Raumzeit
Der Podcast mit Tim Pritlove über Raumfahrt und andere kosmische Angelegenheiten
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RZ126 Gravitationswellenforschung

Ein Blick auf die Ergebnisse der Forschung zehn Jahre nach dem ersten direkten Nachweis von Gravitationswellen

Gravitationswellen sind winzige Schwankungen der Raumzeit, ein minimales Zittern in der Ausdehnung des Universums, die sich nur in Bruchteilen des Durchmessers eines einzelnen Atoms abspielt. Ausgelöst durch gigantische Explosionen und Kollisionen supermassiver Elemente des Alls wie Neutronensternen und schwarzen Löchern sind sie Zeugen gewaltiger Ereignisse die im Gegensatz zu Supernovas und galaktischen Verschmelzungen, die sonst kaum oder gar nicht über das elektromagnetische Spektrum wahrnehmbar sind.

Lange wurde an Instrumentarien geforscht um diese Wellen zu delektieren und als vor zehn Jahren die erste direkte und belegbare Messung einer Gravitationswelle durchgeführt wurde war es ein bahnbrechendes Ereignis das wenig überraschend auch bald mit einem Physik-Nobelpreis belohnt wurde. In der letzten Dekade wurden dieses neue Instrument weiter verfeinert und es wurden zahlreichen gemessenen Ereignisse nachgegangen, woraus wiederum viele neue Erkenntnisse über das Universum gewonnen werden konnten.

https://raumzeit-podcast.de/2026/03/08/rz126-gravitationswellenforschung/
Veröffentlicht am: 8. März 2026
Dauer: 1:51:08


Kapitel

  1. Intro 00:00:00.000
  2. Einführung 00:00:34.200
  3. Deutsches Zentrum für Astrophysik 00:04:08.199
  4. Gravitationswellen 00:08:20.980
  5. Aktuelle Detektoren 00:24:07.279
  6. Gemessene Ereignisse 00:38:22.384
  7. LISA 00:57:52.469
  8. Pulsar Timing Arrays 01:11:06.076
  9. Gravitationswellten-Hintergrundstrahlung 01:19:36.796
  10. Multimessenger-Astronomie 01:26:31.578
  11. Einstein-Teleskop 01:40:42.308
  12. Ausklang 01:48:48.649

Transkript

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Sondern z.B. Neutronenstern. Da kommen wir gleich noch drauf. Und die Gesamtanzahl von solchen Ereignissen hat sich jetzt auf über 200 erhöht. Also wir reden jetzt nicht mehr von Einzeldingen, sondern von richtig toller Statistik. Und das Interessante ist, wenn man jetzt die Massen anschaut, die da vorkommen, dann sind diese 30 Sonnenmassen, die wir am Anfang wo wir so überrascht waren, drüber die sind praktisch heute gang und gäbe also die Mehrzahl der LIGO Ereignisse hat in der Gegend von 30 bis 50 Sonnenmassen. Gesamtsumme und dann gibt es aber einige Ereignisse die besonders hervorstechen, also inzwischen hat LIGO Birgokagra auch 100 und 200 Sonnenmassenobjekte gefunden die man eigentlich kaum erwartet hätte, Und dann ist es auch so, dass es immer mehr von den leichten Objekten gibt, die so im Bereich von einer Sonnenmasse liegen, wo man eigentlich bisher dachte, dass das Neutronensterne sein können, aber es gibt eben diese Theorie der primordialen schwarzen Löcher, die vorhersagen, dass es auch eine starke Komponente von primordialen schwarzen Löchern bei einer Sonnenmasse existiert. Und vielleicht kommen wir jetzt ganz kurz auf dieses eine Ereignis, was wirklich auch bahnbrechend war. 1708-17, also am 17. August 2017, ist dieses Neutronensternverschmelzungsereignis, diese sogenannte Kilonova, passiert. Und das war wirklich ein Durchbruch. Weil es das erste Mal war, dass man sozusagen Sound zu den optischen Informationen dazu bekommen hat. Also wie der Sturmfilm wurde sozusagen in den Tonfilm umgewandelt. Ich habe das früher Bringing Sound to the Cosmic Movies genannt, also dass man sozusagen jetzt plötzlich nicht nur sieht, sondern auch hört.

