RZ091 Philosophie und das Universum

Philosophie als ordnende und Kraft der Naturwissenschaften

Philosophische Fragen scheinen nur auf den ersten Blick wenig vereinbar mit der Naturwissenschaft zu sein. Tatsächlich bietet die deutende und ordnende Kraft philosophischer Erklärungsmuster eine Menge Potential, auch in der Astrophysik und Astronomie bestimmte Fragestellungen neu zu formulieren oder zu vermitteln.

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Sibylle Anderl
Sibylle Anderl

Sibylle Anderl hat sowohl Astrophysik als auch Philosophie studiert und ist heute als Wissenschaftsjournalistin tätig. In ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit als Astrophysikerin als auch in ihrer journalistischen Arbeit hat sie dabei die Prinzipien und die Methoden der Erkenntnisgewinnung aus der Philosophie in Einklang zu bringen und erläutert im Gespräch den potentiellen Nutzen eines wissenschaftstheoretischen Ansatzes für die Arbeit. Während die moderne Naturwissenschaft viele alte Vorstellungen der Welt durch die Philosophie abgelöst hat könnte umgekehrt die ordnende Kraft der Philosophie neue Ansätze für die Astrophysik liefern, wo die Erkenntnisse für Erklärungen noch nicht ausreichen.

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12 Gedanken zu „RZ091 Philosophie und das Universum

  1. Hey Tim!
    Coole Folge. Ich bin noch nicht ganz durch, aber euer Gespräch über die antiken Weltvorstellungen hat mich an das Buch erinnert, dass ich gerade lese:

    https://amp.theguardian.com/science/2020/jan/11/how-astrology-paved-way-predictive-analytics

    Keine Ahnung ob du das Buch auf dem Schirm hast, es ist ganz kurzweilig. Wäre die historische Dichotomie zwischen Astronomie und Astrologie vielleicht auch ein Thema für den Podcast?

    Beste
    Simon

  2. Die Sendung hat mir auch gefallen, danke.
    Interessant fand ich die Arbeit, die nachgewiesen hat, dass Wissenschaftler unter dem Begriff “Schwarzes Loch” unbemerkt mit verschiedenen Konzepten gearbeitet haben und fand auch die Analogie zum Programmieren ganz passend.

    Ein bisschen sauer aufgestoßen ist mir aber wie das Mittelalter abgehandelt wurde.
    Traust du dir wirklich zu, hunderte von Jahren Geschichte mit einem Satz “Ja, da war die Kirche, Wissenschaft war der Feind. Next!” abzuhandeln?
    Wenn es denn tatsächlich so war, hätte ich das lieber von der Expertin gehört, als durch ein dahergeworfenes Klischee.
    Nichts für ungut.

  3. Von der Odyssee in die FAZ und in 30 Minuten zum Living Book. Der Senkrechtstarter der Gender Astro Debatte. Jedoch die Abhängigkeit der astrophysikalischen Begriffe vom Horizont der geschichtlichen Zeit führt zur Sozialen Frage oder in die Belanglosigkeit. Schwarze Löcher sind keine Galileischen Monde, aha. Die beschleunigte Expansion ist kein extremer Punkt, wurde nicht vorausberechnet, soso. Geheimnisvolles überall, alles weit und weg von der Erde. Setzt die Astrophysik in einen emanzipatorischen, sozial progressiven Kontext, sonst bleibt die Philosophie ebenso platt – wie Erde des Mittelalters. Gut für nichts.

  4. wow, diese folge hat mich echt gejuckt. ihr habt ja oft geistreiche und hochrangige gäste aber nicht jeder gast versteht es, sein fachgebiet spannend und für laien, verständlich auszubreiten – trotz bestmöglicher moderation. ich höre trotzdem zu und wachse mit jeder folge – das kann ich hier verraten. diese folge war für mich anders, wohl weil der gast (sibylle anderl) mehrere disziplinen vertritt. top.

    • Ja stimmt, hat direkt mehr Spaß gemacht und wurde dann zu einem abendfüllenden Ereignis der 3Art. Wenn ich an ihre Leserschaft denke wird mir aber echt trümp. Die Frau sollte für die JungleWorld schreiben, das wäre wirklich winwin! Kapiert Die das nicht, muß die erst son Pritlove in die Sendung einladen, tztztz. Hoffe ihre Beiträge sind in dem edelschimmel Käseblatt nicht kostenpflichtig. Würde mich über eine mehrwöchige Home Office Präsentation über Wurmlöcher freuen. Ganz der akuten Fake News Vermarktung verpflichtet. Das Nicht-identische fand ich etwas kurzgeraten. Also: Nieder mit den Positivistenstreitaxten.

