass man das aufgrund des Gravitationsgesetzes nur verstehen kann, wenn es eine zusätzliche Materieform gibt. Wenn Sie solche Beobachtungen isoliert haben, dann ist immer die Frage, es stimmt was mit der Beobachtung nicht, stimmt was mit dem Modell nicht. Die Frage ist, wie gut ist unser Verständnis der Gravitationswechselwirkung bei den Skalen, auf denen wir arbeiten, denn wir testen das ja immer nur auf der Erde. Dann können wir das im Sonnensystem testen mit einiger Präzision. Jetzt gehen sie damit hin und beschreiben Galaxienhaufen oder Rotationskurven von Galaxien. Das heißt, wie schnell dreht sich ein Stern um das Zentrum dieser Galaxie, verstehe ich, dass der nicht aus der Galaxie rausfliegt, aufgrund der Materieverteilung. Und dann stellt sich halt bei einigen dieser Beobachtungen raus, das sind keine Beobachtungsfehler oder Fehler in der Theorie, sondern da steckt wirklich was hinter. Und wir haben durch die Beobachtung der kosmischen Hintergrundstrahlung, was wir uns eigentlich angeguckt haben, ist, hat das Universum die gleiche Temperatur, egal in welche Richtung ich gucke? Was ja eigentlich eine interessante Frage ist. Also wenn das Universum ohne Vorzugsrichtung erzeugt worden ist, würde man ja sagen, ja, das müsste eigentlich überall ungefähr gleich aussehen. Dann stellt sich natürlich die spannende Frage, wenn das gleich aussieht, wie können Bereiche, die also keinen kausalen Zusammenhang haben, das heißt, die so weit voneinander entfernt sind, dass sie über Lichtgeschwindigkeit keine Informationen austauschen können, wie können die eine gleiche Temperatur haben? Und das ist normalerweise eine Frage, da finden Sie keine Antwort drauf. Die Idee, die dann vor 20 Jahren aufkam, 30 Jahren aufkam, war, dass es also eine Inflationsphase am Anfang gab. Das heißt, das Universum hat sich also exponentiell ausgedehnt aus einem sehr kleinen Raumzeitgebiet. In dem kleinen Raumzeitgebiet können Sie dann homogene Bedingungen schaffen. Das ist klein genug, dass Sie über Lichtgeschwindigkeit Informationen austauschen können. Dann blähen Sie das exponentiell auf. Wir verstehen heute nicht, warum. Das nimmt eine bestimmte Größe an. Dieser exponentielle Wachstum hört auf. Auch da wissen wir nicht, warum es aufhört. Dann dehnt es sich langsam weiter aus, beziehungsweise Gravitationskraft gewinnt die Überhand und dann sollte es sich wieder zusammenziehen, je nachdem, wie viel Materie in dem Universum ist. Die Anfangsbedingungen kennen wir ja nicht genau. Und dieses Modell, was wir heute haben, das sieht recht plausibel aus. Und wenn Sie das in der Relativitätstheorie angucken, dann hat Einstein eigentlich alle Zutaten schon geliefert. Er hat das kosmologische Konstante genannt, also diese Vakuumenergie, die notwendig ist, um solche Expansionen vorher zu verursachen. Und Einstein hat damals gesagt, diese Einführung dieser kosmologischen Konstante in meine Relativitätstheorie, das war der größte Unfug, den ich gemacht habe, als Hubble entdeckt hat, dass das Universum sich tatsächlich ausdehnt, also dass unsere Nachbargalaxien von uns wegfliegen. Und Einstein hat dann gedacht, naja, das ist also ein mathematisches Kuriosum, dass ich da eine Konstante habe, die hat keine Bedeutung. Und dann kam die Messung von dem Hubble-Weltraumteleskop, das also festgestellt hat, dass das Universum sich beschleunigt, ausdehnt. Dann kam die Messung der kosmischen Hintergrundstrahlung, was auch festgestellt hat, dass wir die Messergebnisse nur verstehen können, wenn wir annehmen, dass das Universum sich beschleunigt, ausdehnt. Und wenn man das dann zusammennimmt, dann hat man das Gefühl, das Bild wird wieder konsistent. Also die Ergebnisse passen zusammen. Wir haben eigentlich die Bausteine schon in der Theorie. Unser Problem ist mehr, dass wir nicht verstehen, wo die herkommen. Also diese kosmologische Konstante, die Einstein eingeführt hat, das ist zunächst einmal eine dimensionslose Zahl. Warum ist die da? Warum hat die den Wert? Warum ist die nicht null? Und dann versuchen sie zu verstehen, wie kann ich sowas auf mikroskopischer Skala erzeugen und das ist Quantenfeldtheorie, das ist Heisenberg, und dann stellen sie fest, das passt alles nicht zusammen und dann haben sie eigentlich ein Bild, was sich entwickelt in eine Richtung, dass sie das Gefühl haben, das wird alles konsistent, wenn ich gewisse Annahmen mache, aber die Grundlagen für die Annahmen fehlen mir. Also müssen wir verstehen, welche Grundlagen brauchen wir, um diese Annahmen zu rechtfertigen. Denn man sollte ja auch wieder, wenn man in der Geschichte zurückgeht, als Michelson und Morley die Konstante der Lichtgeschwindigkeit gemessen hatten, da haben die das gemessen, weil wir davon ausgingen, dass das Licht, also elektromagnetische Wellen, ein Medium brauchen, um sich auszudehnen. Und das haben wir Äther genannt. Und wenn es diesen Äther tatsächlich geben würde und die Lichtwellen sich in diesem Äther ausbreiten, dann müsste es einen Unterschied machen, ob ich das Licht also in Richtung der Flugbahn der Erde um die Sonne aussende oder entgegengesetzt dazu. Und Michelson und Morley haben gezeigt, das macht keinen Unterschied, den Äther gibt es nicht. Das heißt, wenn wir jetzt ein Modell des Universums machen und sagen, dafür brauchen wir aber Inflation, Vakuumenergie, also dunkle Energie, dunkle Materie, dann ist ja die Frage, sind das Hilfskonstrukte, die wir einführen, weil wir nicht verstanden haben, wie es wirklich funktioniert? Oder gibt es diese Sachen wirklich? Also ist die Aufgabe der Experimentalphysik, das kann ja sonst keiner machen, also Experimentalphysiker müssen versuchen zu verstehen, was ist das? Was sind das neue Elementarteilchen bei der dunklen Materie? Was ist das? Sind das schwarze Löcher? Sind das braune Zwerge? Also sowas wie der Jupiter, also was massiv genug ist, um Masse zu haben, also viel Masse zu haben, aber nicht massiv genug, um zu leuchten. Sind das weiße Zwerge, also Überbleibsel von, nicht von Supernova-Explosionen, aber von Nova-Explosionen, Endstadium von Sternenentwicklung, die wir nicht sehen, weil die halt nicht leuchten. Ist es interstellares Medium, was wir nicht richtig verstehen. Das heißt, sie gehen dann durch die Physikprozesse durch, versuchen das zu verstehen und dann kommen wir zu dem Ergebnis, nichts von dem, was wir können, ist in der Lage, das zu beschreiben. Also die Neutrinos als Elementarteilchen sind nicht in der Lage, dunkle Materie vernünftig zu beschreiben. Wir können ausschließen, dass weiße Zwerge, braune Zwerge, schwarze Löcher die dunkle Materie sind.