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Genau, also bei LISA ist es so, dass man vor allem lernen möchte, woher kommen diese supermassereichen schwarzen Löcher in den Galaxien. Wir sehen ja praktisch fast in jeder größeren, jeder ordentlichen Galaxie im Zentrum ein schwarzes Loch. Unsere eigene Milchstraße hat vier Millionen Sonnenmassen. Im Andromedanebel sind es vielleicht zehn, zwanzig Millionen Sonnenmassen und diese größten Galaxien im Universum haben bis zu Milliarden Sonnenmassen schweren schwarzen Löcher. Und wenn sich dann, wir sehen auch immer wieder solche Galaxienvereinigungsprozesse im Kosmos, wo zwei Galaxien sich miteinander verheiraten oder sich gegenseitig auffressen und es muss im Prinzip dann auch, diese schwarzen Löcher in den Galaxien müssen sich dann auch miteinander vereinigen und das ist hochspannend. Weil man da also alle mögliche Astrophysik und Dynamik und sonst was sieht. Vor allem auch deswegen, weil man diese aktiven schwarzen Löcher, die im Zentrum von Galaxien sitzen, die strahlen ja sehr hell und das sind die Quasare zum Beispiel, die also besonders leuchtkräftig sind. Man geht davon aus, dass solche schwarzen Löcher besonders gut gefüttert werden, wenn sich zwei Galaxien miteinander vereinigen, weil dann plötzlich im Zentrum ganz viele Gasströme sozusagen ins Zentrum geschoben werden und die schwarzen Löcher, die also Milliarden Jahre lang hungern, kriegen dann plötzlich was zu fressen und strahlen ganz hell. Und das ist also besonders der Vergleich der elektromagnetischen mit der Gravitationswellensignale ist also unheimlich spannend, weil man dann genau messen kann, was da passiert. Man geht zum Beispiel davon aus, dass wenn so ein schwarzes Loch sehr, sehr gut gefüttert wird, dann strahlt es auch sehr viel ab. Das heißt also, da gibt es diese Jets, die dann rauskommen und dann so ein schwarzes Loch ist in der Lage, seine Umgebung freizupusten sozusagen von Materie. Die neuesten Modelle sagen, dass also am Anfang, wenn sich zwei solche schwarzen Löcher nähern, sind die sehr helle Röntgenquellen, man kann sie ziemlich hell sehen und die fangen dann langsam an Gravitationswellen auszustrahlen, aber wenn sie dann anfangen Gravitationswellen auszustrahlen, dann pusten sie gleichzeitig ihre Umgebung frei und dann muss die Röntgenstrahlung erstmal verschwinden. Und wenn sie sich dann miteinander vereinigen, dann wackelt es und dann gibt es ein großes neues Objekt und dann dauert es ein paar Monate, vielleicht bis Jahre, bis dann die Materie wieder reinkommt und dann wieder sozusagen gefressen wird. Das heißt, es gibt so einen richtig schönen Tanz zwischen elektromagnetischer und gravitationswellen Strahlung, wo man unheimlich viel über die Physik lernt von solchen Schwarzen.

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Genau, also es gibt noch drei verschiedene Themen. Das eine sind die sogenannten Pulsar Timing Arrays. Das hat sich jetzt gerade im letzten Jahr fantastisch ergeben, dass also drei oder vier weltweite Kollaborationen ein Signal gefunden haben, was sehr, sehr wahrscheinlich von einem Gravitationswellenhintergrund stammt. Und zwar muss man sich das vorstellen, die Pulsare, das sind ja diese Neutronenstern, die sich unheimlich schnell um ihre eigene Achse drehen. Wir reden von Millisekunden-Pulsaren, also das sind so 10 Kilometer oder 20 Kilometer große Neutronenbälle, die sich einmal in der Millisekunde um ihre eigene Achse drehen, also gigantische Unvorstellungen. Und diese Millisekunden-Pulsare sind eigentlich unheimlich präzise Uhren. Die werden zum Teil auch benutzt, um die Atomzeit auf der Erde nachzustellen. Also die Atomuhren sind ja schon fantastisch, aber die gehen weniger genau als die Millisekundenpulsare. Das heißt also Millisekundenpulsare insgesamt stellen also eine extrem gute Zeitbasis dar. Und wenn jetzt eine Gravitationswelle durch unsere Galaxie läuft. Dann führt die dazu, dass die Uhrzeiten auf der einen Seite alle ein bisschen nachgehen und auf der anderen Seite ein bisschen schneller laufen. Also die Gravitationswelle ist ja sozusagen auch eine Verzerrung des Raum-Zeit-Kontinuums und die Uhren laufen dann auf der einen Seite ein bisschen langsamer und auf der anderen Seite ein bisschen schneller. Oder man kann es auch so sehen, die ganzen Millisekunden-Pulsare auf der einen Seite werden so zehn Meter auf die eine Seite gerückt und auf der anderen Seite in die andere Richtung. Und man kann also praktisch die ganze Galaxie als Detektor benutzen, um extrem langwellige Gravitationswellen zu finden. Und die werden von Objekten ausgesandt, die so Millionen bis Milliarden Sonnenmassen schwer sind. Also wenn man dann so richtig dicke Klopper von Galaxien hat, die sich dann miteinander vereinigen, dann wackelt das Raumzeitkontinuum auf galaktischen Maßstäben. Und wenn wir jetzt also typischerweise haben diese Pulsar Timing Arrays, so eine Zahl von 20, 30 Neutronensternen, die sie gleichzeitig beobachten und man kann zwar noch nicht, man konnte noch nicht ein einzelnes Ereignis sehen, also dass dann sozusagen auf der einen Seite alle in eine Richtung ging und auf der anderen in die andere, aber man konnte insgesamt an dem Rauschen der Signale schon sehen, dass da ein Gravitationswellenuntergrund drunter, Und in Zukunft ist es so, dass wir durch neue Radioteleskope, da kommen wir dann vielleicht hinterher auf das Querkilometer Array oder auf das DSA 2000, jetzt vielfach mehr noch neue Neutronensterne entdecken können. Und wenn man die, sagen wir mal so zehn Jahre lang beobachtet, dann gehen wir davon aus, dass wir auch in Pulsar Timing Arrays zukünftig einzelne Ereignisse sehen können. Also dass man wirklich das zuordnen kann, dass da zwei supermassereiche schwarze Löcher sich miteinander vereinigen.

