Richard Moissl 0:41:23
Ach nee, noch lange nicht. Wir sind so mittendrin in der ganzen Arbeit.Also wie vorhin schon erwähnt, die Surveys, es wird zwar mehr und besser undwir erreichen neue Bereiche, aber das müssen wir noch umsetzen.Das Flyer-Teleskop ist momentan zum Austesten und zum Einregeln in Matera stationiert,während das Observatorium auf dem Monte Mufara in Sizilien gerade gebaut wird.Und das ist eins von diesen Teleskopen. Insgesamt planen wir bis zu vier.Nummer zwei ist quasi auch schon in Arbeit, da wird jetzt auch schon geguckt, wo steht es dann,welche technischen Verbesserungen macht man, welche Lehren zieht man aus derersten Iteration und das ist einiges, das sieht schon deutlich anders aus,das FlyEye 2 technisch gesehen.Wurde unheimlich optimiert. Neom hier muss noch vollends bewilligt werden.Wir sind in der Studienphase, gebaut werden.Neosurveyor ist zwar schon weiter, aber muss auch noch gut ankommen.Und dann, wenn diese ganzen neuen tollen Surveys da sind, dann schütten die uns mit Daten zu.Vera Rubin first and foremost da in der Richtung.Und dann geht es aber auch darum, das alles nachzuverfolgen,weil ein Asteroid ist in erster Linie eine Punktquelle, wirklich eine eindimensionale.Und so ein Pixel von so einem Detektor ist, wenn man es weit genug weg projiziert,ein riesen Rechteck, aber Himmel und da ist ja dann am Anfang irgendwo drin.Das heißt, man braucht eine gewisse Zeit, um den zu bestimmen.Und wenn man wissen will, was in den nächsten 100 Jahren passiert,muss man diesen Körper, der da mit zig Kilometern pro Sekunde durch den Weltraumrast, abmissen auf Genauigkeiten von Millimetern pro Sekunde.Und das braucht dann eben halt auch Ressourcen, um das nachzuverfolgen.Da sind wir auch dabei, da kann man dann auch nicht mit beliebig vielen Teleskopenarbeiten, sondern man muss auch da immer weiter Methoden verfeinern,das weltweite Vernetzen miteinander verfeinern, dass jeder jedem sagen kann,hey, du bist gerade in der besten Position, hast das beste Wetter,bitte mach du jetzt schnell diese Beobachtung.Das sind die wertvollsten Daten in dem Moment.Da haben wir in den letzten Jahren auch enorme Fortschritte gemacht und ebendurch diese Asteroiden, die wir jetzt kommen sehen vor dem Einschlag,Die sind wie ins Fitnesscenter gehen.Da exerzieren wir wirklich diese ganze Kette von Ereignissen im Schnelldurchlauf,innerhalb weniger Stunden, was normalerweise Monate brauchen kann,durch und daraus lernt man dann enorm viel.Auch die Daten selbst sind wissenschaftlich hochinteressant.Also da wird einiges gemacht.Dann eben die Meldeketten noch ein bisschen straffen, organisieren,da sind wir auch dabei wirklich Prozeduren zu entwickeln, auch mit den einzelnenLändern zusammen nationale Vorbereitungspläne auszuarbeiten.Deutschland ist schon recht weit, aber wir sind auch da noch am Ausarbeitenvon genaueren Sachen dran.Ja, und letzten Endes dann die Reaktionsmöglichkeiten verbessern.Das ist das, wo auch noch eine Riesenbaustelle ist, weil wir wissen jetzt,man entdeckt einen Asteroiden.Man braucht Monate, bis man rausbekommen hat, dass er eine Gefahr ist und dann geht er eventuell weg.Er ist eventuell jahrelang weg, YR4.Wir versuchen zwar schon Anfang nächstes Jahr mit dem James-Webb-Teleskop wiederdraufzuhalten, Aber konventionellen Beobachtungen wäre erst 2027,2028 wieder zugänglich.Und das ist alles Zeit. Hoffentlich, und das ist ja die Grundidee,haben wir im Ernstfall Jahrzehnte Vorwarnzeit, sodass wir was machen können.Aber man braucht