Tim Pritlove
0:24:34
Stefan Schael
0:24:37
Tim Pritlove
0:25:08
Stefan Schael
0:25:13
Tim Pritlove
0:25:39
Stefan Schael
0:25:47

Genau, wir haben das Gravitationsgesetz getestet. Also wir sind in der Lage zu beschreiben, wie die Erde um die Sonne kreist, wie Jupiter, Saturn, Venus, Merkur, selbst Merkur im Detail, der durch ein sehr starkes Gravitationsfeld durch muss und deshalb einige Eigenheiten hat, die wir beobachten können. Es hat einen Nobelpreis gegeben für die Beobachtung von einem Pulsar, bei dem man also beobachtet hat, wie die Periode, die Rotationsperiode von diesem Neutronenstern sich verändert. Das passt hervorragend zur Relativitätstheorie. Das heißt also, in den letzten 50 Jahren haben wir die einsteinische Gravitationstheorie im Detail mit immer größerer Präzision getestet. Ihr Navigationssystem, was ich am Anfang gesandt habe, wäre jedes Mal um 20 Kilometer falsch, ohne Einsteins allgemeine Relativitätstheorie. Auch Einstein hätte Ihnen das nicht vorhersagen können, dass Sie mal mit seiner Theorie ein Navigationssystem machen. Aber für uns ist das heute Alltag. Wir benutzen das und wir sehen, dass das mit guter Präzision funktioniert. Und dann ist die Annahme in den Naturwissenschaften immer, die einfachste Theorie ist die beste. Und das heißt, wir haben eine Theorie der Gravitation, die funktioniert. Wir haben aber Phänomene, die wir nicht beschreiben können. Also muss es eine Erweiterung dieser Theorie geben. Wie sieht die aus? Auf diese Fragen versuchen wir Antworten zu finden und wir wissen, dass wir also nicht in der Lage sind, den Anfangszustand des Universums zu beschreiben. Also Urknall kriegen wir nicht hin, schwarze Löcher kriegen wir nicht hin, weil in diesen Fällen dieses Modell von Einstein einfach zusammenbricht. Die Gleichungen sind divergent, also wie die Mathematiker sagen, das heißt, da kommt unendlich raus und damit kann ich nichts anfangen. Habt keine Vorhersagekraft mehr. Also da passiert was, was wir nicht verstehen. Und das ist im Moment der Schlüssel, wie wir versuchen, da weiterzukommen. Das heißt, die Frage jetzt für uns ist, welche Experimente können wir machen, um zu verstehen, was dunkle Materie und dunkle Energie sind. Und das ist der Grund, warum wir also gesagt haben, wir brauchen ein Experiment auf der Raumstation. Wir können das also nicht mit terrestrischen Experimenten machen, weil wir uns Phänomene angucken wollen, Wollen die also was mit den Grundlagen dessen zu tun haben, wie dieses Universum aufgebaut ist, entstanden ist und wie die physikalischen Zusammenhänge bei der Entwicklung sind?

Tim Pritlove
0:27:57
Stefan Schael
0:28:27

Ja, also es gibt, erstmal es gibt sehr viele Wissenschaftler, was gut ist, die an diesen Fragestellungen arbeiten. Also um das nochmal so ein bisschen einzuordnen, also das AMS-Experiment ist von 60 Forschungsinstituten entwickelt worden. Die RWTH Aachen war eins davon. Da sind 600 Wissenschaftler dann beteiligt, nicht 20 in Aachen, die sowas machen können. Also das ist die richtige Skala dann. Also uns ist, manchmal ist das der RWTH-Physiker, uns seine Gruppe, manchmal sind das alle Physiker, manchmal ist das die ganze Menschheit, je nachdem. Ich fühle mich zu allen zugehörig. Ja, natürlich. Jetzt, wenn wir das versuchen einzuordnen, wie ist so der Zusammenhang mit den anderen grundlegenden Experimenten in der Physik, die zurzeit laufen? Dann ist der Versuch am CERN, an dem LHC-Beschleuniger, an dessen Forschungsprogramm wir hier auch beteiligt sind, also wir ist jetzt RWTH Aachen, ich insbesondere. Dann ist der ansatz am zern eigentlich dass wir versuchen die neuen elementarteilchen die wir suchen zu erzeugen im labor das heißt wir machen kollisionen von von hoch energetischen protonen und schauen uns die zerfallsprodukte an die dabei erzeugt werden und versuchen zu verstehen wie die wechselwirkung am anfang aussah also bei diesen kollisionen man könnte sagen wir Wir versuchen, so einen kleinen Urknall im Labor zu machen. Wir sind natürlich um größten Ordnungen von den Energien weg, die am Urknall wirklich geherrscht haben. Aber wir versuchen, uns dem anzunähern und zu verstehen, welche physikalischen Prozesse sind notwendig, um das zu beschreiben. Und treten dabei neue Phänomene auf, insbesondere neue Elementarteilchen, die in Frage kommen, um zum Beispiel dunkle Materie zu beschreiben. Unser Problem bei diesen Experimenten ist, Wenn wir da ein neues Elementarteilchen finden, dann steht da nicht dran, ich bin dunkle Materie, sondern steht da im besten Fall dran, ich bin ein neues Elementarteilchen, verstehe mich. Und verstehe mich heißt dann, in dem Labor können wir die Bedingungen während der Kollision kontrollieren, das heißt wir können die Energie verändern, wir können bestimmte Eigenschaften der Teilchen versuchen zu verändern und versuchen zu verstehen, was das ist. Und das war in den letzten 50 Jahren, seitdem wir also an Beschleunigern arbeiten, extrem erfolgreich. Wir haben viel über die Wechselwirkung und die Kräfte in der Natur dabei gelernt, das so zu tun. Wenn wir jetzt aber ein neues Teilchen finden, und das soll dunkle Materie sein im Universum, dann brauche ich ein anderes Experiment, was auch in der Lage ist, die Eigenschaften dieser Teilchen zu messen, was aber im Weltraum ist. Und sagt, ich schaffe die Verbindung. Um im Bild zu sein, ich messe sowas wie einen Fingerabdruck von diesem Teilchen an dem Beschleuniger. Das heißt, ich messe seine Eigenschaften. Und ich messe die gleichen Eigenschaften im Weltraum. Und wenn die Eigenschaften zusammenpassen, dann habe ich verstanden, was ich da habe. Und das ist die Verbindung zwischen der Physik, die wir auf der Raumstation machen, und der Physik, die wir an Beschleunigerexperimenten machen.

Tim Pritlove
0:31:40
Stefan Schael
0:32:22

Ja, das ist also eine recht komplexe Frage. Ich fange mal mit dem ersten Teil an. Wie hat sich das entwickelt? Wer ist auf die Idee gekommen? Vom 1995 hatten wir also die Situation, dass wir Beschleunigerexperimente am CERN in Genf gemacht haben, an einem sehr ähnlichen Beschleuniger. Der war in dem gleichen Tunnel eingebaut, hat aber Elektronen und Positronen zur Kollision gebracht. Und wir waren in der Situation, dass wir uns gefragt haben, was machen wir danach? Und dann gab es also eine Richtung der Teilchenphysik, die haben gesagt, wir ersetzen die Elektronen und Positronen in Beschleuniger durch Protonen. Dann können wir höhere Energien erreichen, Schwerpunktsenergien und damit neue Teilchen produzieren und neue Phänomene verstehen. Und eine andere Gruppe hat gesagt, eigentlich die höchsten energetischen Beschleuniger im Universum, das sind Supernova-Explosionen. Also das kann ich auf der Erde nicht nachbauen. Also so viel Energie, wie frei wird, wenn ein Stern explodiert, das kann ich auf der Erde nicht nachbauen. Und es gibt noch hochenergetischer, das nennen wir aktive galaktische Kerne, wo Teilchen auf noch höhere Energien beschleunigt werden können. Und wenn Sie sich die Entwicklung in der modernen Physik angucken, dann sind viele Erkenntnisse, die wir haben, aus der Beobachtung der kosmischen Höhenstrahlung entstanden. Die ersten Elementarteilchen sind da gefunden worden. Also das Antiteilchen zum Elektron, das Positron ist da gefunden worden. Myonen sind in der kosmischen Strahlung gefunden worden. Pionen. Am Anfang hat es dafür noch Nobelpreise gegeben, weil man dachte, das ist es jetzt. Es gibt vielleicht zwei, drei. Dann hat sich herausgestellt, das ist ein ganzer Zoo. Und dann hat man in den 50er Jahren gesagt, also wisst ihr was, die Rate in der kosmischen Strahlung ist zu klein. Wir bauen Beschleuniger. Und dann studieren wir das.