  5. Klasse Folge!

    Den Standpunkt, daß die Philosophie der Wissenschaft – gerade heutzutage – viel zu bieten hat, teile ich voll und ganz.

    Insbesondere für die Bereiche Biologie und die maschinelle Nachbildung von (echtem) Denken wird man auf Dauer an Gotthad Günther nicht vorbei kommen. Dieser hatte die klassische Logik erweitert zur polykontexturalen Logik (PKL). Ohne diese Logikerweiterung wird man in Problemen, welche an den Grenzen zwischen Wissenschaftsdisziplinen auftauchen, nicht weiter kommen.

    Es braucht die formale Darstellung verschränkter Wissenschaftsbereiche (mit der jeweils wissenschaftsdomänen-spezifisch angewandten Aussagen- und Prädikatenlogik, und formale Vernetzung mithilfe der PKL) vermittelt durch die (über die klass. Aussagenlogik hinausgehenden) Transjunktionsoperatoren, wie Gotthard Günther sie vorschlug.

    Beispielsweise der Übergang Physik Chemie, Chemie Biologie, Biologie Psychologie, Psychologie Soziologie usw. lässt sich ohne die PKL nur natürlichsprachlich abbilden und somit fehlt dann die formale Operationalisierung (das stärkste Tool der Wissenschaft). Wichtig wäre aber, genau diese Übergänge zwischen den Disziplinen – bzw. die durch die Disziplinen hindurchgehenden Strukturen – formal zu fassen. (Formalisierung der Verschränkung nicht kommensurabler Wissensbereiche.)

    Mit der PKL kann man an diesem Punkte Abhilfe schaffen und obendrein auch die Problematik der Selbstreferenz modellieren (Beobachter-Problematik; das SUBJEKT, das über sich selbst reflektiert und in seiner Reflexion als untersuchtes OBJEKT auftaucht, was in der klassischen Logik nicht formalisierbar ist, da Subjekt und Objekt zweierlei sind).
    Auch die bisherige “KI” ist für diese Problematik leider blind (blinder Fleck) und verdient ihren Namen daher nicht.

    Die Schätze der Kybernetik sind noch längst nicht alle gehoben!

    https://de.wikipedia.org/wiki/Gotthard_G%C3%BCnther

  6. Sehr schöne Folge. Vor allem auch wegen der Eloquenz der Gesprächspartnerin, die mit gutem analytischen Gespür viele Sachverhalte aus mehrere Blickwinkeln darstellen konnte und dadurch jeweils sehr komplexe und facettenreiche Bilder geschaffen hat. Sie hat ganz nebenbei Zugänge/Wege zu bisher von mir weniger verstandenen Zusammenhängen aufgezeigt.
    Macht Lust darauf die FAZ öfter zu lesen. und auch ein paar frühere RZ-Folgen noch einmal anzuhören.

  7. „Nur scheinbar hat ein Ding eine Farbe, nur scheinbar ist es süß oder bitter; in Wirklichkeit gibt es nur Atome und leeren Raum.“

    Metaebene. Adorno trifft Marcuse. VR Modul der ISS. Christoforetti war schon vor ihnen da. Tosca auch. Hawking noch auf dem Parabelflug. Da stieg ein Baumgärtner aus dem Weltraumfahrstuhl, unbemerkt surreal herkulesk. Echo auf Kennedy, more happy. Schwarze Löcher in Expansionshefe. Astro Dermatologe. Heftig umkämpfte maskierte Sperrzone. Schließlich Gretel wieder am Ofen. Das Höhlengleichnis. Künstlich die Intelligenz, lebendig ihr Bewusstsein.

  8. Schöner Podcast. Noch schöner, wenn der Typ nicht so dermaßen selbstgefällig rumlabern würde. Mans-planning vom Feinsten. Anstatt seine hochgebildete Gesprächspartnerin zu Wort zu kommen oder gezielt nachzufragen. Männer

  9. Danke für diese Folge. Ich habe nichts erwartet und bin hängengeblieben. Es war toll. Gerne mehr davon. Gerade der erste Teil ist mir etwas kurz geraten.
    Gerne auch Folge 100-110.

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