RZ007 Weltraumschrott

Die Überreste bisheriger Missionen gefährden in zunehmendem Maße die Zukunft der Raumfahrt

Die Raumfahrt schießt seit Jahrzehnten beherzt neue Raumfahrzeuge in den Orbit und übersah anfangs ein heute bedrohliche Ausmaße annehmendes Problem: die Umlaufbahnen sind überfüllt mit Material und fortlaufend auftretende kleine und große Kollisionen erzeugen ein orbitales Trümmerfeld, dass zunehmend den ordnungsgemäßen Betrieb bestehender und kommender Missionen gefährdet.

Dauer: 1 Stunde 26 Minuten
Aufnahme: 26.10.2010

Holger Krag
Holger Krag
Space Debris Office, ESA

Im Gespräch mit Tim Pritlove erläutet Holger Krag vom ESA Space Debris Office, wie es dazu kommen konnte, welche Maßnahmen bereits ergriffen wurden, um dem Problem Herr zu werden und welche Strategien und Projekte künftig entwickelt werden müssen, um zu verhindern, dass internationale Raumfahrt irgendwann überhaupt nicht mehr oder nur unter enormen Aufwand durchführbar wird.

Themen: Die Entdeckung des Problems und das Kesslersyndrom; Spätzünder im Orbit; Trümmer erzeugen Trümmer; Kollisionen von Raumfahrzeugen; Weltraummüll in Erdbeobachtungs- und gesynchronen Orbits; Messgeräte für Weltraumverschmutzung; Kataloge und Simulationssoftware; Kollisionsvermeidung; Aufbau eines europäischen Weltraum-Überwachungssystems; Weltraumwetter; wie es zur Kollision zweiter Satelliten kam; Weltraumrecht; Vermeidungsstrategien; Entfernen von Raketenstufen und Nutzlasten aus dem Orbit nach Missionsende; Friedhöfe und Parkplatzreservierung im geostationären Orbit; Deaktivierung eines Satelliten; Klondike im Orbit; Tankablesung im All; Verglühen von Material in der Erdatmosphäre; manuelles Entfernen von Schrott im All; Pfandflaschensysteme im Orbit; Abschiessen von Objekten durch Laser; Nachtanken von Satelliten; Ausbildung.

Links:

23 Gedanken zu „RZ007 Weltraumschrott

  1. sehr hübsche ausgabe. und ein etwas lockerer interviewpartner als zuletzt schon mal, das machts irgendwie “podcast-mäßig” enstpannt.
    nächstes mal darfs auch wieder länger sein, war noch nicht damit fertig die fenster zu putzen und den boden zu wischen, da war der podcast schon um. : D

  2. Ich habe die Folge gerade erst angefangen zu hören, da kann ich mich schon nichtmehr zurückhalten das Gesagte zu kommentieren:

    Weltraumrückstände? Ernsthaft? Das ist ja mal Neusprech aller erster Güte. Wenn ich ein Glas Saft getrunken habe und noch ein paar Tropfen drin sind, dann handelt es sich dabei um Rückstände. Wenn die ISS irgendwann im Ozean versenkt wird und nichts weiter als ne abgebrochene Schraube oben bleibt, dann ist das ein Rückstand. Wenn dagegen ausgediente Satteliten oder ganze Raketenstufen im All verbleiben, dann handelt es sich so wenig um Rückstände wie im Falle des Saftglases, an dem ich einmal genippt habe.

    Es ist ja schön, dass es offensichtlich Leute gibt, die sich des Müllproblems im Weltall annehmen. Noch schöner wäre es, wenn man es auch beim Namen nennen würde. Es gibt ohnehin keinen Grund, da irgendwas zu euphemisieren.

  3. Wieder mal eine gute Folge!

    Das mit dem Weltraumschrott wusste ich mal wieder 🙂 Allerdings lange nicht so detailliert und es ist interessant zu hören wo man sich gerade befindet, im Umgang mit dem Schrott.
    Vielleicht hilft uns ja der Umgang mit dem Schrott Technologien zu entwickeln, die uns nicht nur im All sondern auch auf der Erde hilfreich sind.

    Das wäre schön!

    Danke für den Podcast Tim!