Tim Pritlove
0:34:07
Stefan Schael
0:34:12
Tim Pritlove
0:35:07
Stefan Schael
0:35:21
Tim Pritlove
0:35:51
Stefan Schael
0:35:51
Tim Pritlove
0:36:44
Stefan Schael
0:36:49
Tim Pritlove
0:38:12
Stefan Schael
0:38:14
Tim Pritlove
0:39:26
Stefan Schael
0:39:28
Tim Pritlove
0:39:59
Stefan Schael
0:40:01
Tim Pritlove
0:40:24
Stefan Schael
0:40:26
Tim Pritlove
0:41:36
Stefan Schael
0:41:38

Was ist Antimaterie? Also ich hatte versucht zu erklären, wie so ein Atom aufgebaut ist. Das hat ein einfaches Atom, Wasserstoffatom, Atomkern, ist ein Proton und ein Elektronkreis darum. Die Physik sagt aber, das muss völlig symmetrisch sein. Es muss also ein Anti-Wasserstoffatom geben, was aus einem Antiproton, dem Antiteilchen zum Proton, und einem Positron besteht, dem Antiteilchen zum Elektron. So, das hat Dirac postuliert, aufgrund von theoretischen Überlegungen. Und in der kosmischen Höhenstrahlung ist dann das Positron gefunden worden, das Antiteilchen zum Elektron. Das heißt, das hat dieselben Eigenschaften wie das Elektron, nur die entgegengesetzte elektrische Ladung. So, und wenn dieses Universum am Anfang genauso viel Materie wie Antimaterie hatte, dann ist die Frage, wo ist die Antimaterie geblieben, gibt es Bereiche aus Antimaterie und wenn wir jetzt mit dem AMS-Experiment einen einzigen Antikohlenstoffkern sehen, dann wissen wir, es gibt Sterne aus Antimaterie, denn Kohlenstoff kann nur in Sternen entstehen, also es gibt Sterne aus Antimaterie im Universum und wir können dann nicht sagen, wo der ist. Weil wir die Richtungsinformation nicht haben. Aber die Erkenntnis an sich, dass es Bereiche im Universum aus Antimaterie gibt, würde also die Physik komplett revolutionieren. Und das ist nur eine der Facetten, die sich AMS anguckt. Und mit diesen Überlegungen, es ist also, selbst wenn wir die Richtungsinformation nicht bekommen können, das liegt ja nicht daran, dass wir das Experiment irgendwie schlecht machen, sondern dass die Natur dafür gesorgt hat, dass diese Richtungsinformation nicht mehr vorhanden ist, gibt es genug physikalische Fragen, die interessant genug sind, dass wir uns das mit solch einem Experiment angucken können. Und das war die Geburtsstunde von AMS. Das ist also eine Veröffentlichung, wo in Größenordnung 50 Personen draufstehen, von Aachen, Herr Lübbelsmeier als Institutsleiter damals. Und dann haben die Raumfahrtagenturen gesagt, also ihr seid Teilchenphysiker. Wir glauben euch, dass ihr Experimente am CERN bauen könnt. Aber so ein Experiment in den Weltraum zu bringen, ist schon noch ein bisschen was anderes. Anderes. Und ihr müsst uns erstmal zeigen, dass sowas funktioniert. Und das war die Idee von AMS1. Die Idee von AMS1 war, einen Prototypen zu bauen, mit dem man zeigen kann, sowas kann man überhaupt machen. Also Teilchendetektoren sind ja sehr empfindliche Messinstrumente. Größenordnung zu geben, wir messen also die Flugbahnen von Teilchen durch solch ein Instrument mit einer Genauigkeit von tausendstel Millimeter. Tausendstel Millimeter. Jetzt überlegen Sie sich mal, wie Sie was bauen müssen, dass Sie das vom Tisch schmeißen können. Und das kann danach immer noch tausendstel Millimeter messen. Und das vom Tisch schmeißen ist der Start mit dem Space Shuttle. Das ist der vorsichtigste Start, den Sie überhaupt haben können in der Raumfahrt. Das sind extreme Anforderungen von der Technologie. Das zweite Problem, was es zu lösen galt, war, die Erde hat ja zum Glück ein Magnetfeld. Wenn Sie jetzt geladene Teilchen messen wollen, brauchen Sie selber einen Magneten. Weil nur mit einem Magneten können Sie die geladenen Teilchen ablenken und aus der Ablenkung den Impuls und die elektrische Ladung messen. Wenn Sie diesen Magneten aber nicht sehr sorgfältig auslegen, dann starten Sie das Space Shuttle und danach haben Sie sämtliche Lagekontrolle verloren. Weil dieser Magnetwechsel wirkt mit dem Erdmagnetfeld und genau wie eine Kompassnadel dreht sich dann das Shuttle bei seinen 90 Minuten um die Erde die ganze Zeit in dem Erdmagnetfeld und sie können gar nichts mehr tun. Und da gab es in den 80er Jahren eine Entwicklung, dass also Physiker, Festkörperphysiker sich aus ganz anderen Gründen mit Magnetfeldern auseinandergesetzt haben und ein Konzept vorgeschlagen haben, wie man solch einen Magneten bauen kann. Und dieses Konzept hat AMS umgesetzt mit einem sogenannten Permanentmagneten. Er ist also aus seltenen Erden aufgebaut. Ist auch an sich schon ein faszinierendes Projekt. Also die seltenen Erden kamen aus China nach Deutschland gegangen zur Vakuumschmelze. Vakuumschmelze hat daraus kleine Würfelchen gemacht.

Tim Pritlove
0:45:41
Stefan Schael
0:45:44

Ja.

Tim Pritlove
0:45:46
Stefan Schael
0:45:49

Ja, aber es sind halt Metalle mit bestimmten Eigenschaften. Vakuumschmelze hat also die magnetisiert und kleine Würfelchen draus gemacht, muss man sich vorstellen, so Kubikzentimeter groß. Und die haben dann eine bevorzugte Magnetisierungsrichtung schon und daraus wollen sie also einen zylindrischen Magneten zusammenbauen. Aus Würfeln kann ich keinen Zylinder bauen. Da gibt es immer Lücken. Also sind diese Würfelchen in Deutschland produziert, wieder nach China gegangen und jeder einzelne Würfel ist in Form geschnitten worden, dass ich daraus also passgenau einen Zylinder bauen kann. Dafür brauchen sie sehr viel Personal. Deshalb macht man das lieber in China. Das können sie nicht mit Maschinen machen, vernünftig. Diese seltenen Erden, wenn die gepresst sind, sind also extrem brüchig. Versuchen sie mal ein Keramikmesser zu schleifen. Also besser versuchen sie es nicht. Das bricht in der Regel ab. Das war also extrem arbeitsintensiv, aber ist in China dann gemacht worden. Und die NASA war die Raumfahrtagentur, die das begleitet hat. Und die hat ihre Ingenieure nach China geschickt, um den Prozess zu überwachen und hat dann gesagt, so und jetzt wollen wir auskriegen, hält dieser Magnet auch einen Start mit einem Space Shuttle aus. Und das Einzige, was sie dann machen können, ist, um sich wirklich davon zu überzeugen, dass sie zwei Baugleiche machen und den einen versuchen kaputt zu machen. Also einen Distractive Test Test, wie das so schön heißt, also einen Test bis zur Zerstörung, um wirklich rauszukriegen, wo sind die Grenzen in der Festigkeit. Und der Prüfbericht von dem NASA-Ingenieur, der das gemacht hatte, ist sehr instruktiv, der sagt nämlich, wir geben auf. Also wir haben alles Equipment, was uns eingefallen ist, versucht zu verwenden und wir können diesen Ring nicht kaputt kriegen, diesen Zylinder.