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Genau, also die sogenannte Mikrowellenhintergrundstrahlung ist ja ungefähr 380.000 Jahre nach dem Urknall entstanden, zu einer Zeit, als das Universum ungefähr so heiß war wie unsere Sonne, also so wie die Sonnenoberfläche, ungefähr 3000 Grad heiß. In dem Moment sind die Atome entstanden, also da haben sich Elektronen und Protonen miteinander vereinigt und dadurch ist das Universum erstmal kalt genug. Genau, da war es kalt genug und dass das Universum durchsichtig wurde. Das kann man so vergleichen mit einer Kerzenflamme, wenn man die Kerzenflamme anschaut, da wo man das helle Licht sieht, das ist ein Plasma, wo die Elektronen noch frei sind und dann, wenn die Kerzenflamme kühler wird, dann werden die Atome gebildet und dann hat man immer noch heißes Gas. Also da verbrennt man sich immer noch dran, aber man sieht es nicht mehr. Das wird dann sozusagen durchsichtig. Und genau in dieser Grenze, das war 380.000 Jahre nach dem Urknall, ist diese Mikrowellenhintergrundstrahlung entstanden. Das Licht ist seitdem, hat sich tausendmal ausgedehnt. Also die Frequenz war vorher sozusagen so heiß wie die Sonne und heute ist es nur noch drei Grad über dem absoluten Nullpunkt. Weiter hinein kann man nicht schauen, weil dann hat man sozusagen wie bei der Sonnenoberfläche auch ein dichtes Medium und kann nicht mehr sozusagen durch die Sonnenoberfläche durchschauen. Aber bei der Sonne gibt es ja auch einen Trick. Man kann zum Beispiel die seismischen Störungen der Sonne, also die Sonne wackelt und man kann Helioseismologie machen. Man kann also innere akustische Schwingungen sozusagen in diesem Feuerball sehen, indem man das Wackeln der Oberfläche sozusagen studiert. Und so ähnlich kann man sich das auch vorstellen. Also man möchte jetzt gerne Signale finden, die noch früher als 380.000 Jahre entstanden sind. Zum Beispiel gleich die ersten zwei Sekunden, wo die Hölle los war.