    Gruß Droid Boy

  4. Ich habe zwar erst die erste Hälfte gehört, aber ich bin mir jetzt schon sicher, dass dies eine meiner Lieblingsfolgen wird. Mit welcher Geschwindigkeit die “Weltraumrückstände” – Sind es nicht vielmehr Rückstände der Weltraumfahrt als des Weltraums an sich? Deswegen finde ich den Namen des Büros für Raumfahrtrückstände passender – Also, mit welcher Geschwindigkeit die Weltraumfahrtrückstände aufeinander treffen und die daraus resultierende Kettenreaktion, das ist schon spannend.

    Dickes Dankeschön an Holger Krag.

    Ich hoffe, dass der Raumzeit-Podcast so interessant weitergehen kann.

  5. kann man den ganzen Schrott nicht auch irgendwie nutzen? Ich mein, das ist immerhin Masse im Weltraum. Was ja wie auch erwähnt an sich schon ne teure angelegenheit ist.
    Ich mahl mal ein Naives Bild: Wir entwickeln ein Ionenantrieb (oder etwas ähnliches), welches das Material, was so im Schrott auftaucht als Rückstossmaterial verwenden kann. Damit treiben wir einen Satelliten an, der sich von Bahn zu Bahn des Schrottes hangelt und die objekte einsammelt. Und damit nur noch ein, oder zumindest wenige Objekte hat, die Probleme bereiten.

  6. Sehr schöne, mono-thematische Folge.
    Mir war das Problem des Weltraumschrotts durchaus bewusst, aber dass es solch ein Ausmaß hat, hätte ich nicht gedacht.

    Ich freue mich schon auf weitere Folgen. Mach weiter so!

    – TW

  7. Ich könnte mir vorstellen, dass beim Eintritt in die Atmosphäre das Material sich in Staubteilchen umwandelt (z.B. Aluminiumoxid). In der Atmosphäre fungiert es dann mit anderen Staubteilchen als Wachstumskerne für Regentropfen. Andere Staubteilchen könnten auch in Richtung auf die Pole wandern und dort Nordlichter hervorrufen.

    Ich hoffe, ihr macht noch einige podcasts.

    MfG Robert

  8. Wie immer eine tolle Folge. Vom Weltraumschrott hat man ja schon gehört, aber das es so schlimm ist. Hätte nicht gedacht, das es da oben so eng zugeht.

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  11. Vielen Dank! Hab’ die Folge heute zum ersten Mal gehört und bin begeistert.

    Auch wenn das aus dem Bereich der Unterhaltung kommt: “Space Debris” ist ein tragender Bestandteil der Manga-Serie “Planetes” – sehens- und empfehlenswertes Format (http://en.wikipedia.org/wiki/Planetes).

    Daran anknüpfend die Frage: Könnte man nicht bei zukünftigen Raumstationen ein Modul vorsehen, von dem aus vollautomatisierte oder sogar bemannte Schiffe starten könnten, um eben die großen Objekte des “Space Debris” einzufangen oder künstlich in Richtung der Erde “stupsen” könnte? Vorteil: Wie in der RZ002 Episode zu den Triebwerken ausgeführt worden ist, würde weit weniger Energie benötigt werden; man hätte vergleichbar mit dem ausgedienten Space Shuttle ein wiederverwendbares Fahrzeug; und last but not least würde es eine spezialisierte Crew geben, die die Aufgabe konsequent verfolgen könnte.
    Nachteile: Entwicklung, Unterhalt und Instandhaltung eines entsprechenden Moduls auf einer Basis.

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  14. Da ich seit ein paar monaten Kerbal Space Programm zocke höre ich mir die ganze serie nochmal von anfang an. Ich finde es dabei sehr lustig das die probleme (und lösungen) im viruellen weltraum eines spiels eins zu eins die realen probleme der raumfahrt wiederspiegelt kann. Auch das verstäntnis warum und wie ein sattelit “runterfällt” (atmosphärenbremsung an der perapsis), warum es übrhaupt weltraumschrott gibt ect. steig dadurch imens. Wer sich für raumfahrt interessiert und etwas verspiel ist kann ich kerbal nur empfehlen.

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