Tim Pritlove
0:47:26
Stefan Schael
0:47:28
Tim Pritlove
0:47:47
Stefan Schael
0:47:50
Tim Pritlove
0:48:48
Stefan Schael
0:48:53

Dass das möglich war? Also erstmal muss man sehen, dass das vor den Abstürzen der Space Shuttle war. Das heißt, die Sicherheitsanforderungen waren noch andere. Die Leute waren nicht so sensibilisiert für Sicherheitsfragen. Heute können sie das alleine schon deshalb nicht schaffen, selbst wenn sie alles richtig machen, sie können nicht nachweisen, dass alles richtig ist. Also der Aufwand an Dokumentation und an Testverfahren ist so groß geworden jetzt, dass sie das in der Zeit einfach gar nicht schaffen können. Das ist der eine Grund. Und der zweite Grund, die Teilchenphysiker arbeiten anders als die Raumfahrtindustrie und als die, wie soll man das sagen, auch die Raumfahrtagenturen. Also die, Goldin war zu der Zeit der Chef von der NASA und der hat gesagt, also wenn ich das intern hinkriegen würde, sowas, das wäre unglaublich. Ja, die Teilchenphysiker, die waren gewohnt, Experimente zu bauen, das heißt, wir haben diese Infrastruktur an den Universitäten, das heißt also, so ein physikalisches Institut in Aachen hat eine große Werkstatt, Mechanik, Elektronik inklusive Entwicklung. Ähm, das heißt, es war relativ leicht möglich, ein großes Team von Wissenschaftlern, Technikern sozusagen aus dem Stand zur Verfügung zu haben mit dem richtigen Know-how, um das zu machen. Und das Zweite war, die Raumfahrtagenturen selber haben das sehr geschickt gemanagt. Die haben nämlich gesagt, also die können Instrumente bauen. Das glauben wir denen. Raumfahrt kennen sie nicht. Also wir setzen ein Ingenieurbüro ein an der Schnittstelle, was diesen Prozess überwacht, an deren Treffen teilnimmt, an deren Arbeitsbesprechungen teilnimmt und denen unmittelbar eine Rückmeldung gibt, ob das, was die sich überlegen, Sinn macht oder keinen Sinn macht. Und zwar nicht, wie das so schön neudeutsch heißt, vor dem Hintergrund Mission Success, sondern nur Mission Safety. Also der Erfolg der Mission ist Aufgabe der Wissenschaftler. Aber die Sicherheit der Mission ist unsere Aufgabe und darauf konzentrieren wir uns. Und alles, was damit nichts zu tun hat, das lassen wir die Wissenschaftler machen, das machen die vor Ort, das machen die schnell und das funktioniert. So, und dann hat sich also die ETH Zürich bereit erklärt, sozusagen die gesamte Integration, dass die in Zürich passiert. Also ein Instrument ist recht komplex. Das ist da gemacht worden und dann ist das von Zürich mit einer 747 zum Kennedy Space Center geflogen worden und mit dem Space Shuttle Discovery geflogen worden. Und das war ein Erfolg, was für ein so dreijähriges Projekt also schon ein gutes Aushängeschild ist.

Tim Pritlove
0:51:23
Stefan Schael
0:51:54
Tim Pritlove
0:52:32
Stefan Schael
0:52:44
Tim Pritlove
0:52:46
Stefan Schael
0:52:46
Tim Pritlove
0:52:57
Stefan Schael
0:53:00
Tim Pritlove
0:54:17
Stefan Schael
0:54:25
Tim Pritlove
0:54:56
Stefan Schael
0:55:00
Tim Pritlove
0:55:14
Stefan Schael
0:55:14
Tim Pritlove
0:56:09
Stefan Schael
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Tim Pritlove
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Stefan Schael
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Tim Pritlove
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Stefan Schael
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Tim Pritlove
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Stefan Schael
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Tim Pritlove
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Stefan Schael
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Das hat also damit gar nichts zu tun, sondern es ist eigentlich die Frage, wenn ich Elementarteilchen miteinander kollidieren lasse, also nach Einsteins Formel E gleich mc² Energie in Masse umwandle, Dann habe ich ja am Anfang, wenn ich das mache, Energie. Energie hat keine elektrische Ladung. Und am Ende, habe ich dann eine elektrische Ladung oder nicht? Wenn ich unterschiedlich viel Materie und Antimaterie produziere, habe ich eine elektrische Ladung. Also wenn ich unterschiedlich viel Elektronen und Positronen mache, ist die Nettoladung nachher von null verschieden. Nur wenn ich genauso viele Elektronen wie Positronen mache, ist das, was rauskommt, elektrisch neutral. Alle Experimente auf der Erde zeigen uns, dass diese Symmetrie zwischen Materie und Antimaterie weitgehend erfüllt ist. Die kleinen Abweichungen, die wir gefunden haben, reichen bei Weitem nicht aus, um die Asymmetrie im Universum zu erklären. Jetzt suchen wir mit AMS nach Antimaterie. Das heißt, es könnte sein, dass diese 4%, die die Materie ausmacht, im Universum, dass es also einen Teil davon in Form von Antimaterie in anderen Galaxien gibt. Und das ist die Aufgabe, was AMS versucht, diese Frage versucht AMS zu beantworten. Und wir haben keine gefunden. Das heißt nicht, dass es keine gibt, aber das heißt, mit der Sensitivität, die wir hatten, konnten wir nichts sehen. Ich versuche es wieder mal an einem Beispiel. Stellen Sie sich einen Wassertropfen vor. Sie haben also eine Pfütze, einen Tümpel, nehmen einen Wassertropfen raus und gucken sich den an. Und gucken und gucken und sehen nichts da drin. Und sagen, naja, es ist Wasser, es ist halt nichts drin. Dann kommt einer auf die Idee und sagt, ich baue ein Mikroskop. Und guckt in den Wassertropfen. Und sieht ein ganz neues Universum. Der sieht die Einzeller da drin, die da rumschwimmen und sie verstehen plötzlich, wie Zellen funktionieren. Und, und, und. Durch das Hingucken mit dem Auge haben sie nur gelernt, dass das ein Wassertropfen ist. Durch das Hingucken mit dem Instrument, nämlich Mikroskop, was eine tausendmal höhere Sensitivität als das Auge hat, lernen sie dann plötzlich, was in dem Wassertropfen drin ist. AMS 2, was wir auf die Raumstation gebracht haben, ist tausendmal empfindlicher als alle Experimente, die wir vorher gemacht haben.

Tim Pritlove
1:01:06
Stefan Schael
1:01:06
Tim Pritlove
1:01:39
Stefan Schael
1:02:00

Die Entscheidung für das Nachfolgeprojekt fiel auch noch, bevor ich an die RWTH Aachen kam. Mein Vorgänger hat mir gesagt, es war schwierig, als ich also 2000 hier anfing. Das war also im April 2000 und im Februar glaube ich, kam der Bescheid vom DLR, dass wir das machen können. Also eine Universität in Deutschland, wenigstens mit den Ressourcen, die wir haben, kann sowas nie alleine machen. Das muss also immer so sein. meiner meinung nach auch zu recht dass also diese vorschläge in einem wettbewerbsverfahren von einer wissenschaftsagentur sei das dfg sei das dlr ausgesucht werden und dann wird gesagt also das ist das projekt was wir verfolgen wollen das war ein riesenschritt im vergleich zu der beteiligung über bei ms1 hatten das war so, großenordnung also faktor zehn mehr was wir da gemacht haben. Ich möchte, bevor ich darauf eingehe, noch einen Punkt anführen. Also wir haben, als wir diese AMS-1-Messungen gemacht haben, natürlich viele Teilchenflüsse gemessen in der kosmischen Strahlung und einige Effekte gefunden, von denen man vorher gar nichts wusste. Also zum Beispiel, wie Elementarteilchen in dem Magnetfeld der Erde gespeichert werden. Dass die für bestimmte Sorten von Teilchen anders gespeichert werden, als man das erwartet hat. Also es kamen in Größenordnung zehn Publikationen raus, die sehr häufig zitiert worden sind. Eine haben wir hier in Aachen auch komplett alleine gemacht, relativ spät, 2003 bis 2007. Also man sieht an der Zeitskala, wie schwierig das teilweise ist. Die ist heute die am häufigsten zitierte Publikation von AMS überhaupt. Und die hat Erkenntnisse über Eigenschaften von dunkler Materie geliefert. Also nicht in dem Sinne, dass wir es gefunden haben, sondern gesagt haben, wir messen bekannte Elementarteilchen und aus den Messungen sehen wir Hinweise darauf, die man eventuell als Hinweise auf dunkle Materie interpretieren kann. Also das ist ein recht komplexes Gebiet, aber es zeigt, dass die wissenschaftliche Ausbeute von AMS 1 schon ziemlich positiv war. Also für solch einen Ingenieurflug, eigentlich gedachten Ingenieurflug. Dann haben wir AMS 2 genehmigt bekommen. Das war ziemlich zeitgleich mit meinem Dienstbeginn hier an der RWTH Aachen. Und dann hatten wir eine ganz andere Aufgabe. Wir mussten nämlich einen substanziellen Anteil von AMS 2 hier in Aachen komplett selber entwickeln und bauen. Und das haben wir dann in den nächsten Größenordnung fünf Jahren gemacht. Das heißt, AMS 2 ist nicht ein einzelnes Instrument, sondern es setzt sich aus sechs bis sieben, je nachdem wie genau man guckt, einzelnen Messinstrumenten zusammen, die natürlich alle miteinander sprechen müssen, Daten untereinander austauschen müssen und nachher heißt die Aufgabe, setzt diese Einzelinformationen zusammen, man könnte sagen zu einem Gesamtbild. Das heißt, was wir eigentlich machen, sind Fotografien von der kosmischen Strahlung. Man kann das vielleicht mit einem Fotoapparat vergleichen, der also mit seinem Sensor bei verschiedenen Farben misst. Und erst wenn ich die ganz verschiedenen Farben zusammengesetzt habe, dann weiß ich wirklich, was ich auf dem Bild habe. Und das ist auch die Funktionsweise von AMS. Und wir haben halt den Teil von AMS gebaut, der also sozusagen von den Teilchen als erstes durchflogen wird, einen sogenannten Übergangsstrahlungsdetektor. Das ist ein gasgefülltes Messinstrument, was also seine eigenen technischen Schwierigkeiten dadurch hat, dass sie es einfach im Weltraum betreiben wollen und Weltraum hat Vakuum. Wenn Sie einen gasgefüllten Detektor haben, dann müssen Sie sich mal fragen, wie dicht kann ich den bauen? Jeder, der mal versucht hat, also nehmen Sie mal eine Wasserflasche, die also nicht für kohlensäurehaltige Getränke ausgelegt ist, eine Plastikflasche und füllen Sie da mal Sprudel rein und lassen das mal einen Tag stehen. Dann werden Sie sich wundern, wie viel Kohlensäure da noch drin ist, nämlich so gut wie gar nichts. Und das machen sie bei einem Außendruck von einer Atmosphäre. Jetzt machen sie das mal im Vakuum, dann geht das noch viel schneller. Und unsere Aufgabe war, so etwas Flüchtiges wie CO2, also mit einem Strohhalm festzuhalten, der also eine Wandstärke von weniger als einer Haardicke hat. Gasgefüllte Röhrchen, gasgefüllte Strohhalme zu bauen und davon 5248 Stück, sodass die dicht sind, weitgehend dicht sind, also weit das überhaupt geht. Und die so zu bauen dass das ganze also leicht wird trotzdem groß also zwei meter durchmesser hat dieses messinstrument 60 zentimeter höhe die fahrer.