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Günther Hasinger
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Also da kommen sehr, sehr hohe Energien zustande. Und wenn man das Glück hat, also Neutrino hat halt einen extrem kleinen Wirkungsquerschnitt. Also die Wahrscheinlichkeit, dass ein Neutrino irgendwie ein Atom unseres Körpers trifft, ist sehr, sehr klein. Wir werden jede Sekunde mit zigtausenden Neutrinos durchstrahlt. Aber wenn man einen sehr, sehr guten Empfänger hat, dann hat man manchmal das Glück, dass man diese sehr hochenergetischen Neutrinos messen kann. Das erste Mal, dass man Neutrinos im astrophysikalischen Zusammenhang, also außerhalb der Sonne, also man hat die Neutrinos, die aus dem Sonneninneren kommen, die hat man ja schon länger gemessen. Aber das erste Mal, dass man ein astrophysikales Ereignis gesehen hat, war 1987, als die Supernova in der Magellanschen Wolke explodiert ist. Und mehrere Neutrinodetektoren auf der ganzen Welt die Ereignisse gesehen haben. Und es gab auch einen Nobelpreis dafür. Und das ist tatsächlich auch eine mögliche Quelle, wo Neutrinos entstehen bei Supernova-Explosionen. Weil dort werden ja Neutronen, also aus Protonen und Elektronen, die werden sozusagen zusammengequetscht in ein Neutron und es entsteht ein Neutrino dabei. Und bei der Supernome-Explosion entstehen also gigantische Mengen von Neutrinos. Die letztendlich auch dazu führen, dass die Explosion überhaupt stattfindet, also dass der Stern dann auseinanderfliegt. Man fragt sich ja immer, wenn alles zusammenstürzt, warum fliegt dann irgendwas auseinander? Das sind die Neutrinos, die praktisch den Stern auseinander treiben. Aber die Neutrinos, die jetzt bei Ice Cube gefunden sind, sind noch viel hochenergetischer als das, was man bei Supernova-Explosionen findet. Und da ist immer schon lange die Frage gewesen, wo kommen eigentlich die her? Also wo gibt es solche Beschleuniger, die Teilchen auf so hohe Energien beschleunigen? Und da spielen natürlich schwarze Löcher eine zentrale Rolle und zwar in zweierlei Art und Weise. Entweder es handelt sich dabei um solche aktiven galaktischen Kerne, die ja auch diese Jets aussenden. Bei diesen Jets gibt es ja auch relativistische Teilchen, die ausgesendet werden und vielleicht im Zusammenhang mit diesen relativistischen Teilen könnte es auch sein, dass es Neutrinos beschleunigt werden. Und eine andere interessante Spekulation ist, dass es sich dabei um sogenannte Gezeitenzerreißereignisse handelt. Also man hat ein schwarzes Loch und dann ist ein armes Sternlein, was um dieses schwarze Loch herumfliegt, was irgendwann mal dem schwarzen Loch so nahe kommt, dass es quasi durch die Gezeitenkräfte zerrissen wird. Und dann fängt das schwarze Loch an, diesen Stern aufzuessen. Und bei der Gelegenheit entstehen auch diese gigantischen, sagen wir mal, Beschleunigungskräfte.

Tim Pritlove
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Günther Hasinger
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Ja, genau. Und da ist es so, dass man tatsächlich dann künstliche Intelligenz-Methoden verwendet, um einem zu sagen, welche Daten speichere ich jetzt überhaupt ab und welche analysiere ich gar nicht. Und bei der künstlichen Intelligenz ist es aber so, die muss ja trainiert werden. Das heißt, die kann nur auf Signale reagieren, die eigentlich schon bekannt sind. Und da ist jetzt das große Problem, dass wir natürlich auch unbekannte Signale noch entdecken wollen und verhindern müssen, dass die vorher schon rausgeschmissen werden. Und das wird sich nie hundertprozentig vermeiden lassen. Also wenn man einen Garten wegschmeißt, wird man immer auch wertvolle Informationen wegschmeißen. Und in dem Fall ist es tatsächlich so, dass man dann den Himmel als Rückhalt hat. Also dann muss man halt im schlimmsten Fall, wenn man jetzt eine neue Art von Signal entdeckt, die man bisher noch nie gesehen hat. Dann muss man einfach nochmal neu beobachten und dann den Himmel sozusagen nach solchen Signalen absuchen. Und jetzt, weil Sie fragen, inwieweit hat das schon geholfen? Also im Moment diese Machine Learning Techniken werden hauptsächlich angewandt, um, sagen wir mal, stupide Dinge, die der Mensch macht, aber immer wieder macht, sozusagen zu vereinfachen und da Hilfe zu leisten. Es gibt in anderen Feldern wohl, also in der Mathematik. Jetzt die ersten Hinweise darauf, dass die künstliche Intelligenz auch wirklich Dinge gelöst hat, neue Beweise gezogen hat, die noch kein Mensch sozusagen geschafft hat. Aber in der Astrophysik sehe ich im Moment das eigentlich mehr als, da gibt es ja vor allem auch diese Citizen Science Projekte, wo man also viele, viele Menschen hat, die sich dann gleichzeitig Dinge anschauen und da durch die Schwarmintelligenz sozusagen neue Phänomene erzeugen. Und an der Stelle kann im Prinzip die künstliche Intelligenz, kann die Schwarmintelligenz ersetzen sozusagen.

Tim Pritlove
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