auch bei einem größeren Körper, wenn wir mal mehrere hundertMeter Durchmesser haben, das ist enorm viel Masse, das ist enorm viel kinetischeEnergie, die da gebunden ist und dementsprechend ein enorm hoher Aufwand,um diesen Impuls in eine andere Richtung zu lenken, den die haben.Der kinetische Impaktor ist gut, aber um einen großen Körper abzulenken, bräuchte man mehrere.Man bräuchte ein Gesamtkonzept mit kinetischen Impaktoren, man braucht vieleRaketen, die dann auch wegen heliozentrischer Trajektöre nicht schnell wiederverwertbarsind in den meisten Fällen.Es sei denn, wir haben irgendwann mal ganz große, die da Nutzlasten hochschießen können.Also muss eben dann da weiter an dieser internationalen Koordination gearbeitet werden.Wir sind noch in dieser Übung der Space Mission Planning Advisory Group,um eben diese Strukturen zu fördern des weltweiten Zusammenarbeitens,weil niemand kann dann alleine das machen.Das ist illusionär. Da muss jeder seinen Teil machen.Und dann eben, wie schon erwähnt vorhin, insbesondere für tatsächlich kleinerebis mittlere Bedrohungen, andere Ablenkungsmöglichkeiten, wenn sich da Sachenergeben, wo man mit einem kinetischen Impaktor eben nicht….Effizient genug abwehren kann. Ich mag da nicht so sehr in Details gehen.Es gibt Limitationen. Zum einen kann man nur in eine Richtung ablenken.Theoretisch hat man beide Richtungen zur Verfügung. Man kann entweder so schnellmachen, dass er vor der Erde vorbeirauscht oder abbremsen, dass er erst nachder Erde am kritischen Punkt ankommt.Der kinetische Impactor kann normalerweise nur bremsen.Aber ein Ionenstrahltriebwerk, das kann von jeder Richtung einwirken.Das hat einfach einen Freiheitsgrad mehr, mindestens.Und man verhindert auch, weil es ist ja enorm viel Energie auf einmal.In einem Bruchteil einer Sekunde wird da alles gegeben, was mitgebracht wird.Das sind große Mengen Energie.Und die können eben dazu führen, dass das Ziel sich zum Beispiel teilweise zerstört.Also jetzt, ich bemühe da manchmal gar an dieses Bild von der Hydra aus dergrüchischen Mythologie.Es kann passieren, dass man denkt, man hat dem Drachen einen Kopf abgeschlagenund dann sind es plötzlich zwei getrennte Schwerpunkte, die dann bei den nächstenEinschlägen getrennt voneinander behandelt werden müssten, aber noch so nahsind, dass sie beim Erdeintritt wieder als Gesamtmasse fungieren würden.Beim Atmosphäreneintritt in die Erde ist das genau genommen.Und deswegen, Abwehrkonzepte müssen weiter verfeinert werden und die Reaktionszeit.Weil, um zu verhindern, dass man das falsche Mittel benutzt,sollte man idealerweise wissen, wo der Asteroid ist.Und jetzt stellen Sie sich vor, wir brauchen zurzeit vier Jahre,um eine Aufklärungsmission oderAbwehrmission zu bauen und irgendwo hinzukriegen, in einem guten Fall.Man bräuchte vier Jahre zur Aufklärung und dann reagiert man und dann brauchtman vier Jahre zur Abwehr, das sind acht Jahre und dann ist es auch wieder so,dass das nicht wie von Hollywood skuriert so ist der kommt und dann wird der aus dem Weg geschlagen,sondern das ist immer noch ein Berg, in den so ein Fiat Cinquecento reinrast,der hat zwar einen Effekt, aber der Effekt ist sehr klein, das sind auch wiederdiese Millimeter bis Zentimeter pro Sekunde in die gewünschte Richtung,und mit der Zeit kann sich das natürlich schön aufaddieren.Wenn man zehn Jahre vor einem Einschlag ablenkt, braucht man viel,viel weniger Veränderung und viel weniger Aufwand, als wenn man drei,vier Jahre vor einem Einschlag was abbaut.