Tim Pritlove
1:06:31
Stefan Schael
1:06:34

Nicht entweicht ja also dass was wir genommen haben ist also im wesentlichen eine kapton folie da sind ganz dünne zwei mikrometer dünne aluminiumschichten zwischen, Und daraus haben wir aus dieser Folie, haben wir also bei einer Firma in England Strohhalme wickeln lassen. Die Folie ist ein Zentimeter breit, wenn man die also bekommt. Und dann hat eine Firma in England daraus Strohhalme gewickelt und dann haben wir Größenordnung 10.000 Strohhalme, jeder Strohhalm 2,50 Meter lang, einzeln hier getestet auf seine Gasdichtigkeit und dann 5.000 Gute ausgesucht und damit dieses Messinstrument gebaut. Gebaut mit der Industrie hier in dem lokalen Bereich zusammen. Dann diese Messinstrumente, also diese einzelnen Module, die dann aus diesen Strohhalmen bestanden, getestet, qualifiziert für die Raumfahrt, also Schütteltests gemacht, Thermovakuumtests gemacht. Wir haben auch hier das Klinikum, also Luisen Hospital in Aachen eingespannt, weil die zu der Zeit also den modernsten CT-Scanner in der Region hatten. Und wir konnten also da die Mediziner, die wir vorher hier ausgebildet haben in der Physik, überreden, dass sie uns also nachts an ihrem Messinstrument, also an ihren CT-Scanner herangelassen haben, damit wir also die Geometrie aus den Röntgenbildern rekonstruieren konnten von den Kammern, die wir gebaut haben. Denn es ist ja nicht trivial, aus etwas, was eine Wandstärke von weniger als einem Haardurchmesser hat, etwas zwei Meter langes zu bauen, was also auf einen Haardurchmesser gerade ist. Um dieses Verfahren zu entwickeln und das zu testen, haben wir also diesen CT-Scanner am Levisen-Hospital benutzt.

Tim Pritlove
1:08:13
Stefan Schael
1:08:15
Tim Pritlove
1:09:23
Stefan Schael
1:09:42
Tim Pritlove
1:09:42
Stefan Schael
1:09:44
Tim Pritlove
1:10:11
Stefan Schael
1:10:13
Tim Pritlove
1:10:42
Stefan Schael
1:10:56
Tim Pritlove
1:11:40
Stefan Schael
1:11:41
Tim Pritlove
1:12:10
Stefan Schael
1:12:12
Tim Pritlove
1:12:20
Stefan Schael
1:12:21
Tim Pritlove
1:12:32
Stefan Schael
1:12:34
Tim Pritlove
1:12:40
Stefan Schael
1:12:48
Tim Pritlove
1:13:58
Stefan Schael
1:14:06

AMS hat genauso funktioniert, allerdings hat das eine Auflösung, die war um einen Faktor 40 schlechter. Das heißt, wir konnten nicht bis 2 TeV das Ganze messen, sondern die Energieverteilung, die wir aufgezeichnet haben, hören so bei 50 GeV etwa auf. Ja, und es gab viele Komponenten, also abgesehen von der Energie und der Ladung des Teilchens wollen sie ja noch was mehr wissen. Also der eigentliche Angriffspunkt war ja, warum macht ihr diese Röhrchen da oben drauf? Ein Teilchen hat zusätzlich noch eine Masse. Und das heißt, was wir wissen wollen, ist die elektrische Ladung, die Energie und die Masse. Dann wissen wir alles über das Teilchen, was uns interessiert im Moment. Und die Masse messen ist sehr schwierig, denn was wir eigentlich bei dieser Ablenkung in dem Magnetfeld messen, ist der Impuls und der Impuls ist Masse mal Geschwindigkeit. Das heißt, wenn ich jetzt an die Masse will, muss ich irgendwie die Geschwindigkeit messen. Der Nachteil von diesen hochenergetischen Teilchen, also bei 100, also bei GEV-Energien, also 10 hoch 12 Elektronenvolt-Energien, die sind alle so schnell, die bewegen sich mit Lichtgeschwindigkeit. Es gibt eine Höchstgeschwindigkeit und das ist die Lichtgeschwindigkeit. Und das heißt, diese Abweichung von der Lichtgeschwindigkeit ist so klein, dass Sie das nicht messen können. Sie sind praktisch mit konstanter Geschwindigkeit. Also müssen Sie sich andere Effekte überlegen, wie Sie Geschwindigkeit kriegen. Und dieser Übergangsstrahlungsdetektor, der aus diesen Röhrchen besteht und oben auf AMS drauf sitzt, dessen Aufgabe ist es, die Masse von Teilchen zu messen über einen quantenmechanischen Effekt. Und dieser Effekt nennt sich Übergangsstrahlung, das ist auch nicht weiter schwierig zu verstehen. Wenn Sie also ein Teilchen haben, was also Übergänge passiert, das können zum Beispiel dünne Folien sein, die Sie hintereinander stapeln, dann muss dieses Teilchen an jedem dieser Übergänge ein Photon abstrahlen. Damit die, also physikalisch gesprochen, damit die Wellenfunktion stetig und differenzierbar einen Übergang hat bei dem Durchgang durch die verschiedenen Medien mit einer verschiedenen Dielektrizitätskonstante. Also einfach damit die elektromagnetische Welle funktioniert, die dazu gehört. Und diese Übergangsstrahlung messen wir zusätzlich. Und damit können wir unterscheiden zwischen leichten Teilchen und schweren Teilchen. Denn die Energie dieser Übergangsstrahlung hängt davon ab, ab welches Verhältnis zwischen Energie und Masse dieses Teilchens besteht. Und diesen Effekt benutzen wir, um zwischen leichten Teilchen und schweren Teilchen zu unterscheiden. Und das passiert am Eingang von AMS. Und dann gibt es im unteren Teil noch andere Komponenten, die also auch versuchen, teilweise direkt die Geschwindigkeit zu messen. Das funktioniert bei kleinen Energien und dann gibt es unten noch ein sogenanntes Kalorimeter und das absorbiert Teilchen zum ersten Mal. Also bis dahin versuchen wir nicht destruktiv zu messen, um die Teilchen nicht zu beeinflussen. Aber ganz unten absorbieren wir die Elementarteilchen und messen ihre Energie. Und dann wissen wir eigentlich ziemlich viel über dieses Teilchen.

Tim Pritlove
1:17:12
Stefan Schael
1:17:17
Tim Pritlove
1:17:50
Stefan Schael
1:17:52

Ja, also Blei alleine wird es ja wieder nicht tun, weil wenn Sie da nur einen Absorber hinstellen, dann wissen Sie nicht, was passiert. Also Sie müssen diesen Absorber instrumentieren. Also das heißt, Sie müssen wieder Messinstrumente einbauen, die Ihnen sagen, wie viel Energie ist denn da deponiert worden. Und das messen wir. Und die Elektronen und Positronen und Photonen deponieren ihre Energie in dem Kalorimeter und die Protonen nicht. Und damit können wir für diese Elementarteilchen die Energie messen und auch identifizieren, dass es dieses Teilchen war. Das heißt, wir wissen dann, was die Masse ist, weil nur die das tun. tun. Es ist wie so ein Puzzle. Da fliegt ein Teilchen durch und das macht in dem einen Detektor das, in dem nächsten Detektor das, in dem nächsten Detektor das. Und dann schauen wir uns das Muster an und sagen, mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit in dem ersten Detektor ist das das, in dem zweiten Detektor ist das, in dem dritten Detektor ist das. Und dann suchen wir die Hypothese, die die Wahrscheinlichkeiten maximiert und sagen, höchstwahrscheinlich war das das und, Und die Kunst ist, das so zu machen, dass sie in möglichst vielen Fällen eine eindeutige Aussage treffen können. Und so haben wir dieses Instrument entwickelt und dann haben wir das natürlich nicht nur gebaut, sondern wir haben das in einem Teststrahl am CERN mit bekannten Teilchen kalibriert, um zu sehen, dass das genau so funktioniert, wie wir das erwarten. Und die Eigenschaften also überprüft, bevor wir das auf die Raumstation gebracht haben.

Tim Pritlove
1:19:19
Stefan Schael
1:19:25
Tim Pritlove
1:20:30
Stefan Schael
1:20:36
Tim Pritlove
1:21:27
Stefan Schael
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Tim Pritlove
1:22:27
Stefan Schael
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Tim Pritlove
1:23:53
Stefan Schael
1:23:56
Tim Pritlove
1:24:42
Stefan Schael
1:25:01
Tim Pritlove
1:25:18

Ja.

Stefan Schael
1:25:18
Tim Pritlove
1:26:01
Stefan Schael
1:26:03
Tim Pritlove
1:26:23
Stefan Schael
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Tim Pritlove
1:27:30
Stefan Schael
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Tim Pritlove
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Stefan Schael
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Tim Pritlove
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Stefan Schael
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Tim Pritlove
1:28:21
Stefan Schael
1:28:24

Der war komplett fertig. Und da muss man jetzt wieder verstehen, wie ist AMS eigentlich genehmigt worden? AMS ist genehmigt worden für einen Flug auf der Raumstation von drei Jahren. Nach drei Jahren sollte es mit dem Space Shuttle wieder nach unten gebracht werden, auf die Erde. Und wie wir alle wissen, durch die Abstürze der Space Shuttle hat sich also das Raumfahrtprogramm signifikant verändert. AMS ist lange verzögert worden. Und als wir soweit waren, dass wir diesen supraleitenden Magneten also in bei der S-TEC in Nordwijk getestet haben in einer Thermowakuumkammer, das war das erste Mal, dass wir ihn testen konnten. Also wir brauchen eine sehr große Testeinrichtung, um überhaupt zu verstehen, wie das funktioniert im Vakuum. Da kam dabei raus, der sollte also eine Lebensdauer von 36 Monate haben, er hatte aber nur eine von 30. Also es war nicht so, dass der nicht funktionierte und diese Unsicherheit auf unsere Messungen war Größenordnung vier Monate. Er war nicht weit von der Spezifikation weg. Eigentlich war er sehr nah dran und mit ein bisschen Optimismus hätten wir auch gesagt, also das versuchen wir. Aber genau zu dem Zeitpunkt, als wir diese Messungen gemacht haben bei der S-TEC in Nordwijk, gab es eine Tagung der Raumfahrtagenturen in Tokio und da haben sich die Chefs der Raumfahrtagenturen darauf geeinigt, die Lebensdauer der ISS zu verlängern. Und Shuttle-Flüge, um AMS wieder runterzubringen, gab es auch nicht mehr. Und das heißt, die Frage war, wollen wir AMS da hochbringen und nach 30 Monaten eventuell ist Feierabend? Oder bauen wir AMS um auf einen Permanentmagneten und können damit dann 20 Jahre lang messen? Und dann haben wir gesagt, wir bauen um auf den Permanentmagneten. Das ist sicherer, das erlaubt uns 20 Jahre Messzeit, wir können viel tollere Physik machen. Haben AMS, also von der S-TEC wieder zurück zum CERN gebracht und haben hier in Aachen an der RWTH den Permanentmagneten von AMS 1 so umgebaut, dass er in AMS 2 reinpasst.

Tim Pritlove
1:30:25
Stefan Schael
1:30:27
Tim Pritlove
1:31:04
Stefan Schael
1:31:09
Tim Pritlove
1:31:39
Stefan Schael
1:32:08
Tim Pritlove
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Stefan Schael
1:32:25
Tim Pritlove
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Stefan Schael
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Tim Pritlove
1:33:07
Stefan Schael
1:33:08
Tim Pritlove
1:33:33
Stefan Schael
1:33:35

Wegen in der Wüste, ich finde ein anderes Beispiel schöner. Es gab dieses Super-Kamiokande-Experiment in Japan, dessen eigentliche Aufgabe war, die Lebensdauer von den Protonen zu messen. Und was die gefunden haben zwischendurch, sind Neutrinos von einer Supernova-Explosion, weil halt 1987 gerade eine Supernova in unserer Galaxie explodiert ist. Und die haben die Ankunftszeiten von den Neutrinos gemessen und damit rausgekriegt, dass die also sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegen. Das war Das war das tollste Resultat von denen. Das können sie nicht vorhersagen, das können sie nicht planen. Sie können nur in ihrem Proposal schreiben, wenn sowas passiert, dann können wir das auch. Was ich eigentlich sagen will, das Spannendste an AMS ist ja nicht das, was wir auf unserer Liste stehen haben. Wir haben eine lange Liste von Forschungsthemen. Von Strahlungsmessungen für die bemannte Raumfahrt über dunkle Materie, über neue Materieformen, die wir in Neutronensternen erwarten, bis zur Propagation von geladenen Teilchen im galaktischen Magnetfeld, was wir alles untersuchen wollen. Darauf haben wir das Instrument optimiert. Aber wenn wir das alles finden, da haben wir ein tolles wissenschaftliches Programm, aber der Durchbruch, die Neuheit, das, was die Welt verändert, war nicht dabei. Nur wenn wir was finden, was wir nicht auf unserer Liste haben, was wir nicht erwartet haben, dann schaffen wir ja wirklich neues Wissen. Das ist ein Glücksspiel. Also ich bin, wenn Sie mich jetzt fragen, ja und was ist das? Und werdet ihr das finden?

Tim Pritlove
1:35:11
Stefan Schael
1:35:14
Tim Pritlove
1:35:21
Stefan Schael
1:35:45

Ja, also jetzt muss man sich das, es hört sich ein bisschen überheblich an, aber es ist ein bisschen schwieriger als Fernseher einschalten. Also ich versuche das mal wieder mit einer Analogie zu machen. Stellen Sie sich vor, Sie sind vor 20 Jahren und Sie haben einen Fernseher mit einer Zimmerantenne in Ihrem Wohnwagen und Sie wollen ein gutes Bild kriegen. Dann richten Sie die Zimmerantenne aus, dann haben Sie ein gutes Bild. Jetzt machen wir es ein bisschen schwieriger, ich lasse Ihren Wohnwagen fahren. Dann sind Sie die ganze Zeit da dran und drehen an Ihrer Antenne, um das Bild stabil zu halten. Wir haben nicht einen Fernseher, wir haben 300.000. Und wir versuchen, um in dem Bild zu bleiben, 300.000 Antennen auszurichten, aber unser Wohnwagen ist ein bisschen schneller als ihrer. Wir fliegen nämlich in 90 Minuten einmal um die Erde rum. Das heißt, unsere Randbedingungen, alles, was drumherum ist, ändert sich kontinuierlich. Die Sonneneinstrahlung ändert sich, damit ändern sich die Temperaturen. Die Raumstation ist nicht primär dafür da, als Plattform für AMS zu dienen, Sondern die ist für ein eigenes wissenschaftliches Programm zuständig. Das heißt, da kommen Sojus-Kapseln an, da kommen Space Shuttle an, die Raumstation wird gedreht, Solarpaneele sind in unserer Akzeptanz. Mal haben wir Schatten, mal haben wir Sonne. Die NASA unterstützt uns nach allen Möglichkeiten Also um Beispiel zu sagen, es gibt da Radiatoren, um die Wärme der Raumstation abzustrahlen, Wenn es uns zu kalt wird, dann dreht die NASA diese Radiatoren so, dass die uns heizen Und zwar gezielt, also punktuell heizen, wenn es an einigen Punkten zu kalt wird, Dieser Betrieb von AMS auf der Raumstation selber ist eine Herausforderung an sich Wir haben also in der Größenordnung zwölf Leute, 24 Stunden, sieben Tage die Woche, auf Schicht, die dieses Instrument überwachen. Und zwar nur überwachen, dass das funktioniert, also sich noch überhaupt nicht die Daten angeguckt haben.

Tim Pritlove
1:37:44

Ja.

Stefan Schael
1:37:44
Tim Pritlove
1:38:07

Ja.

Stefan Schael
1:38:10
Tim Pritlove
1:39:10
Stefan Schael
1:39:12

Über 20 Jahre. Das Rohmaterial wurde in den 90er Jahren hergestellt. Dass das nach solch einem Shuttle-Start auf der Raumstation im Vakuum alle 5248 Kanäle funktionieren. Wir haben nicht einen einzelnen verloren. Da sind 30 Mikrometer dicke vergoldete Wolframdrähte in diesen Röhrchen gespannt, die eigentlich die elektrischen Signale dann rausholen. Die sind zwei Meter lang. Kein einziger von denen ist gerissen. Das funktioniert 100 Prozent. Und diese Geschichte, was ich jetzt an dem Beispiel von diesem Übergangsstrahlungsdetektor erzähle, den wir gebaut haben, und man merkt vielleicht, dass ich ein bisschen zufrieden oder stolz darauf bin, dass das alles funktioniert hat, das gilt für die anderen Gruppen genauso. Wir sehen oder wir sind mittlerweile in der Lage zu sagen, dass dieses Instrument genau so funktioniert, wie wir es konzipiert haben. Und das heißt natürlich auch, der Betrieb ist wesentlich schwieriger, als wenn das nicht so gut funktionieren würde. Also wenn Sie etwas bauen, was unpräzise ist, dann müssen Sie sich nicht viel Mühe geben, um damit was zu machen. Also Sie wollen die Länge eines Tisches messen und Sie haben einen Maßstab, der recht ungenau ist, dann kommt es nicht darauf an, wie gut Sie den anlegen. Aber wenn Sie eine Mikrometerschraube haben, dann müssen Sie sich schon Gedanken darüber machen, bei welcher Temperatur habe ich denn gemessen. Dieses Instrument funktioniert hervorragend. Das ist von allen Daten, die wir sehen. Es funktioniert hervorragend. Aber das heißt, dass wir jede Kleinigkeit verstehen müssen, um sicher zu sein, mit der Genauigkeit, mit der wir nachher gucken, um wieder das Mikroskop zu nehmen, die Linse war nicht krumm, sondern da war wirklich was. Und damit sind wir gegenwärtig beschäftigt. Das machen wir jetzt seit einem Jahr und das wird immer besser. Also wir nähern uns einem Zustand, wo wir die ganzen Computerprogramme, also am Ende passiert das natürlich mit Computerprogrammen, Sie werten 20 Milliarden Ereignisse, die werten sie nicht von Hand aus, sondern sie müssen Computeralgorithmen entwickeln und die müssen alle Eventualitäten kennen, die bis dahin aufgetreten sind, um damit fertig zu werden. Und was wir machen, ist diese Software zu entwickeln, zu testen, ans Laufen zu kriegen, um stabile wissenschaftliche Ergebnisse zu produzieren. Und wir nähern uns einem Zustand, dass wir das können und fangen jetzt an, uns mit den physikalischen Fragestellungen, also unserem eigentlichen Forschungsprogramm, denn Instrumentverstehen ist ja nicht das Forschungsprogramm, das ist Mittel zum Zweck. Wir fangen jetzt an mit unserem eigentlichen Forschungsprogramm uns zu beschäftigen und das Ziel ist, dass wir Ende 2012, Anfang 2013 soweit sind, die ersten wissenschaftlichen Ergebnisse zu publizieren. Also nicht technische Ergebnisse, irgendwas funktioniert so gut, sondern die ersten wissenschaftlichen Ergebnisse zu produzieren. Und wir sehen an Beispielen schon, dass das hervorragend funktioniert. Und ein Beispiel möchte ich nennen, also wir wissen, dass das Antiteilchen zum Elektron dass das das Positron ist. Wir haben in den AMS1-Daten schon gesehen, dass es mehr Positronen in der kosmischen Höhenstrahlung gibt, als wir erwarten. Und wir können jetzt mit AMS2 das zu viel höheren Energien messen, mit viel mehr Statistik. Und die höchstenergetischen Positronen, also Antiteilchen zum Elektronen, die je in der kosmischen Höhenstrahlung nachgewiesen worden sind, die sind mit AMS2 jetzt aufgezeichnet worden. Wir haben schon die ersten Ereignisse. Und man kann das wirklich sich wie ein Foto vorstellen. Man sieht die Flugbahn von dem Teilchen. Wir sehen, was jeder Teilchendetektor dazu sagt. Das sind ganz saubere Ereignisse und das ist bei Energien, die sind also mehr als ein Faktor zwei höher als das, was man vorher konnte. Und diese Positronen sind sehr empfindliche Sonden für die Natur der dunklen Materie und deshalb sind wir daran so interessiert. Das ist ein Beispiel, woran wir sehen, dass die wissenschaftlichen Ergebnisse sehr gut sein werden. Ob sie sensationell sein werden, das liegt nicht in unserer Hand.

Tim Pritlove
1:43:14
Stefan Schael
1:43:25
Tim Pritlove
1:43:31
Stefan Schael
1:43:33
Tim Pritlove
1:43:35
Stefan Schael
1:43:39
Tim Pritlove
1:43:46
Stefan Schael
1:43:48
Tim Pritlove
1:43:53
Stefan Schael
1:44:19

Ja, also wir haben wissenschaftliches Stammpersonal, was die Universität sozusagen hat. Da haben wir dazu Wissenschaftler, die also vom DLR finanziert werden, die an dem Projekt mitarbeiten. Und dann haben wir natürlich eine große Anzahl von Doktoranden, von Studenten, die ihre Abschlussarbeiten an diesem Projekt machen. Und das heißt, ja, das macht eigentlich die Attraktivität von solch einem Standort aus. Also wie viele Möglichkeiten weltweit haben Sie, an solchen Projekten mitzuarbeiten? Da gibt es relativ wenige. Deutschland ist also als Industrienation führend genug, wohlhabend genug, um sich solche Projekte der Grundlagenforschung zu leisten. Und das heißt, wir können hier an der Grenze dessen, was technisch möglich ist, ausbilden. Und das ist eine ganz wichtige Funktion. Das, was mich so ein bisschen traurig macht in dem Zusammenhang, ist, dass wir so gut ausbilden, dass die Leute teilweise noch in die Industrie gehen, bevor sie ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Ja, teilweise sind die, also die gehen im Moment weg wie warme Semmel, ja, die sind weg, bevor sie ihre Abschlussarbeiten fertig haben, weil die Angebote so gut sind. Das ist gut aus Sicht des Abnehmers, weil es zeigt, wir bilden auf dem richtigen Niveau aus, die Leute werden nachgefragt, aber aus Sicht des Forschers wäre es halt teilweise schön, wenn diese Abschlussarbeiten abgeschlossen werden könnten. Ja, das ist ein bisschen schwierig im Moment gegenwärtig. Also dieses Modell funktioniert hervorragend. Das muss auch so funktionieren. Wir können nur für etwa 10 Prozent der Leute eine Karrieremöglichkeit in der Forschung anbieten. 90 Prozent gehen in andere Bereiche. Und das heißt, diese Ausbildung ist auch in der Physik so universell. Das eigentliche Ziel ist, ich sage den Studenten immer, euch beizubringen, richtig zu denken. Also gründlich zu denken, komplexe Probleme zu lösen. Das ist das, was Physiker können. Die können nicht so viel auswendig wie die Mediziner. Also wenn ich am OP-Tisch stehe, kann ich mir nicht überlegen, ich muss mal in die Bibliothek gehen und irgendwas nachschlagen. Das kann ich nicht machen. Aber als Physiker, die intellektuelle Herausforderung ist die Komplexität. Bin ich in der Lage, intellektuell das überhaupt zu verstehen? Nicht, kann ich es mir merken. Kann ich es verstehen? Und die Anforderungen auch in der Industrie sind immer komplexere Zusammenhänge, die durchdrungen werden müssen. Und da sind Physiker extrem hilfreich. Also die Arbeitsmöglichkeiten sind breit gestreut und nicht irgendwie auf einen Zweig gestreckt.

Tim Pritlove
1:46:54
Stefan Schael
1:47:00
Tim Pritlove
1:47:59
Stefan Schael
1:48:11
Tim Pritlove
1:48:45
Stefan Schael
1:49:24

Ja, eigentlich heißt auch in der Physik, Sobald das eine Experiment fertig ist, eigentlich schon vorher, muss man sich darüber Gedanken machen, was macht man als nächstes? Wie geht es weiter? Also Aufgabe der Universitäten ist ja, dieses Forschungsfeld weiterzuentwickeln, also nicht einen gewissen Zustand einzufrieren und dann 100 Jahre das Gleiche zu machen. Also wie entwickeln wir solch ein Gebiet weiter? Was ich sehr instruktiv finde, ist sich das Hubble Space Teleskop anzugucken als ein hervorragendes wissenschaftliches Instrument. Das ist 1989, glaube ich, gestartet worden. geworden. Es ist jetzt mehr als 20 Jahre in Betrieb. Wenn Sie sich die ersten Bilder von Hubble angucken und das, was wir heute von Hubble sehen, dann sehen Sie einen enormen Fortschritt, also in der Technologie dieses Instrumentes. Das hat was damit zu tun, dass es am Anfang nicht richtig justiert war, das weiß ich alles. Es musste repariert werden. Es waren in Größenordnung 6 Missionen notwendig, um dieses Instrument über 20 Jahre am Leben zu halten und auf dem neuesten technischen Stand zu halten. Das heißt für AMS, wenn wir in der Lage sind, qualitativ ähnlich hochwertige wissenschaftliche Ergebnisse zu produzieren wie Hubble, was wir zeigen müssen erst, dann stellt sich die Frage, ob wir diese 20 Jahre auf der Raumstation einfach sitzen und warten müssen. Oder ob wir um AMS herum, AMS als Kern, weitere Instrumente drumherum bauen, die daraus also ein wesentlich leistungsfähigeres Gesamtinstrument machen. Und das sind Überlegungen, mit denen wir jetzt angefangen haben. Das lohnt sich aber erst, das ernsthaft zu diskutieren, wenn wir also, würde ich jetzt mal sagen, im Laufe von 2013 ernsthafte wissenschaftliche Ergebnisse vorlegen. Und man dann beurteilen kann, inwieweit das sinnvoll ist, AMS weiter auszubauen oder umzubauen. Das wäre also eine Möglichkeit, wie sich das weiterentwickeln kann. Die andere Möglichkeit, die im Raum steht, ist, AMS ist ein ziemliches Universalinstrument mit seinen ganzen Komponenten, die es da drin hat. Wenn wir jetzt bestimmte Effekte sehen, kann man sich sehr gut vorstellen, dass man also für diese Fragestellung optimiert, ein neues Instrument baut, was man dann nicht unbedingt mit einem Satelliten fliegen muss, aber in vielen Fällen kann man das also heute mit Stratosphärenballons machen, die die NASA in der Antarktis starten kann, gegenwärtig als einzige Agentur, Raumfahrtagentur in der Antarktis. Und das hat nichts mit den Ballons zu tun, wie wir sie kennen. Das sind also Ballone mit einem Volumen von einer Million Kubikmeter, über 100 Meter Durchmesser hat die Hülle. Die heben Nutzlasten von drei Tonnen hoch und die erreichen Flugdauern in über 30 Kilometer Höhe von mehr als 40 Tagen. Denn es gibt also im antarktischen Sommer zirkumpolare Winde, die das stabil halten. Also einfach gesagt kreist das einfach um den Südpol. Da wohnt auch keiner. Das heißt, man muss sich also nicht so über die Landeplätze Gedanken machen. Dann wird das irgendwann zur Landung gebracht, indem man also das Helium ablässt.

Tim Pritlove
1:52:41

Ja.

Stefan Schael
1:52:43
Tim Pritlove
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Stefan Schael
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Tim Pritlove
1:55:43
Stefan Schael
1:55:46

Unterschiedliche Auswertungswege. Unterschiedliche Instrumente können wir nicht. Es gibt nur ein AMS. Ja, okay. Von daher ist es schon eine relevante Frage, bin ich in der Lage mit vielleicht weniger aufwendigen Experimenten, aber verschiedene Details dann nachzumessen, um sicher zu sein, dass das kein Problem von dem Instrument ist. Also mit der Frage werden wir uns beschäftigen müssen. Die zweite Frage ist, was wird in den nächsten zehn Jahren passieren? Wenn man sich die Sensitivität der jetzigen Generationen von Messinstrumenten anguckt, dann müssten wir eigentlich in den nächsten zehn Jahren eine Antwort auf die Natur der dunklen Materie finden oder es gibt sie nicht. Und wenn es sie nicht gibt, dann gibt es irgendwas anderes, was wir nicht verstanden haben. Da ist irgendwas grundlegend faul dann. Jetzt kann man sagen, ihr habt den ganzen Aufwand betrieben und dann habt ihr nur verstanden, dass es nicht das ist, was ihr dachtet, was es ist. Was ist denn der Fortschritt? Der Fortschritt war zu verstehen, dass es keinen Äther gibt und dass sich elektromagnetische Wellen im Vakuum ausbreiten und dass die Lichtgeschwindigkeit konstant ist und das ist die Grundlage für das GPS, was wir heute benutzen, Die Wissenschaft ist nicht immer eine gerade Linie Sie können nicht sagen, wie geht das also über die nächsten 50 Jahre etwa weiter Wir werden garantiert Umwege machen, um zu den Ergebnissen zu kommen Das andere ist immer die Frage, welchen Anspruch kann man haben dass das in nächster Zeit passiert. Wenn Sie sich mal angucken zwischen Newton und Einstein, das waren mehrere hundert Jahre. Und die Leute dazwischen waren auch nicht dumm und haben auch nicht geschlafen. Aber es kann sein, dass es einfach ein kultureller Schritt ist, den Sie erst zurücklegen müssen, bevor Sie in der Lage sind, diese Erkenntnisse zu gewinnen. Also Newton hätte, egal wie genial er ist, ohne die Vorarbeiten, die also zwischen Newton und Einstein passiert sind, Also Newton hätte nicht die Relativitätstheorie finden können. Die Mathematik war überhaupt nicht so weit. Die Menschen waren überhaupt nicht in der Lage dazu. Ob wir heute qualifiziert sind, um den nächsten Schritt auf dieser Erkenntnistreppe zurückzulegen oder nicht, ist schwer zu sagen, bevor wir das nicht gemacht haben. Ja, im Moment versuchen wir es an verschiedenen Stellen und wir finden an verschiedenen Stellen, es geht nicht so schnell weiter, wie wir das gerne hätten. Ja, also beim LAC haben wir auch erwartet, dass wir im ersten halben Jahr endlich die neue Physik sehen und wissen, wie es weitergeht. Es scheint wesentlich schwieriger zu sein. Was nicht heißt, dass man es aufgeben sollte, sondern nur, dass es nicht klar ist, wie wir zu diesen Erkenntnissen kommen, von denen ich fest davon überzeugt bin, dass sie eigentlich da sind, dass sie uns im Moment noch nicht zugänglich sind.

Tim Pritlove
1:58:31